avguide.ch Druckansicht · 21.09.2026

Die klingende Moon-Stimme

Test der Moon Voice 22 Lautsprecher

Die Lautsprecher Moon Voice 22 im Test von Simaudio erweitern das Moon-Sortiment und geben der Moon- Elektronik eine Stimme. Wir haben die Moon Voice 22 für Sie ausgiebig getestet.

Von Silvan Karrer · 31. Dezember 2022
Die Moon Voice 22.Die Moon Voice 22.

Simaudio, die Firma, die hinter den Produkten der Marke Moon steht, wurde als Sima Elektronik 1988 in Quebec, Kanada von Victor Sima gegründet. Ob Victor Sima später bei der Namensgebung der Marke Moon an den Mond bzw. dessen Erstbetretung dachte, ist unbekannt. Die Apollo-Mission war ein riesiger Challenge für die Menschheit. Die naturgetreue Wiedergabe von Musik ist nicht ganz so spektakulär, aber seit Jahrzehnten eine Leidenschaft vieler Musikbegeisterter rund um den Globus – und so auch des Firmengründers Victor Sima.

Die Kunden waren jedenfalls sehr angetan von den Sima-Produkten. Besonders das gute Preis-Leistungs-Verhältnis war ein Grund für deren Erfolg. Victor Sima hatte zwar den Profi-Markt im Auge, aber die Produkte waren klanglich sehr gut und fanden in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren auch in den guten Stuben begeisterter Abnehmer ihren Platz. Mit der erst später gegründeten Marke Moon ging es erfolgreich weiter. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist bis heute Garant für den Erfolg der Moon-Produkte geblieben.

Moon Voice 22

Bisher stand die Marke Moon ausschliesslich für Audio-Elektronik. Neben der anerkannt guten Moon-Verstärker-Elektronik erarbeiteten sich auch die digitalen Quellgeräte und Phonovorstufen von Moon einen sehr guten Ruf in der audiophilen Community. Mit dem hier getesteten Lautsprecher betritt Simaudio ein gänzlich neues Geschäftsfeld und gibt der Moon-Elektronik eine Stimme aus eigenem Haus, wie die Website sehr schön formuliert.

Wenn Sie nun vielleicht denken, dass Simaudio gleich mit einem monströsen Flaggschiff-Lautsprecher als Erstlingswerk protzt, ist man mit dem unauffälligen 2-Weg-Kompaktlautsprecher Voice 22 angenehm überrascht. Simaudio wollte mit ihrem ersten Lautsprecher auf Nummer Sicher gehen und zog man auch externes Lautsprecher-Know-how hinzu. SB Acoustics, eine anerkannt fähige Lautsprecher-Schmiede – speziell für hochwertige Treiber –, und vor vielen Jahren von dänischen Entwicklern in Indonesien gegründet, fertigt die Voice-22-Lautsprecher nach den Vorgaben aus Kanada. Dies äussert sich unter anderem auch in einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. So ganz aus dem eigenen Haus sind sie also doch nicht, die Voice 22.

Voice-22-Lautsprecher von Moon in Klavierlack schwarz und mit Abdeckung.Voice-22-Lautsprecher von Moon in Klavierlack schwarz und mit Abdeckung.

Preislich liegen die Voice-22-Lautsprecher bei freundlichen 3280 CHF pro Paar. Der passende Ständer dazu kostet zusätzlich noch überschaubare 480 CHF. Der Schweizer Vertrieb von Simaudio bietet die Lautsprecher Moon Voice 22 im vorteilhaften Paket zusammen mit dem Moon-ACE-Vollverstärker/Streamer-DAC (einzeln 4180 CHF) für 6780 CHF an. Wir haben den Moon-ACE-Verstärker für den Soundcheck zusammen mit der Voice 22 verwendet. Aber nun zurück zum Testobjekt.

Der Vollverstärker Moon ACE mit Streamer und DAC ist ein idealer Partner für die Voice 22. Zusammen bilden Sie eine tolle HiFi-Anlage.Der Vollverstärker Moon ACE mit Streamer und DAC ist ein idealer Partner für die Voice 22. Zusammen bilden Sie eine tolle HiFi-Anlage.

