Aktiv ist nicht gleich aktiv. Wir unterscheiden vier Varianten von Aktiv-Lautsprechern. Was in der professionellen Audiotechnik schon seit Jahrzehnten üblich ist, kommt nun auch im High-End-Hifi langsam, aber sicher zum Tragen: aktive Lautsprecher. So bezeichnet man Lautsprecher, die einen Leistungsverstärker beinhalten.
Die audiophile Gemeinde fragt sich: Darf man die Entwicklung eines so kritischen Teils der Anlage – des Verstärkers – einfach den Lautsprecherherstellern überlassen? Meine Antwort ist ein klares Ja – wenn der Hersteller das nötige Know-how besitzt und Sorgfalt walten lässt.
Mit einem aktiven Lautsprecher ist es möglich, einen passiven Lautsprecher in allen Belangen in den Schatten zu stellen. Eine Behauptung, die ich im Folgenden begründe.
Die 4 Varianten von Aktivlautsprechern
A) Der Lautsprecher hat einen einzelnen Verstärker eingebaut, mit einer Frequenzweiche nach dem Verstärker.
B) Der teilaktive Lautsprecher hat einen eingebauten Verstärker für den Tieftonbereich und eine passive Frequenzweiche für die Mittel- und Hochtoneinheit mit freier Wahl eines externen Verstärkers.
C) Der Lautsprecher besitzt einem Verstärker pro Weg, d. h. es gibt eine analoge Frequenzweiche vor den Verstärkern.
D) Gleicher Lautsprecher wie bei C), aber mit digitaler Frequenzweiche vor den Verstärkern.
Variante A
Die Variante A unterscheidet sich nicht stark von einem passiven Lautsprecher mit separatem Verstärker. Jedoch kann die Wiedergabe des Lautsprechers durch die Auslegung des Verstärkers im Frequenzgang (vor allem Tiefton), im Leistungsvermögen und in den Regelmöglichkeiten (Raumanpassung) optimiert werden. Man spart sich lange Lautsprecherkabel, zudem wird die Anlage kompakter. Diese Variante findet man vor allem im preisgünstigen Bereich.
Variante B
Variante B erlaubt die Ansteuerung des Tieftöners durch den eingebauten Verstärker, kombiniert mit einer vorgeschalteten, aktiven Frequenzweiche. Diese kann analog oder digital gebaut sein und wird meist kombiniert mit Regelmöglichkeiten für die Anpassung an die Aufstellung und die Raumakustik. Der «volumenfressende» Tiefton kann damit kompakter gebaut werden. Der leistungsmässig wesentlich genügsamere Mittelhochtonbereich kann mit einem externen Verstärker nach dem Geschmack des Hörers kombiniert werden. Deshalb ist diese Variante im High-End-Hifi recht beliebt.
Variante C
Variante C ist interessanter: Hier wird pro Lautsprecherweg ein einzelner Leistungsverstärker verwendet – bei einem 3-Weg-Lautsprecher gibt es also 3 Verstärker. Die erforderliche Leistung der einzelnen Verstärker variiert, da
für mittlere und hohe Frequenzen der Leistungsbedarf um einiges kleiner ist als für die Tiefton-Frequenzen. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass die Frequenzweiche aktiv ausgeführt werden kann.
Der Entwurf einer passiven Frequenzweiche – wie erforderlich für einen passiven Lautsprecher – ist nicht trivial. In vielen Fällen müssen Kompromisse eingegangen werden, weil mit analogen Mitteln (grössere) Signalverzögerungen
sehr schwierig bis unmöglich zu erreichen sind. Daher gibt es Lautsprecher, deren Treiber auf der Schallwand versetzt angeordnet sind, um unterschiedliche Verzögerungen zu erreichen. Dies mag für mittlere und höhere Frequenzen funktionieren, aber bei Bassfrequenzen können die erforderlichen Verzögerungen nicht mit Versetzen der Chassis erreicht werden. Verzögerungen werden aber benötigt, um die Phasengänge der einzelnen Wege anzupassen.
