avguide.ch Druckansicht · 31.10.2026

Topmoderner Klassiker

Test Cyrus Classic Amp

Cyrus ist ein Spezialist für kompakte Audio- Komponenten der Topklasse. Der Classic Amp im Test verfügt sowohl über einen hochauflösenden DAC als auch eine Phonovorstufe für Vinylfreunde. Wir schauten und hörten genau hin.

Von Martin Freund · 29. Dezember 2022
Classic Amp.Classic Amp.

Der neue Classic Amp von Cyrus lehnt sich äusserlich sehr eng an bekannte Vollverstärkermodelle wie etwa den Cyrus 8.2 DAC QXR an. Wie dieser ist das in England gefertigte Gerät ganz hervorragend verarbeitet. Das massive Gehäuse besteht aus resonanzarmem Magnesium-Druckguss; selbst der abschraubbare Gehäuseboden besteht nicht aus schnödem Plastik. Ebenfalls bestens bekannt ist die programmierbare Vollfunktionsfernbedienung mit beleuchteten Tasten, die auf Wunsch gerne auch Settop-Box und TV mitsteuert.

Geerbt hat der Classic Amp sodann die famose DA-Wandlerkarte QXR (der ersten Generation), die seinerzeit als optionales Upgrade angeboten wurde (und als solches nach wie vor für CHF 690 zu haben ist). Sie arbeitet mit dem bestens beleumundeten DAC-Chip vom Typ ESS 9038. Freilich wurde im Classic Amp auf die PC-USB-Anbindung verzichtet. Angeboten werden immerhin vier SPDIF-Eingänge, die mit Samplingraten bis zu 192 kHz die Anforderung an HiRes-Streaming ab den bekannten Musikportalen erfüllen. Nur wer Musikfiles in Masterqualität (DSD oder DXD-Format) beispielsweise ab einem Roon-Server wiedergeben möchte, stösst an Grenzen.

Auf der analogen Seite lässt sich der Brite mit vier Cinch-Eingängen ebenfalls nicht lumpen. Zudem wird ein wirklich hochwertiger, rauscharmer Phono-MM-Eingang angeboten. Dieser akzeptiert mit einer Empfindlichkeit von nominell 2,5 mV auch High-Output-Moving-Coil-Tonabnehmer. Wir probierten sogar erfolgreich einen Benz Glider mit 1 mV über den Classic aus und waren von der filigranen Spielweise durchaus angetan.

Vier Cinch-Eingänge, vier SPDIF-Digitaleingänge sowie Phono MM sollten für die meisten Ansprüche mehr als ausreichen.Vier Cinch-Eingänge, vier SPDIF-Digitaleingänge sowie Phono MM sollten für die meisten Ansprüche mehr als ausreichen.

Ausgangsseitig kann man nur auf ein Paar Lautsprecheranschlüsse zurückgreifen, wo beim Cyrus 8.2 DAC QXR noch zwei Paare angeboten wurden. Dies ist jedoch nicht wirklich ein Verlust, da diese eh nicht umschaltbar waren. Bi-Wiring-Kabel sind verstärkerseitig im Übrigen sowieso verbunden. Grosses Plus: Der Classic Amp akzeptiert nun auch ganz «normale» Bananenstecker (während man zuvor Hohlbananenstecker verwenden musste).

Der Verzicht auf den Zone-2-Ausgang, über den man beim 8.2 ein einfaches Mehrraumsystem verwirklichen konnte, ist beim Classic zu verschmerzen. Cyrus-typisch findet sich der Kopfhörerausgang hinten am Gerät. Dies hat den Vorteil, dass der Kopfhörer permanent eingestöpselt bleiben darf, denn auf der Front kann man bequem per Tastendruck zwischen «Headphone» und «Speaker» umschalten.

Anwender, die ihren Kopfhörer auch für den mobilen Einsatz benötigen, werden sich an dieser Lösung vielleicht stören. Einfache Abhilfe schafft jedoch ein kurzes Verlängerungskabel mit passender Klinkenbuchse. Nicht zuletzt verfügt der Classic Amp über einen besonders niederohmigen Vorverstärker- sowie einen Fixlevel-Ausgang. An Ersteren kann man beispielsweise einen Subwoofer oder auch einen zusätzlichen Endverstärker (zwecks Bi-Amping) anschliessen. Die Ausgänge werden per Relais stummgeschaltet.

Schaltungstechnik und Klangqualität

Die hohe Kunst der Integration: Das Innenleben des Classic Amp zeugt von der grossen Erfahrung des britischen Traditionsherstellers.Die hohe Kunst der Integration: Das Innenleben des Classic Amp zeugt von der grossen Erfahrung des britischen Traditionsherstellers.

