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DAB-Reiseradio

Test Geneva Touring/S+ DAB+-Radio

Schon die Modellbezeichnung «Touring» ist ein wenig retro, gefolgt von Sixties-Design und Luxushaptik. Aber wie klingt das leistungsfähige Kompakt-DAB-Radio?

Von Christian Wenger · 8. Mai 2021
Touring/S+.Touring/S+.

Geneva Lab nimmt für sich in Anspruch, zu den Pionieren im Bereich der qualitativ hochstehenden Musikwiedergabe-Systeme zu gehören, die sich durch einfache Konzeption, also das One-Box-Design, sowie durch einfache Bedienung charakterisieren. Vor mehr als 10 Jahren wurde die Marke in der Schweiz innerhalb kurzer Zeit berühmt und begehrt – damals noch mit iPod-Docks mit formschönen und reduzierten Designs. Unter «Qualität» ist eine Klangqualität zu verstehen, die sich vom allgemeinen Einheitsbrei abhebt, ohne in die hohen Sphären vorzustossen, denn dort wirds zu teuer. Auch die Anfassqualität spielt hier mit, definiert durch die sorgfältige Wahl hochwertiger Materialien und eine präzise Verarbeitung unter Einhaltung enger Toleranzen.

Wir sind ebenfalls der Meinung, dass Geneva Lab zu den Pionieren gehört. Deshalb durfte Geneva im Rahmen unseres Testzyklus von DAB-Radios nicht fehlen. Das Modell Touring/S+ ist denn auch wirklich das, was man sich unter einem Radio vorstellt. Es ist dem kleinen Radio von ITT meiner Mutter, damals Ende der 1960er-Jahre, schon sehr ähnlich. Die Design-Richtung nennt man «Retro» und die grosse Kunst ist, es damit nicht zu übertreiben. Die Designsprache der Vergangenheit muss subtil in ein real modernes und trendiges Produkt eingewoben werden. Das ist beim Touring/S+ trefflich gelungen. Es gibt keine Übertreibung, kein unnützes Element und keine Retro-Aufdringlichkeit.

Geneva bezeichnet ihr Touring/S+ übrigens als das leistungsfähigste DAB-Kompaktradio. Wir haben das nicht überprüft ...

Dazu fügt sich jede Funktionstaste mit perfekter Taktilität zwischen Fingerkuppe und Funktion. Der grosszügige Volumenregler mit Hauptschalter läuft seidenweich. Einzig das Herausziehen der Teleskop-Antenne erfordert etwas Fingerspitzengefühl und klappt am besten mit dem Fingernagel, sofern vorhanden. Die Funktionselemente und auch das Gehäuse sind aus Metall, sie fühlen sich kühl an.  Das Gewicht des Geräts beträgt beinahe 1 kg.

Die LED-Zeile besteht aus acht 14-Segment-Anzeigen. Die Lesbarkeit von Song-Titeln in Laufschrift ist sehr gut und doch edel und dezent hinter der fein gelochten Metallblende. Auch sie fühlt sich kühl an. Der Lautsprecherteil des Gehäuses ist in Kunstleder eingefasst. Darunter findet sich ein Gewebe-Vlies. Der Boden des Geräts ist mit einer dünnen Gummimatte belegt.

Die 14-Segment-Anzeigeelemente tragen zu einer optisch währschaften Anmutung bei.Die 14-Segment-Anzeigeelemente tragen zu einer optisch währschaften Anmutung bei.

Auf der Rückseite fügt sich ein Passiv-Radiator in die belederte Fläche ein. Das wirkt unauffällig und dezent, aber hochwirksam, wie sich herausstellen wird. Das Industriedesign stammt von der Schweizer Firma G-Lab in Zug. Hergestellt wird der Touring/S+ in China.

Bedienung

Ein gutes Bedienkonzept erübrigt die Bedienungsanleitung. Das stimmt fast immer, jedenfalls bis zu einer gewissen Komplexität eines Geräts. Wie ging das beim Touring/S+? Die Antenne herausziehen und dann die Lautstärken-Drehscheibe auf «ON» drehen. FM/DAB-Taste betätigen. Wenn kein Sender hörbar wird, dann kann man etwas länger auf selbige Taste drücken – und schwups, startet der Suchlauf, an dessen Ende man sämtliche empfangbaren DAB+- und UKW-Sender verfügbar hat.

Die hochwertigen Bedienelemente aus Metall erübrigen die Bedienungsanleitung weitgehend.Die hochwertigen Bedienelemente aus Metall erübrigen die Bedienungsanleitung weitgehend.

Es stehen 6 Presets zur Verfügung. Man wählt also zuerst einen Sender und dann drückt man etwas länger auf die Preset-Taste. Anzeige: Preset 1. Taste loslassen, dann beginnt es zu blinken – zuerst langsam, dann schneller – und am Ende ist der Preset 1 mit dem gewählten Sender belegt. Beim nächsten Sender kommt automatisch Preset 2 zum Zug. Wenn man bei einem der Presets den Sender austauschen will, wählt man zuerst den neuen Sender, dann die Preset-Taste. Danach wählt man mit den Pfeiltasten den gewünschten Preset an und drückt wieder etwas länger.

