Im avguide.ch-Test nehmen wir den «kleinen» Philips UHD LCD-TV genauer unter die Lupe und schauen, wo eine UHD-Auflösung wirklich Sinn macht.
Schön, modern und doch nicht wuchtig: Trotz mächtiger 165-Zentimeter Diagonale macht der Philips PFL659708 eine gute Falle.Aus der Schachtel ins Wohnzimmer gestellt, sind wir erstmals erstaunlich wenig imponiert von der 165 Zentimeter Diagonalen des Geräts. Gross, aber doch sehr angenehm zurückhaltend wirkt der 65PFL9708S von Philips. Die scheinbare Leichtigkeit verdankt das Gerät seinem geschwungenen Standfuss und seinem modernen Design mit einem dünnen Rahmen. Sehr erfreulich, dass sich das eigentlich sehr grosse Gerät so problemlos in den Wohnraum integriert.
Den LCD einmal eingeschaltet, untermauert das für Philips-TVs typische Ambilight den ersten Eindruck. Die kleinen LEDs, welche hinter dem Rahmen verbaut sind, strahlen dreiseitig Lichteffekte ab und integrieren das Gerät nun voll und ganz in den Wohnraum.
Ausstattung deluxe
Standardmässig sind dem Philips 65PFL9708S sechs passive Polfilterbrillen für den 3D-Betrieb beigelegt. Dank grosser Bildschirmdiagonalen und vielen Brillen wird 3D jetzt auch im Wohnzimmer gruppentauglich.
Auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen die Fernbedienung. Die ist nämlich doppelseitig. Während die Vorderseite vor allem für den normalen TV-Konsum gedacht ist, ist auf der Rückseite eine vollwertige Tastatur angebracht.
Ebenfalls verfügbar ist eine gratis Bedien-App für iOS und Android mit dem Namen «Philips My Remote». Die App findet den TV sofort und lässt praktische alle Funktionen des TVs vom Smartphone steuern. Ausserdem kann das TV-Signal vom Tuner auch direkt auf das Mobiltelefon gestreamt werden.
Zusätzlich im Lieferumfang befindet sich eine Webcam, welche auf den Rahmen des TV-Geräts gesteckt wird und so den Screen zur Skype-Maschine macht. Während die meisten Marken ihre Webcam direkt in den Rahmen integriert haben, punktet Philips mit der externen Lösung vor allem bei misstrauischen Konsumenten – bleibt die Kamera in der Schachtel, kann darauf von extern ganz sicher nicht zugegriffen werden.
Doppelseitige Fernbedienung: Auf der Rückseite hat die Fernbedienung des Philips PFL659708 eine QWERTY-Tastatur.6-Kern CPU sorgt für Power
Integriert sich dank Ambilight sehr schön ins Wohnzimmer: Der Philips PFL659708Doch genug von den äusseren Werten. Jetzt wollen wir UHD sehen. Die Einrichtung des Geräts gestaltet sich sehr einfach, allerdings ist das Menü zum Teil etwas schwerfällig und langsam. Der Tuner für Kabel-, Sat- und terrestrischen Fernseh- und Radioempfang findet dann aber rasch alle verfügbaren Sender und ordnet sie gleich sinnvoll an.
Leider verfügt der Philips-TV nicht über einen Doppeltuner, damit eine Sendung aufgezeichnet und zur selben Zeit eine andere geschaut werden kann. Das wäre für ein Gerät diese Klasse wünschenswert gewesen.
Eine 6-Kern CPU arbeitet im Innern des Gerätes und sorgt für genügend Rechenleistung, um HD- und sogar SD-Signale auf eine 3840 x 2160 Pixel umfassende Auflösung hochzurechnen. Die «Ultra Resolution» genannte Upscaling-Technologie wandelt mittels «Ultra Pixel HD Engine» die Inhalte in ein Bild, das mit UHD-Auflösung angezeigt werden kann.
Das Upscaling funktioniert einwandfrei und in guter Qualität. Das Resultat: Superscharfe und satte Bilder. Vor allem bei HD-Sendern ist die Qualität verblüffend. Bei SD-Sendern ist das hochgerechnete Bild leider nicht mehr ganz so knackscharf, aber immer noch im guten Bereich.
Ganz brillant wird das Resultat, wenn eine Blu-ray über einen der fünf HDMI-Eingänge eingespielt wird. Bei unserer Testbluray "Fluch der Karibik" wirkt jedes Bild scharf und sehr detailreich. Bei dunkeln Szenen ist allerdings ein leichtes Rauschen ersichtlich, doch in Relation zur Bildgrösse stört dieses den Filmgenuss eigentlich nicht.
Die Helligkeit der wiedergegebenen Bilder ist sehr angenehm und nicht bis zum Anschlag aufgedreht. Bei gleichmässigen Bildinhalten ist zwar eine leichte Streifenbildung festzustellen. Das fällt aber eigentlich nur selten ins Gewicht, denn Philips setzt auf ein ausgeklügeltes System, welches die Bildhelligkeit je nach Bildinhalt anpasst. Zusammen mit dem Lichtsensor, der das Ambilight steuert, ergibt das ein sehr angenehmes Seherlebnis.
