TCL 55C825.Smartseher
Gibt es wirklich noch schlechte Fernsehgeräte? Während vor einigen Jahren bei den verschiedenen Fernsehgeräten die Bildqualitäten von billig und teuer noch eine grosse Spanne ausmachten, ist heute alles ein bisschen näher zusammengerückt. Newcomer machen den etablierten Brands das Leben zunehmend schwerer. Umso gespannter waren wir auf die Ankunft eines aktuellen 2021-Modells der C82-Serie des chinesischen Herstellers TCL. Gibt es noch ein Haar in der Suppe zu finden oder darf man sie getrost mit Genuss auslöffeln bis zum Schluss?
Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung für gute Kontrastwerte (Bild TCL).Äusserlichkeiten
Auffallend ist der vorhandene Lautsprecher. Während bei einigen Flachbildschirmen so gut wie kein Lautsprecher sichtbar ist, geht man bei der C82-Linie einen bewusst anderen Weg. Der Fernseher stammt ja nicht aus einer Zeit, als noch Stummfilme produziert wurden, sondern aus jener Zeit mit eher zu viel als zu wenig Soundeffekten made in Hollywood. Das kann man durchaus als Statement sehen, zumal sehr augenfällig das ONKYO-Logo rechts auf dem Lautsprecherstoff um Aufmerksamkeit hascht. Wir kommen weiter unten darauf zurück.
Wenn man den recht schweren Flach-TV einmal aus seiner Schachtel befreit hat, erstaunt die einwandfreie Verarbeitungsqualität. Der elegante Sockel ist aus massivem Aluminium und wird mit vier Schrauben sicher fixiert. Der ganze Rahmen rund um den Bildschirm ist ebenfalls aus Aluminium und wirkt sehr edel. Der Bildschirm ist nicht gerade sehr dünn geraten, die Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung lässt sich offenbar nicht so falch bauen wie das Edge-LED-Pendant.
Da man von vorne her betrachtet vor allem den ultraschmalen Alurahmen sieht, fällt die höhere Tiefe auf den ersten Blick gar nicht auf. Auffallend ist das runde «UFO» auf der Rückseite des TVs. Nach genauerer Betrachtung stellt sich dieses als Passivradiator zur Bassunterstützung heraus. Schön gemacht ist auch der Lautsprecherstoff, der optisch die Lautsprecher-Chassis abdeckt. Den Spezifikationen nach ist ein 2.1-System verbaut, mit je 15 Watt bzw. 20 Watt für den Bassbereich.
Der Passivradiator auf der Rückseite sorgt für satten Bass.Ausstattung
Wie schon erwähnt, setzt TCL bei der C82-Linie auf eine Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung. TCL gibt keine genaue Anazhl dieser Mini-LEDs an, spricht aber von «tausenden». Der Vorteil dieser Technik gegenüber der günstigeren Edge-LED-Hintergrundbeleuchtung liegt darin, dass einzelne Bildbereiche über die Hintergrundbeleuchtung in der Helligkeit gesteuert werden können. Je mehr LEDs vorhanden sind, desto feiner können die Bereiche angesteuert werden.
Dies ermöglicht beispielsweise ein komplettes Abschalten eines schwarzen Bereichs. Das kommt besonders in Weltraumszenen und dergleichen gut zur Geltung. Damit ist ein deutlich besserer Inbild-Kontrast möglich. Der TCL-Fernseher läuft mit einem Android-Betriebssystem. Es ist von Vorteil, einen Play-Store-Account zu haben, will man die wirklich vielfältigen Angebote von Amazon Prime, Netflix, Youtube etc. nutzen.
Was wirklich nicht alltäglich ist, ist die Tatsache, dass der TCL alle gängigen HDR-Formate versteht – von HDR10 bis hin zu Dolby Vision IQ. Ansonsten ist die C82-Serie mit je einem Single DVB-C (Kabel) und DVB-S (Sat) ausgestattet, welche einen Empfang auch ohne Internet ermöglichen. Die Sat-Empfänger werden wohl ab und zu genutzt werden, mit der hohen Settop-Box-Dichte in der Schweiz ist der Kabelempfänger allenfalls für Sparfüchse und UPC-Kunden interessant.
Airplay und iTunes bietet der 55C825 nicht an. Ein Apple TV lässt sich allerdings problemlos an eine der vier HDMI-Schnittstellen anschliessen, wobei zwei davon bis 120 Hz Bildwiederholfrequenz ermöglichen. Daneben sind zwei USB-2.0 und ein Netzwerkanschluss vorhanden und der Kopfhöreranschluss darf nicht unerwähnt bleiben. Bietet die Audioanlage kein ARC, kann der TV mit dem optischen Audioausgang verbunden werden. Und zu guter Letzt kommen auch Spielfreunde auf ihre Rechnung: Dank «Game Master» – oder offiziell «Auto Low Latency Mode» (ALLM) – wird seit HDMI 2.1 für die jeweilige Funktion die beste Latenzzeit automatisch eingestellt.
