Panasonic DMC-GH3 mit montiertem lichtstarkem, abgedichtetem Standardzoom 1:2,8/12-35mm (KB: 14-70mm) und hochgeklapptem Blitz.Die Panasonic Lumix DMC-GH3 wurde im September 2012 an der Photokina-Messe angekündigt und gelangt seit Anfang 2013 – erst in homöopatischen Dosen und inzwischen in richtigen Mengen - auf den Schweizer Markt. Sie ist die Nachfolgerin der bewährten und viel gelobten GH2, die zwei Jahre zuvor lanciert wurde.
Auch bei der GH3 handelt sich um eine spiegellose kompakte Systemkamera in der Bridge-Kamera-Bauform. So ähnelt sie äusserlich einer Spiegelreflexkamera, doch verzichtet sie auf den platzraubenden, heute eher unnötigen und hinderlichen Umlenkspiegel – und anstelle eines optischen Suchers bietet sie einen elektronischen Sucher.
Allgemein werden die kompakten spiegellosen Kameras als CSC (Compact System Camera) bezeichnet. Panasonic propagiert für ihre Modelle die Bezeichnung DSLM (Digital Single Lens Mirrorless), um sie klar als Alternative zu digitalen Spiegelreflexkameras zu positionieren, die kurz DSLRs (Digital Single Lens Reflex) genannt werden.
Als Mitglied der "Panasonic G Micro"-Familie besitzt die GH3 einen Anschluss für Wechselobjektive des Micro-Four-Thirds-Standards. Neben Objektiven von Panasonic lassen sich auch solche von Olympus sowie Fremdobjektive mit passenden Anschlüssen von Schneider Kreuznach, Sigma, Tamron, Zeiss etc. verwenden.
Die GH3 ist wie alle früheren GH-Modelle das jüngste Flaggschiff im "Micro G"-Kamerasystem von Panasonic. Sie bietet zu einem entsprechenden Preis (UVP 1499 Franken, Strassenpreise ab 1200 Franken fürs Gehäuse) die beste Ausstattung und umfassendstes Funktionalität unter allen G-Modellen. Sie richtet sich damit an versierte Digitalfotografen und durch ihre starken Videofunktionen auch an Filmer und Multimediaschaffende.
Vom Paradepferd zum Schlachtross
Bei einem ersten oberflächlichen Blick auf die technischen Eckdaten scheint sich bei der GH3 gegenüber der alten GH2 nicht viel getan zu haben. Die neue Kamera bietet eine – heutzutage eher durchschnittliche – Fotoauflösung von 16 Mpx, die übliche Full-HD-Videoaufnahmefunktion, einen ausklappbaren Touchscreen, eine Serienbildfunktion mit 6 fps, schnelles Autofokus sowie eine Lichtempfindlichkeit bis ISO 25'600. Auffälligste Neuerung auf dem Datenblatt ist – ganz dem aktuellen Trend folgend – ein integriertes WLAN/Wi-Fi.
GH3 mit seitlich ausgeklapptem und mit der Bildschirmseite nach vorne gedrehtem OLED-Bildschirm. Montiert ist das vielseitige, altbewährte 14-140 mm (KB: 28-280 mm).Bei genauerem Studieren von Datenblatt und Beschreibung sowie erst recht bei einer persönlichen Kontaktaufnahme mit der Kamera zeigen sich jedoch eine Vielzahl von Änderungen und Verbesserungen, deren augenfälligste das Kameragehäuse ist.
Tatsächlich wurde die GH3-Kamera in vielen Details stark verbessert, hat ausgefeiltere, leistungsstärkere Foto- und Videofunktionen erhalten und wurde hochwertiger ausgestattet und damit leistungsfähiger – sowie gesamthaft aufgewertet. Aus Sicht der GH3 mutet ihre Vorgängerin GH2 überspitzt formuliert eher wie ein Spielzeug an, während die GH3 nun als professionelles Fotowerkzeug daher kommt, das sich mit besseren digitalen Spiegelreflexkameras messen will und kann.
