Panasonic-4K-Camcorder HC-VXF999.Das neue Top-Modell in der 4K-Consumerklasse von Panasonic filmt nicht einfach nur in vierfacher Full-HD-Videoqualität. Es zeigt auch mit vielen Spezialfunktionen, welche kreativen Möglichkeiten in der hohen Auflösung stecken.
So lassen sich schon während der Aufnahme variable Geschwindigkeiten, Zeitlupen- oder Zoom-Effekte ausführen. Hinzu kommen Wiedergabefunktionen wie nachträgliches Bildvergrössern, Objektverfolgen oder Aufnahmenentwackeln.
Damit spricht die HC-VXF999 wieder vermehrt ernsthafte Videoamateure an, die mit den Spielereien im letztjährigen 4K-Camcorder HC-WX979 nicht viel anfangen konnten. So fehlt dem neuen Modell denn auch eine im Display eingebaute, zweite Kamera.
Dafür gibt es wieder einen hochauflösenden, ausziehbaren und nach oben kippbaren Sucher. Wer sich je über die im Sonnenlicht spiegelnden Displays ärgerte, wird dies sehr zu schätzen wissen.
Ein weiteres Zeichen in kreativer Richtung ist die 4K-Aufnahme nicht nur mit 25, sondern auch mit 24 Vollbildern pro Sekunde. Damit werden Filme in «kinoähnlicher Anmutung» möglich.
Bei den inneren Werten hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht viel verändert. So zeichnet die VXF999 ihre 4K-, oder korrekt ausgedrückt, UHD-Aufnahmen mit 3840 x 2160 Pixel im MP4-Format auf SD-Karten auf. Daneben stehen AVCHD sowie iFrame in verschiedenen Auflösungen und Datenraten zur Auswahl.
Das 20-fache Leica-Dicomar-Objektiv, das die Aufnahmen einem 1/2,3"-BSI-Sensor mit 8,3 effektiven Megapixeln zuführt, wurde ebenso übernommen wie der Hochgeschwindigkeits-LSI-Chip "Crystal Engine 4K" und der 5-Achsen-Bildstabilisator Hybrid-OIS.
Wie schon beim Vorgänger spricht der kleine Sensor mit der fantastischen Detailschärfe schon rein physikalisch gegen das szenische Filmen mit kinoähnlicher, sehr schmaler Tiefenschärfe. Deshalb erstaunt es schon etwas, dass bei diesem Camcorder speziell auf die "spannenden Kinoeffekte" hingewiesen wird.
Wieder mit Sucher
Endlich wieder dabei: Der Beitbildsucher des VXF999 mit einer Auflösung von 1,5 Megapixeln lässt sich herausziehen und nach oben klappen.Ohne Akku und voluminöse Gegenlichtblende bringt der Camcorder knapp 400 Gramm auf die Waage. Mit Abmessungen von 68 x 163 x 78 mm ist er etwas grösser geraten als sein Vorgänger, passt aber noch bequem in eine Manteltasche.
Dem Verkleinerungswahn der letzten Jahre fielen bei Consumer-Camcordern als Erstes die Sucher zum Opfer. Langsam besinnt man sich eines Besseren und baut sie wieder ein, wenigstens in den Top-Modellen.
Für viele ernsthafte Videofilmer dürfte deshalb ein Sucher kaufentscheidend sein. Bei der VXF999 ist er wirklich gelungen. Mit seiner Auflösung von 1,5 Megapixeln lässt sich auch bei 4K ausreichend genau manuell scharf stellen. Zudem lässt er sich herausziehen und bis zu 60 Grad nach oben aufklappen. Eine angenehm grosse Augenmuschel schirmt einfallendes Seitenlicht gut ab.
Bei Schwenks ist im Sucher ein leichtes Bildruckeln zu sehen. Der Dioptrien-Ausgleich lässt sich einfach einstellen, ist jedoch sehr leichtgängig und verstellt sich schnell beim Hin- und Herschieben. Auch frühere Sucher-Camcorder von Panasonic litten unter dieser Krankheit.
Die Bedienung des VXF999 erfolgt hauptsächlich über das 7,5 cm grosse Touch-Display mit 460'800 Pixeln Auflösung. Wird das Display geschlossen und mit Sucher gefilmt, können einige manuelle Einstellungen über das Drehrädchen vorne unter der Optik vorgenommen werden. Neben dem Einstellrad befinden sich am Gerät selbst nur fünf Tasten, ein Video- und Foto-Auslöser sowie die Zoom-Wippe.
