Formschön und edel: Die Cabasse Pearl in Weiss ...Sogenannte tri-koaxiale Lautsprecher kennen wir von Cabasse bereits: Das Modell Baltic 4 vereint einen 21-cm-Tieftöner mit einem 13-cm-Mittel- und einem 2,8-cm-Hochtöner in einer edel gestylten Kugel, die wahlweise auf einem Design-Ständer, auf einem Sideboard oder an der Wand platziert werden kann. Die passive Baltic überträgt allerdings «nur» hinunter bis 80 Hz und benötigt einen Subwoofer als Unterstützung im Bass. Ihr Paarpreis beträgt CHF 9400.
Umso erstaunlicher mutet an, dass Cabasse im Oktober letzten Jahres einen aktiven, tri-koaxialen Kugellautsprecher für weniger als CHF 6000 das Paar lanciert hat. Die neue Pearl kommt ganz ohne Subwoofer-Unterstützung aus und ist zudem punkto Connectivity dermassen umfangreich ausgestattet, dass man im Zusammenspiel mit einem Handy oder Tablet eine rundum komplette Hi-Res-taugliche Musikanlage vorfindet.
Raffiniertes High-Tech auf engstem Raum
Schier unglaublich, wie viel High-Tech die französischen Ingenieure in den Kugellautsprecher hineinpacken konnten. Er beinhaltet ein vollwertiges 3-Wege-Lautsprechersystem. Dabei ist weniger der koaxiale 13-cm-Mittelhochtöner (den man so ähnlich von Cabasse bereits kennt) aufsehenerregend, als vielmehr der Umstand, dass auch noch ein 25-cm-Tieftöner darin Platz gefunden hat. Möglich wird dies dadurch, dass er um 180 Grad gedreht nach hinten abstrahlt. Bei einer entsprechend tiefen Trennfrequenz ist das kein akustischer Nachteil, sofern man das Phasenverhalten im Übergangsbereich in den Griff bekommt.
Der koaxiale Mittelhochtöner und der nach hinten arbeitende Tieftöner verfügen über jeweils eigene Gehäusevolumen. In der Mitte ist die Digitalelektronik angeordnet. Ein Teil der Kugeloberfläche arbeitet als Kühlkörper.Hier hat die Pearl als digitaler Aktivlautsprecher den Vorteil, dass sich mittels digitaler Signalverarbeitung (DSP) sämtliche Wiedergabeparameter fast beliebig optimieren lassen. So kann man etwa den natürlichen Bassabfall des Treibers im geschlossenen Kugelgehäuse in weiten Grenzen kompensieren. Cabasse spezifiziert einen Frequenzumfang bis zu unglaublichen 14 Hz. Zwei Voraussetzungen sprechen tatsächlich für eine aussergewöhnliche Tiefbasswiedergabe: Der Bass verfügt über eine spezielle Sicke, die Membranauslenkungen bis zu 3 cm klaglos verkraften soll. Angetrieben wird er durch einen Class-D-Verstärker, der laut Cabasse unglaubliche 1000 Watt RMS leisten soll. Auch im Mittel- und Hochtonbereich werden je 300 Watt RMS zur Verfügung gestellt.
Wer an solchen Leistungsangaben zweifelt, sollte den Umstand berücksichtigen, dass Class D einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent realisiert und die Abwärme dadurch relativ gering bleibt. Tatsächlich ist ein Teil des Kugelgehäuses rundum als Kühlkörper konzipiert und gibt im Betrieb spürbar Wärme ab. Und auch die im Datenblatt spezifizierte maximale Leistungsaufnahme von 1400 Watt deutet darauf hin, dass bei den Verstärkern richtiggehend geklotzt wurde.
Riesige Leistungsreserven aus kompakten Abmessungen kennt man ja bereits vom Digitalspezialisten Devialet, dessen Phantom-Lautsprecher in den drei Ausführungen (Standard, Silber, Gold) ebenfalls mit gigantischen Watt-Angaben protzen. Vergleicht man die Cabasse Pearl mit den Phantom-Modellen, so kommt man nicht um den Eindruck herum, dass letztere bei der Entwicklung ganz klar im Fokus standen. Allerdings betrifft dies mehr die Digitalausstattung als den Lautsprecher selbst. Hier konnte man sich bei Cabasse trefflich am eigenen Know-how betreffend Kugelkonstruktionen orientieren.
Bereits mit der Artis L'Ocean hat Cabasse vorgemacht, was mit digitaler Aktivtechnik in einem Kugellautsprecher möglich ist.Andererseits ist der französische Hersteller – auch was Class-D-Technologie betrifft – keineswegs ein Newcomer. So hat man bereits den Spitzenmodellen «La Sphère» und «L’Océan» äusserst leistungsfähige und dabei kompakte Class-D-Verstärker spendiert. Dies allerdings in einer ganz anderen Preisklasse. Dass man nun schlichtweg 1600 Watt in einen vergleichsweise bezahlbaren Kugellautsprecher integrieren konnte, erstaunt selbst den Kenner der Materie. Aber wie gesagt, Devialet hat es vorgemacht, und nun möchte auch Cabasse auf ganz eigene Weise demonstrieren, was im digitalen, vernetzten Zeitalter an technischer Meisterleistung möglich ist.
