avguide.ch Druckansicht · 27.10.2026

Treffpunkt High End Audio

High End München 2012

Die High End in München hat sich ohne Zweifel zu einem zentralen Treffpunkt der hochwertigen Unterhaltungselektronik entwickelt und bietet ein optimales Schaufenster der Branche.

Von Daniel Schmid · 18. Mai 2012
Die Die "High End" in München präsentierte sich sympathisch und durchaus vlelseitig.

Die “High End” in München entwickelte sich in den letzten Jahren zur wichtigsten High End Audio Messe. Längst ist sie zu einem Event mit internationaler Ausstrahlung geworden. Entsprechend vielfältig war das Angebot. Kaum ein Hersteller, sei es nun aus Europa, Nord-Amerika oder Fernost, lies es sich nehmen, seine Produkte an der „High End“ in München zu präsentieren.

Gegenüber dem Vorjahr stieg mit 366 Ausstellern die Zahl der ausstellenden Unternehmen um rund 9 %. Der Anteil ausländischer Aussteller ist auf einen Anteil von 52 % gewachsen. Einen signifikanten Anstieg gab es bei den Herstellern aus den USA und - entsprechend der allgemeinen Marktentwicklung - bei asiatischen Ausstellern. Doch nicht nur bei den Branchenvertretern war eine starke Internationalisierung festzustellen. Auch beim Fachpublikum aus der ganzen Welt gehört die „High End“ inzwischen zum unverzichtbaren Event. Mit 483 akkreditierten Journalisten wurde ein neuer Rekordwert erzielt, wobei jeder zweite Journalist aus dem Ausland anreiste.

Insgesamt begaben sich knapp 15000 Besucher an die „High End“, was einem Zuwachs von 4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die „High End“ bot nicht zuletzt ein attraktives musikalisches Rahmenprogramm mit einigen klangvollen Live-Acts. Auch die Technologiebühne mit vielen interessanten Vorträgen erfreute sich grosser Beliebtheit und gab Einblick in aktuelle Entwicklungen.

Vielfältiges Angebot

Auch ein Tonträgerdorf gehörte zur High End.Auch ein Tonträgerdorf gehörte zur High End.

Die Austeller präsentierten ein breites Produktangebot. Angefangen bei puristischen, rein analogen Systemen mit Vinyl und glimmenden Röhren bis hin zu modernen, digitalen High End Komponenten wie Audio-Netzwerkstreamern oder kompletten Musikservern. Aber es fanden sich auch Multiroom-Systeme, Lösungen für die Heimvernetzung oder Materialien zur Verbesserung der Raumakustik. Es ist immer wieder eindrücklich zu sehen, wie manche Hersteller keine Kosten scheuen und trotz aufwendigem Transport mit umfangreichen Equipement anreisen.

Nicht alle Aussteller in den insgesamt sechs Hallen konnten oder wollten sich jedoch einen Vorführraum leisten. In zwei Hallen im Erdgeschoss waren die Produkte zwar zu sehen, aber nur teilweise zu hören. Für viele kleine Hersteller stand dann wohl auch Kontaktpflege im Branchenumfeld im Vordergrund.

Den Besucher erwarteten viele erlesene Tonträger und Raritäten im sogenannten “Tonträgerdorf". Die gelungene Mischung aus umfangreicher Branchenschau, musikalischen Darbietungen und diversen Vorträgen machen die High End zu einem lebendigem Ereignis.

Die Messe kann inzwischen kaum mehr in einem Tag umfassend besucht werden. Spätestens nach zwei Duzend “Hörproben” treten erste Erscheinungen von Ermattung auf. Da gilt es, von Anfang an gut auszuwählen und auf dem Rundgang gezielt nach persönlichen Vorlieben und Interessen Ausschau zu halten.

HiRes Audio im Trend

Musikcenter mit Röhrenausgangsstufe von PathosMusikcenter mit Röhrenausgangsstufe von Pathos

Auch in diesem Jahr war natürlich HiRes Audio ein zentrales Thema. High Resolution Audio Dateien mit 24 Bit Wortbreite und 192 kHz Samplingfrequenz dürften zum allgemeinen Standard werden: ein eigentlicher Quantensprung für die Musikwiedergabe im Wohnzimmer. Nach dem unsäglichen Scheitern der SACD - war es vielleichtl bereits zu spät für ein Diskmedium? - steht nun ein modernes und auf breiter Front akzeptiertes Format zur Verfügung, das dem Konsumenten einen echten klanglichen Mehrwert bietet und nicht zuletzt der gesamten Branche einen willkommenen Wachstumsschub bringt.

