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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
9. Juni 2008
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"Highend-Aufnahmen in Spitzenqualität" - dies will Olympus mit ihrem neusten Portable-Produkt, dem LS-10 Linear PCM Recorder, überall ermöglichen.

Weiter meinen die Olympus Werbe-Experten: „Das Gerät ist für Musiker, Journalisten, Podcaster und alle, die bei ihren Aufnahmen die bestmögliche Soundqualität wünschen, die perfekte Wahl“.

Das sind grosse Worte und heisse Behauptungen!

In diesem Bericht wollen wir untersuchen, was PR-Geplätscher und was tatsächliche Leistungen sind.

Vom Band zur Speicherkarte

Portable Aufnahmegeräte gibt es bekanntlich seit langem.

Angefangen hat es mit kompakten Spulen-Bandgeräten. Dann kamen die aufnahmefähigen Walkmänner mit Kompaktkassette.

Weiter gings über die kurzlebige und total floppende DCC (Digital Compact Cassette) und MiniDisk bis zu DAT. Alle diese Geräte besassen bewegliche Teile und waren mehr oder weniger starker Abnutzung unterworfen.

Es folgten mit Micro-Festplatten bestückte MP3 Player, die mit zusätzlichen Mikrofonen aufnehmen konnten.

Doch wer den Markt beobachtet hat weiss, dass die SD-Speicherkarte ihren grossen Siegeszug fortsetzen und alle anderen Speicherarten in Zukunft in den tiefsten Schatten stellen wird. Der LS-10 gehört denn auch zu einer neuen Generation von Tonaufzeichnungsgeräten, die absolut ohne bewegliche Teile arbeiten.

Von analog zu Super-PCM

Damals wars eine Revox A77, heute ist es ein PCM-Recorder...

Erinnern wir uns an vergangene Zeiten, wo man diskutierte, ob nun ein analoges Bandgerät besser als ein digitales klinge.

Im Laufe der Zeit hat sich ganz klar herauskristallisiert, dass es bei der Digitaltechnik vor allem auf zwei Dinge ankommt: Die Auflösung (in Bit) und die Samplingfrequenz (in kHz). 

Tatsache ist, dass der im Jahre 1980 eingeführte CD-Standard mit 16 Bit und einer Samplingfrequenz von 44,1 gar nicht so übel war und die sogenannt „hochauflösenden Tonträger“ wie DVD-Audio und SACD nicht um Welten besser klangen.

Doch hat sich gezeigt, dass für echt audiophile Ansprüche eine Auflösung von 24 Bit und eine Samplingfrequenz von 96 kHz ausreicht, um auch oberkritische „goldene“ Ohren zufrieden zu stellen.

Der LS-10 bietet eine Fülle von wählbaren Aufnahme-Qualitäten angefangen von 44.1 kHz/16 bit bis 96 kHz/24 bit. Wer den grossen Speicherplatz für eine 96 kHz/24bit-Aufnahmen opfern will, sollte sich jedoch zuerst überlegen, was er damit überhaupt zu machen gedenkt. So für sich rein privat macht das sicher Spass.

Doch wer diese Aufnahme auf CD der Allgemeinheit zugänglich machen will, muss sie dann wieder zwangsläufig auf 44.1 kHz/16 bit reduzieren, denn normale CD-Spieler können nur den 44.1 kHz / 16 bit-Standard wiedergeben.

Alleskönner?

Wenngleich der LS-10 Recorder keine stehenden oder laufenden Bilder aufzeichnen und wiedergeben kann – in Sachen Sound ist er ein wahrer Alleskönner.

Dank seinen eingebauten Stereo-Mikrofonen und Stereo-Lautsprechern (!) ist er - ohne jedes weitere Zusatzgerät - ein vollständiges, zweikanaliges Aufnahmestudio.

Der LS-10 meistert alle gängigen Sound-Formate, vom datensparenden MP3 bis zu linearem PCM mit unglaublichen 96 kHz /24 bit.

Zusätzlich zu seinem internen 2 GB Flash-Speicher gesellt sich ein SD-Kartenslot für die Aufnahme von SD-Cards bis zu 8 GB . Zwei AA Batterien ermöglichen eine sehr lange Aufnahme/Spieldauer.