Grösse und Design des GH3-Gehäuses sowie Anordnung von Bedienelementen zeigen keine nennenswerte Unterschiede zu einer DSLR. Typisch ist da auch das spritzwasserresistente und staubdichte Gehäuse, das durch Dichtungen mehr Schutz gegen Umwelteinflüsse bietet und somit den Einsatz in feuchter oder staubiger Umgebung erlaubt. Passend dazu hat Panasonic ja im Sommer 2012 und später an der Messe noch zwei neue, abgedichtete Profiobjektive vorgestellt: das 2,8/12-35mm (siehe Titelbild) und das 2,8/35-100mm (UVP: 1449 und 1699 Franken). Die beiden bieten eine durchgehende Lichtstärke von 1:2,8 über den gesamten Brennweitenbereich und fallen dennoch – dank des eher kleinen Kamerasensors – recht kompakt und leicht aus.
Das Kameragehäuse offenbart denn auch durch sein eher klassisches DSLR-Design, seine gewachsene Grösse und die Anordnung von Bedienlementen eine Aufwertung zum professionellen Fotowerkzeug. Dadurch hat die GH3 allerdings den Vorteil des Micro-Four-Thirds von kleineren Kameras infolge ihres vergleichsweise kleinen Sensors verspielt. Sie ähnelt nun stark den aktuellen DSLRs der 100er Serie von Canon, wobei sich Ausstattung und Leistung der GH3 eher auf dem höheren Niveau eine semiprofessionellen DSLR bewegen (z.B. Canon 7D, 5D Mark III und 6D).
Die GH3 mit montiertem Hochformat-Batteriegriff BG-GH3 kommt nun als wuchtiger, vor Spritzwasser und Staub geschützter "Kampfpanzer" daher und unterscheidet sich äusserlich kaum von einer DSLR.Wie zu vielen DSLRs gibt es nun auch zur GH3 einen Hochformat-Batteriegriff. Dieser wird unten an die Kamera geschraubt und hilft bei hochformatigen Fotoaufnahmen mit besserem Halt und bei der Bedienung durch zusätzliche Bedienelemente (Auslöser, Einstellräder Daumen/Zeigfinger-und Tasten). Darüber hinaus nimmt er einen zweiten Akku auf und verdoppelt so die Betriebszeit. Im Gegensatz zu anderen solchen Griffen gibt es aber keinen Halter, um anstelle des Panasonic-Akkublocks normale, überall erhältliche Rundzellenakkus/-Batterien im AA- bzw. Mignonformat im Griff zu verwenden.
BG-GH3 von vorne (oben) und hinten (unten): Der Griff enthält nochmals die wichtigsten Bedienelemente, die oben rechts an der Kamera platziert sind. Er erleichtert so bei vielen Hochformataufnahmen das Handling. Fotofunktionen
Die Kamera schiesst Fotos mit bis zu 16 Megapixel und kann diese als JPEG, RAW oder simultan als JPEG und RAW speichern. Wegen des Formats des Bildsensors im Four-Thirds-Format liefert die Kamera standardmässig Fotos im 4:3-Seitenverhältnis. Alternativ können Fotos im DSLR- bzw. Kleinbild-üblichen 3:2-Format, als 16:9-Breitbild und im quadratischen Seitenverhältnis – jeweils bei geringerer Megapixelzahl – aufgenommen werden. Im Unterschied zur GH2 besitzt die GH3 keinen übergrossen Multi-Aspect-Ratio-Sensor, von dem für jedes rechteckige Seitenverältnis eine anderer Bereich ausgewählt wird. Wie bei anderen Kameras werden Bilder in anderen Seitenverhältnissen als jener des Sensors (bei der GH3: 3:2, 16:9 und 1:1) einfach beschnitten.
Neu hinzu gekommen sind eine Intervallfunktion, um eine bestimmte Anzahl von Fotos automatisch in eingestellten Zeitabständen zu schiessen, sowie eine Funktion für HDR (High Dynamik Range), um auch Motive mit extremen Helligkeitsunterschieden einzufangen. HDR funktioniert wie bei den meisten Kameras allerdings nicht bei aktivierter RAW-Aufzeichnung. Unter Umständen muss also erst RAW als Speicherformat deaktiviert werden, um dann die HDR-Aufnahme zu aktivieren. Dabei werden zwei Aufnahmen mit sehr unterschiedlichen Belichtungseinstellungen geschossen und zu einer vermischt.
Die GH3 verfügt über einen internen Blitz und kann auch externe Blitze wie den abgebildeten Panasonic FL-360L kabellos steuern.Zu den neuen Fotofunktionen gehört nun auch - wie es bei DLSR-Systemen anderer Marken seit Ewigkeiten möglich ist, die kabellose Auslösung und Steuerung externer Blitzgeräte. Damit lassen sich Szenerien durch mehrere handliche Panasonic-Blitzgeräte professionell und kreativ ausleuchten, ohne gleich voluminöses Lichtequipment auffahren zu müssen.
