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Publikationsdatum
30. September 2004
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Als Soul Marantz 1952 seine Firma in New York gründete und mit seinen Mitarbeitern in sorgfältiger Handarbeit hochwertige Audio-Komponenten herstellte, konnte er wohl kaum erahnen, was seine Firma dereinst für Technologien und Produkte anbieten würde.

Dass sich Marantz heute der Tradition verpflichtet fühlt, demonstrierte sie kürzlich an einem Neuheiten-Event in Weinheim, Deutschland.

Neuheiten im Rampenlicht

Folgende Themenbereiche wurden ausführlich behandelt und mit praktischen Beispielen erläutert : Premium Audio, Premium AV und Premium Video.

Insgesamt vier brandneue Produkte standen bei dieser Demo im Rampenlicht: Verstärker PM-11, Plattenspieler TT-15, SuperAudio CD-Spieler SA-11 und der 3-Chip DLP Projektor VP-10S1.

Die Vorführungen der neuen Audio-Produkte unterteilte man in zwei Teile:
Analog-Audio und Digital Audio.

Vinyl ist in

Viele Fachleute staunen und fragen sich, weshalb die mechanische Abtastung von Schallplatten wieder aktuell geworden ist.

Ist es die sogenannte “bessere” Klangqualität des guten alten Vinylzeitalters, die Frustration gegenüber komplizierten, nicht verstandenen Hitech-Produkten und -Technologien oder ganz einfach das Erinnern an die eigene Schallplattensammlung, die man wieder hören möchte?

Wie dem auch sei, Vinyl und der analoge Plattenspieler sind wieder in, und deshalb war es für Marantz mit einer jahrzehntelangen Tradition im Bau von Plattenspielern nichts als logisch, ein neues Gerät, den TT-15, auf den Markt zu bringen.

Erinnern wir uns kurz daran, dass Marantz vor 40 Jahren mit dem SLT-12 mit Tangentialtonarm für Furore sorgte.

Der Mann, der massgeblich am guten gelingen des TT-15 beteiligt war, ist übrigens ein Marantz-Mitarbeiter aus Deutschland, Wilfried Eschenauer, der auch die liebevolle und gekonnte Präsentation des neuen Analog-Stars durchführte.

Analoge Klangwelt

W. Eschenauer zelebrierte, wie das Abspielen eines Vinyl-Tellers ein immer ganz besonderes Erlebnis ist.

Nicht vernachlässigen darf man seiner Meinung nach vor jedem Abspielen ein aufwändiges Reinigen der Abtastnadel mittels Flüssigkeit und Bürstchen.

Erst dann kann die Nadel schöne Klänge aus den Rillen brandneuer, aber auch älterer Schallplatten zaubern.
Nach ausgiebigem Anhören wurde hitzig über die Vor- und Nachteile der Analogtechnik diskutiert.

Gerätselt wurde, ob nun gewisse Verzerrungen von Mark Knopflers Gitarre von der Abtastung der Rillen stammen, oder der Sound ganz gezielt so vom Musiker an seinem Gitarrenamp gewählt wurde.

Diskussionen, die zu keinem anderen Ergebnis führten, als dass es eben eine Geschmacks- und nicht eine Qualitätsfrage ist, ob man die analogen Klängen den digitalen vorzieht.

Analoger Superstar

Der TT-15 S1 ist nicht nur eine Ohren- sondern auch eine Augenweide.

Ein 3 cm starker Acryl-Plattenteller sitzt auf einem Keramiklager, angetrieben von einem Asynchronmotor und Endlos-Silikonriemen.

Das Signal saust ungebremst durch zusätzliche Steckverbindungen von der Zelle direkt zu den antimagnetischen (!) Cinchanschlüssen.

Eine magnetische Anti-Skating und ein feinjustierbares Gegengewicht samt Plattenfixierer runden den Komfort ab.

Ein langes Einjustieren des tangentialen Spurfehlwinkels gibt’s nicht mehr. Der Tonarm samt Headshell ist auf ein speziell bei Clearaudio für Marantz gefertigtes MM-System abgestimmt.