Das Objektiv ist nicht sehr weitwinklig ausgelegt. Auf Kleinbildformat umgerechnet deckt es im 4K-Modus einen Brennweitenbereich von 30,8 bis 626 mm, bei Full-HD 37 bis 752 mm ab. Die lichtstarke Anfangsblende von F1,8 endet im Telebereich bei F3,6.
Die übrige Ausstattung wurde weitgehend vom Vorgänger übernommen. Mit drei sinnvollen Verbesserungen: Die SD-Karte wird nicht mehr unten am Kameraboden, sondern auf der Seite eingeschoben. Der Mikrofonanschluss ist hinter einem Schiebetürchen platziert und auch bei geschlossenem Display zugänglich. Und schliesslich braucht man keinen Zubehörschuhadapter mehr. Der Zubehörschuh wurde wieder fest auf der Kameraoberseite eingebaut.
Intelligente Automatik
Die Wahltaste für Video-, 4K-Foto- oder Foto-Aufnahme auf der Oberseite lässt sich auch bei geschlossenem Display betätigen. Die Anordnung der übrigen Bedienungselemente wurde gegenüber dem Vorgänger geringfügig verändert.Wer schon mal einen Panasonic-Consumer-Camcorder bedient hat, wird sich schnell zurechtfinden. Die Tasten sind ähnlich wie beim Vorgänger angeordnet. Neu hinzugekommen ist eine Wahltaste für Video-, 4K-Foto- oder Foto-Aufnahme auf der Oberseite. Damit lassen sich die einzelnen Modi auswählen, auch wenn das Display geschlossen bleibt.
Die Taste zur Einschaltung des "automatischen Horizont-Ausgleichs" des Vorgängers wurde zur "HDR"-Funktionstaste. Die "Ein/Aus"-Taste ist etwas nach vorne gerutscht und neu lässt sich der VXF999 auch durch Herausziehen des Suchers einschalten.
Geblieben ist die grosse, aufschraubbare Gegenlichtblende, deren geriffelter Befestigungsring mit einem Objektivring für Blende oder Schärfe verwechselt werden könnte. Doch nach wie vor geschieht die manuelle Bedienung dieser Funktionen über das kleine Multifunktionsrad vorne am Camcorder.
Durch Drehen und Drücken des Rads stellt man die gewünschten Werte ein. Die meisten davon können auch am Touchscreen verändert werden. Für den Sucherbetrieb bei geschlossenem Display ist dieses Rädchen die einzige Möglichkeit zur manuellen Bedienung.
Für sorgloses Filmen wählt man am besten den intelligenten Automatikmodus, der alle Einstellungen entsprechend der Aufnahmesituation optimiert. Dies funktioniert erstaunlich gut.
Etwas mehr Eingriffsmöglichkeiten bietet der intelligente Automatik-Plusmodus. Hier lassen sich Helligkeit und Rot/Blau-Farbanteile manuell anpassen.
Der Autofokus arbeitet schnell und zuverlässig, wenn genügend Licht und Kontrast vorhanden ist. Sonst kann es zu nervösem Schärfepumpen kommen, was besonders bei 4K-Videos auf grossen Bildschirmen unangenehm auffällt.
Auch für eine funktionierende Autofokus-Nachführung, von Panasonic als "AF/AE-Spurhaltung" bezeichnet, muss das Motiv eine bestimmte Grösse und Unterscheidbarkeit in Kontrast und Farbe vom Umfeld haben.
Das Touch-Auslösen, also das Scharfstellen und Aufnehmen eines berührten Objekts auf dem Display, ist nur im Fotomodus möglich.
Im Modus "kreative Steuerung" werden Videos mit zusätzlichen Effekten wie "8-mm-Film", "Stummfilm", "Miniaturlook" oder "Zeitraffer" versehen. Diese Effekte werden nicht in 4K, sondern nur im Full-HD-Format aufgenommen.
Die HDR-Funktion zeichnet eine Szene parallel mit unterschiedlichen Belichtungen auf. Daraus wird ein optimiertes Bild, ohne Über- oder Unterbelichtungen der hellen bzw. dunklen Bildbereiche generiert. In der Praxis zeigte das Schwanengefieder tatsächlich noch Konturen. Auch beim Schwenk gegen helle Wolken verschwand die Umgebung nicht gleich ins Dunkelgraue, sondern war noch einigermassen erkennbar.
