Nicht nur bei Spielfilmen, sondern auch bei Naturdokumentationen gefällt das OLED-Display mit prächtigen Farben.Das Gewicht von über 22 kg macht schon deutlich, dass beim 55OLED903 ein hoher Materialaufwand betrieben wurde. Dabei sind seine Pfunde geschickt versteckt. OLED-typisch – eine Hintergrundbeleuchtung entfällt – ist das rahmenlose Display nur wenige, nämlich rund vier, Millimeter dick. Die gesamte Elektronik, die Anschlüsse sowie ein Teil des Audiosystems sind in einem knapp vier Zentimeter tiefen Chassis untergebracht. Dieses ist jedoch auch seitlich kaum sichtbar, da es nicht die ganze Rückseite belegt und zudem über abgeschrägte Kanten verfügt.
Das nach vorne abstrahlende Mittel- und Hochton-Soundsystem ist unterhalb des Displays in einem Querbalken platziert. Dieser ist sozusagen nahtlos in den Fernseher integriert und mit Stoff überdeckt. Somit fällt er optisch gar nicht als separate Soundbar ins Gewicht, sondern verleiht dem Gerät eine edle, besonders wohnraumtaugliche Anmutung. Das trägt massgeblich zum insgesamt erfreulichen optischen und haptischen Gesamteindruck dieses Fernsehers bei. Auch die verchromten Miniaturstandfüsse geben keinerlei Anlass zu ästhetischen Bedenken. Auf ihnen ist das Logo von «Bowers & Wilkins» eingraviert.
Das B&W-Soundsystem ist in eine bündig angesetzte Leiste unterhalb des Displays integriert. Eine Stoffabdeckung sorgt für ein edles, wohnliches Erscheinungsbild.Tatsächlich ist TP Vision (der Hersteller von Philips-TV-Geräten) eine Entwicklungspartnerschaft mit dem britischen Audio-Spezialisten Bowers & Wilkins eingegangen. Nicht nur bei der aktuellen 903-OLED-TV-Generation hat B&W massgeblich Know-how für eine gute Soundqualität beigetragen. Mindestens für die nächsten drei Jahre (wenn nicht länger) werden Philips-Fernseher der Oberklasse von den britischen Klangtüftlern profitieren und das entsprechende Logo tragen dürfen.
Eine ureigene Philips-Innovation ist hingegen Ambilight, welches beim 55OLED903 seitlich sowie nach oben eine farblich zum jeweiligen Bildschirminhalt passende indirekte Rückwandbeleuchtung generiert. Tatsächlich ergänzt Ambilight das leuchtstarke OLED-Display ganz hervorragend, weil der Übergang vom extrem hellen Bildschirm (bis zu 1000 Nit) zur Umgebung viel harmonischer ausfällt. Ambilight lässt sich unter anderem in der Helligkeit justieren, so dass man es auch nur sehr dezent nutzen kann.
Die übrige Ausstattung des Fernsehers braucht sich ebenfalls nicht zu verstecken. Neben vier HDMI-Eingängen finden sich zwei USB-Anschlüsse. Wer einen der eingebauten TV-Tuner zum Fernsehempfang nutzt, kann über eine externe Festplatte Sendungen zur Aufnahme programmieren oder auch Timeshift nutzen. Für DVB-S ist sogar ein Doppeltuner vorhanden. So kann man ein Programm sehen und ein zweites aufzeichnen, sofern man über eine passende Twin-Satellitenantenne verfügt.
Android 8 Oreo
Der 55OLED903 ist ein «intelligenter» Fernseher mit Android-Betriebssystem. Wurde er zum Verkaufsstart im Oktober noch mit Android 7 ausgeliefert, soll bis Ende Januar 2019 das automatische Upgrade auf Android 8 (Spitzname «Oreo») erfolgen. Wir konnten unser Testgerät vorab bereits mit einer Beta-Version updaten. Der Unterschied zeigt sich auf dem Startbildschirm, der nicht mehr Quellen- sondern Content-basiert strukturiert ist.
Der Android-Startbildschirm ist nun wesentlich übersichtlicher mit nur noch einer App-Auswahlleiste. Dominiert wird er allerdings durch Youtube-, Netflix- und Pay-TV-Empfehlungen.Google verfolgt bei Oreo die Devise, dass der Nutzer anstelle einer riesigen App-Übersicht den schnellen Direktzugriff viel genutzte mediale Inhalte bevorzugt. Per Click auf den gewünschten Content wird die erforderliche App automatisch gestartet. Dies bedeutet beispielsweise, dass man nicht erst Netflix starten und dann die Lieblingsserie suchen muss. Ein Click genügt.
