Der Mystrom-WiFi-Adapter ist eine geschaltete Steckdose, die mit intelligenten Zusatzfunktionen wie Verbrauchsmessung und Steuerung via Internet auftrumpft.Wer will, dass sein trautes Heim aufs Wort gehorcht, braucht 39 Franken und ein neueres iPhone oder iPad. Das Geld braucht man für einen Steckdosenadapter von Mystrom, den Rest übernimmt die Siri-Spracherkennung und das Steuersystem HomeKit von Apple. Letzteres ist standardmässig auf iOS-Geräten ab Version 9.0 vorinstalliert.
Mystrom: Steuern und Messen
Die Stromsteckdosenschalter von Mystrom haben eine lange Geschichte. Ich habe mit der ersten Generation von Adaptern bereits vor Jahren rumgespielt. Inzwischen gibt es eine zweite Adaptergeneration. Diese ist billiger und hübscher und verbindet sich nun nicht mehr via Stromkabel (PLC), sondern per WLAN mit dem heimischen Netzwerk.
Die Grundfunktion des Mystrom-Steckdosenadapters ist aber geblieben. Er ist ein funkgesteuerter Schalter, wie man ihn aus dem Supermarkt kennt. Gegenüber der Konkurrenz bietet er aber viele Vorteile und Zusatzfunktionen.
- Erstens ist er so konstruiert, dass er in Schweizer Wohnungen mit 3-fach-Wanddosen nicht alle Dosen blockiert.
- Zweitens wird er nicht mit einer Fernbedienung gesteuert, sondern via App (Android, iOS, beliebiger Browser).
- Drittens kann man im Schalter auch automatische Zeitsteuerungen einrichten und den Schalter weltweit via Internet steuern.
- Viertens misst er auch gleich noch den Stromverbrauch. Auf diese Daten kann er clever reagieren. Schalten die Kinder beispielsweise den Fernseher ein, steigt der Stromverbrauch, und die Eltern erhalten eine Meldung auf das Handy.
- Letztlich integriert sich der Schalter in das Smart-Home-System HomeKit von Apple. Dadurch lässt er sich sogar mit Sprachbefehlen steuern.
Die App auf Mobilgeräten informiert über alle Dosen und deren Stromverbrauch.Ein Tag mit "Hey Siri"
Die Sprachsteuerung funktioniert nur mit iOS-Geräten und wird in der Mystrom-Mobile-App eingerichtet."Hey Siri, schalte das Radio ein!", "Hey Siri, schalte das Stubenlicht aus!", "Hey Siri, lass den Unsinn und hör endlich zu!" Diese drei Ausrufe waren typisch in unserem Alltagstest des Mystrom-Schalters. Die Sprachsteuerung funktionierte meist gut und verblüffte zahlreiche Gäste. Manchmal war Siri aber auch einfach störrisch, vor allem in lärmiger Umgebung.
Für die heimische Zweierbeziehung war der Test übrigens ein emotionales Wechselbad. Als ich meine Partnerin beim Nachhausekommen umarmte und rief "Hey Siri, schalte das Esszimmer aus", standen wir sofort in romantischem Dunkel. Der Jöö-Effekt war ganz auf meiner Seite.
Zwei Stunden später war dann meine Liebste durch mein permanentes Rufen nach Siri doch etwas genervt und nervte im Gegenzug mich mit Fragen wie "Warum hat das Ding keinen Männernamen?" und "Deine Kommunikation mit Siri ist grammatikalisch total vermurkst!" Ich reagierte prompt, änderte den Namen eines Schalters in "Kuschelecke". Der Abend war dann mit einem abschliessenden "Hey Siri, schalt die Kuschelecke ein!" gerettet.
Simple Installation
Notfalls können die Adapter auch mit einem Taster ein- und ausgeschaltet werden.So magisch, wie sich die Sprachsteuerung im Alltag anfühlt, so einfach ist die Installation der ganzen Lösung. Als Erstes stöpselt man einen Adapter in die Wanddose. Danach koppelt man ihn mit dem heimischen WLAN. Das geht am einfachsten via WPS-Taste am Internet-Router. Fehlt dort diese Funktion, kann man den Adapter auch mittels Lichtimpulsen in der Mystrom-App oder via Webbrowser koppeln.
Die Mystrom-App ist kostenlos, bedingt aber eine Registrierung. Gespeichert wird alles in einer Cloud-Lösung im Internet. Mystrom weiss nun also, wann ich schlafen gehe und wie viel Strom meine Kaffeemaschine verheizt. Fällt das Internet aus, muss man persönlich zu den Steckadaptern laufen und diese über einen kleinen Taster ein- und ausschalten.
Die Bedienung der App ist komfortabel. Sie zeigt alle installierten Adapter und ihren aktuellen Stromverbrauch als Symbole an. Geschaltet wird mit einfachem Fingerwischen. Tippt man einen Adapter an, öffnen sich die Komfortfunktionen. Dort lassen sich zeitgesteuerte Schaltzyklen definieren, Verbrauchsstatistiken ablesen und leistungsabhängige Mitteilungen definieren. Stromsparer freuen sich darüber, dass man eine Dose nach einer bestimmten Zeit automatisch ausschalten kann (Countdown) oder Geräte vom Strom trennen kann, sobald diese in den Standby-Modus zurückfallen.