Videofunktionen
Schon die GH2 gehörte unter den Filmern zu einem der bevorzugten Fotoapparate mit Filmfunktion. Sie lieferte besonders hochwertigen Videooutput (scharf, kaum Moirés) und wurde mit einem späteren Firmware-Upgrade oder manchen Hacks noch stärker.
Auch die GH3 zeichnet sich durch starke Videofunktionen aus. Full-HD sind nun mit 50 Vollbildern (progressiv) pro Sekunde möglich, wobei auch die niedrigeren Bildraten weiterhin zur Wahl stehen. Allerdings bietet die europäische Kameraversion neben Kino-üblichen 24 fps nur die PAL-orientierten Bildraten 50 fps und 25 fps, nicht aber die NTSC-orientierten 60 und 30 fps. Andere Kameramarken bieten hier sinnvollerweise die freie Wahl.
Neu können Videos nicht nur im effizient komprimierten AVCHD oder im Computer-freundlichen MP4-Format (nur 720p), sondern auch im nachbearbeitungsfreundlichen MOV-Format aufgezeichnet werden, wobei für höchste Qualität Bitraten von bis zu 50 Mbit/s (IPB) und 72 Mbit/s (ALL-I) zur Wahl stehen.
Die GH3 liefert Videosignale per HDMI ohne Menüanzeigen (cleanes HDMI-Signal), was eine Aufzeichnung des Videostroms (4:2:0, 8 Bit) mittels externem HDMI-Recorder bzw. PC ermöglicht.
Wie schon die GH2 beherrscht auch die GH3 die Möglichkeit, beschleunigte und Zeitlupenvideos aufzunehmen. Dafür können unterschiedliche Aufnahmegeschwindigkeiten (0.4x, 0.48x, 0.8x, 1.6x, 2.0x und 3.0x) gewählt werden. Gifilmt wird dann ohne Ton in 1080/24p.
Dank der neu integrierten Intervallfunktion, die jedoch nur Fotos und damit Einzelbilder liefert, sind auch Aufnahmen für echte Zeitrafferfilme möglich. Die Fotos müssen nachträglich per Software am Computer zu einem Film zusammengefügt werden. Wünschenswert wäre, wenn die Intervallfunktion – wie bei neueren Nikon DSLRs – gleich HD-Videos liefern könnte.
Profil und linke Seite der GH3 mit Blick auf die vier Anschlüsse (von oben nach unten) für Mikro, Kopfhörer, HDMI und USB.Der Anschluss für ein externes (Stereo-)Mikrofon als Alternative zum integrierten Stereomikro wurde um einen Kopfhörerausgang ergänzt, der die Audiokontrolle ermöglicht. Der Audiopegel ist übrigens manuell in 19 Stufen steuerbar. Für den simultanen Dreh mit mehreren Videokameras kann nun ein SMPTE-Timecode aufgezeichnet werden.
Generelle Ausstattung und Funktionen
Die Kamera bietet den heute üblichen Funktionsumfang einer Systemkamera für versierte Anwender. Dementsprechend können auch viele Einstellungen wahlweise automatisch oder manuell vorgenommen werden. Passend gibt es für viele wichtige Einstellungen separate Tasten (z.B. WB/Weissabgleich, ISO, Plusminus/Lichtkorrektur vorne beim vorderen Einstellrad und Auslöser), um diese aufzurufen und dann mittels Einstellrad zu verstellen.
Die GH3 von oben mit Blick auf das Betriebsartenrad. Für GH2-Benutzer: Der Videoauslöser ist von oben auf die Rückseite verlegt wurden.Als Betriebsmodi gibt es die üblichen Belichtungsprogramme (A, S, P) und die manuelle Einstellung (M) von Zeit und Blende. Ausserdem können drei benutzerdefinierte Einstellungen (C1, C2, C3) gespeichert und über das Betriebsartenrad aufgerufen werden. Dazu gesellen sich noch 21 Motivprogramme (unter SCN für Scene wählbar) und die intelligente Vollautomatik (iA), die Motive analysiert und für bewegte Motive die passende Verschlusszeit wählt und nötigenfalls den ISO-Wert erhöht. Ebenfalls auf dem Betriebsartenrad ist noch ein Paletten-Symbol für Effektaufnahmen und der manuelle Filmmodus (Filmkamera-Symbol) wählbar.
