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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
29. November 2009
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Es ist eine wahre Freude, dass es auch heute im MP3-Zeitalter, wo der Klang kaum noch ein breitgefächertes Thema ist, Grossfirmen gibt, die neben ihrem Voll-Sortiment an Hightech-Produkten immer noch Raum für liebenswerte, kleine und audiophile "Spinnereien" finden, wie es das mit Vakuum-Röhren bestückte MCD909 DVD-Microsystem ist.

Doch nicht nur die Röhren im Vorverstärkerteil sind eine audiophile Besonderheit, auch die Bändchen-Hochtöner der Lautsprecher weichen drastisch vom 0815-Prinzip der breiten Massenprodukte ab.

Sowohl als auch...

Doch dieses System ist nicht nur für Music-Lovers, sondern auch für Hobby-Cineasten gedacht, die ihre Filme in sehr guter Qualität geniessen wollen. Das Timer-bestückte MCD909 kann Videos von DVD-VCD-SVCD- oder USB-Geräten sowie Bilder und Audioinhalte ab Discs wiedergeben. Dass der Tuner nur analoges UKW und kein DAB empfangen kann, ist allerdings in der Schweiz inzwischen nicht mehr zeitgemäss.

Zu einem Preis von rund 1150 Franken erhält der Konsument von Philips jedoch ein liebevoll gestaltetes und verblüffend sauber gefertigtes DVD-System. Die Elektronik-Komponenten sind wahre Schmuckstücke. Sie sind zwar kompakt, jedoch erstaunlich schwer. Man realisiert: Da steckt leistungsfähige Elektronik drin! Die mittelgrossen Regalboxen hinterlassen mit ihrem schwarzen Hochglanzlack und elegant geformten Gehäusen ebenfalls einen noblen, hochwertigen Eindruck.

Auch bei der Fernsteuerung lässt man sich nicht lumpen und spendiert ihr eine Unterschale aus echtem Leder, damit auch ja kein hochempfindlicher Untergrund zerkratzt werden kann.

Kristallklar?

Allgemein ist man der Ansicht, dass Röhrenverstärker einen wohlig warmen Klang liefern. Doch bei Philips ist man da ganz anderer Ansicht und preist den Klang ihrer Röhren mit "kristallklar" an.

Der Fachmann weiss: Echte Röhren-Leistungsverstärker sind teuer, denn sie benötigen nicht nur leistungsfähige Röhren sondern auch schwergewichtige und kostspielige Transformatoren. Schon preisgünstiger gehts mit Röhren in der Vorstufe. Die Philips-Tüftler haben das natürlich gewusst und kombinierten einen Röhren-Vorverstärker mit einer preisgünstigen Digital-Endstufe.

Na dann darf man ja sehr gespannt sein auf den Hörtest...

Wieviel Auflösung darfs denn sein?

Das MCD909 kommt gut ausgestattet. Das einzige was der Besitzer eines Full-HD-Fernsehers vermisst, ist ein HDMI-Kabel, mit dem er die maximal mögliche Auflösung von 1080p auch wirklich nutzen kann.

Über die heute aktuelle Streit-Frage "genügt 1080i, oder braucht es 1080p?" ist in Foren vieles nachzulesen. Das Signal ab DVD wird bei unserem Prüfling durch Upsampling und Upscaling auf die wählbaren Stufen 720p, 1080i und 1080p gebracht. Was das in der Praxis bringt, ist höchst erfreulich.

Komfortabel

Unterschale aus echtem Leder, damit auch ja kein hochempfindlicher Untergrund zerkratzt werden kann.

An der Bedienung gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Fernsteuerung kann das System auch von den unmöglichsten Winkeln aus ansteuern. Doch wer die Geräte am Morgen einschaltet, muss sich rund 30 Sekunden gedulden, bis die Röhren sanft glimmen und soweit vorgewärmt sind, um das Musiksignal unverzerrt zu verstärken.

Ebenfalls lobenswert ist die gute Zugänglichkeit der Klangregler, mit denen man blitzschnell den gewünschten Sound realisieren kann. Der UKW-RDS-Tuner benahm sich an einer guten Kabelanlage sehr manierlich.

Ab USB-Stick konnten problemlos MP3-Dateien in allen gängigen Bitraten abgehört und JPEG-Bilder auf dem Fernseher in erstklassiger Qualität betrachtet werden. Allerdings dauerte es etwas lange, bis vollgestopfte USB-Sticks eingelesen und abspielbereit waren. Positiv zu erwähnen ist der Stromverbrauch im Standby, der - wie heute verlangt - unter einem Watt liegt.

Kristallklar!

Anschlüsse nicht in Hülle und Fülle. Doch alles notwendige ist vorhanden...