Dem PC - und Mac kompatiblen Gerät wird die Software Cubase LE4 gratis mitgeliefert, welche sogar Multitrack Recording, Midi-Unterstützung und einen digitalen Mixer zur Verfügung stellt.

Umschaltbare Mikrofon-Richtcharakteristik, Windschutz-Schaumstoffkäppchen, Hall-Effekte, Low Cut-Filter, optionale Fernsteuerung und Netzadapter runden die Features und die Ausstattung ab.

Das Mikrofon macht die Musik

Während man heute die Elektronik erstaunlich gut im Griff hat, sind die Schallwandler, seien es Lautsprecher oder Mikrofone, nach wie vor ein Problem. Gute Schallwandler sind aufwendig und leider nicht billig. Was nützt also die höchste Samplingfrequenz und eine perfekte Auflösung, wenn das Mikrofon einen miesen Sound liefert?

Um zu erkennen, wie sich die eingebauten Mikrofone im Vergleich zu einem professionellen Messmikrofon verhalten, wurde der Frequenzgang des B&W 803 Monitor-Lautsprechers im Abhörraum in 1,5m Distanz gemessen.

Die obere Kurve in Diagramm 1 (Auflösung 2dB/Div) zeigt die mit einem geeichten Klark Teknik-Messmikrofon aufgenommen Kurve. Sie zeigt, abgesehen von einer gewissen Welligkeit im Bass, die nicht vom Lautsprecher (!) sondern vom Abhörraum stammen, einen sehr lienaren Verlauf. Ganz anders „hörten“ die Mikrofone des LS-10 dieses Mess-Signal.

Die über das LS-10 aufgezeichnete Kurve zeigt einen markanten Bassabfall und eine ausgeprägte Resonanz bei 7 kHz, eine kleinere bei 13 kHz. Das ist natürlich nicht die feine Art und eines Profigerätes nicht würdig.

Unsere Messung deckt sich übrigens mit dem von Olympus im Prospekt angegebenen Frequenzgang.

Der Bassabfall und die Höhenanhebung sind auch hier sichtbar. Doch der LS-10 ist ja auch – trotz hochtrabender Werbesprüchen – kein wirklicher Profi. Kann er ja gar nicht sein. Wer das mit diesem Aufwand und zu diesem Preis erwartet, glaubt an Wunder. Und die sind in der Elektroakustik relativ selten anzutreffen.

Das Bass Cut Filter ist kein tieffrequentes Filter, um etwa Trittschall zu beseitigen, sondern ein richtiger Basskiller, der nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden sollte.

Stress mit Happy End

Der erste Einsatz des LS-10 gestaltet sich dramatisch.

Gleich nach Erhalt des Gerätes kommt die Nachricht, dass die Organistin der nahen Kirche in 60 Minuten bereit für eine Probeaufnahme wäre, aber relativ rasch wieder gehen muss.

Schockschwerenot!

In rund 30 Minuten ein unbekanntes Gerät auspacken und startklar machen mit Akkuladen, Manual studieren, die wichtigsten Sachen begreifen...und..und...und. Also auspacken und schon steht das Wunderding vor mir. Aber wo ist das Ladegerät für den Akku, wo? Gottlob arbeitet das LS-10 mit zwei AA Batterien! Doch für ein Studium der Bedienungsanleitung bleibt keine Zeit. Also erst mal eine kurze Probeaufnahme mit Sprache und alles klappt wie am Schnürchen. Es scheint, als würde dieser Stress mit einem Happy End ausgehen...

In der Kirche wird der Recorder, um Handgeräusche auszuschliessen, auf ein stabiles Stativ gestellt und im Menu als Qualität der CD-Standard gewählt. Da ich aus Erfahrung weiss, dass praktisch alle mit automatischer Aussteuerung gemachten Aufnahmen fürchterlich pumpen, wähle ich die manuelle Aussteuerung und aktiviere, um eventuelle Übersteuerungen zu vermeiden, den Limiter.

Ein Druck auf die Rec-Taste und schon kann ich den Aufnahmepegel per Mini-Rädchen mit gespitzten Fingern einstellen, ohne dass die Aufnahme läuft. Doch welche Mikrofonempfindlichkeit soll ich wählen? Um ein eventuelles Grundrauschen zu unterdrücken, wähle ich die Stellung „high“ und mache – wie es sich später herausstellt – genau das Falsche. Denn erst später erfahre ich aus dem Manual, dass für Musikaufnahmen die Stellung „low“ und die Stellung „high“ nur für Aussenaufnahmen und Konferenzen in grossen Räumen verwendet werden sollte.

