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Love Me Aurender!

Test des A10-Netzwerk-Musikservers von Aurender

Mit dem netzwerkfähigen Aurender A10 kann man den CDs nun endgültig die Liebe kündigen. Behalten Sie einfach noch eine Weile die Booklets.

Von Christian Wenger · 14. August 2017
Der Netzwerk-Musikserver Aurender A10 kann mit einer Festplatte von bis zu 5 Terabyte bestückt werden. Der Netzwerk-Musikserver Aurender A10 kann mit einer Festplatte von bis zu 5 Terabyte bestückt werden.

Die Sparte der Streaming-Geräte und Musikserver entwickelt sich prächtig. Selbst ambitionierte Musikhörer mit hohen Qualitätsansprüchen können sich mittlerweile sicher fühlen, dass eine heute getätigte Investition nachhaltig ist, so dass die digitale Quelle auch in zehn Jahren noch vollends einsatzfähig sein wird. Die Zeit der High-End-Musikserver, deren Hersteller zwei Jahre nach der Markteinführung nicht mehr existierten und es damit auch keinen Support mehr gab, scheinen zu enden.

Aus meiner Sicht gehört Aurender, ein Unternehmen mit Sitz in Seoul (Südkorea), wo Entwicklung und Produktion angesiedelt sind, zu den Herstellern, die die Ansprüche der audiophilen Kundschaft sehr gut erfüllen. Die Aurender-Geräte für audiophile Nutzung passen in jede Wiedergabekette. Sie decken jedes mögliche Einsatzfenster ab.

Dabei erfüllen sie alle Kriterien, die für audiophile Musikhörer relevant sind. Dazu gehören beispielsweise Materialwahl, Bauweise, Qualität der elektronischen und mechanischen Komponenten. Es sind Geräte, die der klassischen Wahrnehmung von High-End entsprechen. Mancher HiFi-Begeisterte konnte sich nie so recht damit anfreunden, einen Mac oder einen Windows-PC in sein System zu integrieren – trotz der verblüffenden Ergebnisse.

Viele haben lange gewartet, hielten sich mit provisorischen Lösungen über Wasser und hoffen auf die Geräte, die sie wirklich überzeugen. Mit dem Aurender A10 wird nun ein Gerät vorgestellt, das zu einem vernünftigen Preis die Nutzer dort abholen kann, wo sie gerade stehen.

Der Aurender A10 kostet 5990 CHF. Allerdings ohne die Harddisc. Somit kommt da je nach Speichergrösse ein Aufpreis dazu. Man kann das Gerät mit maximal 5 TB bestücken.

Wo stehen die Nutzer?

So sieht ein audiophiler Musikserver neuster Generation unter der Haube aus. Der A10 von Aurender.So sieht ein audiophiler Musikserver neuster Generation unter der Haube aus. Der A10 von Aurender.

Der Neuling hört digital CDs und hat sich noch nicht mit Streaming befasst. Er kann seine CDs auf seinen PC/Mac rippen (z. B. mit dem CD-Ripper dB Poweramp) und die Daten via Netzwerk-Share auf die interne Festplatte des A10 laden. Dann kann er künftig Downloads via Netzwerk-Share speichern.

Der Fortgeschrittene hat seine CD-Sammlung bereits vollständig oder teilweise auf dem PC/Mac oder auf einer Festplatte bzw. einem NAS gespeichert und mit Downloads ergänzt. Mit dem A10 kann er auf das NAS zugreifen, USB-Festplatten kann er direkt via USB auf den Aurender kopieren, und die Musik auf seinem PC/Mac kann er via Netzwerk-Share auf den A10 kopieren.

Die Library des A10 ordnet die ganze Musiksammlung, egal ob die Daten intern oder anderswo abgespeichert sind. Alles ist auffindbar, abrufbar, abspielbar.

Dazu sind die Streamingdienste Tidal und Qobuz eingebettet. Wenn man nun Musik von diesen Streamingdiensten hört, kann man bevorzugte Alben oder Tracks zusammen mit gespeicherter Musik in Playlisten speichern. Man braucht dazu nicht hin- und herzuschalten. Das ist dann besonders praktisch, wenn man gespeicherte Musik bevorzugter Interpreten ergänzen will, ohne zusätzliches Material kaufen zu müssen.

Proprietäre Hardware und Software

Die DA-Wandler und die analogen Ausgangsstufen arbeiten kanalgetrennt (Dual-Mono). Der AK4490-DAC-Chip arbeitetet intern mit einem 768-kHz-Clock und einer Wortbreite von 32 Bit. Das analoge Signal wird über XLR oder Chinch ausgegeben.Die DA-Wandler und die analogen Ausgangsstufen arbeiten kanalgetrennt (Dual-Mono). Der AK4490-DAC-Chip arbeitetet intern mit einem 768-kHz-Clock und einer Wortbreite von 32 Bit. Das analoge Signal wird über XLR oder Chinch ausgegeben.

Das Menü des A10 ist üppig, aber zweckmässig. Die Stromversorgung erfolgt getrennt und geschirmt über fünf separate, lineare Netzteile. Server, Digital-Sektion und zwei DA-Wandler/Ausgangsstufen werden also individuell versorgt.

