Die Madison Phono von Wattson Audio kennt mehr als eine Entzerrkurve. Wer alte Decca- oder Columbia-Pressungen hat, darf aufhorchen.Wattson Audio baut seine Madison-Reihe konsequent aus. Zuerst kam der Streamer, dann ein Endverstärker, dann ein externes Netzteil. Für Vinylfreunde ergänzt man nun die Madison Phono. Nach der Premiere an der High End in Wien ist sie seit Mitte September im Handel. Sie tut allerdings etwas, wovor immer noch manche Puristen Berührungsängste haben.
Das Signal des Tonabnehmers wird in der ersten Stufe analog verstärkt, dann aber mit 32 Bit und 384 kHz digitalisiert. Erst im internen Signalprozessor folgt die Entzerrung, also das Zurücksetzen der beim Plattenschnitt abgesenkten Bässe und angehobenen Höhen. Neben der RIAA-Norm stehen die Kurven von Columbia, Teldec, EMI und Decca zur Wahl, laut Wattson auf ±0,1 dB genau. Das zielt auf Sammler historischer Aufnahmen. Bis in die Fünfzigerjahre entzerrte jedes grosse Label nach eigenen Spezifikationen. Wer solche Pressungen mit RIAA-Entzerrkurve abspielt, hört sie tonal verbogen. Auch gewisse reine Analog-Phonovorstufen können das, verbunden mit einigem Schaltungsaufwand. In der digitalen Domäne genügt ein Satz Filterkoeffizienten.
Ausgegeben wird das entzerrte Signal zweigleisig. Koaxial und optisch liegt ein S/PDIF-Signal mit 192 kHz an, für den hauseigenen Streamer ebenso wie für DA-Wandler und Streamer anderer Hersteller. Die Cinch-Ausgänge liefern das analoge Signal nach dem internen Sigma-Delta-Wandler. Das Signal durchläuft also zwei Wandlerstufen. Für manche wohl ein Frevel. Man sollte sich aber entspannen. Denn fairerweise muss man sagen, dass moderne Wandler den Dynamikumfang jeder Schallplatte um Längen übertreffen. Und dass ein guter Teil heutiger Neupressungen ohnehin von digitalen Masters geschnitten wird. Das gehört zu den Wahrheiten, die man in Vinylforen ungern ausspricht.
Bei der Anpassung an den Tonabnehmer setzt Wattson auf Steckkarten. Jedes Gerät erhält beim Kauf genau eine nach Wahl. Die «Spannungskarte» bedient MM-Systeme und hochohmige MCs mit einer linearen Verstärkerstufe und vier festen Einstellungen für Verstärkung und Abschluss. Die passende Verstärkung ist wichtig, um den nachgeschalteten AD-Wandler im optimalen Aussteuerungsbereich zu betreiben und so die volle Bitzahl auszunützen.
Die sogenannte «Stromkarte» für niederohmige MCs ist laut Wattson von einer Schaltung der Muttergesellschaft CH Precision abgeleitet. Sie arbeitet als Transimpedanzverstärker. Eine Transimpedanzverstärker-Schaltung greift nicht die Spannung des Systems ab, sondern den Strom, den es liefert, und setzt ihn in Spannung um. Der Schaltungseingang zeigt dem System dabei weniger als ein Ohm. Das passt zu niederohmigen MCs. Ihre wenigen Windungen erzeugen kaum Spannung, liefern über den geringen Spulenwiderstand aber vergleichsweise viel Strom. Laut Datenblatt rauscht der Stromeingang 5 dB weniger als der Spannungseingang. Kabel und Abschluss sollen so weniger Einfluss haben. Wie viel Pegel ankommt, hängt dafür vom Innenwiderstand des Systems ab. Die dritte Karte dient den optischen Tonabnehmern von DS Audio.
Das Gehäuse ist aus dem Vollen gefräst, misst 175 × 185 × 52 mm und wiegt 1,7 kg. Bedient wird per Tasten oder übers Netzwerk, das auch Firmware-Updates liefert. Als Aufrüstung bietet Wattson für 2190 Franken das externe Netzteil Power S an. Die Klangversprechen dazu sind wortreich.
Die Madison Phono kostet CHF 4390. Zusatzkarten schlagen mit je CHF 500 zu Buche. Mehr Infos in Préverenges bei Watson Audio oder bei Klangwerk in Zürich, wo die gesamte Madison-Reihe zu hören ist.
Wattson Audio
1028 Préverenges
Watson Audio