Wird an einer Dose ein frei definierter Watt-Verbrauch überschritten, erhält man auf dem Handy eine Push-Meldung oder eine E-Mail.
Freihändig mit Ladekabel
Um die Sprachsteuerung zu nutzen, benötigt man ein aktuelles iOS und muss einige zusätzliche Installationsschritte vornehmen. Der Adapter muss mit einigen Fingertippern mit dem Softwaresystem HomeKit verbunden werden. Pro Adapter muss man einen Sicherheitscode eintippen. Als Nächstes muss man auf dem iOS-Gerät die Spracherkennung Siri aktivieren und eine Minute lang antrainieren. Erst dann darf man in der Wohnung rumschreien und beispielsweise fragen: "Hey Siri, wie spät ist es?". "Fünf vor zwölf", antwortet dann die Stimme aus der Apple-Cloud.
Ist das Mobilgerät am Ladeadapter angeschlossen, kann Siri permanent mithören und automatisch auf "Hey Siri" reagieren. Im Akku-Betrieb muss man die Home-Taste drücken, damit Siri Befehle entgegennimmt. Ferner hört ein iOS-Gerät immer nur auf jene Person, die sie antrainiert hat.
Die Sprachsteuerung macht Spass. Für die Nutzung im ganzen Heim müsste dazu aber in jedem Lebensraum ein iOS-Gerät am Ladekabel hängen, damit man nicht quer durch die Wohnung schreien muss. Schade also, dass keine Mikrofone in die Mystrom-Adapter integriert sind. Das hätte allerdings deren Kosten wohl multipliziert.
Die Sprachsteuerung mittels Siri hat zwar einen hohen Demo-Effekt, scheitert in der Praxis aber oft an den angeschlossenen Geräten. Bei Leuchten funktioniert es tadellos. Aber ein Fernseher oder eine Kaffeemaschine, die mit Strom versorgt wird, schaltet sich deshalb noch lange nicht vernünftig ein. Bestenfalls kann man also bei solchen Geräten dank Zeitschema den Standby-Verbrauch minimieren.
Spass mit Grenzen
Auch ohne Sprachsteuerung machen die Mystrom-Wifi-Adapter genau das, was sie sollen. Sie schalten via App zuverlässig und praktisch verzögerungsfrei Steckdosen ein- und aus. Dass sie dabei jeweils auch gleich deren Stromverbrauch messen, ist ein nettes Feature. Die App totalisiert dabei sogar den Verbrauch für mehrere Dosen automatisch und erstellt hübsche Statistiken.
Sehr praktisch ist die Fernsteuerfunktion von unterwegs. Via App kann man auf alle Funktionen auch aus den Ferien zugreifen. Sein Passwort sollte man aber gut behüten, will man nicht Fremden die Steuerung des eigenen Heims überlassen.
Bei den Smart-Home-Funktionen sind die Adapter leider noch eingeschränkt. Schade ist, dass sich die Dosen nicht gegenseitig steuern können. Die Dose am Fernseher merkt zwar mit erhöhtem Stromverbrauch, wenn das TV-Gerät eingeschaltet wird. Sie TV-Dose kann aber nicht automatisch die Ständerlampe an einer anderen Dose ausschalten, wenn der Fernseher eingeschaltet wird.
IFTTT – Grenzenlose Möglichkeiten
Die Dosen lassen sich auch über den Internetdienst IFTTT.COM ansteuern. Das ermöglicht raffinierte Szenarien. So wird beispielsweise das Licht automatisch ausgeschaltet, wenn man eine geografische Region verlässt.Mehr Intelligenz erhält die Lösung, wenn man den Internetdienst IFTTT.com (If This Then That) nutzt. Der Dienst vereint Hunderte smarte Geräte mit dem Paradigma "Wenn das passiert, mach dies!".
Die Mystrom-Dosen können Schaltbefehle via IFTTT empfangen. So gelang es uns, das Licht auszuschalten, sobald wir uns mit dem Android-Handy mehr als 100 Meter von zu Hause entfernten.
Auch Funk-Wandschalter von Click lassen sich beispielsweise via IFTTT einbinden. Statt zum Handy zu greifen oder Siri anzuschreien, schaltet man dann Lampen wie gewohnt via Druckschalter. Mystrom will übrigens auch eigene, smarte Wandschalter auf den Markt bringen.
Mit IFTTT werden die Mystrom-Dosen zu Alleskönnern. Leider funktionieren sie aber nur als Schalter, können also beispielsweise nicht bei bestimmtem Stromverbrauch eine IFTTT-Aktion auslösen. Ferner ist die Zeitverzögerung des Schaltprozesses, welche durch die Umleitung via IFTTT entsteht, irritierend. Die Integration via IFTTT bringt viele smarte Funktonen, bedingt aber auch eine gesunde Portion Experimentierfreude.
Fazit – Viel Smart für wenig Geld
Fazit: Wer eine Steckdose drahtlos schalten will, darf mit gutem Gewissen zur doch recht günstigen Mystrom-Lösung greifen. Im Alltagstest haben sie sich besser bewährt als übliche Funkadapter. Wer sein ökologisches Gewissen pflegen will, kann mit der Lösung auch Strom sparen.
Ich hatte jedenfalls viel Spass, mit den Adaptern ein wenig "Smart Home" zu spielen. Und mit der Integration der Siri-Sprachsteuerung brachten wir sogar ein bisschen Raumschiff-Enterprise-Feeling in die gute Stube.