702.Bezüglich seiner Abmessungen ist das Signature-Modell mit der Standard-702 S3 identisch. Beide benötigen nur wenig Standfläche und strecken sich mit knapp 109 cm (gemessen inklusive Standbasis und Höchtöner) ordentlich in die Höhe. Dass die 702 S3 Signature optisch dennoch vergleichsweise zierlich daherkommt, verdankt sie einerseits einer hervorragenden Verbreitung, andererseits einigen geschmackvoll gesetzten Designtupfern. So sind die Lautsprecher-Zierringe goldfarbig gehalten, das massive Hochtönergehäuse ist hingegen in mattem Schwarz ausgeführt.
Sehr chic erscheint auch das neue, aus der Serie 800 D4 übernommene Schutzgitter. Das eigentliche visuelle Highlight der Signature-Modelle ist jedoch das spezielle Gehäusefinish, wahlweise in glänzendem Midnight-Blue oder mehrfach hochglanz-lackiertem Datuk-Echtholz. Unser Testmodell war in Letzterem gehalten und gefiel mit seinem ebenholzähnlichen Furnier mit individueller Maserung ausnehmend gut. Der optische und der haptische Eindruck sind überragend. Zudem kann man mit Fug und Recht davon ausgehen, dass sich das spezielle Gehäusefinish (nebst der aufwändigen Innenversteifung) positiv auf den Klang auswirkt.
Die neuen Signature-Modelle gibt es wahlweise in Datuk Hochglanz oder Midnight-Blue-Hochglanz.Klar, die 702 Signature hat grundsätzlich die gleichen Gene wie das «Standard»-Modell aus der Serie 700 S3. Beide verfügen über hervorragende Treiber, die es durchaus nochmal zu würdigen gilt: So wurde der als Vibrations-entkoppelter «Tweeter-on-Top» ausgelegte Hochtöner gegenüber der Vorgängergeneration grundlegend überarbeitet. Das aus einem massiven Aluminiumblock gefräste Gehäuse ist nun deutlich länger ausgelegt, was nicht nur sehr chic ausschaut, sondern auch nachweisbare Vorteile in Form einer besseren Eliminierung des nach innen abgestrahlten, unerwünschten Restschalls mit sich bringt.
Exklusiv in der Signature-Linie kommt das für die Serie 800 D4 neu geschaffene, akustisch perfektionierte Schutzgitter zum Einsatz. Es schützt die wertvolle Hochtonkalotte etwa vor neugierigen Kinderhänden. Diese arbeitet bis über 40 kHz und kommt dank Karbonpartikel-Beschichtung sowie einem Extra-Stabilisierungsring dem überragenden Schwingungsverhalten einer Diamantkalotte schon sehr nahe.
C'est chic: Die Lautsprecher-Zierringe sind goldfarben gehalten. Das Schutzgitter vor dem Hochtöner wurde aus der Serie 800 D4 übernommen.Ebenso innovativ geht es im Mitteltonbereich zu. Die charakteristische, silberfarbene Continuum-Membran ist aussen quasi sickenlos aufgehängt. Davon profitiert das Abstrahlverhalten – und ansonsten unvermeidliche Sickenresonanzen werden dadurch vermieden. Für das Auge unsichtbar ist eine weitere Innovation am Werk: Nach jahrelangem Tüfteln schafften es die Ingenieure bei Bowers & Wilkins, eine andere grundlegende Schwäche von Konuslautsprechern zu eliminieren. Die normalerweise gewellte Zentrierspinne (welche rundum an die Schwingspule andockt) wurde durch filigrane Stege ersetzt. Diese aufwändige Konstruktionsweise vermindert nicht nur mechanische Verluste, sondern vermeidet (messtechnisch relevante) Störungen vonseiten einer mitschwingenden Spinne. Das Ansprechverhalten und die Sauberkeit der tonal wichtigen Mitten profitieren massiv von diesen Massnahmen. Die elektromechanische Konstruktion des Mitteltöners wurde – ebenso wie die der drei Tieftöner – mit grösserem Luftspalt und geringerer Induktivität überarbeitet.