Stereo oder Mehrkanal?

SA-CD-Wiedergabe in Stereo
Während sich diese Frage beim analogen Plattenspieler heute nicht mehr stellt, ist sie bei Musikliebhabern ein Thema.

Tatsache ist, dass der 5.1-Surround Sound die anspruchsvollen Puristen noch nicht restlos überzeugen konnte, so dass sie gewillt wären, sich eine 6-kanalige Lautsprechereinheit in den Wohnraum zu stellen. Die Lautsprecher können aus Qualitätsgründen wohl kaum aus kleinen Plastik-Satelliten bestehen.

Eine kompromisslose 5.1-Wiedergabe kann nur mit relativ grossen Lautsprechern und hochwertigen Verstärkern und Prozessoren erfolgen. Und das kostet viel Geld und verärgert aufgrund eines miserablen FAFs (Frauen-Akzeptanz-Faktors) die Dame des Hauses, die heute bei der Wahl der HiFi-Komponenten mehr als nur ein Wörtchen mitzureden hat.

Wer also nicht die Drohung „Entweder ich oder die Anlage“ riskieren will, entscheidet sich besser für eine hochwertige Stereowiedergabe mit zwei anständigen Lautsprechern.

Deshalb bietet Marantz den neuen Vollverstärker PM-11S1 und den zweikanaligen SuperAudio CD-Spieler SA-11 an.

Power for the Speaker

Trotz seinem klaren, gefälligen Design sieht man dem in Platin und Gold erhältlichen PM-11S1 seine in ihm schlummernde Potenz von weitem an. Diese Kraft - 2x 100 W an 8 Ohm und 2 x 200 W an 4 Ohm - hat er in erster Linie einem üppig dimensionierten Netzteil mit einem grossem Ringkerntransformator zu verdanken.

Die Verarbeitung ist typisch Marantz: sauberer Aufbau, WBT-Lautsprecherterminals, verkupfertes Chassis und massive Cinch-Buchsen etc. Selbst die Fernsteuerung ist massiv und besteht aus Metall.

Super Sound mit zwei Kanälen.

Ganz bewusst hat Marantz beim Stereo SuperAudio CD-Spieler SA-11S1 darauf verzichtet, ihn mehrkanaltauglich zu machen.

Das wäre bei dem hier getriebenen Aufwand mit höchstqualitativen Verstärkern, Prozessoren und zu diesem Preis gar nicht möglich gewesen.

Ein Blick in das Gerät, und helle Freude kommt auf. Auch hier der schon fast legendäre Marantz-typische Aufbau mit verkupfertem Chassis. Ein riesiges Netzteil garantiert einen stets gleichmässigen Antrieb und die stabile Stromversorgung der aufwändigen, diskreten und vollkommen symmetrisch aufgebauten Ausgangsverstärker.

Im Super Audio-Betrieb stehen drei Filter zur Verfügung, mit denen man die obere Grenzfrequenz bestimmen kann.

Nicht alle Verstärker sollen in der Lage sein, die allerhöchsten Frequenzen der SA-CD problemlos verarbeiten zu können. Deshalb lässt sich der Frequenzgang bei Bedarf bei 100 kHz oder 120 kHz beschneiden.

Mit Marantz-Komponenten lässt man natürlich das gesamte Frequenzspektrum ungefiltert zum Verstärker.
High Society: Zu verkupferten Chassis und vergoldeten Anschlüssen gehören hochwertige Kabel
SA-CD Spieler klingen meist sehr gut mit SA-CD und vernachlässigen die Wiedergabe der CD.

Nicht so der SA-11S1, bei dem man versucht, die CD-Wiedergabe derjenigen der SA-CD so weit wie möglich anzunähern.

Als Spezialität setzt man das altbekannte und immer noch sehr wirkungsvolle Noise Shaping ein, bei dem man Rauschen in höhere und unhörbare Frequenzlagen verschiebt und ein DC-Filter, das bei älteren CDs die Klangqualität verbessern und eventuell auftretende Knackser beseitigen soll.