Die Grundempfindlicheit liegt bei ISO 200 und reicht bis ISO 12800. Wird im Menü der ISO-Bereich erweitert, so stehen noch ISO 160 und ISO 25600 zur Verfügung. Der ISO-Automatik kann im Menü eine bestimmte Grenze gesetzt werden.
Gespeichert wird auf SD/SDHC/SDXC-Karten, für die es auf der rechten Seite ein einfaches Kartenfach gibt. Als Energielieferant dient ein Lithium-Ionen-Akku, dessen Fach über den Kameraboden zugänglich ist. Der neue Akku DMW-BLF19 (UVP: 99 Franken) ist deutlich voluminöser als jener der GH2 und bietet eine höhere Kapazität.
Gemäss Panasonic und dem CIPA-Standardtestverfahren soll er – je nach verwendetem Objektiv für rund 500 bis 540 Fotos bzw. 250 bis 270 Minuten Betriebszeit reichen. Bei Videoaufnahmen sind rund 120 Minuten effektive Aufnahmezeit und 240 Minuten Betriebsdauer möglich. Die effektive Zeit hängt von der individuelen Nutzungsweise ab. Anders als bei der GH2 beobachteten wir während des praktischen Einsatzes keine zu knappe Betriebsdauer und waren – wohl wegen des neuen, grossen Akkus - nicht mit Energieproblemen konfrontiert. Wie bereits erwähnt, gibt es als optionales Zubehör den Hochformat-Batteriegriff BG-GH3 (UVP: 379 Franken), der einen zweiten Akku aufnimmt. Der Akku wird praktischerweise seitlich in den Griff auf einem Halter eingeschoben, so dass er bequem ausgetauscht werden kann, selbst wenn die Kamera auf einem Stativ oder Video-Rig montiert ist.
Die Kamera besitzt einen integrierten, nach oben aufklappenden Blitz sowie einen ISO-Schuh zur Aufnahme eines Blitzgeräts oder anderen Zubehörs wie z.B. eines externen Mikrofons. Angeschlossen werden das externe Mikro und neu auch der Kopfhorer jeweils über eine eigene 3,5mm-Klinkenbuchse. Weitere Anschlüsse sind ein HDMI-Ausgang (Mini-Buchse) und eine USB-2.0-Schnittstelle.
DIe Kamera besitzt einen 3 Zoll-Touchscreen der 614'000 Subpixel aufweist und seitlich ausgeklappt und gedreht werden kann. Damit sind Aufnahmen aus unterschiedlichen Positionen und auch kontrollierte Selbstporträts (z.B. für Videoblog) möglich. Im gegensatz zum TFT-LCD der GH2 kommt hier die OLED-Technologie zum Einsatz, die ein knackiges Sucherbild liefert. Allerdings sorgt der hohe Kontrast des Monitorbildes dafür, dass einige Feinheiten untergehen. Auch der EVF ist mit einem OLED-Bildschirm ausgesattet und besteht aus rund 1,7 Millionen Subpixel. Er ist im 16:9-Seitenverältnis ausgelegt und nutzt deshalb nicht immer die volle Anzeigefläche (natives Fotoformat ist ja 4:3), weshalb das Sucherbild etwas klein wirkt.
Spezielle Austattung
Die neue GH3 hat – wie derzeit viele neue Digitalkameras aller Typen – WLAN/Wi-Fi an Bord. Dies ermöglicht den kabellosen Bildtransfer zum Computer oder zu Smartphone und Tablet und von da an direkt ins Web (z.B. Online-Fotoalbum, Social Media). Auch die Fernbedienung der Kamera ist mittels kostenloser App ab Smartphone/Tablet möglich. Eine weitere Anwendung ist die Übernahme von GPS-Daten aus dem Handy, um Fotos mit den Koordinaten des Aufnahmenortes zu versehen.
Apropos GPS: Einen GPS-Empfänger hat die Kamera leider nicht integriert und ist auch nicht als Zubhör von Panasonic erhältlich. Geeignete externe GPS-Logger gibt es jedoch viele.