Die Frequenzweichen wurden für die Signature-Modelle grundlegend überarbeitet und feingetunt.Die grössten Veränderungen gegenüber der «Standard»-702 findet sich jedoch in der grundlegend überarbeiteten Frequenzweiche. Neu kommen sündhaft teure Öl-Kondensatoren des deutschen Herstellers Mundorf in der edlen Silber-Gold-Variante mit speziellen «Angelique»-Kupferanschlüssen zum Einsatz. Im Mitteltonbereich finden sich zudem spezielle Polypropylen-Zinkfolien-Kondensatoren.
Die winzigen Bypass-Kondensatoren (von denen sich schon eine Vielzahl auch bei der normalen 702 findet) wurden neu positioniert. Offenbar nicht mehr parallel, sondern seriell zu den grösseren Kapazitäten. Eine Massnahme, die den Techniker erstaunen mag. Aber der Hörtest gibt den B&W-Klangtüftlern recht. Nicht zuletzt erhielten Mittel- und Tieftonzweige der Weiche auch noch bessere Spulen. Vielerlei kostspielige Massnahmen also, um das Klangniveau der 702 S3 auf ein höheres Level zu hieven. Ob sich der Aufwand wirklich auszahlt, musste der Hörtest beweisen.
Klangqualität exorbitant gesteigert
Wir hörten die 702 S3 Signature zunächst in einem Zweikanal-Setting an der Verstärker-/Player-Kombi Model 50/CD 50n von Marantz.Wir hörten die 702 S3 Signature zunächst im Verbund mit den Modellen der Serie 50 von Marantz: Dem Vollverstärker Model 50 (Test nachzulesen hier) attestierten wir im Hörtest eine sehr hohe Klangkultur und Finesse der musikalischen Ansprache. Im Zusammenspiel mit dem passenden Streamer/CD-Spieler CD 50n (Test nachzulesen hier) zeigte auch die Bowers & Wilkins-Signature eine fantastische Leichtigkeit der Klangentfaltung. Die musikalische Ansprache erinnerte fast schon an jene von Elektrostaten. Ebenso beeindruckte die fast schon verblüffende räumliche Transparenz. Der imaginierte Raum besitzt Plastizität, ausgeprägte Tiefe und Weite. Die Abbildung ist sehr präzise, ohne übertriebene Ortungsschärfe oder gar einem Anflug von Vordergründigkeit.
Al Di Meolas Saitenspiel etwa erklingt zum Greifen nahe, mit wunderbarer Aura und schönen Klangfarben. Gut aufgenommene Pop- und World-Musik wurde – im Rahmen vernünftiger Abhörpegel – lebendig und insgesamt sehr geschmackvoll in Szene gesetzt. Erst bei harten Elektropop- oder Techno-Tracks ging dem Model 50 tendenziell etwas die Puste aus. Er wirkte im Grenzbereich dann nicht mehr so souverän. Ganz offensichtlich verlangen die drei Tieftöner der 702 S3 Signature doch reichlich Schubkraft.
Garant für schöne Klangfarben: Die Marantz-Kombi Model 50 und CD 50n inszeniert Musik gehaltvoll und filigran.Ganz in ihrem Element war die Bowers-&-Wilkins-Marantz-Kombi dann wieder bei der Stimmenwiedergabe. Egal, ob klassische Vokalmusik oder Country/Folk; die Signature nimmt die Hörer mit wunderbarem Timbre und emotionaler Ausdruckskraft in ihren Bann. Akustischer Folk und Blues wird in überzeugender Art und Weise inszeniert: Das musikalische Geschehen lebt und pulsiert, auch minimalistische Besetzungen entfalten eine grossartige Bühne und füllen den Hörraum mit einnehmendem Klangspektakel.
Im Bass zeigt die 702 S3 Signature (am Model 50 bis zu vernünftigen Pegeln) eine ebenso druckvolle wie kontrollierte Wiedergabe. Dass sie auf die allertiefsten Register (Bowers & Wilkins spezifiziert bei 45 Hz -3 dB, bei 28 Hz -6 dB) zugunsten konturierten Impulsverhaltens verzichtet, sei ihr verziehen. Aber gut möglich, dass ein grösseres Verstärker-Kaliber mit noch mehr Nachdruck in die Tiefe arbeitet.
