01. August 2010 / 11. Jahrgang
 

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Trends der IFA 2009

LED-Backlight, 3D-TV, Internet TV und Grüne-UE

Publiziert am 11. September 2009 - Daniel Schmid
Die IFA in Berlin zog auch dieses Jahr Besuchermassen an...

Vom 4.-9. September präsentierten sich 1164 Aussteller an der inzwischen jährlich stattfindenden, weltweit grössten Messe für Unterhaltungselektronik. Nach wie vor ist die IFA die Messe mit den meisten Produktpremieren und eine ideale Plattform zur Lancierung neuer Technologien.

Neu hinzukommen sind seit letztem Jahr die Haushaltsgeräte, was unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Vernetzung elektronischer Komponenten im Haushalt durchaus Sinn macht. Mit 121'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sprengt die IFA inzwischen beinahe jeden Rahmen und man verliert sich schon fast mit Leichtigkeit in den endlos scheinenden Hallen.

... sowie Fachbesucher aus aller Welt.

228'0600 Besucher liessen sich dieses Jahr die Branchenshow unter dem Berliner Funkturm nicht entgehen, was einem Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach und bezeugt, dass die Unterhaltungselektronik auch in Krisenzeiten eine ungebrochene Faszination ausübt.

Mit 6'219 akkreditierten Fachjournalist-innen aus 78 Ländern stand die IFA natürlich auch im Fokus des internationalen Medieninteresses. Der Aufwand, den vor allem die grossen Hersteller betreiben, ist dementsprechend riesig. Von Ausstellungsständen kann man wirklich nicht mehr reden, schon eher von  perfekt orchestrierten Event-Hallen. In Zeiten weltweiter Rezession will offenbar niemand als kleinmütig gelten.

LCD-TVs mit LED-Backlight - zwei Technologien

LCD-Fernseher sind nach wie vor das grösste Zugpferd der Branche und generieren den Hauptharst der Umsätze. Mit dem zunehmenden Einzug der LED für die Hintergrundbeleuchtung fand während des letzten Jahres eine kleine Revolution statt. Inzwischen setzen alle Hersteller auf die stromsparende und kontrastreiche Hintergrundbehellung mit den kleinen LEDs. Ihre Vorteile bei Farbegebung, Schwarzwerten und Bewegungsfolge gegenüber den Fluoreszenzröhren bei gleichzeitig geringen Produktionskosten sind einfach zu überzeugend. Inzwischen kommt kein Hersteller mehr an den LEDs vorbei - ausser er setzt auf Plasmas.


Allerdings konkurrenzieren sich LED-Technologie, die sich mit ihren Vor- und Nachteilen gegenüberstehen: Bei der „Edge-LED-Backlight-Technologie" werden die LEDs hinter dem Bildschirmrahmen an den Seiten des FlatTVs platziert und leuchten das Display von den vier Seiten her aus.

Über Lichtleiterfolien wird das erzeugte Licht hinter das Panel geleitet. Damit lassen sich extrem dünne Fernseher bauen. Samsung setzt gerade deshalb ganz auf Edge-LED-Backlight genau wie auch Grundig oder der neue Philips Aurea III. Mit der Edge-LED-Backlight Technologie kann eine deutliche Stromersparnis gegenüber Fluoreszenzröhren erzielt werden.

Die Vorteile der LED-Backlight LCD-TVs wurden markant hervorgehoben.

Bei Edge-LED-Backlight liegt jedoch die gleichmässige Ausleuchtung der Displays unterhalb der Ausleuchtung von LCD-TVs mit Full LED Backlight. Womit wir bei der zweiten LED-Technologie wären: Beim Full LED Backlight werden die LEDs wie ein Gitternetz hinter dem Screen grossflächig angebracht. Sie scheinen von hinten durch die Flüssigkristalle und könne auch einzeln geregelt werden (Local Dimming).

Dabei kommen viel mehr LEDs zum Einsatz, als bei der Edge-Variante. Der gewichtigste Vorteil sind Kontrastwerte von bis zu 5'000'000 : 1 und damit werden ein sehr tiefes Schwarz, ein sehr helles Weiss und eine klarere Farbwiedergabe als bei Edge erreicht. Auch ist die Ausleuchtung über das gesamte Panel deutlich gleichmässiger als mit der Edge-LED-Technologie. Auch Full LED Backlight bietet gegenüber konventionellen LCD-TV eine massive Stromersparnis.