Neu in der GH3 sind auch die OLED-Technik im elektronischen Sucher (EVF, Electronic Viewfinder) und beim rückseitigen, ausklapp- und drehbaren 3 Zoll Touchscreen. Zwischen dem Bildschirm und dem EVF kann manuell umgeschaltet oder dies einer Automatik überlassen werden. Für Letzteres gibt es einen Sensor, der die Annährungen an den EVF bzw. das Abdecken bemerkt und dann den rückseitigen Monitor aus- und den EVF einschaltet. Beide OLED-Displays haben übrigens eine ordentlich hohe Auflösung, wobei manches Konkurrenzprodukt mit höherer Auflösung auftrumpft.
Handling
Die GH3 ist deutlich grösser als die schnuckelige GH2 und entspricht trotz des kleineren Sensors in Form und Grösse einer konventionellen Einsteiger-DSLR. Auch die Anordung von Bedienelementen orientiert sich nun stärker am Gängigen. Wer von einer GH2 auf eine GH3 umsteigt, dürfte mit dem komplett geänderten Tastenlayout etwas Mühe haben, wobei mit dem neuen Layout die Kamera bedienungsfreundlicher dasteht.
Weissabgleich- und ISO-Taste befinden sich nun auf der Oberseite beim vorderen Einstellrad. Sie waren bei der GH2 auf der Rückseite platziert. Als dritte Taste befindet sich eine Plus-Minus-Taste (EV-Korrektur) für gezielte Über- oder Unterbelichtung im Belichtungsprogrammen. An der GH3 sind all diese wichtigen Tasten Zusammen und lassen sich mit der Kamera am Auge besser verstellen. Auch entspricht die Bedienung der EV-Korrektur nun einer gängigen Kamerabedienung. Allerdings wäre eine unterschiedliche Form der drei Tasten vorteilhaft, um sie haptisch und ohne Blick unterscheiden zu können.
Praktisch sind die fünf Funktionstasten (Fn1 bis Fn5) rund um die Kamera, die nahezu nach Belieben mit Funktionen belegt werden können. Drei befinden auf der Rückseite rechts, eine links neben dem Sucher (standardmässig für Umschaltung EVF/Monitor) und noch eine auf der rechten Oberseite. Weitere zwei konfigurierbare Funktionstasten können auf dem Touchscreeen eingeblendet werden.
Allgemein sind die Tasten etwas klein geraten, zumal die Kameragrösse genügend Platz bietet. Eine Bedienung mit Handschuhen, wie es im kalten Februar draussen nötig war, erwies sich als eher schwierig.
Beim Kameramenü sind die Änderungen moderater ausgefallen, wenngleich die Kamera nun noch mehr zum Einstellen bietet. Das Menü gliedert sich in fünf vertikale Reiter mit mehreren (bis zu 10) Seiten zu je fünf Menüeinträgen. So richtig übersichtlich ist diese Menge nicht. Es braucht auch Zeit beim Blättern. All zu häufig wird das Menü jedoch nicht bemüht werden müssen, da die wichtigsten Einstellungen über Tasten und die zwei Drehräder vorgenommen werden können.
Anstelle des Menüs können die wichtigsten Aufnahmeparameter auch über das Quickmenü geändert werden. Dafür werden oben und unten im Sucherbild je eine Menüleiste eingeblendet, wo einzelne Werte schnell gewählt und geändert werden können. Der Inhalt des Quick-Menüs lässt sich übrigens vom Benutzer auch selbst zusammen stellen.
Wie schon bei der GH2 erweist sich der Touchscreen als praktisch und bietet nun mehr Bedienungsmöglichkeiten. So lassen sich im Wiedergabemodus Bilder mittels Fingerbewegung durchblättern. Praktisch ist auch der Touch-AF. Ist dieser aktiviert, tippt man im Sucherbild auf eine Stelle, fokussiert die Kamera dorthin und löst danach aus.
Bei der Touchscreen-Bedienung als etwas hinderlich erwies sich der Näherungssensor für die automatische Monitor/EVF-Umschaltung: Als Rechtshänder ist es dem Tester immer wieder passiert, dass die Bewegung der rechten Hand zum links ausgeklappten Touchscreen immer wieder kurz den Näherungssensor verdeckte und diesen so zum Ausschalten des Monitors bewegt hat - obwohl die Sensorempfindlichkeit auf "schwach" eingestellt war. Auch bei Aufnahmen mit ausgeklapptem Monitor aus Bauchhöhe schaltet die Kamera gerne vom Monitor auf den EVF um. Falls nötig, kann diese Umschaltautomatik deaktiviert und dann manuell per Funktionstaste zwischen Monitor und EVF gewechselt werden.