Natürlich interessierte es sehr, wie sich der Hybrid-Verstärker alleine, von den Systemboxen getrennt, klanglich benehmen würde.

Dazu wurde die Verstärkereinheit spasseshalber an sündhaft teure High-End-Boxen angeschlossen und ihr Klang mit reinen Röhren- und Transistor-Verstärkern verglichen. Wie schon beim Vorgängermodell zeigte sich der Klang ganz und gar röhrenuntypisch. Anstelle von wohlig warmen Klängen brachte diese Hybrid-Kombination ein strahlend helles, im Bass eher schwachbrüstiges Klangbild.

Mit ihrer Bezeichnung "kristallklar" liegt Philips also genau richtig. Das führte dazu, dass rockige Sounds mit hoher Brillanz durch den Abhörraum fetzten, zarte Streicherklänge jedoch etwas kratzbürstig erschienen.

Abstimmung gut gelungen...

Auch im Hochtonbereich aussergewöhnlich: Bändchen-Hochtöner mit blitz-sauberem Klang

Doch was für den Konsumenten schlussendlich zählt, ist nicht der
Klang des Verstärkers alleine, sondern das Zusammenspiel von Verstärker
und System-Lautsprechern. Und wie man rasch  heraushört, ist diese
Abstimmung gut gelungen. Hybrid-Verstärker und Boxen harmonieren gut.
Der Klang ist immer noch hell und brillant, der Bändchenhochtöner
zeichnet jedoch angenehm und ohne penetrante Schärfe.

Wem der Klang bei gewissen, eher hell geratenen Aufnahmen etwas grell
erscheint, kann ganz simpel den Treble-Regler an der Fernsteuerung auf
-2 stellen und schon erhält er einen röhrenähnlichen, weicheren Klang.
Freunde satter, wohliger Klänge heben die Bässe dazu um +2 an und schon
spielt das MCD909 mit warmem, bassfreudigem Sound zum Konzert auf.

Bei Movies trägt der klare, frische Klang des Systems viel zur guten
Sprachverständlichkeit bei. Generell verblüfft die breite Klangbühne,
die bei gutem Film-Sound aus nur zwei Boxen im Pantoffelkino erklingt.

Nahe der Blu-ray Disc...

Da kommt Freude auf: Bild via HDMI mit Upscaling und Upsampling

Um zu sehen, ob das ganze Spektakel mit Upscaling, Upsampling, HDMI 1080p etc. wirklich etwas bringt, wurden diverse DVDs über das MCD909 und etwas ältere, aber hochwertige DVD-Player an einem grossen Full-HD-Fernseher verglichen.

Die Überraschung war perfekt! Die Bildwiedergabe über das DVD909 war via HDMI-Kabel nicht nur deutlich sichtbar schärfer, auch die Leuchtkraft und damit die Brillanz des Bildes war klar gesteigert.

Das zeigte sich zum Beispiel bei Deck-Szenen auf der Titanic sehr schön, wo man glaubte, die Kraft der Sonne auf der Haut zu spüren.  Die so resultierende Bildqualität erreicht gewiss noch nicht ganz das Niveau einer Blu-ray-Disc. Doch was das DVD909 aus den DVDs herausholt, ist eine bemerkenswerte Leistung.

Fazit

Guter Klang, sehr gute Bildqualität und eine lobenswert gute Verarbeitung machen das MCD909 DVD-Microsystem begehrenswert für den heimischen Konzertsaal und das Pantoffelkino. Die glimmenden Röhren sind dabei eine liebenswertes Detail, aber gewiss nicht das Hauptargument für das MCD909.

Info

Preis :1149 Franken

www.philips.ch

STECKBRIEF
Modell:
MCD909
Profil:
Guter Klang, sehr gute Bildqualität und eine lobenswert gute Verarbeitung machen das MCD909 DVD-Microsystem begehrenswert
Pro:
hochwertige Verarbeitung; gediegenes Design; gute Ausstattung; einfache Bedienug; sehr gutes Bild
Contra:
kein DAB;
Preis:
1'149.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2009
Vertrieb:
Masse:
250 x 180 x 280 mm
Gewicht:
22,5 (inkl. Verpackung) kg
Farbe:
schwarz
Analog Input:
Line
Analog Output:
Line, Kopfhörer
Audioformate:
MP3-CD, WMA-CD, CD, CD-R/RW, USB-Flashlaufwerk
Digital Output:
HDMI, koaxial und optisch Audio
Komponenten:
Verstärker, DVD-Player-RDS-Tuner, Lautsprecher
Leistungsaufnahme Standby:
1 W
Maximale Leistung:
2 x75 Watt
Schnittstelle:
USB
Video Out:
Video, S-Video, Scart, Komponenten
Videoformate:
DVD,DivX,(S)VCD, Picture CD, DVD +- R/RW
Wettbewerb