Full LED-Backlight ist etwas teurer und aufwendiger in der Herstellung in der Bildqualität aber überlegen. Aktuell beträgt das Marktverhältnis von  LCD-TVs mit Full-LED und Edge circa 50:50. In Zukunft rechnet man mit einem Volumen von 7:3 für Edge, da es vor allem auch in preiswerten, schlanken LCDs eingesetzt werden dürfte.

Internet TV

Über die Konvergenz von Fernsehen und Internet wird schon seit Jahren geredet und geschrieben. Allzu viel ist nicht passiert. Nun machen sich  praktisch alle Hersteller jedoch konsequent daran, das World Wide Web über den Fernseher ins Wohnzimmer zu holen und präsentierten ihre Lösungen. Bei Panasonic heisst das dann Viera Cast, bei Philips netTV, bei Sony Applicast während Samsung und Toshiba auf von Yahoo bereitgestellte Widgets zurückgreifen.

Alle ermöglichen natürlich den obligatorischen Zugriff auf YouTube, etwelche Nachrichten- und Wetterkanäle oder als Vorzeigeobjekt die zweifellos gut gemachte ZDF-Mediathek. Lediglich Philips bietet länderspezifische Inhalte an und sogar einen vollwertigen Webbrowser.

Wenn man sich die Angebote im einzeln etwas genauer anschaut, hackt und ächzt es an einigen Ecken und Enden doch noch beträchtlich. Bei Sony und Panasonic war das gezeigte Inhaltsangebot recht dürftig. Bei Samsung und Toshiba fragte man sich, wer den das in der Art bedienen möchte, und ob man sich nicht besser gleich an den Computer setzt. Auch mit der Performance happerts noch beträchtlich. Ein leistungsstarkes Mainboard mit schnellem Prozessor benötigt satt Strom und geht ans Budget. Entsprechend leicht motorisiert sind die Internet-TVs ausgestattet, was sich zum Beispiel bei Philips in einem  trägen Verbindungs- und Seitenaufbau äussert. Auch ist eine TV-Fernbedienung generell wenig geeignet sich durch Onlineinhalte zu navigieren.

Überzeugende Verwaltung von Netzwerk und Onlineinhalten über den Fernseher bei Loewe

Das überzeugendste Angebot hat momentan Loewe. Man merkt ihrem MediaNetwork-Manger an, dass Loewe sich seit Jahren mit der Integration von Onlineinhalten beschäftigt. Die Oberfläche ist elegant und sehr klar strukturiert, auf Gimmicks wird verzichtet, dafür lässt sich mit intelligenten Zusatzbuttons sinnvoll durch Internetradios, Videos und neu auch Hörbücher suchen. Nach dem Motto, weniger ist mehr, beschränkt sich Loewe auf wenige, hochwertige Contentpartner.

Der erste Schritt scheint von den Herstellern getan, doch bleibt noch massig Raum für Optimierungen. Insbesondere in der Bedienung der Internet TV Angebote über die klassische Fernbedienung wirkt oft sehr holprig. Auch die Standardisierung ist noch unvollständig. Zwar steht CE-HTML zur Verfügung, aber solange nicht alle Hersteller sich an einen gemeinsamen Standard orientieren und ihr eigens Süppchen kochen, werden auch die Contentanbieter im Internet wenig Motivation verspüren ihre Inhalte entsprechend aufbereitet anzubieten.

"Grüne" Unterhaltungselektronik

Nachdem man das Thema jahrelang meist stiefmütterlich behandelte, erstaunt es schon, wie konsequent nun praktisch alle Hersteller nach ihren eigenen Angaben sich energisch an die Entwicklung vom stromsparenden Komponenten machen. Scheinbar über Nacht können sie bis zu 70% Stromersparnis gegenüber dem Vorgängermodell anbieten. Dazu beigetragen haben dürfte das gesteigerte Bewusstsein der Konsumenten für energiesparende Geräten und im TV-Bereich die LED-Backlight Technologie.

Energieeffizienz ist inzwischen zu einem bedeutenden Kaufargument geworden. Kaum ein Hersteller, der die 'grünen' Eigenschaften seiner Produkte nicht dementsprechend markant anpreist.