Apps werden nur noch als Favoriten in der obersten Reihe angezeigt. Darunter findet man eine Reihe von sogenannten Kanälen, die im Rahmen von Android 8 vorgegeben sind: Netflix, Youtube, das Pay-TV-Angebot im Google Play Store sowie eine Reihe von Erklärvideos zur Installation des Fernsehers. So sieht man auf dem Startbildschirm eine Übersicht der (angefangenen oder empfohlenen) Netflix-Serien, eine Liste mit bevorzugten Youtube-Inhalten (beispielsweise abonnierte Kanäle) wie auch aktuelle (kostenpflichtige) Spielfilme aus dem Google Play Store.
Eine Personalisierung des Startbildschirms verspricht der Button «Kanäle anpassen»: Drückt man hier drauf, gelangt man tatsächlich in ein Auswahlmenü an verfügbaren Quellen und kann festlegen, welche Apps Content auf dem Starbildschirm anzeigen dürfen.
Zum Testzeitpunkt waren leider keine weiteren Quellen als die genannten verfügbar. So konnten wir weder Inhalte einer Mediathek noch bevorzugte TV-Sender zwecks Direktzugriffs in Form von Buttons auf den Bildschirm zaubern. Schade eigentlich, hier sollten Google und die Hersteller von Android-TVs schnellstens nachbessern. Ansonsten werden Pay-TV-Anbieter wie Netflix und Google Play Store bevorzugt, was auch die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen könnte.
Zusätzlich zur Vollfernbedienung (links) ist eine zweite Fernbedienung zur Google-Sprachsteuerung im Lieferumfang enthalten. Dank griffigen Tasten erlaubt sie auch eine vereinfachte Grundsteuerung.Die Navigation zum gewünschten Inhalt erfolgt problemlos und schnell (einhändig per Daumen) über den Cursor der Fernbedienung. Für die gezielte Suche nach Inhalten beispielsweise in Youtube verfügt die grössere der beiden mitgelieferten Fernbedienungen des 55OLED903 auf der Rückseite über eine Tastatur zur Texteingabe. Damit kann man theoretisch auch den offenen Browser in Android nutzen, wobei die Eingabe im Browserfenster doch etwas mühsam ist. Schreiben im Google-Suchfenster ist deutlich einfacher: Auf der Fernbedienung findet sich nämlich eine Direktzugriffstaste, und die Suchmaschine wird bildschirmfüllend aufgezoomt.
Scheinbar noch einfacher geht es mit dem Google-Sprachassistenten: Dafür ist beim 55OLED903 eine kleine, schmucke (Vollmetall-)Fernbedienung mit integriertem Mikrofon beigelegt. Damit kann man beispielsweise die Netflix-Serie per Sprachkommando aufrufen. Ebenfalls möglich ist die Senderwahl, sofern man den eingebauten TV-Tuner zum Fernsehen nutzt. Die allermeisten Applikationen unterstützen die Google-Sprachsteuerung jedoch (noch) nicht. Ob diese bereits mehr als eine Spielerei ist, muss jeder Anwender selbst entscheiden. Die klassische Navigation per manueller Fernbedienung funktioniert beim Philips-OLED aber so schnell und verzögerungsfrei, dass ein echter Vorteil der Spracheingabe schwer vorstellbar ist.
Fazit zu Oreo: Wer nur wenige ausgewählte Applikationen nutzt, gewinnt mit dem Nutzungs-basierten Android 8 an Übersicht. Das tendenzielle Chaos an Apps und Empfehlungen gehört der Vergangenheit an. Für dauernd wechselnde Apps eignet sich der Fernseher ja ohnehin weniger, da der Zugriff vergleichsweise langsam ist. Die arg limitierte Content-Auswahl für den Startbildschirm schränkt den Vorteil von Android 8 gegenüber der Vorgängerversion derzeit allerdings noch ein.
Beeindruckender Sound dank B&W
Die Tonabteilung verfügt über ein sogenanntes 2.1-Lautsprechersystem. Die Treiber dafür wurden von Bowers & Wilkins speziell für Philips TV entwickelt. Nach vorne strahlen zwei glasfaserverstärkte Tiefmitteltöner und zwei Hochtöner mit Titankalotte. Unterstützt wird dies durch einen rückwärtig integrierten Subwoofer, der mit einem Tiefbasstreiber und zwei Passivmembranen erstaunlichen Schub und Tiefgang im Frequenzkeller generiert.