Wie schlägt sich die GH3 in der Praxis?
Was die Bildqualität anbelangt, so bietet die GH3 die bislang beste aller G-Modelle.
Die Bilder sind im Filmstil "Standard" typisch Panasonic knackig, d.h. kontrastreich und mit kräftigen Farben und scharf. Wie üblich stehen weitere Filmstile zur Wahl und auch drei Filmstil-Einstellungen, die sich vom Anwender definieren lassen. Alle Filmstile erlauben eine individuelle Anpassung von Kontrast, Schärfe, Farbsättigung und Rauschreduktion in Stufen von -5 bis +5.
Die Belichtungsmessung und -steuerung atrbeitet zuverlässig und sorgt für ausgeglichene, eher etwas knappe Belichtung. Der automatische Weissabgleich (AWB) sorgt für ausgeglichene Farben in den meisten Situationen, wobei unter Kunstlichtbedingungen die Aufnahmen zu warm ausfallen. Bei Bedarf lassen sich verschiedenen WB-Voreinstellungen auf den persönlichen Geschmack anpassen.
Die Bilder zeichnen sich auch durch das geringe Rauschen aus, und die GH3 liefert bis IS0 1600 tadellose Aufnahmen. Darüber wird das Rauschen zunehmend sichtbar, tritt aber erst ab ISO 6400 störend zutage. Auch die Gegenmassnahmen scheint Panasonic verbessert zu haben, denn sie reduzieren – wie allgemein üblich – mit dem Rauschen zwar auch die Detailzeichnung, gehen aber schonender mit Details um. In früheren Panasonic-Kameras erinnerte die Rauschreduzierung an einen Kunsteffektfilter, der Fotos in Aquarelle verwandelt.
Die Stärke der Rauschreduktion (Noise Reduction) lässt sich in mehreren Stufen in den "Filmstil"-Einstellungen bestimmen. Die Einstellungen für Reduzierung des Rauschens bei Langszeitaufnahmen werden dagegen generell im Menüs ein- oder ausgeschaltet.
Der Kontrast-Autofokus, der ja tendenziell langsamer als der Phasen-Autofkus von DSLRs arbeitet, ist ausgesprochen schnell und kann es mit DSLRs bezüglich Scharfstellung aufnehmen. Vergleicht man die GH3 mit DSLRs im Live-View- oder Videobetrieb, die dazu auf Kontrastmessung umschalten müssen, so ist der AF der GH3 dem AF von DSLRs meilenweit überlegen. Darüber hinaus bietet der Kontrast-AF die Vorteile, dass einerseits die ganze Sensor- und somit Sucherfläche benutzt werden kann und anderseits Bildanalysen für ein Gesichtererkennung-AF und Objekt-Tracking-AF zur Verfügung stehen.
Fazit
Mit der Lumix DMC-GH3 hat Panasonic mehr als einen würdigen Nachfolger der GH2 vorgelegt. Die Kamera protzt nicht mit extremen technischen Daten – von der maximalen Video-Bitrate einmal abgesehen -, kann aber mit vielen nützlichen Foto- und Video-Funktionen aufwarten, die den Panasonic Kameras bisher gefehlt haben.
Dass die Kamera grösser und voluminöser ausgefallen ist, dürfte bei der Handhabung angesichts der verbesserten Bedienung kaum stören. (Übrigens: Auch wenn die Kamera DSLR-Grösse aufweist, so sind die Objektive – selbst lichtstarke – dennoch klein und leicht.) Trotz grossem Gehäuse steckt konzeptionsbedingt ein vergleichsweise kleiner Sensor in der Kamera, der die Einsatzfähigkeit in Available-Light-Situationen einschränkt, auch wenn die Kamera ein besseres Rauschverhalten zeigt. Doch auch die Konkurrenzmodelle haben sich ja weiter entwickelt.
Alles in allem ist die GH3 eine ausgezeichnete Kamera, die gute Fotos liefert, sich aber vorallem im Videobereich von der Konkurrenz abhebt. Die GH3 ist die bislang beste Kamera von Panasonic und ein echtes Foto- und Videowerkzeug. Sie eignet sich damit kaum für den Gelegenheitsknisper und als Immer-dabei-Kamera, sondern empfiehlt sich vor allem für versierte Digitalfotografen mit Videoambitionen oder Filmer, die mit einer starken aber eher leichten Ausrüstung unterwegs sein möchten.