Sowohl Hardware als auch Software stammen bei allen Geräten von Aurender, sind also 100-prozentige Eigenentwicklungen. Selbst das Mainboard, auf welchem sich die CPU befindet, ist eine Eigenentwicklung. Damit hebt sich Aurender von der Konkurrenz ab, denn viele Hersteller – darunter auch sehr Namhafte – verwenden z. B. die Streaming Engine von Stream Unlimited. Nicht, dass dieser schlecht wäre, aber es ist halt immer etwa dasselbe. 

Der A10 ist das einzige Wiedergabegerät von Aurender mit integriertem DA-Wandler. Alle anderen Modelle geben digital aus. Grund genug, sich mit dem DA-Wandler des A10 auseinanderzusetzen.

Die DA-Wandler-Sektion ist mit hochwertigsten AK4490-Chips ausgerüstet. Diese arbeiten intern mit einem 768-kHz-Clock mit 32 Bit Wortbreite. Der Clock-Generator verfügt über eine Jitter-Reduktion, welche die gefürchteten Schwankungen der Taktbreite auf weniger als 100 fs (Femto-Sekunden) drückt. Das ist ein Hochpräzisions-Clock!

Das entspricht also einer Schwankung von weniger als 0.000'000'000'000'1 Sekunden. Die Taktbreite beträgt bei einem 96-kHz-Clock nach meiner Rechnung ganz wenig mehr als 0.000'01 Sekunden. Die zahlreichen Nullen zwischen den Werten zeigen, dass jedes Sample exakt am richtigen Ort auf dem Zeitstrahl steht. Infolgedessen dürfte das resultierende analoge Tonfrequenzsignal exakt so aussehen, wie es bei der Aufnahme aussah. Falls man hier noch Jitter hören sollte, dann stammt selbiger garantiert von der Aufnahme.

Die Lautstärkenregelung erfolgt digital (Digital Domain) entweder über den Drehregler auf der Frontplatte, über die Aurender-App oder über die hochwertige Fernbedienung (im Lieferumfang enthalten). Das digitale Ausgangssignal ist aber dennoch ein Fixpegel.

Der A10 wird über ein Netzwerkkabel direkt mit dem Router oder mit einer Netzwerkdose verbunden. Er besitzt keine WiFi-Schnittstelle. Ein NAS kommuniziert mit dem A10 also direkt. Das iPad/Tablet hingegen kommuniziert über das heimische WiFi.

Das Set-Up ist extrem einfach, quasi ein Mis-en-place-Menu. Ich kenne nur ein vergleichbares Gerät, das noch einfacher in Betrieb genommen werden kann und zudem auch noch direktes Rippen und direktes Abspielen von CDs bietet. Im Vergleich zum A10 ist dieses Gerät aber fast dreimal teurer.

Der interne Speicher besteht aus einer 2.5-Zoll-HDD mit maximal 5 Terabyte Speicherplatz. Zusammen mit der Möglichkeit zur Erweiterung mittels externen Speichern ist dies auf jeden Fall genug. Für die Zwischenspeicherung (cache) stehen 120 GB SSD-Speicher zur Verfügung. Der Schweizer Vertrieb bestückt die Geräte nach erfolgter Bestellung vom Fachhändler mit der gewünschten HDD.

Die Conductor-App von Aurender

Die Conductor-App von Aurender in einer Wiedergabe-Darstellung. Das Menu für die Einstellungen ist ebenfalls über die App bedienbar.Die Conductor-App von Aurender in einer Wiedergabe-Darstellung. Das Menu für die Einstellungen ist ebenfalls über die App bedienbar.

Die Geister scheiden sich bei den Apps für Musikserver und Streaming-Geräte. Es gibt fast bei jeder App Vor- und Nachteile, und die Empfehlungen der Anwender an die Hersteller sind umfangreich.

Die Aurender-App ist sehr durchdacht und verbindet die Tugenden der Einfachheit mit umfangreichen Möglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, Musik unabhängig von Speicherort und Streamingdienst in Playlisten vermischt abzuspeichern. Dazu kann man auch Internetradio auf einer dafür vorgesehenen Oberfläche auswählen und hören.

Wenn man eigene Musik in Ordnern ablegt, zeigt die App auch diese Ordner an. Als Benutzer findet man sich in der eigenen Struktur gut zurecht. Dazu gesellt sich die gewohnte Struktur mit Album, Interpret, Genre usw. Wählt man Tidal oder Qobuz an, sieht man die Struktur dieser Streamingdienste perfekt eingebettet. Natürlich gibt es auch eine Queue, bei der man als Nutzer bestimmt, wann ein Album/Track abgespielt werden soll. Jetzt gleich, als Nächstes, am Ende der Queue oder zufällig.

Der Player zeigt übersichtlich, was gerade gespielt wird, inklusive Cover, Format, Bitrate und Sampling-Frequenz. Man findet diese Information immer oben links – und nicht etwa auf einer separaten Seite. Das vereinfacht die Bedienung. Auf Schnickschnack wie Abbildungsgrössen und Hoch/Quer-Format wird verzichtet.

