Das wunderbare Frühlingswetter ...Im Saal im 3. Obergeschoss fanden dieses Jahr erstmals sogenannte Showcases statt: Anstelle reiner Musikwiedergabe sollten damit verbundene Themen für mehr inhaltliche Tiefe sorgen. So referierten Fritz Fabig von B&W Group (Schweiz) und Marcel Gahler (von SFERS AG) über die drastischen Folgen gängiger Dynamikreduktion beim Mastering von Musikaufnahmen und erläuterten dies anschaulich an Musikbeispielen.
Über die hervorragende Wiedergabekette bestehend aus brandneuen Verstärkern von Classé Audio und einem Paar Bowers & Wilkins 802D3 wurde richtig deutlich, was Mainstream-Sound von audiophilem Klang unterscheidet.
Auch die weiteren Showcases (Live Act Audio/MFE mit Dieter Molitor, Illusonic/Klangwerk mit Christof Faller und Markus Thoman sowie Daniel Weiss über seinen neuen DAC mit integrierter Signalverarbeitung) wussten die Besucher absolut zu packen.
Der Saal war zumindest am Samstag stets gut gefüllt, und auch die sonst übliche Fluktuation bei den Vorführungen blieb weitestgehend aus. Tatsächlich erwies sich die Idee, zusätzlich zu den vielfältigen Audio-Vorführungen auch noch themenzentrierte Präsentationen in den Mittelpunkt zu stellen, als ausstellungsdidaktischer Geniestreich.
Aber auch die in den Kirchgemeindesaal ausgelagerten Fachvorträge fanden wie schon letztes Jahr eine zahlreiche, interessierte Hörerschaft. Ebenso die letztes Jahr neu eingeführte «Kopfhör-Küche»: So viel Kopfhörer der absoluten Topklasse im direkten Vergleich anhören zu können, ist wohl einzigartig und avancierte auch dieses Jahr wieder zum Publikumsmagneten. Im Untergeschoss konnten Analogliebhaber in einem umfangreichen Schallplattensortiment nach vinylen Schätzen Ausschau halten. Ein überschaubares Sortiment an analogem Zubehör wurde hier ebenfalls angeboten.
Unterschiedlichste Klangwelten
Wie unterschiedlich Hornlautsprecher tönen können, zeigte sich im (indirekten) Vergleich zwischen Tobian Sound Systems und Blumenhofer Acoustics: Die Genuin FS2 mit aufgesetztem Mittelhochtonhorn klang unglaublich anpringend und direkt, an Präzision und Detailfreude kaum zu übertreffen.
Deutlich relaxter, aber auf ihre Art – dank schönen Klangfarben und besonders räumlicher Wiedergabe ebenso reizvoll – agierte der Schweizer Standmonitor 15HC mit 38-cm-Koaxialtreiber. Der unterschiedliche Klangcharakter war auch durch die Verstärker bedingt: Hier die richtiggehend samtig klingenden, neuen Röhrenmonoblöcke MA100 mit selektierten Röhren des Typs ER211 von Elrog, dort der ultraschnelle Transistorverstärker H590 von Hegel. Beide Hornlautsprecher hatten etwas Mühe im Tiefbass, hier macht wohl die Raumakustik einen Strich durch die Rechnung.
Unglaubliche Dynamik und anspringenden Sound brachten die Hornlautsprecher Blumenhofer Genuin FS 2 in den Hörraum.Dass man mit (nur scheinbar antiquierter, in Wahrheit durchaus zeitgemässer) Retro-Technik faszinierende Klangwelten erschaffen kann, bewies Swissonor mit dem kompakten Breitband-Hornlautsprecher B.A.C.H. 8e im Zusammenspiel mit dem Röhrenvollverstärker V.S.O.P.
Obwohl nominell «nur» 2 x 8 Watt stark, trieb er den Hornspeaker mühelos zu Höchstleistungen. Letzterer klang für einen Breitbänder überraschend offen und ausgeglichen. Auch hier war der Vorteil der punktgenauen Abstrahlung ohne Phasendrehungen beim Hören klar nachvollziehbar.
Der von Swissonor komplett restaurierte Thorens TD 124 MkII wusste nicht nur optisch, sondern – ergänzt mit Ortofon MC-Tonzelle und passendem Swissonor-Stepup-Trafo – auch klanglich zu beeindrucken. Der Clou: Der Röhrenverstärker V.S.O.P. hat den passenden Phono-MM-Eingang bereits eingebaut.