Mir war das Bild jedoch etwas zu flau, der knackige Eindruck verschwand. Zudem sind leichte Bildstörungen sichtbar, besonders bei bewegten Objekten. In der Anleitung wird darauf hingewiesen. HDR funktioniert nicht in der 4K-Videoauflösung.
Im Szenenmodus werden die Aufnahmeparameter der gewählten Szene entsprechend automatisch angepasst. Zum Beispiel für Sport, Porträt, weiche Haut, Schnee, Strand, Feuerwerk oder Sonnenuntergang.
Im manuellen Modus darf man Verschlusszeit, Fokus, Weissabgleich und Blende selber einstellen, entweder über den Touchscreen oder das bereits erwähnte Multifunktionsrad.
Im 4K-Fotomodus lässt sich bei der Wiedergabe per Fototaste genau das gewünschte Standbild aus dem laufenden Video als 8,3-Megapixel-Einzelbild mit 3840 x 2160 Pixel abspeichern.
Im Stopp-Motion-Animations-Hilfsmodus schätzt man mittels halbtransparentem Standbild ab, wie weit das Motiv für das nächste Foto bewegt werden soll. Die Bildgrösse ist dabei auf 1920 x 1080 Pixel festgelegt.
Die neuen Kino- und 4K-Cropping-Effekte schauen wir uns in einem eigenen Abschnitt genauer an. Neu ist auch das Registrieren von Lieblingsszenen während einer 4K-Videoaufnahme, indem man auf die Foto-Taste drückt.
Selbstbestimmung
Sorgloses Filmen im intelligenten Automatikmodus funktioniert erstaunlich gut. Etwas mehr Eingriffsmöglichkeiten bietet der Automatik-Plusmodus. Hier lassen sich Helligkeit und Rot/Blau-Farbanteile manuell anpassen.Durch Drücken des Einstellrädchens oder Wahl am Touchscreen gelangt man in den manuellen Betrieb. Dann lassen sich Schärfe, Weissabgleich, Verschlusszeit und Blende selber bestimmen.
Das manuelle Scharfstellen kann durch eine einblendbare Fokushilfe unterstützt werden. Damit gelingt die Fokussierung per Einstellrädchen einigermassen zügig, ein richtiger Objektivring wäre natürlich komfortabler. Nur im 4K-Aufnahmemodus kann der Fokusbereich noch verschoben und vergrössert dargestellt werden.
Während die manuelle Fokussierung nur über das Einstellrädchen möglich ist, können die übrigen Parameter auch durch Berühren der Pfeilsymbole auf dem Touch-Display verändert werden.
Beim manuellen Einstellen der Blende ist eine Besonderheit zu berücksichtigen. Man muss immer erst die Verschlusszeit festlegen und danach die Blende. Wählt man dagegen nach eingestellter Blende erneut die Verschlusszeit, springt die Blende gleich wieder in den Automatikmodus zurück.
Immerhin bietet der Panasonic VXF999 gegenüber anderen Camcorder-Herstellern die Möglichkeit, Blende und Verschlusszeit wirklich unabhängig voneinander einzustellen.
Nur im manuellen Modus lässt sich auch an der Bildqualität herumschrauben. Kantenschärfe, Farbtiefe, Helligkeit und Farbbalance der Bilder sind beeinflussbar.
Ein weiteres Plus für den VXF999: Auch im Sucherbetrieb, also bei geschlossenem Display, sind die oben erwähnten manuellen Einstellungen sowie die Bildqualität veränderbar. Dann natürlich nur noch über das Einstellrädchen.
Anstatt sich durchs umfangreiche Menü zu hangeln, können viele Funktionen direkt über Symbole am linken Touchscreen-Rand aktiviert werden. Etwa die intelligente Kontraststeuerung und Belichtung, das Pre-Recording, der Gegenlichtausgleich, Hilfslinien, Videoleuchte, Nachtmodus und vieles mehr. Die drei bevorzugten Funktionssymbole lassen sich als Standard definieren.
Je nach Video- und Fotomodus können bis zu fünf vertikale Menübalken am Bildschirmrand nacheinander per Pfeiltasten angewählt werden. Dazu gehören zum Beispiel der Aufnahmestart, die Zoomfunktion oder die Aktivierung des Bildstabilisators.
Kino-Effekte
Zeitlupe- und Schnelllauf, professioneller "Slow Zoom" oder extravaganter "Dolly Zoom"-Effekt bringen schon während der Aufnahme Abwechslung in den Film.Videoaufnahmen in 4K bieten viel Auflösungsspielraum. Diesen nutzt die VXF999 sowohl bei Aufnahme wie Wiedergabe und hebt dies auch prominent in der Werbung hervor.