Ein weiteres Filter, Marantz nenn es “Filter 1”, verbessert die Impulswiedergabe und reduziert Ein- und Ausschwingverzerrungen drastisch.

Das SA-11S1- PM 11-Gespann war sogar in einem mit Leuten gefüllten Saal verblüffend gut. Feinste Nuancen und ein sehr schöner, natürlicher Klang konnten echt begeistern.

Spieglein, Spieglein...

Neu bringt Marantz eine 3 Chip DLP -Projektor–Boliden mit 41 kg Lebendgewicht, den VP-10S1.

DLP-Projektoren geniessen hohes Ansehen und arbeiten mit Mikrospiegeln, die das Licht gezielt ans richtige Ort lenken.

Dank drei Chips kann das sonst übliche Farbrad entfallen, und das Bild wirkt absolut ruhig und stabil.

Gegenüber den Dreistrahl-Röhrenprojektoren hat dieser Neuling Vorteile wie einfachere Handhabung (Plug an Play) und eine bemerkenswerte Langzeitstabilität.


Das Faroudja 3–Chip Videoprocessing garantiert auch bei den verschiedensten Bildquellen einen überzeugenden Bildeindruck.

Absolut hervorragend sind die Helligkeits- und Schwarzwerte, verbunden mit einem Kostrastverhältnis von grösser als 3000:1.

Luxuriös und sehr nützlich ist die automatische Kalibrierung der Farbtemperatur. So ist über die ganze Lebensdauer der 250 Watt-Hochdrucklampe (1500 Stunden) eine optimale Bildqualität mit leuchtenden und natürlichen Farben garantiert.

Mit drei wählbaren und sehr hochwertigen Linsensystemen für Bereiche von 3.2 – 4 m, 4- 5.3 m und 5.3 – 8 m deckt man einen weiten Einsatzbereich in unterschiedlichen Räumen ab. Dank hochpräziser Optik ist die Schärfe und Farbtreue bis in die Randbereiche des Bildes garantiert.
Top Sound zu Top Bild: Marantz AV Receiver SR-12S1 und Multinormplayer DV-12S2. Unten: HDTV-Quelle mit D-VHS
Eine Demo mit unterschiedlichen Filmen beeindruckte.

Eine HDTV-Wiedergabe von „Moulin Rouge“ brachte unglaublich satte Farben. Kohlrabenschwarz wirkten die Zylinder und Gehröcke der männlichen Besucher. Die extrem feinen Details und generell der phantastisch brillante Bildeindruck erweckten Hoffnungen auf das baldige Erscheinen des HDTV-Bildstandards.

Aber auch normale DVDs erstrahlten über den VP-10S1 in neuem Licht.

Bis in die Randzonen scharf und farbtreu und mit grossen Kontrast erschienen Landschaften und auch anspruchsvolle Detailaufnahmen. Bei sonnenbeschienenen Szenen kam aufgrund der Helligkeit des Bildes, verbunden mit einem bei einem Projektor seltenen gesehenen Kontrast, (fast) der Wunsch nach einer Sonnenbrille auf.

Weiter gab Marantz bekannt, dass man ab sofort nur noch bleifreies Lot verwendet und so umweltgerechte Produkte anbietet.

Zudem setzt man voll und ganz auf den „Face to Face“-Verkauf und meidet Online-Shops und Versandhäuser.

Marantz Produkte sollen nicht über den Preis verramscht, sondern durch bestens geschultes Fachpersonal vertrieben werden.

Fazit

Marantz zeigte an diesem Event, dass sie der Tradition verpflichtet ist und auch in Zukunft ausschliesslich hochwertige Produkte im Audio-, AV- und Videobereich anbieten wird.

Preise:
Verstärker PM-11: 5390.-
Plattenspieler TT –15: 2350.-
SuperAudio CD-Spieler SA-11: 4590.-
3-Chip DLP Projektor VP-10S1: noch offen /auf Anfrage Richtpreis €33'000.-
Wettbewerb