Sauber verarbeitet. Onkyo sorgt für breitbandigen Sound.Bedienung
Dem Fernseher liegen zwei Fernbedienungen bei: eine kleine mit wenigen Tasten sowie ein grössere mit vielen Tasten, unter anderem mit einer Netflix-Direkttaste. Beide sind sehr leicht und ausschliesslich aus Kunststoff gefertigt, liegen aber recht angenehm in der Hand. Der Bildschirm ist dank dem einfachen Wizard schnell eingerichtet und sollte auch den Laien nicht vor unlösbare Problem stellen. Die vielen Apps sind via Navigationstasten gut und flüssig erreichbar und starten recht flott. Filme via Youtube und Netflix laufen flüssig, wenn der Internetzugang genügend schnell ist.
Zwei Fernbedienungen liegen bei, beide sind übersichtlich und logisch in der Handhabung.Bild und Ton
Kommen wir zum Wichtigsten, zur Performance. Man muss sich bewusst sein, dass wir es trotz Mini-LED-Technik mit einem LCD-Fernseher zu tun haben. TCL nennt die ganze Technik «Quantum-Dot». Out of the Box erscheinen die Farben natürlich und glaubhaft und der Kontrast wirkt gut, der Schwarzwert erscheint sogar sehr gut. Allerdings fällt der Kontrast bei zu starkem Betrachtungswinkel deutlich ab. Dies vor allem, weil die Helligkeit dann deutlich leidet. Insgesamt setzt der 55C825 im ausgelieferten Zustand nicht gerade einen neuen Massstab punkto Helligkeit, doch wenn man im «Experten-Menü» die «Dynamische Helligkeit» auf «Helligkeit+» einstellt, hat man das Gefühl, einen anderen Fernseher vor sich zu haben.
Zwar meldet ein Pop-up-Fenster, dass nun nicht mehr gewährleistet werden kann, dass der TV die Energieeffizienzanforderungen erfüllt, doch der Tiefeneindruck wird durch diese Option massiv verbessert, das Bild erscheint nun schon fast dreidimensional. Besonders bei Zuspielung von 4K-HDR-Bluray-Discs hat der 55C825 so nun richtig Power.
Davon abgesehen bietet der TCL generell ein ausgewogenes Bild, ohne sich irgendwo einen Ausreisser zu leisten. Dank der in zehn Stufen einstellbaren «Motion-Clarity»-Funktion bleiben auch Bildschwenks weitestgehend unverschmiert und ruckelfrei. Bei Sportsendungen ist dies ein nicht zu unterschätzendes Feature, bei Spielfilmen ist dies allerdings Geschmacksache. Das Originalruckeln mit 24 Bildern pro Sekunde gehört bei vielen Filmen einfach dazu.
Dank der vielen Mini-LEDs in der Hintergrundbeleuchtung ist der 55C825 ziemlich immun gegen den sogenannten Heiligenschein bei weissen Schriften auf schwarzem Hintergrund. Dies passiert, wenn die Bereiche der Hintergrundbeleuchtung zu grob sind und so der ganze Bereich um die Buchstaben voll ausgeleuchtet werden muss. Hier kann der TCL seine Stärke ausspielen.
Onkyo ist ein bekannter Name in der Szene, vor allem für seine hochwertigen AV-Receiver. Seit dem Verkauf von Onkyo an VOXX-International ist es zwar im Moment recht ruhig um diesen Brand geworden, doch darf man getrost bei einem TV mit dem Onkyo-Logo einen guten Klang erwarten. Dies kann der TCL aber nur teilweise erfüllen. Der Klang ist zwar voluminös und breitbandig, allerdings nicht ganz unverfärbt. Wahrscheinlich nicht, weil die Soundabstimmung nicht seriös gemacht wurde, sondern weil Teile des Gehäuses mitschwingen und so Resonanzen angeregt werden. Fairerweise muss man aber sagen, dass insgesamt gesehen der TCL hier auf keinen Fall schlechter abschneidet als die meisten anderen TVs in dieser Preisklasse, im Gegenteil. Aufgrund seiner «Onkyo-Gene» hätte man aber noch etwas mehr erwartet.
Praktisch: Eine aufsteckbare Kamera wird mitgeliefert.Fazit
Der TCL 55C825 ist ein Fernseher mit sehr guten Bild- und Toneingenschaften und dank Android-Betriebssystem vielseitig einsetzbar. Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau, bei den Materialien ist nicht gespart worden. Mit einem offiziellen Verkaufspreis von CHF 1600 ist der TCL nicht gerade ein Schnäppchen, aber man bekommt dafür einen Fernseher mit hochwertiger Technik und Verarbeitung. Das Haar in der Suppe? Vom Onkyo Soundtuning hätten wir etwas mehr erwartet.
Auch optisch gelungen: der TCL 55C825.