Wer schon jemals mit der kleinen Zoomwippe oder per Touchscreen ganz langsam zoomen wollte, kennt das Problem. Es ist manuell nur schwer umsetzbar. Hier hilft die Einstellung "Slow Zoom" des Camcorders. Sie erlaubt ein extra langsames Ein- und Auszoomen in zwei wählbaren Geschwindigkeiten. Das sieht dann wirklich professionell aus.
Beim Zeitlupen- und Schnelllauf-Videomodus werden die Filme durch wechselnde Geschwindigkeiten interessanter. So lassen sich langatmige Situationen abkürzen und entscheidende Momente in Slow-Motion betrachten.
Die Aufnahme beginnt in Zeitlupe. Sobald auf das "Quick-Symbol" gedrückt wird, filmt der Camcorder im Schnelllauf. Solange wie der Finger das Symbol hält, danach wird wieder auf Zeitlupe gewechselt.
Im Full-HD-Zeitlupenmodus werden Szenen mit schnellerer Bildfolge aufgenommen und später über den Camcorder mit 1/4 oder 1/2 der normalen Geschwindigkeit abgespielt. Dabei kann man eine ganze Szene oder nur bestimmte, maximal drei Ausschnitte innerhalb der Szene als Zeitlupe aufnehmen.
Etwas spezieller ist der Dolly-Zoom-Effekt. Bekannt aus Hitchcocks Film "Vertigo" drückt er Verwirrung, Hektik oder Überraschung aus. Dabei wird nur der Hintergrund herangezoomt, das Hauptmotiv im Vordergrund, meist ein Gesicht, bleibt unverändert.
Damit dieser Effekt wirkt, muss man die Kamera allerdings selber in die entgegengesetzte Richtung mitbewegen. Dies geschieht am besten mittels Kameraschiene auf einem Stativ, wie in den Beispielen auf YouTube gut zu sehen ist. Ob man sich diesen Aufwand in den Ferien antun möchte, muss jeder selber wissen.
Wer szenisch oder cineastisch arbeiten möchte, freut sich über den neuen, echten 24p-Modus. Dieser bedingt zwar einen Neustart der Kamera, aber zum Glück keine Neuformatierung der Speicherkarte wie bei manchen Konkurrenten.
Im 24p-Modus lässt sich der Verschluss auch auf passende 1/48 Sekunde einstellen. Im "Automatic Slow Shutter" sogar auf maximal 1/24s, was bei wenig Licht sehr hilfreich sein kann.
Kino-Effekte und 24p-Modus schön und gut, doch die Frage sei gestattet: Wieso funktionieren all diese schönen Effekte, abgesehen vom "Slow-Zoom", erstens nicht in 4K, sondern nur in Full-HD-Qualität und zweitens nicht im dafür wohl am besten geeigneten Kinomodus mit 24 Bildern pro Sekunde?
4K-Cropping
Beim 4K-Cropping werden die Filme bei der Wiedergabe nachträglich mit kreativen Effekten versehen und davon neue Videoclips erstellt.Während die Kino-Effekte schon während der Aufnahme eingesetzt werden, findet das 4K-Cropping erst bei der Wiedergabe statt. Es ermöglicht nachträgliche Zooms, Schwenks, Nachführeffekte und Bildstabilisierungen.
Beim Filmen kann nur in die Bildmitte oder aus ihr heraus gezoomt werden. Das nachträgliche Zoom, von Panasonic "Zoom-Herausschneiden" genannt, bietet mehr Möglichkeiten. Es können Position und Grösse für Start- und Endpunkt sowie die Zoomgeschwindigkeit festgelegt werden. Dann wird zwischen den beiden Punkten gezoomt und/oder geschwenkt. Diese Fahrt im Bild kann danach als neuer Videoclip gespeichert werden.
Beim Nachführen ("Tracking-Zuschneiden") wird ein sich bewegendes Motiv gewählt und vergrössert. Die Kamera versucht dann, diesen Bildausschnitt zu verfolgen. Das Resultat lässt sich wieder als neuen Clip speichern.
Ähnlich funktioniert auch die nachträgliche Entwacklung einer Aufnahme ("Zuschneiden stabilisieren"). Dabei wird ins Bild hineingezoomt und diesen Ausschnitt zu glätten versucht. Da durch die Vergrösserung aber auch das beruhigte Wackeln mitvergrössert wird, sind die Resultate eher mässig.