In welchem Mass die in Prozentzahlen gefassten Stromreduktionen den auch wirklich zutreffen, lässt sich im Einzelnen nur schwerlich beurteilen. Vertrauen schaffen da schon betriebsübergreifende Gesamtkonzepte, die sowohl Werkstätten, Transportwege und Entsorgung mit einschliessen.

Panasonic widmete einen gesamten Pavillon ihrer Energiemanagement-Vision: Sie soll den Verbrauchern in Zukunft einen emissionsfreien Haushalt ermöglichen. Nicht zuletzt eröffnen Investitionen in energiesparende Haushaltstechnologien auch einen enormen Markt in einer Zukunft, in der Ressourcen knapper vorhanden sein werden.

Die Zukunft soll 3D-TV bringen

Schöne, neue 3D-Welt. Neben Kinofilmen auf Blu-ray sollen ab 2010 auch erste TV-Programme in 3D gezeigt werden.

Nach der Einführung von HDTV auf Produktseite und nun mit dem Start der beiden grossen Deutschen TV Contentanbietern im nächsten Jahr auch im Angebotsbereich schwenkt die Industrie ihre Aufmerksamkeit auf die nächste Evolutionsstufe: 3D-Technik für Heimkino und Fernsehen.

Insbesondere die beiden grossen Player Sony und Panasonic setzen - vorerst im Heimkinobereich - voll auf die 3D-Filmwiedergabe. Dies mit massiver Unterstützung der Filmindustrie. In den USA wird im nächsten Jahr über eine Milliarde in die Aufrüstung der Kinos mit 3D-Technologie investiert. Disney plant in Zukunft alle Animationsfilme auch in 3D zu erstellen.

Dass gerade Sony und Panasonic sich auf 3D-Technologie als Zukunftsschiene berufen, erstaunt nicht, haben doch beide ein starkes Standbein in professionellen Bereich mit 3D-Kameras und Autoringsystemen für die Filmindustrie. In der Pipeline sind denn auch schon 3D-Blu-ray Spieler, Erweiterungen der Playstation für 3D-Filminhalten ab Blu-ray oder, auch über Online-Content sowie 3D-fähige Fernseher. Verschiedene Lösung und eindrückliche Demos in Filmen und Spielen konnte man dann auch an der IFA bereits begutachten. So zeigt Panasonic bereits ein vollumfänglich eingerichtetes 3D-Heimkino.

Um die 3D-Brille kommt man aber allgemein nicht herum. Zwar sind 3D-Technologien ohne 3D-Shutterbrille bereits in den Labors. Die Produktionskosten bei der dazu benötigten Verwendung von gleichzeitig sieben (!) Kameras sind jedoch noch zu hoch und die Technik in naher Zukunft daher kaum anwendbar.

Ob das Tragen einer 3D-Brille vom Konsumenten auch ausserhalb des Kinos für den TV-Genuss akzeptiert wird, ist zumindest in grossen Stil fraglich. Trotzdem will Sky schon im kommenden Jahr mit Probeausstrahlungen in 3D am TV beginnen. Die Erweiterung der Übertragung in 3D verursacht den TV-Produzenten nur geringe Mehrkosten, da die gleichen Kanäle wie für HDTV genutzt werden können und somit keine Investitionen in die Sendeanlagen nötig werden.

Philips präsentierte den Prototyp einer 3D-Version des Cinema 21:9. Dieser Fernseher im Kinoformat wurde gemeinsam mit dem Prototypen eines entsprechenden Blu-ray Players vorgestellt. Man ist jedoch - genau wie auch bei Loewe - überzeugt, dass auf längere Sicht nur die lentikulare Technik, also ohne Brille, eine Chance im Wohnzimmer hat. Philips macht die Integration von 3D-TV in aktuelle Marktprodukte abhängig von der Nachfrage der Konsumenten und der Verfügbarkeit von Inhalten. Beides sei zur Zeit noch nicht gegeben, also halte man sich mit der Markteinführung vorläufig zurück.

IFA 2009 Nachlese

Ausgesuchte Highlights

Avguide.ch war für Sie an der IFA 2009 auf der Suche nach Highlights in den Sparten Heimkino, TV, Foto und Audio.

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