Um den lautesten Pegel zu ermitteln, lässt die Organistin das volle Werk losbrausen. Manuell wird so ausgesteuert, dass die rote Peak LED gerade nicht aufleuchtet. Nach einem weiteren Druck auf die Rec-Taste, läuft die Aufnahme. Der LS-10 hat nun die volle Dynamik einer grossen Kirchenorgel zu verarbeiten. Als gloriosen Abschluss nehme ich eine Bass-Tonleiter bis zum tiefstmöglichen Ton auf, den ich dann über meine Monitoranlage mit demselben Druck und Pegel hören möchte.

Eine zweite Aufnahme erfolgt mit den genau gleichen Einstellungen, aber mit 96 kHz/24 bit.

Abhörmöglichkeiten

Über den Bose QC3 Kopfhörer mit eingebauten Umgebungslärm-Killer höre ich während der Aufnahme mit. Die Qualität erstaunt nicht nur mich, sondern auch die Organistin.

Doch ich weiss aus Erfahrung: Der Bose QC3 ist kein Monitor-Instrument, sondern ein wohlklingender Alltags-Hörer, der die Bässe betont, die Höhen entschärft. Ein echter Klangschmeichler also.

So bin ich denn auch mehr als gespannt, wie die ganze Sache über meine Referenz-Monitor-Anlage klingen wird. Im Abhörraum angekommen, wird der LS-10 über den Kopfhörerausgang an den Verstärker angeschlossen.

Der Klang erscheint wohl sehr räumlich und brillant, zuweilen fast etwas grell. Die Bässe wirken klar unterbelichtet und nicht sehr tief. So hebe ich die Bässe am Verstärker erst mal um rund 8 dB an und senke die Höhen um 2 dB ab und schon klingts noch lange nicht perfekt, aber doch wesentlich ausgewogener.

Das Grundrauschen ist wohl noch hörbar, jedoch absolut tolerierbar. Der Klangvergleich von 44.1 kHz/16 bit zu 96 kHz/24 bit fällt ganz klar zugunsten der höheren Qualität aus: Mehr Klangfarbe und mehr Raum – mehr Musik...

Die leichten, fast unhörbaren Klirreffekte dieser Aufnahme sind auf die falsche Wahl der Mikrofon-Eingangsempfindlichkeit zurück zu führen. In Zukunft wird also für Musikaufnahmen mit Vorteil nur noch die Mikrofonempfindlichkeits-Stellung „low“ gewählt.

World Music knochentrocken....

Nun steht die Aufnahme eines Konzertes mit Folk-World-Music in einem akustisch sehr trockenen Jazzlokal an.

Die Instrumente: Streicher, Bläser, perkussive Instrumente und Gesang.

Das Abhören dieser mit 44.1 kHz und 16 bit gemachten Aufnahme ergibt ähnliche Resultate: Etwas dünner Bass, und tendenziell helle, zuweilen sogar grelle Streicher und Bläser.

Vor allem die Pikkolo-Flöte malträtiert die Trommelfelle.

Zudem beanstandeten gewisse Musiker den extrem trockenen Klang dieser Aufnahme.

Doch die Schuld dafür liegt für einmal ganz klar nicht beim LS-10, sondern bei der Akustik das Lokals...

Kostprobe bei Proben

Bei Proben mit einem Trio mit Gesang, Flöte, Klavier und meiner Wenigkeit am Kontrabass, in einem rund 40 m2 grossen Wohnraum, war der Bass erstaunlich kräftig und voluminös. Dies, weil ich mich wohlweislich relativ nahe zum LS-10 geschlichen hatte...Was mich allerdings stört, sind die etwas übertriebenen Zupfgeräusche. Es scheint, als ob ich hölzerne Finger hätte. Die Sängerin stellt zudem fest, dass Vokale und Zischlaute überbetont kommen.  Die Querflötistin war ebenfalls nicht ganz zufrieden und fand, ihre Flöte hätte etwas viel „Luft im Ton“. 