Das 4K-Cropping gelingt jedoch nur, wenn vorher möglichst weitwinklig, also in der Totalen, in 4K gefilmt wurde. Ist das Motiv schon in Nahaufnahme, zum Beispiel ein spielendes Kind, das formatfüllend erscheint, hat die Cropping-Funktion zu wenig Bildfläche rundherum. Dies wird meiner Meinung nach in der Anleitung nicht genügend hervorgehoben.
Die neuen Clips aus den 4K-Cropping-Effekten können nicht mehr in 4K gespeichert werden. Sie kommen in Full-HD-Video mit 25 Vollbildern pro Sekunde (25p) auf die Speicherkarte. Eine Umwandlung in das besonders bei bewegten Sujets bessere 50p erfolgt nicht.
Augenschmaus und Bilderrauschen
Mit genügend Licht bei der Aufnahme erhält man von diesem Consumer Camcorder erstaunlich scharfe und knackige Bilder. Die eingebaute Videoleuchte verbessert die eher maue Bildqualität bei schwachem Licht.Die optischen Komponenten, der Sensor und der Prozessor sind die gleichen wie beim Vorgängermodell. Die Bildqualität ist somit ähnlich. Der Vorteil der kleinen Sensorgrösse liegt unzweifelhaft in der grossen Schärfentiefe.
Wer die 4K-Videoaufnahmen des HC-VXF999 auf einem 4K-Fernseher anschaut, wird begeistert sein. Die Detailfülle, Schärfe und Räumlichkeit der Bilder ist fantastisch. Aber auch herunterskaliert auf einem Full-HD-Monitor betrachtet, sind die Bilder ein Augenschmaus.
Es ist erstaunlich, welche Bildqualität aus diesem Consumer Camcorder kommt. Vor allem, wenn die Aufnahmen bei genügend Licht erstellt wurden. Hier kommt das Potenzial von HD-Aufnahmen erst richtig zur Geltung.
Klar, auch der VXF999 kann die physikalischen Einschränkungen kleiner Sensorflächen nicht umgehen. Bei wenig Licht tritt in homogenen Flächen Farbrauschen auf, das oft ein fixes Rauschmuster hinterlässt. Bei Schwenks werden die Kanten nicht mehr sauber dargestellt. Manchmal sieht das Bild auch flau und verwaschen aus.
Als Gegenmassnahme kann mit der eingebauten LED-Leuchte die Szene erhellt werden. Wird es noch dunkler, kommt die Nachtfunktion zum Einsatz, die im Farbmodus länger belichtet, was zu etwas ruckelnden Bildern führt. Die Aufnahmen sind dann zwar beinahe taghell, rauschen aber extrem.
Die nächste Stufe der Nachtfunktion nimmt dann mit Infrarotunterstützung selbst in absoluter Dunkelheit Gegenstände erkennbar auf, zumindest im Nahbereich.
Der neue 24p-Modus kann das Ganze etwas verbessern. Der Autofokus scheint davon am meisten zu profitieren und findet auch bei weniger Licht zuverlässig sein Ziel.
Die beste 4K-UHD-Qualität, vor allem bei Schwenks und bewegten Motiven, böte ein Camcorder mit 50 oder 60 Vollbildern pro Sekunde (50/60p). Doch weder Panasonic noch Mitbewerber bauen diese Bildraten in ihre Consumergeräte ein.
So ist für das aufmerksame Auge öfters ein Bildruckeln erkennbar. Zum einen, wenn der Camcorder zu schnell geschwenkt wird, was auch prompt eine Warnmeldung ins Display einblendet. Und zum andern, wenn Motive wie Autos oder Velofahrer auch bei ruhiger Kamerahaltung das Bild queren. Dann ruckelt nicht das ganze Bild, sondern die Autos und Velos.
Bildformat, Ton und WiFi
Die eingebaute Zweitkamera im Display wie noch beim Vorgängermodell ist verschwunden. Geblieben sind die umfangreichen WiFi-Funktionen zur Überwachung und Fernsteuerung. Für die Videoaufnahme stehen 4K MP4, 24p in 4K oder Full-HD, AVCHD, MP4 oder iFrame zur Auswahl. Im MP4- und AVCHD-Untermenü können noch Datenrate und Bildauflösung, also bessere Bildqualität oder längere Aufnahmezeit, bestimmt werden.