118 dB Spitzenschalldruck soll schon eine einzelne Pearl in den Hörraum pumpen. Das sind eigentlich bereits professionelle P.A.-Werte. Aber natürlich ist die schicke Französin nicht für den Dauereinsatz bei dieser Lautstärke konzipiert. Immerhin muss man sich als Besitzer niemals Sorgen über fehlende Pegelreserven machen. Ebenso überflüssig ist der Einsatz eines zusätzlichen Subwoofers. Die Pearl verfügt über eine vollautomatische Einmessfunktion, mit deren Hilfe die Tieftonwiedergabe an den vorliegenden Hörraum angepasst werden kann. Dazu ist laut Cabasse ein Mikrofon in der Kugel integriert, welches die Raumakustik auslotet und den Frequenzgang im Bass anpasst.
Connectivity und Bedienung
Die Pearl von Cabasse ist nicht einfach «nur» ein Aktivlautsprecher der Spitzenklasse. Es handelt sich um eine voll vernetzte und komplett per App steuerbare Komponente, die im Grunde genommen keine weiteren Gerätschaften zur Musikwiedergabe benötigt. Kernstück bildet die Stream-Control-Applikation, die sowohl Webradio (vTuner) wie auch alle gängigen Musikstreaming-Services inklusive Spotify, Tidal und Qobuz implementiert hat.
Die App Stream Control von Cabasse ist übersichtlich gehalten und hat den Online-Zugriff auf verschiedenste Online-Dienste sowie Webradio integriert.Dies bedeutet, dass man nicht (wie bei vielen anderen Wireless-Produkten) die Musik per Bluetooth oder Airplay vom Tablet oder Smartphone zum Lautsprecher streamt. Die Portables dienen nur zur Navigation und Steuerung. Die Pearl verbindet sich direkt mit den Musikprovidern und streamt – vorausgesetzt, man verfügt über das entsprechende Abo – ohne Umwege in maximaler Qualität. Bei Qobuz ist das immerhin HiRes mit bis zu 192 kHz. Natürlich akzeptiert die Pearl auch Musikwiedergabe vom Handy via Bluetooth, dann allerdings in der üblichen, reduzierten Audioqualität.
Ebenso ist das Streamen von Musik über das Heimnetzwerk per DLNA möglich. Wer zu faul ist, seine Musik auf einem NAS zu archivieren, der kann an der Rückseite der Pearl auch einfach einen USB-Datenträger anschliessen. Stream Control ermöglicht den Zugriff auf die gewünschten Titel und das Erstellen von Playlists. Ewiggestrige, die wie der Autor noch über analoge Audio-Komponenten verfügen, finden zudem einen Stereo-Cinch-Eingang vor. Für Fernsehton kann man auch einen digital-optischen Eingang verwenden. Per App lässt sich Lip-Sync in verschiedenen Stufen einstellen.
Rückwärtig sind die Anschlüsse integriert. Sogar ein analoger Cinch-Eingang findet sich, ebenso ein optischer Digitaleingang.Grundsätzlich ist die Pearl zunächst einmal als Mono-Wiedergabesystem konzipiert. Man kann sie also auch einzeln erwerben und beispielsweise, wenn man wenig Platz hat, als Monolith einsetzen. Zudem ist sie Bestandteil des Cabasse-Multiroom-Systems. Man kann also weitere Perlen einzeln oder in Stereo-Konfiguration in anderen Räumen platzieren und Musik via Stream-Control dahin streamen. Setzt man im Hörraum ein Pearl-Paar ein, so ordnet man per App die eine dem linken, die andere dem rechten Stereokanal zu.
Eine Pearl fungiert dabei als Master, die andere als Slave. So wird eine etwaige analoge Wiedergabekomponente per Cinch am Master angeschlossen, dort A/D-gewandelt und als nun digitale Quelle dem Cabasse-Mehrraumverbund zur Verfügung gestellt. Im Idealfall sind beide per LAN-Kabel am Heimnetzwerk angeschlossen. So ist die störungsfreie Wiedergabe von Hi-Res bis zu 192 kHz und 32 Bit garantiert. Musik mit weniger Datenrate soll sich aber problemlos auch per WiFi streamen lassen.
Die App macht einen sehr übersichtlichen Eindruck, auch die Implementierung der Musikprovider wie etwa Qobuz scheint gut gelungen. Die Online-Navigation verläuft problemlos. Favoritenlisten erleichtern die Nutzung insbesondere des Webradio-Angebots. Etwas problematisch wäre es, wenn die Bedienung ausschliesslich per App erfolgen würde. Deshalb liefert Cabasse eine wertige Bluetooth-Tischfernbedienung mit, welche die wichtigsten Funktionen wie Quellenwahl, Titelsprung und natürlich auch die Lautstärkeeinstellung offeriert. Für letzteres dreht man am verchromten Ring, der die Fernsteuerung umrandet.