Nachbearbeitung wirkt Wunder

Mittels parametrischem Equalizer des Cubase LE4 entzerrt: Korrekturen im Bass und bei 7 kHz bewirken eine Verstärkung des Bassbereiches und eliminieren die Grellheit und unnatürliche Schärfe im Hochtonbereich.

Während ich vorhin behauptet habe, dass Wunder in der Elektroakustik eher selten sind, lassen sich mit der mitgelieferten Software, der Cubase LE4, geradezu unglaubliche Dinge bewerkstelligen. Auch hier würde es zu weit führen, all die Möglichkeiten dieses Programms aufzuzählen. Konzentrieren wir uns deshalb auf zwei Punkte: Dem Equalizing mit dem luxuriösen, parametrischen Equalizer und dem Reverb.

Zur Klangbearbeitung wird der LS-10 mittels USB-Kabel an den PC-Mac geschlossen und die gewünschten Files herübergezogen. Die Messungen des Frequenzganges der LS-10-Mikrofone haben gezeigt, dass sie einen gewissen Bassabfall haben und eine deutliche Resonanz bei 7 kHz zeigen, die korrigiert werden sollten.

Der Screenshot des Bildschirms zeigt die Art und Weise, wie die Korrektur vorgenommen wurde. Unterhalb von 300 Hz werden die Bässe kontinuierlich angehoben, die Resonanz bei 7 kHz schmalbandig abgesenkt und damit praktisch eliminiert.

Das daraus resultierende Klangresultat sprach für sich: Mit der Klangkorrektur kam der breitbandige, ausgewogenen Sound den Vorstellungen der Musiker schon sehr nahe.
Auch die Orgelaufnahme konnte mit fast der gleichen Frequenzgang-Entzerrung deutlich aufgebessert werden.

Die hohen Mixturen wirkten nach der Korrektur weniger grell und trotzdem brillant. Deutlich kräftiger und auch tiefer kam nun auch der Sub-Bass. Zudem bewirkte diese  Klangkorrektur, dass die Vokale und Zischlaute der Sängerin entschärft und der Querflöte der übertrieben „Wind“ aus dem Ton genommen wurde.

Zu guter letzt verwandelte sich mein Holzfinger wie durch Zauberhand in ein gefühlvolles Zupfwerkzeug aus Fleisch und Blut.

Dosierter Raumklang

Punkto Räumlichkeit blieben noch etliche Wünsche offen, denn eine
Aufnahme, bei der man glaubt, sie sei im schalltoten Raum aufgenommen,
vermittelt keine gute Stimmung.

Doch die Reverb-Möglichkeiten des Cubase LE4 sind, richtig eingesetzt, absolut exzellent! So konnte der Konzertmitschnitt in Sachen Nachhall und subjektiv empfundener Raumgrösse so aufgebessert werden, dass man sie nun als gute  Demo-Aufnahme verwenden und mittels geeigneter Brenn-Software auf CD
brennen kann.

Die Aufnahme der Orgel hingegen benötigte, aufgrund der perfekten Akustik dieser Kirche, keine Aufbesserung des Raumklangs.

Fazit

Der LS-10 Audio Recorder von Olympus ist ohne Zweifel ein geniales Gerätchen. Und dank dem fast noch genialeren und erst noch gratis mitgelieferten Cubase Audio Editor LE4 können die kleineren Mängel dieses Recorders effizient korrigiert und noch unzählige andere klangliche und organisatorische Aktionen elegant durchgeführt werden.
Tatsache ist: Dieses Unikum, samt Cubase LE4 muss ich einfach haben...

Info

Preis: 598.- Franken
STECKBRIEF
Modell:
LS10
Profil:
Geniales, portables Stereo-Aufnahmegerät, dessen kleine Schwächen mittels Cubase Audio Editor LE4 perfekt ausgeglichen werden können.
Pro:
beherrscht viele Aufnahmeformate; portabel; kompakt; Cubase LE4 Audio Editor mitgeliefert; SD Cards bis 8 GB; gute Verarbeitung
Contra:
klingt ohne Korrektur in den Höhen überim Bass unterbelichtet.;
Preis:
598.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
48 x 131.5 x 22.4 mm
Gewicht:
o,165 kg
Farbe:
schwarz
Audioformate:
PCM / MP3 / WMA (Aufnahme) , WAV / WMA / MP3
Wettbewerb