Selbst altgediente Vinylfans müssen zugeben: HiRes Audio klingt einfach faszinierend gut und selbst Toningenieure attestieren, mit HiRes Audio ist man erschreckend Nahe am Klang des originalen Studiomasters.

Ausgedient hat allerdings nicht Vinyl, sondern die CD. Analoge Plattenspieler erfreuen sich nicht zuletzt dank der weiterhin breiten Verfügbarkeit von Tonträgern nach wie vor grosser Beliebtheit. Das hat auch etwas mit Anfassqualität, Unmittelbarkeit in der Handhabung und Freude an durchschaubarer Mechanik zu tun.

Immer mehr Anbieter verstehen auch, dass sich High End und wohnraumgerechtes Design nicht ausschliessen müssen. Was nicht nur mir der Grösse der Komponenten zu tun hat. Manche wird es kaum erstaunen, dass die lebendige Szene italienischer Hersteller sich hier besonders hervortut. Egal, ob mit Röhrenverstärkern (Pathos) oder eleganten Lautsprechersystemen, südlich der Alpen gehört es zum Credo, dass guter Ton auch gut angezogen sein will.

Diese Erkenntnis hat sich längst nicht überall durchgesetzt. Monströse technoide Endstufen mit dem Standby-Stromverschleiss eines Heinzkörpers sowie Lautsprecher, die man sich wohl nur unter Zwang ins Wohnzimmer stellen würde, erinnerten an althergebrachte Auswüchse aus den Neunziger Jahren. Doch in der Mehrheit hat sich die High End Audio Szene auch hier gewandelt und man strebt integrative, intelligente Lösungen an wie kompakte Musikserver oder aktive Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad.

Spassfaktor Hornlautsprecher

Gänsehautsound bei Silbatone Acoustics: Aussen die restaurierten Western Electric 15E Kinobeschallungs-Hörner aus den 30er Jahren mit phänomenalem Klang. In der Mitte Western Electric Nachbauten von G.I.P Laboratory.Gänsehautsound bei Silbatone Acoustics: Aussen die restaurierten Western Electric 15E Kinobeschallungs-Hörner aus den 30er Jahren mit phänomenalem Klang. In der Mitte Western Electric Nachbauten von G.I.P Laboratory.

Doch auch die Suche nach dem ultimativen Klangerlebnis gehört natürlich an eine „High End“. Obwohl sie im Platzbedarf anspruchsvoll sind, erleben Hornlautsprecher eine Renaissance. Wenn wunderts: Der Spassfaktor ist unglaublich hoch. Ein Hornlautsprecher angetrieben von einer 5 Watt 300B-Triode ist irgendwie immer noch so was wie das Shangri-La der Audiowiedergabe.

Das wussten scheinbar schon unsere Vorväter. Silbatone Accoustics führte ihre exquisite Röhrenelektronik mit Western Electric Hornlautsprechern aus dem 30er Jahren vor, die einst für die Beschallung von Theatern und Kinos gebaut wurden.

Die mir Herzblut vorgetragene Präsentation war optisch und klanglich ein echtes Erlebnis. Der Raum war konstant brechend voll. Manch einer dürfte sich schon gefragt haben, wie aus einem beinahe 80 Jahre alten Lautsprecher ein so authentischer Klang mit so viel Unmittelbarkeit zu entlocken ist, dass manch modernes Erzeugnis im Vergleich nur noch blass wirkt.

Gäbe es einen Preis für die besten Vorführung der Show, hätten es sich die Koreaner redlich verdient. Im gleichen Raum zu hören waren im Detail stark modifizierte Nachbauten der Western Electric Hörner von G.I.P Labratories.

Onlinefassung: https://www.avguide.ch/magazin/treffpunkt-high-end-audio-high-end-muenchen-2012
© 1999–2026 avguide.ch GmbH · Alle Rechte vorbehalten