Die standardmässige Farbtemperatur ist eher etwas kühl eingestellt, beim blauen Himmel und Meer wirkt sich das zwar positiv aus, doch an Land bekommt der Pirat Jack Sparrow ein minimale bläulich-grüne Färbung. Eine kleine Farbanpassung mittels Menü korrigiert das aber wieder aus. Wer sich nicht an die zahlreichen Parameter im Menü wagt, der kann sich auch an den voreingestellten Video-EQs bedienen, welche das Bild je nach Geschmack noch etwas anpassen. Die Settings umfassen die Modi Lebhaft, Natürlich, Standard, Film, Foto und Energiesparen.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Farben und deren Hellikeit sehr neutral wirken, nicht so sehr intensiv und übersteuert, wie von anderen LCDs gewohnt.
Natives UHD und Full HD-3D
Nach der Pflicht kommen wir jetzt zur Kür: Natürlich rechnet der Philips-Fernseher nicht nur UHD-Signale hoch. Über den HDMI5-Anschluss können Bilder von UHD-fähigen Geräten in nativer Auflösung eingespielt werden. Bislang leider allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde, der Anschluss ist nämlich nicht HDMI 2.0 tauglich. Das führt vor allem bei Kameraschwenks zu unschönem Ruckeln in der Bildwiedergabe.
Doch Philips hat bereits eine Lösung dafür bereit und will bis zum nächsten Frühling ein Upgrade für die Geräte bereitstellen. Noch ist dabei unklar, ob das Upgrade auf HDMI 2.0 via Softwareupdate gemacht werden kann oder dafür die HDMI-Platine ersetzt werden muss. Auf jeden Fall ist auf der Rückseite des Geräts beim HDMI5-Anschluss eine Serviceklappe eingebaut, die einen einfachen Austausch ermöglichen würde.
Ebenfalls richtige UHD-Auflösung bieten der Netzwerk- sowie der USB-Anschluss. Fotos und Illustrationen mit entsprechender Auflösung sehen auf dem 65-Zoll-Gerät einfach bombastisch aus. Hier kann die höhere Auflösung so richtig ausgeschöpft werden. Für die Wiedergabe von UHD-Videomaterial eigenen sich diese Anschlüsse allerdings nicht.
Ebenfalls sensationell sieht die 3D-Wiedergabe aus. Dank der UHD-Auflösung des Panels stehen im 3D-Modus trotz der passiven Polfilter-Technik noch 1080 Bildzeilen für jedes Auge zur Verfügung. Dies ergibt ein sattes 3D-Bild mit tollen Helligkeitswerten. Dabei darf auch erwähnt werden, dass die 3D-Brillen sehr angenehm zu tragen sind – sogar wenn dabei noch eine richtige Brillen darunter verwendet wird.
Smarter in die Zukunft schauen
Der TV wird zur Multimedia-Zentrale: Der Philips PFL659708 verfügt über Streaming-Dienste, Apps und Webbrowser und ist somit zukunftssicher ausgestattet. Wer sich nicht mit normalem TV-Programm oder Blu-ray zufrieden gibt, kann mit dem Philips 65PFL9708S auch im Internet surfen oder Streaming-Kanäle schauen. Cloud-TV-Service und Webbrowser machen es möglich.
Der Webbrowser zeigt sich aber nicht wirklich alltagstauglich und reicht höchstens für eine kurze Google-Suche - zu träge ist die Bedienung, und das trotz Tastatur auf der Fernbedienung. Und durch fehlende Web-Plugins werden viele Seiten nicht richtig dargestellt.
Hingegen super wäre der integrierte Smart-TV-Service, welcher es erlaubt, TV-Streams von verschiedenen (kostenlosen und kostpflichtigen) Anbietern zu konsumieren. Doch leider sind im Moment praktisch nur italienischsprachige Programme verfügbar – der Grund ist auch schnell gefunden: Stream-IT ist der bislang einzige Anbieter in der Liste.
Dienste wie dieser integrierte Smart-TV-Service werden in Zukunft aber immer wichtiger, denn die Zeit des linearen Fernsehens bekommt langsam aber sicher ernsthafte Konkurrenz von innovativen Streaminglösungen.
Fazit
Der Philips 65PFL9708S ist ein gelungenes Gerät, dass trotz seiner 65-Zoll Diagonalen nicht wuchtig wirkt. Sehr schnell gewöhnt man sich an das neue, grosse Seherlebnis, welches durch das dreiseitig abstrahlende Ambilight noch unterstrichen wird.
Eine leistungsstarke Skalierung bringt sowohl Tuner- wie auch HDMI-Signale auf eine UHD-Auflösung. Vor allem wenn das Ursprungsmaterial Full-HD ist, ist die Qualität erstaunlich. Native UHD-Signale können über den HDMI5- sowie den USB-Anschluss oder übers Netzwerk auf den LCD gebracht werden. Da das Philips-Gerät allerdings noch kein HDMI 2.0 an Bord hat, können über den UHD-HDMI-Port nur 30 Bilder pro Sekunde wiedergegeben werden, was zu unschönen Rucklern im Bild führt. Ausserdem wäre ein Doppeltuner wünschenswert gewesen.
Dafür punktet der 65PFL9708S bei 3D. Dank dem UHD-Panel steht für die dreidimensionale Wiedergabe die volle Full-HD-Auflösung für jedes Auge bereit, was zu einem nie da gewesenen 3D-Erlebnis im Wohnzimmer führt.
Das erste UHD-Gerät aus dem Hause Philips gibt es zum sehr fairen Preis von 6999 Franken. Der grosse Bruder 84PFL9708S mit einer Diagonalen von 213 Zentimeter schlägt mit 19'999 Franken deutlich teurer zu buche, und falls jemand ein solches überdimensioniertes Weihnachtsgeschenk sucht: Man muss sich sputen: Vom 84-Zöller gibt es nur gerade zehn Stück in der Schweiz.