In einem Video erklären die Cyrus-Ingenieure detailliert die technischen Feinheiten, die beim Classic Amp zur Anwendung kamen. Erklärtes Ziel bei der Entwicklung war es, das hohe Qualitätsniveau der teureren XR-Serie auf einen kostengünstigeren Rahmen herunterzutransferieren – ohne dass die Klangqualität auf der Strecke bleibt. Schaltungstechnisch wurde der Classic Amp besonders auf Rauscharmut und hohe Signaltreue hin optimiert. So verfügt er wie seine teureren Brüder aus der XR-Reihe über eine besonders hochwertige, da gegenüber FET-basierten Schaltern verlustärmere Eingangswahl per Relais.

Das gesamte Schaltungslayout soll beim Classic auf niedrige Impedanz und geringere thermische Verluste hin ausgelegt sein. So kommen grosszügig dimensionierte Koppelkondensatoren und besonders hochwertige Puffer-Operationsverstärker zum Einsatz. Auch beim Netzteil wurde Hand angelegt: Es soll (unter anderem dank dem Einsatz von Shottky-Dioden in der Stromgleichrichtung) besonders stabil sein und selbst hohe Stromimpulsspitzen zuverlässig und schnell anliefern. Der leistungstarke Ringkerntrafo offeriert eine separate Wicklung für die Vorstufe, währenddem die DAC-Karte gar über ein eigenens Schaltnetzteil verfügt. Darüber hinaus ist der Classic Amp für das Upgrade mittels optionalem Netzteil PSX-R2 (Preis: CHF 1190) gerüstet. Dieses stellt voll stabilisierte 300 Watt zur Verfügung und optimiert insbesondere die Stromversorgung der Vorstufe. Laut Cyrus soll der Classic Amp bezüglich räumlicher Abbildung, Detailtreue, Dynamik und Timing der Wiedergabe vom Anschluss eines PSX-R2 enorm profitieren.

Dank der insgesamt eng tolerierten Schaltung konnte beim Classic auf eine Gleichstrom-Servo-Regelung im Ausgang verzichtet werden, was der Schnelligkeit der Signalverarbeitung zugute kommt. Davon profitieren auch die neuen, schnelleren Endtransistoren, die dem Classic zu einer besonders akkuraten Musikwiedergabe verhelfen sollen. Gegenüber der XR-Verstärkerserie von Cyrus wurde die Übertragungsbandbreite der Classic-Modelle leicht eingeschränkt. Laut Cyrus soll dies das Zusammenspiel mit preisgünstigen Lautsprechern (die eher Probleme im Ultraschallbereich aufweisen sollen) erleichtern. Mit 50 kHz oberer Reichweite (-3 dB) überträgt der Classic Standard-HiRes-Files (mit 96 kHz) jedoch noch ohne Einschränkungen.

Auch der Classic Amp soll von dem optionalen Netzteil PSX-R2 klanglich enorm profitieren.Auch der Classic Amp soll von dem optionalen Netzteil PSX-R2 klanglich enorm profitieren.

Selbst für teure Lautsprecher geeignet

Im Unterschied zur Empfehlung von Cyrus, den Classic Amp bevorzugt mit preisgünstigeren Lautsprechern zu kombinieren, hörten wir ihn über ein Paar Bowers & Wilkins 805 D4 (Paarpreis CHF 8800). Denn um die absolute Klangqualität zu beurteilen, sollten die angeschlossenen Lautsprecher keinen limitierenden Faktor darstellen.

Schon frisch ausgepackt und noch nicht eingespielt, klang der kompakte Brite frisch und vital. Mit zunehmender Einspieldauer (wir hörten den Cyrus über rund zwei Wochen) entfaltete sich ein sehr hohes Mass an Klangkultur, die den Classic eindeutig zur Einordnung in die Oberklasse «audiophiler» Vollverstärker berechtigt. Dabei gewannen wir keineswegs den Eindruck, dass dieser bezahlbare Vollverstärker die teuren Edellautsprecher nicht auf Trab bringen könnte. Auffallend war die ausgeprägte räumliche Transparenz. So weiträumig und stereofon perfekt aufgefächert bilden nur wenige Verstärker in dieser Preisklasse ab.

Auch die klangliche «Ansprache» kann sich hören lassen. So viel Anmut und Finesse in der Musikwiedergabe sind ebenfalls aussergewöhnlich. Im Hochtonbereich agiert der Classic mit einer schönen, aber nicht übertriebenen Brillanz. Gerade hier reagieren die 805 D4 von Bowers & Wilkins durchaus allergisch auf eine analytische Abstimmung des Verstärkers. Wunderbar kamen die tonal wichtigen Mitten. Das hat schon Klasse, mit welchem Timbre sowohl Streicher wie Piano im Hörraum erklangen.