Ausprobiert
Wir hatten die Gelegenheit, ein Paar Cabasse Pearl im Fachgeschäft «Aug und Ohr» in Zürich probezuhören (vielen Dank an Roman Stelzer, der uns dies ermöglicht hat). Der Autor nahm wohlweislich sein eigenes iPad mit, um zu sehen, wie einfach oder kompliziert das Pairing sein würde. Und er staunte nicht schlecht, dass er inklusive Installation der App keine fünf Minuten benötigte, um allerfeinste HiRes-Klänge direkt ab Qobuz-Favoritenliste über die Pearl zu hören.
Der Sound, den die Pearl bei anspruchsvoller U-Musik zum Besten gab, konnte sich auf Anhieb hören lassen: Vital, geschmackvoll, mit viel Drive und hörbarem Druck im Bass, auch schon bei kleiner Lautstärke. Dreht man am Pegelsteller, so rockt und swingt die Pearl auf eine Art und Weise los, die man angesichts der Grösse kaum für möglich halten würde. Hier zeigt sich ganz klar der Vorteil des digital gesteuerten Aktivlautsprechers.
Aus naher Hördistanz klingt die Pearl anspringend und direkt. Im Bass kann man sie dank automatischer Einmessfunktion auch an eine wandnahe Platzierung problemlos anpassen.Aus der (im vorliegenden Falle) relativ kurzen Hördistanz (ca. 2 m) wirkte das Klangbild allerdings doch eher unverblümt und direkt. Dabei waren Sänger klar ortbar und wirkten sehr natürlich. Bei klassischer Musik hätte man sich die Streicher doch noch etwas sanfter gewünscht. Der Höreindruck einer «Straight forward»-Gangart könnte allerdings durchaus damit zusammenhängen, dass die eine Pearl seitlich sehr wandnah aufgestellt war.
Um das volle Potenzial der Pearl zu erschliessen, sollte sie «Luft zum Atmen» haben und frei im zumindest mittelgrossen Hörraum platziert werden. Nach oben sind punkto Raumgrösse wohl kein Grenzen gesetzt. Die Pegelreserven sind enorm. Dabei sind Befürchtungen fehl am Platz, dass sich das Kugelgehäuse beim Lauthören verformen würde. Es bleibt bei sehr hohen Pegeln erstaunlich ruhig, wie sich der Autor durch Handauflegen selber überzeugen konnte.
Fazit
Zugegeben, ein endgültiges Urteil über die Pearl möchte sich der Autor nach einer gut einstündigen Hörsession keinesfalls anmassen. Die ersten Höreindrücke sind jedoch absolut vielversprechend. Dank der voll digitalen Plattform sind zukünftige Updates jederzeit problemlos automatisch durchführbar. So hat Cabasse laut Renato Piogga vom Schweizer Cabasse-Vertrieb bereits angekündigt, die Raumeinmessfunktion noch auszuweiten. Hier wäre für den User wünschenswert, eigene Klangprofile speichern und abrufen zu können. So würde die Pearl eine noch weitere klangliche Geschmacksbandbreite abdecken. Ebenfalls erst angekündigt sind passende Design-Ständer und Wandhalterungen. Bereits ausgereift scheint das Bedienkonzept. Der Umgang mit der App erfordert jedenfalls keine grosse Gewöhnung und lässt dem ersten Eindruck nach kaum Wünsche offen.
Passende Design-Ständer für die Cabasse Pearl sind auch bereits angekündigt, ebenso wie eine Wandhalterung.Schaut man sich den Einstandspreis der Cabasse Pearl an, so reibt man sich erstaunt die Augen. Ein wunderbar designter und top-verarbeiter aktiver Kugellautsprecher für weniger als CHF 6000 das Paar. Kaum vorstellbar, dass Cabasse damit auf absehbare Zeit Geld verdienen wird. Ein Produkt wie die Pearl beansprucht hohe Entwicklungs- und Werkzeugkosten. Man benötigt gute Zulieferer und digitale Softwarespezialisten, denn – wie in der Autoindustrie – kann man unmöglich alles in Haus aus dem Hut zaubern.
Denoch gilt: Mit solchen Systemen kann man neue Zielgruppen erschliessen, mittel- und langfristig relativ hohe Mengen absetzen und auch Geld damit verdienen. Gut möglich oder sogar sehr wahrscheinlich, dass die neuen Lautsprechergenerationen in allen Leistungsklassen so ähnlich konzipiert sein werden.
Ganz klar: Mit der Pearl hat Cabasse ein zukunftsweisendes, dabei erstaunlich komplettes Musikwiedergabesystem kreiert. Insbesondere Zeitgenossen, die nur noch online oder übers Heimnetzwerk Musik hören, sollten sich die Pearl unbedingt einmal anhören.