Bluetooth muss man «Pairen» wie gewohnt. Danach kann man Streaming-Dienste oder gespeicherte Musik von Smartgeräten hören. Für Analog-Quellen gibt es auf der Rückseite eine 3,5-mm-Stereo-Jack-Buchse. Der Akku wird mit einem USB-Kabel geladen. Das Beipack-USB-Kabel ist sehr flexibel und wertig. Ein Adapter für die Steckdose ist nicht im Lieferumfang. Meistens hat man die Adapter ja zu Hause herumliegen. Mit dem Akku kann man den Touring/S+ maximal 20 Stunden betreiben.

Klangeigenschaften

Die Datenraten von DAB+ sind bescheiden. Die Radiosender wollen nicht optimale Klangqualität, sondern höchstmögliche Effizienz in der Nutzung der zur Verfügung stehenden Frequenzbänder. Doch wen kümmerts? Radio ist ein Massenmedium und die subjektive Wahrnehmung der Klangqualität ist bei DAB+ schon deshalb relativ hoch, weil keine Störgeräusche auftreten. Darüber hinaus sind die Klassikhörer bzw. Klassiksender ohnehin die Ausnahme. Und: Mit DAB+ hat man viel mehr Sender zur Verfügung.

Auch bei Lichteinfall kann man die Anzeige gut ablesen.Auch bei Lichteinfall kann man die Anzeige gut ablesen.

Im Gegensatz zu den «beweinten, guten alten UKW-Zeiten» gibt es mit den Streaming-Diensten heute eine klanglich höherwertige Erweiterung des Angebots. Auch Dienste mit 320 Kbit pro Sekunde übertreffen die Datenraten von DAB+ in den allermeisten Fällen deutlich.

Das ist ein wirkungsstarker Passiv-Radiator im Zentrum der Rückwand. Links daneben BT-Pairing-Taste, 3,5-mm-Jack-Analogeingang und der USB-Ladeeingang.Das ist ein wirkungsstarker Passiv-Radiator im Zentrum der Rückwand. Links daneben BT-Pairing-Taste, 3,5-mm-Jack-Analogeingang und der USB-Ladeeingang.

Ich habe nicht nur mit DAB+ kritisch hingehört, sondern auch mit Streaming über die Bluetooth-Schnittstelle. Der Geneva Touring/S+ hat jede Menge Bass. Offiziell geht die kleine Kiste auf 60 Hz runter, aber wahrgenommen oder «gefühlt» eigentlich tiefer. Das Stück «Flight of the Cosmic Hippo» von Béla Fleck konnte echt überzeugen. Ansonsten nahm ich das Klanggeschehen als ausgewogen und weitestgehend unverfärbt wahr. 

Bei «Little Girl Blue» von Jet Baker kam ein schöner Groove auf die Bühne und das Roxanne-Cover (Police) von Dubxanne hatte einen verblüffenden Drive. Es geht echt laut mit dem Touring/S+, aber dann läuft es auch langsam aus dem Ruder.

Ein Kritikpunkt ist die gerichtete Hochton-Abstrahlung: Man sollte sicherstellen, nicht zu nahe am Gerät zu sitzen, wenn es nicht in etwa auf Ohrhöhe steht. Wenn man den Touring/S+ vor sich auf dem Tisch hat, dann sind die Hochton-Anteile etwas unterproportional vertreten. Die Voraussetzung für Ausgewogenheit dürfte aber in den meisten Fällen – in denen es denn darauf ankäme – gegeben sein.

Fazit

Das Touring/S+ DAB+ Radio von Geneva Labs gefällt auf der ganzen Linie mit zeitlosem Design, sehr wertiger Haptik, einfacher und logischer Bedienung und einer (zumindest für ein Radiogerät dieser Grösse) verblüffenden Klangqualität. Besonders interessant sind, in Abweichung zu unserem Testgerät, die weiteren Farben Rot, Cognac und Weiss mit der silbernen Aluminium-Optik. Diese wirken frisch, jung und lebendig. Es muss nicht immer Schwarz sein.

Steckbrief
Modell:
Touring/S+
Profil:
Mobiles Radiogerät für DAB+ und FM-Empfang sowie Bluetooth im Sixties Retro Design.
Pro:
sehr hochwertige Verarbeitung
ansprechende Klangeigenschaften
druckvoller Bass
einfache Bedienung
Contra:
Richtwirkung im Hochtonbereich
Preis:
228.00 CHF
Hersteller:
Geneva Lab
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
Parnasa
Masse:
170 x 45 x 100 mm
Gewicht:
0.95 kg
Farbe:
Rot, Weiss, Schwarz, Cognac
Autoeinbau:
Nein
Bluetooth:
Ja
CD-Player:
Nein
Internetradio:
Nein
Portabel:
Ja
Stationär:
Nein
Akkulaufzeit:
20 Stunden
Analog Input:
3.5mm Jack
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-geneva-touring-s-dab-radio-dab-reiseradio
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