Passive Weichen müssen zudem an die Lautsprechertreiber angepasst werden, so dass die Bauelemente der Weiche (Spulen, Kondensatoren, Widerstände) mit der Schwingspule und der Mechanik des Lautsprechers gut zusammenspielen. Bei einer aktiven Frequenzweiche hingegen ist der Verstärker «hart» mit dem Lautsprecher verbunden und lässt diesem keine Freiheit zu unerwünschtem Eigenleben. Zudem kann die Frequenzweiche aufwändiger gestaltet werden, da keine Leistung übertragen werden muss wie bei einer passiven Frequenzweiche.
Variante D: Digitale Frequenzweichen (DSP)
Richtig interessant wird es mit Variante D. Zwar werden hier Analog-zu-Digital- und Digital-zu-Analog-Konverter benötigt, doch beim heutigen Stand der Technik ist dies kein Hindernis mehr – auch bei höchsten Ansprüchen an die Klangqualität.
Dafür erhält man mit einer digitalen Frequenzweiche sämtliche Freiheitsgrade ohne Kompromisse. Das heisst: Verzögerungen können beliebig erzeugt werden. Der Phasengang kann unabhängig vom Amplitudengang gestaltet werden. Zudem lassen sich digitale Quellen direkt an den Lautsprecher anschliessen.
Wichtig bei einer solchen Konfiguration ist es, dass man die Grundlautstärke der Wiedergabe separat von der eigentlichen Lautstärkeregelung vornehmen kann – so dass man selbst mit einem maximal ausgesteuerten digitalen Signal am Eingang des Lautsprechers eine vertretbare Laustärke erhält.
Die digitale Signalverarbeitung erlaubt zudem ganz neue Klassen von Lautsprechern, bei denen durch die spezielle Anordnung und Ansteuerung mehrerer Lautsprechertreiber die Abstrahlcharakteristik der Lautsprecher beeinflusst wird. So kann man zum Beispiel erreichen, dass die tiefen Frequenzen nicht nach hinten abgestrahlt werden, um dadurch die Raumresonanzen viel weniger anzuregen.
Die Frequenzweiche
Zum Verständnis einiger verwendeter Begriffe ist es angebracht, das Prinzip einer Frequenzweiche genauer zu betrachten: Eine Frequenzweiche teilt das Frequenzgemisch eines Musiksignals in mehrere Bereiche auf, so dass tiefe Frequenzen an den Tieftöner gelangen, mittlere Frequenzen an den Mitteltöner und hohe Frequenzen an den Hochtöner.
Das Ziel bei dieser Aufteilung ist es, dass sich die Frequenzbereiche nahtlos aneinanderfügen, als würde das Audiosignal aus einem einzigen «Superlautsprecher» abgestrahlt werden. Diese Aufteilung ist nicht einfach zu bewerkstelligen, da die Lautsprecher-Treiber unterschiedliche Eigenschaften haben und die Filter, welche die Aufteilung machen, sich ebenfalls unterscheiden.
Wichtig sind die Parameter Amplitudengang und Phasengang. Der Amplitudengang eines Filters bestimmt den Lautstärkenverlauf in Abhängigkeit der Frequenz. Man könnte annehmen, dass man lediglich die Amplitudengänge der Filter-Lautsprecher-Kombinationen so gestalten muss, dass sich die Frequenzbereiche nahtlos aneinanderfügen.
Leider haben die Filter und Lautsprecher auch einen Phasengang. Das heisst: Signale mit unterschiedlichen Frequenzen werden unterschiedlich verzögert wiedergegeben. Dies hat zur Folge, dass es an den Nahtstellen zwischen den Frequenzbereichen zu unregelmässigen Amplitudenverläufen kommt, da sich Signale mit unterschiedlichen Verzögerungen addieren und sich damit auslöschen oder addieren und damit verstärken.
Amplituden- und Phasengänge der Filter und Lautsprecher müssen also unter einen Hut gebracht werden. Das ist nicht einfach, da sie sich nicht unabhängig voneinander verhalten.
Fazit
Die Zukunft der Lautsprecher gehört den Aktivlautsprechern mit digitaler Frequenzweiche. Die Vorteile gegenüber den herkömmlichen, passiven Lautsprechern sind enorm.
Für weitere Informationen empfehle ich auch das Forum für «aktive Hör- und Klangkultur».