An der Rückseite befindet sich ein integrierter Subwoofer mit zwei Passivmembranen, der bei Actionfilmen für mächtiges Grummeln und bei Musik für beachtlichen Tiefgang sorgt.B&W zeichnet jedoch nicht nur für die Lautsprecherchassis verantwortlich. Entscheidend für klaren Sound sind auch Stabilität und Resonanzarmut des Gehäuses. Auch hier hat der britische Lautsprecherspezialist Know-how vorzuweisen (Stichwort: Matrix). Und nicht zuletzt sorgt moderne digitale Signalverarbeitung dafür, dass die Tonabteilung bei Pegelattacken nicht überfordert wird und auch bei geringer Lautstärke rund und voll klingt.
In fünf Voreinstellungen (Film, Musik, Spiel, Nachrichten, Original) kann man aus verschiedenen Klangabstimmungen wählen. Besser noch nimmt man sich die Zeit und konfiguriert den Ton im «persönlichen Modus». Hier kann man über einen Fünffach-Equalizer die tonale Balance passend zum Standort (Wandabstand, akustische Dämpfung der Umgebung) abgleichen. Ausserdem lässt sich hier «DTS TruSurround» aktivieren, eine virtuelle Raumklangschaltung.
Echten Surround-Sound kann man davon nicht erwarten. Dennoch empfiehlt sich in jedem Fall deren Einsatz, denn sie sorgt dafür, dass sich das Klangbild deutlich klarer löst und mit dem visuellen Geschehen auf dem Bildschirm verschmilzt. Insbesondere Dialoge profitieren von DTS TruSurround, aber auch Musikprogramme entfalten sich besser im Hörraum.
Lohn der Arbeit ist eine bestechend klare Wiedergabe sowohl von Soundtracks wie auch von Musik. Der unvermeidliche minimale Zeitversatz der rückwärtigen Tiefbassabstrahlung ist zwar wahrnehmbar, gross stört er aber nicht. Eine weite Stereo-Perspektive kann man von dem schmalen Soundsystem natürlich nicht erwarten, dieses punktet aber mit einer breiten Abstrahlcharakteristik: Auch seitlich gehört bleibt der Sound ausgeglichen und erstaunlich brillant. Damit passt der Ton bestens zum Bild dieses OLED-Fernsehers: Ein grosser Vorteil dieser Bildschirmtechnik ist nämlich der extrem breite Sehwinkel ohne Brillanz- oder Farbverlust.
Gesteigerte Bildqualität dank P5 Engine und HDR
Die neue OLED-TV-Generation von Philips (803 und 903) verfügt über die verbesserte 2. Generation des P5-Videoprozessors – eine hauseigene Chip-Entwicklung, mit der sämtliche Parameter von Bewegt- und Standbildern optimiert werden. Ziel ist es nicht nur, herkömmliches HDTV auf UHD aufzupolieren, also Bildschärfe und Detailtreue zu verbessern, sondern auch den Kontrastumfang sowie die Farbwiedergabe auf ein besseres Level (nämlich 1024 Abstufungen pro Farbe anstelle von nur 256) zu bringen.
Das OLED-Display profitiert vom HDR-Upscaling des P5-Bildprozessors. Auch bei normalem HD-Signal gewinnen dunkle Bildpassagen Textur und Kontrastabstufungen.Für die Verbesserung des Kontrastes ist das High-Dynamic-Range-Verfahren (kurz: HDR) zuständig. Es sorgt nicht nur dafür, dass der Gesamtumfang (dunkleres Schwarz, helleres Weiss) zunimmt, ebenso wichtig sind nuanciertere Kontrast-Abstufungen. Neuere Spielfilme und Serien sind meist in HDR produziert, und die noch relativ neue Ultra-HD-BluRay-Disc kann entsprechend kodiertes Filmmaterial per HDMI-Kabel zum Fernseher bringen. Aber auch Netflix bietet eine Vielzahl an Spielfilmen und Serien in UHD samt HDR an. Der Fernseher nutzt die HDR-Informationen in Form von Metadaten, die dem eigentlichen Videosignal unterlegt sind zur sichtbaren Kontraststeigerung auf dem Bildschirm.
Dolby Vision und HDR10 sind zwei Verfahren zur Kontraststeigerung. Der 55OLED903 nutzt Letzteres und ist bereits für die kommende Version HDR10+ vorbereitet, die eine dynamische Kontrastanpassung ermöglicht. Bei HDR10 werden die Daten statisch für das gesamte Video vorgeben. Bei dem in HDR10+ kodierten Video geschieht dies kontinuierlich und dadurch sehr differenziert. Solcher Content ist allerdings noch Mangelware und dürfte erst im Verlauf von 2019 breiter verfügbar werden.