Das Versprechen von Cyrus, den Classic Amp besonders rauscharm auszulegen, zahlt sich ebenfalls aus. So etwa bei der vorzüglichen Aufnahme von Bobo Stensons «Canción Contra La Indecisión», die über den Classic Amp gehört eine bemerkenswerte innere Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte. Eine Tugend, die bei bezahlbaren Verstärkern keineswegs selbstverständlich ist. 

Die Qualität der Tieftonwiedergabe lässt ebenfalls wenig zu wünschen übrig. Gute Konturen und reichlich Tiefgang verleihen dieser Aufnahme die notwendige «Schwärze». Nur wer den ultimativen Druck im Tiefbassbereich sucht, stösst naturgemäss an die physikalischen Grenzen dieses kompakten Vollverstärkers.

Die bewährte Cyrus-Systemfernbedienung liegt gut in der Hand und gefällt nachts mit beleuchteten Tasten.Die bewährte Cyrus-Systemfernbedienung liegt gut in der Hand und gefällt nachts mit beleuchteten Tasten.

Zu guter Letzt wollten wir noch wissen, wie sich der neue Classic Amp gegenüber dem älteren Cyrus 8.2 DAC QXR, der ja seinerzeit mit CHF 2590 preislich höher angesiedelt war (und zudem nicht mit einem Phono-Eingang aufwarten konnte), würde behaupten können. Für sich gehört, klang der 8.2 durchaus ansprechend und harmonisch. Dennoch konnte man sich bei längerem Hinhören des Eindrucks nicht erwehren, dass die besonderen Tugenden der Bowers & Wilkins 805 D4 (so etwa die enorme Spielfreude und die ausgeprägte räumliche Transparenz) nicht voll ausgereizt wurden. Der diesbezügliche Zugewinn beim Wechsel auf den Classic Amp war dann doch enorm und nicht zu überhören. Die musikalische Ansprache gewann insgesamt an Kontur und Authentizität: Der Neue klingt freier, unbeschwerter und gleichzeitig nachdrücklicher.

Fazit

Klare Sache: Unbeeindruckt davon, dass Cyrus den Classic Amp nach eigenen Angaben speziell für das Zusammenspiel mit eher preisgünstigen Lautsprechern optimiert hat, empfiehlt er sich in Tat und Wahrheit auch für teure Schallwandler. Er hat eindeutig das Attribut «High-End-tauglich» verdient und hat ganz klar das Zeug zum langlebigen Klassiker. Aufgrund des vergleichsweise günstigen Preises darf man diesem britischen Vollverstärker durchaus das Label «Best Buy» anhängen.

Auch an Vinyl-Liebhaber hat man gedacht: Der Phono-MM-Eingang befriedigt selbst höhere Ansprüche.Auch an Vinyl-Liebhaber hat man gedacht: Der Phono-MM-Eingang befriedigt selbst höhere Ansprüche.
Steckbrief
Modell:
Classic Amp
Profil:
Kompakter audiophiler Vollverstärker mit kompletter Ausstattung. Der integrierte HiRes-DAC gehört zur besonders feinzeichnenden Sorte. Und auch ein rauscharmer, gut klingender Phono-MM-Eingang ist mit an Bord. Die Ausgangsleistung von bis zu 2 x 112 Watt sollte für die meisten Boxen ausreichen. Bei Bedarf kann man an die niederohmigen Pre-Outs einen zusätzlichen Endverstärker oder Subwoofer anschliessen. Die Verarbeitung und Bedienung entspricht den typisch hohen Cyrus-Standards. Sehr empfehlenswert, auch für teure Lautsprecher.
Pro:
Sehr hohe Klangqualität.
Überdurchschnittlich gute räumliche Abbildung.
top verarbeitet.
Integrierter HiRes-DAC erfüllt auch hohe Ansprüche.
Rauscharmer Phono-MM-Eingang.
Contra:
Kein USB-DAC-Eingang. Wiedergabe auf PCM/FLAC bis 192 kHz Samplingrate begrenzt.
Preis:
2,390.00 CHF
Hersteller:
Cyrus
Jahrgang:
2022
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
215 x 75 x 365 mm
Gewicht:
6,7 kg
Farbe:
Schwarz
Airplay:
Nein
Bluetooth:
Nein
Chromcast:
Nein
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Nein
Analog Input:
4 x Cinch, Phono MM
Analog Output:
Pre Out, Fixed Out, Kopfhörer
DA-Wandler:
24 Bit/192 kHz
Digital Input:
2 x optisch, 2 x koaxial SPDIF
Frequenzgang:
0.5 Hz – 50 kHz ± 3dB
Maximale Leistung:
2 x 112 Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm:
2 x 70 Watt
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-cyrus-classic-amp-topmoderner-klassiker
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