Gehäuse

Im Gehäuseinnern der Voice 22 kommt eine spezielle, patentierte Technologie namens CGD (Curved Groove Damping, auf Deutsch: «gebogene Rillendämpfung») zum Einsatz, mit welcher gemäss Moon die Resonanzen des Lautsprechers gesteuert werden können. Moon schreibt ausdrücklich vom «Steuern» und nicht von Resonanzen dämpfen. Wirklich spannend!

Der mitgelieferte «Schwebesockel» verleiht dem Gehäuse ein optisch unauffälliges Erscheinungsbild und lässt den Lautsprecher scheinbar anmutig über den Möbeln schweben. Damit kann die Voice 22 auf praktisch jeder Oberfläche platziert werden, ohne Spuren zu hinterlassen. 

Die mitgelieferte, schwarze Front-Abdeckung haftet magnetisch und verhält sich klanglich neutral, was positiv anzumerken ist. Optisch gefallen uns die Voice 22 ohne Abdeckung besser, speziell in der attraktiven, weissen Gehäuse-Ausführung.

Hochton-Treiber

Der Hochtöner von SB Acoustics ist eine 29-mm-Textilkalotte, die mit einer breiten Sicke ausgestattet ist und ohne die typische Frontplatte auskommt. Die Integration eines speziell angefertigten Hohlleiters ermöglicht laut Hersteller eine höhere Dynamik. Die Kalotte ist leicht zurückversetzt angeordnet und strahlt aus einem Waveguide ab, der einen grösseren Frequenz-Bereich ermöglichen soll – und damit auch eine tiefere Übergangsfrequenz. Sie liegt bei 1500 Hz. Moon schreibt, dass das vom Waveguide beeinflusste Abstrahl-Verhalten des Hochtöners den wichtigen Übergangsbereich vom Hochtöner zum Mittel/Tieftöner homogener, natürlicher und damit realistischer gestaltet.

Die Hochton-Textil-Kalotte mit breiter Sicke und Waveguide.Die Hochton-Textil-Kalotte mit breiter Sicke und Waveguide.

Tief-/Mitteltöner

Der optisch unscheinbare 155-mm-Tief/Mitteltöner verfügt über einen Gussaluminiumkorb. Die Membran besteht aus mineralisiertem Polypropylen, die (gemäss Hersteller) für einen detaillierten Mitteltonbereich und einen kräftigen, vollen Bass sorgen soll. Die weiche Sicke besteht aus einem hochdämpfenden Gummi-Material.

Der Tief-Mitteltöner von SB Acoustics.Der Tief-Mitteltöner von SB Acoustics.

Frequenzweiche und Anschluss-Terminal

Die Frequenzweiche besteht gemäss Hersteller aus einer doppelseitigen Leiterplatte. Es kommen sorgfältig selektierte, hochwertig metallisierte Polypropylen-Folienkondensatoren zum Einsatz. Insgesamt werden optimale Klangqualität und langfristige Zuverlässigkeit angestrebt. Die Weiche ist zweiter Ordnung und trennt mit 12 dB Dämpfung pro Oktave bei besagten 1500 Hz.

Hochwertige Singlewiring-Anschluss-Terminals bieten Bananensteckern und Kabelschuhen perfekte Kontaktbedingungen.

Single-Wiring-Anschlüsse mit Bassreflex-Öffnung (oben).Single-Wiring-Anschlüsse mit Bassreflex-Öffnung (oben).

Ständer für die Moon Voice 22

Noch ein paar Worte zum Ständer, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Moon hat ihn vom kanadischen Spezialisten Target Audio nach ihren Vorgaben bauen lassen. Er besteht aus massivem Stahl und ist mit schwarzem Sandtex-Lack beschichtet. Eine Besonderheit ist die Plattform (Top Plate), die passend zur Geometrie des Lautsprecher-Bodenausschnitts ca. 1 cm tief in den Lautsprecher versinkt und so unsichtbar bleibt. Der Lautsprecher passt nahtlos in den Ständer und scheint zu schweben. Die in 60 cm Höhe stehende Plattform-Auflage ist zudem speziell mechanisch gedämpft, um dem Lautsprecher die akustisch bestmögliche Auflagefläche zu bieten.