Beim A10 kann man die Lautstärke über die App bedienen, ergänzend aber auch am Gerät oder mit der IR-Fernbedienung. Das ist praktisch, wenn das Tablet gerade nicht greifbar ist. Mit der App können sämtliche Einstellungen vorgenommen werden. Den PC/Mac braucht man nur, wenn man den Netzwerk-Share einrichtet. Firmware-Updates sind ein Kinderspiel. Alles andere auch.

Ein grossartiges Klangerlebnis

Geräterückseite mit sehr hochwertigen Komponenten.Geräterückseite mit sehr hochwertigen Komponenten.

Beim DA-Wandler (Präzisions-Clock, Stromversorgung etc. beinhaltend) entsteht aus meiner Sicht der Löwenanteil der Klangqualität. Aurender vertritt die Meinung, dass 50 % der Klangqualität ihrer Geräte von der rein digitalen Seite stammen, was auch die Preis/Qualitäts-Relation ihrer mehrheitlich rein digitalen Player untermauert. Das glaube ich gerne, konnte es aber in diesem Fall nicht testen. Wichtig scheint mir aber, dass es sicher zum Vorteil ist, wenn sich alles demselben, hohen Qualitätsstandard zu unterziehen hat hinsichtlich der Qualität von Komponenten, Platinen, Abschirmungen, Stromversorgungen und der Gehäusekonstruktion. Darum ist der A10 mit DA-Wandler eben aus einem Guss.

Für den Test verwendete ich einen Röhrenvorverstärker von Valvet und eine Stereo-Endstufe von Gerd Sauermann. Die Lautsprecher waren Genuin FS1 von Blumenhofer. Die ganze Kette kostet ohne den Aurender etwa 50'000 CHF. Im Vergleich zum A10 verwendete ich einen Musikserver mit vergleichbarem Funktionsumfang, der etwa das Doppelte kostet. Das Musikmaterial war exakt dasselbe und wurde vor dem Test auf den A10 übertragen.

Die gehörten Aufnahmen waren erlesen und Querbeet repräsentativ für den heutigen Formatedschungel. Zudem kenne ich die Aufnahmen von unzähligen Vorführungen. Ich brauchte also nicht lange, um festzustellen, dass es mit dem A10 korrekt klingt.

Alle Klangdimensionen sind nicht nur richtig, es klingt wunderschön. Es gab keine digitalen Artefakte zu bemängeln, und niemand wird mit diesen Aufnahmen eine durchgängig analoge Kette vermissen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es überhaupt besser klingen kann – und wenn, dann ist nicht dieses Gerät dafür verantwortlich.

Vielleicht wollen Sie mehr wissen? Dann sollten Sie sich den A10 als ernsthaften Kandidaten selbst zu Gemüte führen.

Fazit

Erhabener PragmatismusErhabener Pragmatismus

Wer eine komplett ausgerüstete Digitalquelle sucht und keine wirklichen Kompromisse eingehen will, ist mit dem A10 von Aurender bestens bedient. Aus meiner Sicht kann man ihn zu den Referenzen zählen: Ich bezweifle, dass man mit teureren Lösungen im Rahmen seines Funktionsumfangs weiterkommen könnte. Zumindest dann nicht, wenn man sich von der Teurer-gleich-besser-Mentalität zurückgezogen hat. Die kann man hier locker hinterfragen.

Immerhin ist der A10 ja nicht billig, aber dennoch relativ günstig, eingedenk einer Herstellungsqualität, die es so zu diesem Preis kaum je gegeben hat.

Und er klingt ausgezeichnet.

Steckbrief
Modell:
A10
Profil:
Top-Musikserver mit integriertem Speicher (max. 5 TB) und Zugriff auf Speichermedien im Netzwerk sowie zwei ausgewählte Streaming-Dienste und Internet-Radio. DA-Wandler und Analogausgänge (XLR/RCA).
Pro:
Hervorragender Klang, einfache Bedienung und kompletter Einsatz.
Extrem einfaches Set-Up
5 verschiedene Digitalfilter auswählbar
Contra:
Keine Möglichkeit direkt CDs zu rippen.
Preis:
5,990.00 CHF
Hersteller:
Aurender
Jahrgang:
2017
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
430 x 55 x 353 mm
Gewicht:
10,2 kg
Farbe:
Silber und schwarz
Internetradio:
Ja
Netzwerkanschluss:
Ja
Analog Output:
XLR, RCA
Audioauflösung (max.):
32 Bit, 384 kHz, DSD64/128
Audioformate:
PCM und DSD-Formate
Betriebssystem:
Customs Aurender
DA-Wandler:
AK4490 (AKM) Dual Mono
Digital Input:
S/PDIF optisch
Digital Output:
USB 2.0
Display:
​3.0
Festplatte:
HDD 2.5 Zoll
Festplattenkapazität:
4000 GB
Musikdienste:
Qobuz, Tidal
Remote App:
Aurender Conductor App (iOS)
Software:
proprietär
Stromversorgung:
Linear Power Supply
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/love-me-aurender-test-des-a10-netzwerk-musikservers-von-aurender
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