Panasonic empfiehlt für 4K-Video, 24p, Full-HD mit der höchsten Datenrate, Full-HD-Zeitlupe und 4K-Fotomodus-SD-Karten, die der Klasse 10 des Speed-Class-Ratings entsprechen.
Vom gewählten Videoformat hängen viele weitere Einstellungen ab, z.B. Zoomfaktor, Zeitlupe oder Kreativprogramme. Nicht jedes Format erlaubt jede Funktion. Was nicht geht, wird im jeweiligen Menü grau dargestellt und kann nicht gewählt werden.
Den Ton liefert ein 5.1-Kanal-Mikrofonsystem mit mehrfachem Windfilter, manueller Tonpegelanpassung, LowCut-Filter und umfangreichem Einstellungsmenü.
Mit Surround-, Zoom-, Center- oder Stereo-Mikrofon passt man die Charakteristik an und mit Auto, Musik, Sprache, Natur oder Festival berücksichtigt man die Aufnahmesituation und Umgebung.
Die eingebaute Zweitkamera im Display wie beim Vorgängermodell ist verschwunden. Geblieben sind die umfangreichen WiFi-Funktionen.
Mit "Wireless Multi Camera" können simultan bis zu drei Smartphones oder Actioncams zusammenarbeiten, um deren Aufnahmen als Bild im Bild zu übernehmen. Es gibt eine Baby-Monitor- und eine Home-Monitor-Überwachungsfunktion sowie Live-Streaming per "Ustream" ins Internet.
Die drahtlose Übertragung von aufgezeichneten Clips zum heimischen DNLA-Fernseher ist ebenso möglich wie die Fernbedienung der Kamera per Smartphone oder Tablet.
Im Camcorder selbst erledigt man neben 4K-Cropping auch rudimentäre Schnittaufgaben. Szenen können aufgeteilt, gekürzt oder Teile davon gelöscht werden. AVCHD-Aufnahmen lassen sich als neue Zusammenstellung aus ganzen Szenen oder 3-Sekunden-Häppchen abspeichern und Lieblingsszenen einer Highlight-Wiedergabe hinzufügen.
Videos und Fotos können auf eine externe USB-Festplatte überspielt und von dort via Camcorder auch wieder am Fernsehgerät abgespielt werden. Drahtlos oder per Kabel. Dafür sind Micro-HDMI- und USB-Anschlüsse vorhanden.
Die HD-Writer-Software von Panasonic verwaltet die Video- und Fotodaten auf einer PC-Festplatte und schreibt sie auf Speichermedien wie Blu-ray-Discs, DVDs oder SD-Karten.
Wird der Camcorder ohne HD-Writer-Software direkt am PC angeschlossen, wird er als Festplatte erkannt. Die Dateistruktur enthält neben den verschachtelten AVCHD-Verzeichnissen auch jede Menge Unterordner für die verschiedenen Aufnahmemodi und -formate.
Zurzeit werden 4K-Aufnahmen zum Anschauen oft heruntergerechnet. Dies macht der Camcorder selbst und wandelt 4K-Video in sehr gutes Full-HD-MP4, mit 1920 x 1080 Pixel und 25 Vollbildern pro Sekunde. AVCHD kann er auch nach MP4 konvertieren.
Fazit
Neu bei der Videoformat-Auswahl: Die Möglichkeit, mit 24 Vollbildern pro Sekunde (24p) in 4K und Full-HD zu filmen.Panasonic hat bei seinem zweiten 4K-Top-Consumer-Camcorder HC-VXF999 die kaum überschaubare Funktionsvielfalt des Vorgängers nochmals erweitert. Dank intelligenter Automatik kann trotzdem sofort losgefilmt werden. Damit spricht man Gelegenheits- wie Hobbyfilmer gleichermassen an.
Durch den wieder vorhandenen Sucher und die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten erhöht sich auch die Akzeptanz bei engagierten Amateurfilmern. Dank kleiner Abmessungen ist der HC-VXF999 zudem ein idealer Reisebegleiter.
Die 4K-Videoaufnahmen bei genügend Licht beeindrucken immer wieder und machen beinahe schon süchtig. Natürlich filmt dieser Camcorder auch in bester Full-HD-Qualität, wahlweise im MP4- oder AVCHD-Format.
Den von Panasonic besonders hervorgehobenen Features wie 4K-Cropping und Kino-Effekte für kreative Video-Produktionen stehen der kleine Sensor sowie die Tatsache, dass die meisten Funktionen weder in 4K noch mit 24p möglich sind, entgegen.