Wer noch mehr aus den Ständern holen möchte, kann das eckige Standrohr mit Sand befüllen. Man kann zwischen einer weichen Ankopplung des Ständers an den Boden mit den mitgelieferten Kunststoff-Stopfen oder mit harter Ankopplung mit den Spikes wählen. Experimentieren und etwas Geduld hilft, damit die Moon 22 ihr volles Potenzial auszuschöpfen können.

Hörtest und Fazit

Die Pianolack-weissen Moon-Lautsprecher standen auf den Moon-Ständern mit 3 Metern Basisbreite und genügend Abstand nach hinten. Auch der Hörabstand war grosszügig. Der Moon-ACE-Verstärker war eingespielt, die Lautsprecher ebenfalls.

Das Test-Set-up.Das Test-Set-up.

Wir spielten uns durch eine Playlist, die sehr abwechslungsreich und klanglich aufschlussreich war, aber nicht nur die typischen, üblichen, gut klingenden Demo-Aufnahmen audiophiler Prägung beinhaltete.

Was sofort auffiel, war die Basswiedergabe: Sie war für die Grösse der Treiber und die Kompaktheit der Gehäuse unfassbar gut. Will heissen: Der Bass war konturiert, schnell, und reichte sehr tief herab, wenn erforderlich. Man war versucht, nach einem Subwoofer Ausschau zu halten. Wir spielten zum Beispiel Marcus Millers «Hannibal» live. Der E-Bass hatte genau den richtigen Slam und Drive. Und schon wurde der Tester vom «Moon-Voice-Virus» befallen und der bekannte «Haben-wollen-Effekt» stellte sich ein.

Man frage sich ernsthaft, wie ein 16-cm-Mittelton-Basstreiber eine solche Tiefton-Wiedergabe hinbekommt. Dass ein gutes, klanglich sauberes Bassfundament für die Mitten- und Hochtonwiedergabe essenziell ist, weiss man. Und das scheint auch das Geheimnis der Voice 22 zu sein, denn die Stimmen und Instrumente klangen natürlich und wurden von einer hinreissenden Hochtonwiedergabe abgerundet.

Auch präsentierten die Voice 22 einen schönen Raum mit einer natürlichen Bühne und einer präzisen Grössendarstellung. Das verwendete, eher hell klingende Top-Lautsprecher-Kabel teilte dem Hörer die die Musik aus der Voice 22 ebenfalls ungeschminkt mit. Ein etwas wärmer klingendes Kabel ist hier die Empfehlung, jedenfalls für das Moon-Paket mit ACE-Verstärker.

So einfach ein Zwei-Weg-Bassreflex-Lautsprecher auch daherkommen mag: In puncto Aufstellung lohnt es sich wirklich, die ideale Position im Hörraum für die Voice 22 minutiös zu ermitteln. Speziell die Basswiedergabe profitierte nochmals massiv und dankte mit Präzision und Schnelligkeit. Eher helle Kabel oder Elektronik können die Wiedergabe ins Grelle kippen lassen. Sagen wir es mal so: Die Voice 22 sind schon per se sehr gute Lautsprecher, aber mit Zuwendung und Geduld werden sie zu fantastischen Schallwandlern und spielen weit über ihrer Preisklasse.

Die Moon-Kombi stylisch inszeniert und ohne die Ständer.Die Moon-Kombi stylisch inszeniert und ohne die Ständer.

Da wir in der Weihnachtszeit getestet haben, gibt es einen saisonalen, audiophilen Anspiel-Tipp: «Christmas with My Friends VII» von Nils Landgren und seinen Freunden. Diese ACT-Alben sind richtig fein aufgenommen, natürlich auch die Ausgaben I bis VI. Sie verbreiten eine feierliche Weihnachtsstimmung mit einem eleganten Jazz-Touch. Mein Lieblingsstück auf der siebten Ausgabe ist von Ida Sand gesungen und heisst «Everyday Is Christmas». Die Stimme von Ida Sand wird von der Voice 22 sehr lebensecht wiedergegeben und das ab Minute 2 spielende Saxofon hat genau das richtige Timbre, halleluja!

Lautsprecher, die ihre optimale Wiedergabe fast zentimetergenau auf einen Sweetspot fokussieren, mögen für Audiophile eine Art heiliger Gral sein. Der Tester bevorzugt es aber – wenn es, wie im Fall der Moon Voice 22 im ganzen Raum gut klingt –, nicht auf den Sweet Spot festgenagelt zu sein.