Grundsätzlich harmoniert ein OLED-TV prächtig mit HDR-Bildmaterial, weil er dunkles Schwarz (im Gegensatz zum LCD-TV mit LED-Hintergrundbeleuchtung) korrekt wiederzugeben weiss. Die selbstleuchtenden Dioden beim OLED können die Helligkeit nämlich beliebig herunterdimmen. Andererseits spezifiziert die 2018er-OLED-Generation von Philips eine Spitzenhelligkeit von 1000 Nit. Dies ist deutlich mehr als der UHD-Premium-Minimalstandard verlangt (540 Nit) – und auch viel mehr als man im TV-Alltag eigentlich benötigt.
Viel wichtiger erscheint mir, dass ein Fernseher über ein gutes HDR-Upscaling verfügt. Dass er also in der Lage ist, herkömmliches Videomaterial ansehnlich in annähernder UHD- und HDR-Qualität wiederzugeben. Und hier leistet der P5-Prozessor Erstaunliches. Jüngst lief «La La Land» als Free-TV-Premiere. Und was der 55OLED903 an Bildqualität aus den von SRF angebotenen 720p auf den UHD-Bildschirm zauberte, war absolut beeindruckend. So gut hat der Autor jedenfalls öffentlich-rechtliches Fernsehen noch nie gesehen. Dazu passt der saubere und dynamische Klang, der den Musical-Szenen in diesem prämierten Film erst ihren vollen Unterhaltungswert verleiht.
Die Pfunde sind beim Philips OLED geschickt auf der Rückseite versteckt. Das Chassis mit der Elektronik und den Anschlüssen ist von der Seite kaum sichtbar.Noch besser skaliert der Philips OLED Spielfilme in 1080i (beispielsweise von Teleclub) oder gute BluRay-Discs. Bei Letzteren hat man bereits den Eindruck, echtes UHD-Video zu sehen, so gut sind Detailtreue, Farbwiedergabe und Kontrast. Schlichtweg atemberaubend ist der Seheindruck bei echten UHD-Clips, die mit High Dynamic Range produziert wurden. Eine gute Auswahl an Clips kann man hier herunterladen.
Bevorzugt wurde die Bildvoreinstellung «ISF Nacht» eingesetzt, die eigentlich für jedes gute Bildmaterial optimal geeignet war. Lediglich bei älteren Filmen mit schlechter Videoqualität setzte sich der Modus «Film» dank feinerer Detailzeichnung besser in Szene. Wer möchte, kann im Modus «Persönlich» das Bild in vielen Parametern gezielt nach eigenem Gusto feinabstimmen. Die Möglichkeiten sind allerdings so zahlreich, dass der Laie davon wohl die Finger lassen wird. Spezialisten mit entsprechendem Messequipment können das Display jedoch nach professionellen Gesichtspunkten kalibrieren.
Fazit
Eine objektive Beurteilung der Bildqualität kann hier (mangels A/B-Vergleich mit anderen OLED-TVs oder QLED & Co. sowie mangels Messequipment) nicht geliefert werden. Der OLED903 hat sich aber in vielen Tests von Fachzeitschriften bereits an die Spitze gesetzt. So gewann das 65-Zoll-Modell einen «OLED-Shootout» beim deutschen Magazin «Video», bei dem 35 Teilnehmer die beste Bildqualität bestimmten konnten.
Dem kann sich der Autor insofern anschliessen, als der 55OLED903 der beste Fernseher ist, der ihm bisher über den Weg gelaufen ist. Wichtiger als eine überragende Bildqualität bei optimalem UHD-Signal erscheint mir derzeit noch, dass man auch im normalen Fernseh-Alltag mit durchschnittlichen bis guten Quellen von einem High-End-TV profitiert. Und gerade hier leistet der Philips-P5-Bildprozessor im Zusammenspiel mit dem kontraststarken und farbbrillanten OLED-Display ganze Arbeit. Das dreiseitige Ambilight bildet dazu eine ideale, augenschonende Ergänzung. Der Preis von CHF 3300.- scheint nur auf den ersten Blick hoch und ist bei genauerer Betrachtung absolut angemessen. Die Wertigkeit dieses OLED-Fernsehers ist nämlich rundum – auch was die Verarbeitung und das Design betrifft – sehr hoch.
Mit seinem klaren, minimalistischen Design und der Indirektbeleuchtung Ambilight macht der 55OLED903 von Philips in jeder Wohnumgebung eine tolle Figur.