Der punktgenauen Wiedergabe hatten sich auch die neuen p2 von Manger Audio verschrieben, die im Zusammenspiel mit den Master-Vor- und -Endverstärkern von Neukomm mit überlegener räumlicher Abbildung (sehr breite Hörzone ohne ausgeprägten Sweetspot), breitbandiger Wiedergabe sowie wunderbaren Klangfarben punkteten.
Auch bei der Vorführung im Klangschloss zeigte sich, dass Manger-Lautsprecher und Neukomm-Elektronik ein absolutes «Dream Team» bilden. Schade, dass Manger Audio nicht auch noch einen Aktivlautsprecher in der Vorführung hatte. Der Vergleich aktiv/passiv wäre sicher sehr interessant gewesen.
Aktivlautsprecher voll im Trend
Aktivlautsprecher sind nämlich auch im High-End-Bereich voll im Trend. So bewiesen im Klangschloss diverse Vertreter ihrer Zunft, dass mit dieser Technik eine absolut kompromisslose Wiedergabe möglich ist. Im Unterschied zu einigen hochwertigen Passivlautsprechern konnte damit in den akustisch teils schwierigen Schlossräumen durchwegs eine optimale Tieftonwiedergabe realisiert werden.
Bestes Beispiel dafür waren die DSP-gesteuerten Vollbereichs-Aktivlautsprecher Kii Three, die dank DSP-gesteuerten Basseinheiten eine wunderbare Klangfülle in den Hörraum zauberten und insgesamt fantastisch breitbandig agierten.
Aber auch punkto räumlicher Abbildung lassen gute Aktivboxen keine Wünsche offen. Das zeigte sich auch bei der unglaublich präzise aufspielenden (Prototyp-)Heimversion des professionellen Midfield-Monitors A25M von PSI Audio. Hier darf man auf die Markeinführung gespannt sein. Moderne Aktivlautsprecher haben im Übrigen auch Vorteile bei der Connectivity, wie die Wireless-Aktiv-Lautsprecher LSX und LS50 von KEF beweisen.
Weniger ist oft mehr: Die kleinen Kompaktlautsprecher von Wilson Audio tönten ganz gross.Eine reizvolle, auf den ersten Blick mutige Kombination führte AV Spalinger vor: Der jüngste Sprössling von Wilson Audio, die kleine Wilson Tune Tot, ist eigentlich für eher beengte Wohnverhältnisse konzipiert. Die amerikanische Kompaktbox füllte klanglich aber mühelos den mittelgrossen Hörraum im Klangschloss und zeigte eindrücklich, dass weniger oft mehr ist.
Punkto Räumlichkeit der Wiedergabe sind Kleinlautsprecher den grossen Markenkollegen oft überlegen. Erstaunlich aber auch, mit welchem Bassfundament die Tune Tot aufwarten konnte. Ein Blick auf die exquisite Elektronik von dCS, Audio Research sowie Dan D’Agostini machte aber klar, dass die Klangpracht nicht von ungefähr kam. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass es durchaus Sinn machen kann, vergleichsweise «günstige» Lautsprecher mit sehr teurer Elektronik zu kombinieren.
Rundum erfreulicher Event
Auch dieses Jahr erwies sich das Klangschloss in Greifensee als rundum erfreulicher Anlass. Die einzigartige Atmosphäre der Räumlichkeiten im Schloss sorgt für eine ganz besondere Stimmung, und auch sehr schönes Frühlingswetter steht einem regen Zulauf (fast 700 Besucher) nicht im Weg.
Ausstellungsdidaktisch ist das Klangschloss mit der Kopfhör-Küche und den neuen Showcases absolut auf dem richtigen Weg. Letztere dürften auch weitere Aussteller dazu motivieren, tiefergehende Präsentationen anzubieten, welche den Dunstkreis blosser Musikwiedergabe überschreiten. Man darf schon auf die 15. Ausgabe vom Klangschloss gespannt sein. Sie wird am 4. und 5. April 2020 über die Bühne gehen.
Laut Markus Thomann wird dann auch das neu umgebaute Kulturhaus Landenberg (KuL) dazugehören, das einen tollen Konzertsaal hat, sowie Nebenräume im dazugehörenden ehemaligen Pfarrhaus. Damit könnten neue Ideen umgesetzt werden, etwa Live-Musik kombiniert mit Recording Sessions, eine erweiterte Schallplattenbörse und weitere Aktivitäten. Vorfreude herrscht!