Dass der 50 Watt leistende Moon ACE die Voice gehörig auf Trab bringt, ist ein weiteres Plus. Es müssen nicht unbedingt Watt-Monster sein. Moon weist eine Empfindlichkeit von 89 dB aus, was uns korrekt erscheint. Gemäss Importeur hat Moon bei der Voice 22 die Impedanz linearisiert, um für den Verstärker eine einfach zu beherrschende Last zu sein. Ziel erreicht!

Viele Zwei-Weg-Konzepte sind bisweilen richtige Leistungsfresser und kommen unter 10 Watt nicht richtig auf Touren. An den heimischen 20-Röhren-Watt-Endstufen klangen die Voice-22-Lautsprecher wunderbar aufgelöst, lebendig und organisch. Bei basslastiger Musik kam dann der Röhren-Verstärker ziemlich ins Schwitzen. Solide 30 bis 40 Röhren-Watt oder satte 50 Transistoren-Watt, wie im Falle des Moon ACE, sollten es also schon sein.

Moon-Lifestyle sieht zwar gut aus, doch freistehend mit etwas Abstand zur Wand offenbaren die Voice 22 ihr wahres Potenzial.Moon-Lifestyle sieht zwar gut aus, doch freistehend mit etwas Abstand zur Wand offenbaren die Voice 22 ihr wahres Potenzial.

Gibt es bei den Moon Voice 22 wirklich keine Kritikpunkte? Das mögen Sie sich nach so viel Positivem wohl fragen. Es gibt die Voice 22 nur in Schwarz und Weiss, jeweils in Hochglanz-Pianolack. Vielleicht wäre eine matte oder eine Holz-Variante oder andere Farben wünschenswert. Die Staubschutz-Abdeckung und die Ständer gibt es ebenfalls nur in Schwarz. In dieser Preisklasse gibt es (noch) kein Wunschkonzert.

Die rückwärtige Bassreflex-Öffnung interagiert konzeptbedingt mit dem Raum. Hier ist, wie bereits ausgeführt, sicherlich etwas Sorgfalt bei der Positionierung angesagt. Zu nahe an der Rückwand ist in der Regel nicht die optimale Position für die Moon. Sonst aber zeigen wir alle Daumen hoch für die neue Stimme von Moon!

Fazit

Simaudio hat mit den Moon Voice 22 einen echten Kracher im Sortiment. Zusammen mit dem Vollverstärker/Streamer/DAC Moon Ace wurde ein bezahlbares high-endiges Paket geschnürt. Preislich schwer zu schlagen, macht das Paket süchtig und Lust auf noch mehr, sofern die Lautsprecher die nötige Sorgfalt und Hingabe bei der Positionierung bekommen haben. Wer noch viel mehr Klang möchte, der muss das Mehrfache des aufgerufenen Preises bezahlen. So geht «Volks-High-End» mit der toll klingenden Moon-Stimme.

Steckbrief
Modell:
Voice 22
Profil:
Kompakter 2-Weg-High-End-Lautsprecher
Pro:
Homogener Klang
Sehr gute Räumlichkeit
Guter Wirkungsgrad
Für die Grösse eine fantastische Basswiedergabe
Contra:
Für eine optimale Wiedergabe benötigt der Moon Voice 22 einen Ständer und freie Aufstellung.
Preis:
3,280.00 CHF
Hersteller:
Moon
Jahrgang:
2022
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
B200 x H350 x T290 mm
Gewicht:
10,5 kg
Farbe:
Weiss oder Schwarz
Bass:
155-mm-Polypropylen-Mittel-Tieftöner
Bauprinzip:
Bassreflex
Empfohlene Leistung:
50–150 Watt
Frequenzgang:
55 Hz – 24 kHz ± 3dB
Hochton:
29-mm-Gewebe-Kalotte
Impedanz:
6 Ohm
Mittelton:
n/a
Wirkungsgrad:
89 dB
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-die-moon-lautsprecher-voice-22-die-klingende-moon-stimme
© 1999–2026 avguide.ch GmbH · Alle Rechte vorbehalten