Im Hochtonbereich ist die B&W-Marantz-Kombi wieder voll in ihrem Element: Die Höhen klingen zwar durchaus brillant, aber niemals aufdringlich. Detailzeichnung und Feinauflösung sind exzellent. Ebenso die Durchhörbarkeit, die der innovative Mitteltöner an den Tag legt. Die Direktheit der Ansprache verblüfft, aber auch hier ohne jede Aufdringlichkeit. Insgesamt klingt die 702 S3 Signature sprichwörtlich wie aus einem Guss; die Wiedergabe dieses Dreiwege-Lautsprechers wirkt äusserst homogen und sehr natürlich.
Auch im Heimkino der Topklasse läuft die 702 S3 Signature zur Höchstform auf. Wir hörten sie im Zusammenspiel mit dem tonal bestens passenden Center HTM 71, den es ebenfalls in der Signature-Version zu kaufen gibt.In einer zweiten Hörsession durfte die 702 S3 Signature zeigen, was sie im (High-End-)Heimkino so draufhat. Und es war fast schon unheimlich, wie die Standbox im Zusammenspiel mit dem AV-Verstärker Cinema 30 von Marantz (Test nachzulesen hier) nach durchgeführter Audyssey-Raumeinmessung an Natürlichkeit der Wiedergabe und räumlicher Präzision zulegte – und dies eben auch im reinen Stereo-Betrieb. Auch punkto Basswiedergabe erwies sich der Cinema 30 als dem Model 50 überlegen. Klare Sache: Ein AV-Verstärker der Topklasse ist heutzutage eigentlich der bessere Stereo-Verstärker. Und vice versa: Die 702 S3 Signature ist gleichzeitig auch der beste Heimkino-Lautsprecher, der dem Autor bisher untergekommen ist.
Fast so schön wie die Bowers & Wilkins Signature: Auch der Cinema 30 von Marantz gefällt mit gelungenem Design.Zu guter Letzt galt es noch die entscheidende Frage zu klären, ob und wie weit sich die Signature vom «Standard»-Modell 702 S3 würde absetzen können und ob der doch recht hohe Aufpreis von CHF 1700 auch wirklich gerechtfertigt sei. Dazu verglichen wir die beiden Modelle direkt nacheinander im A/B-Vergleich und stellten fest: Für sich gehört, klingt die «Standard»-702 S3 ausdrucksstark, farbenfroh und vital. Sie sorgt zweifellos für enormen Hörspass.
Nach dem Wechsel zur Signature wurde jedoch schon bei den ersten Musiktakten klar, dass man es hier mit einer ganz anderen Klasse an Schallwandler zu tun hat. Die Ansprache ist insgesamt filigraner und kultivierter, die räumliche Transparenz exorbitant besser – und gleichzeitig wirkte die Signature natürlicher und homogener, wo das Standardmodell stellenweise fast schon plakativ und vordergründig agierte. Klare Sache: Die «Standard»-702 S3 ist in der HiFi-Spitzenklasse zu verorten, während das Signature-Modell in jeder Hinsicht als High-End-Lautsprecher zu klassifizieren ist.
Auch in Midnight Blue machen die 702 S3 Signature eine gute Figur.Fazit
Die Klangmagier von Bowers & Wilkins haben wieder einmal Hand angelegt. Wie man mit gezielten Feintuning-Massnahmen einen schon sehr guten Lautsprecher klanglich dermassen verbessern kann, grenzt fast schon an Zauberei. Die 702 S3 Signature setzt sich vom Standard-Modell deutlich ab – dies auch dank der tollen Verarbeitung. Der Wermutstropfen für den Musikliebhaber: Bowers & Wilkins lässt sich diesen Mehrwert auch redlich bezahlen. Von nichts kommt eben nichts. Dennoch: Wer die 702 S3 Signature einmal gehört hat, wird sich der Faszination dieses High-End-Lautsprechers kaum noch entziehen können.