Lösungen für alle Aufgaben. Devolo will auch Schweizer Haushalte smarter machen.Mein Heim müsste eigentlich schon deutlich schlauer sein als ich. Denn in den letzten Jahren habe ich wohl ein Dutzend Smart-Home-Komponenten installiert und nach dem Testen aber meist auch ohne Tränen wieder entfernt. Den Testzyklus haben bisher lediglich Heizkörperthermostate Max von eq-3 überlebt, weil sie simpel und fummelfrei dafür sorgen, dass Räume nicht einfach für die Katze geheizt werden. Allerdings ist Max eine Insellösung, die sich nur um die Heizerei kümmern kann.
In einigen Wochen werde ich mit Devolo Smart Home den eigenen vier Wänden wieder einmal einen neuen Intelligenzschub verpassen. Den ausführlichen Testbericht können Sie dann sicher hier lesen. Bei der Produktvorstellung begeisterte Devolo vor allem durch ihr wolkenfreies Konzept. Das Heim bleibt bei Devolo nämlich auch smart, wenn die Internetverbindung abbricht.
Komplett am Start
Ergänzende Sensoren und Aktoren sind beim Devolo-System für vernünftige Preise auch einzeln erhältlich.Erfreulich ist, dass Devolo beim Schweizer Start bereits ein komplettes Angebot an Sensoren und Schaltern liefern. Bereits im Starterkit befinden sich neben der Steuerzentrale eine Schalt- und Messteckdose und ein Tür/Fenster-Kontakt. Weitere Komponenten kann man dazukaufen. Dazu gehören Bewegungsmelder, Rauchmelder, Heizkörperthermostat, Raumthermostat, Funkschalter, Alarmsirene, Wassermelder, Luftfeuchtemelder sowie eine Fernbedienung. Die Preise liegen zwischen 50 (Fernbedienung) und 125 (Raumthermostat) Franken. Was zurzeit noch fehlt, ist eine Webcam.
Alle Module kommunizieren via Z-Wave drahtlos und mit grosser Reichweite. Sogar smarte Drittprodukte, wie das Hue-Lichtsystem von Philips, lassen sich integrieren. Die Steuerzentrale passt in jede Steckdose und funktioniert im Alltag sogar, wenn die Internetverbindung abbricht.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die meisten Smart-Home-Lösungen verfallen in Stupidität, wenn die Internetverbindung und damit der Zugriff auf die Cloud-Dienste wegfällt. Bei Systemen wie dem bekannten Smartlife von Swisscom senden nämlich die Sensoren ihre Daten via Zentrale zu einem Grossrechner von Swisscom im Internet (Cloud). Diese entscheidet dann, welche Geräte aktiviert werden müssen und schickt dann die Befehle wieder via Internet zur Box im eigenen Heim. Nicht ohne Grund hat deshalb Swisscom in ihre Box eine SIM-Karte eingebaut, die sich automatisch aktiviert, wenn die Kabel-Internetverbindung abbricht. Letztlich ist dies aber nur ein Flicken in einem grundsätzlich unsicheren System.
Privatsphäre im Cloud-Regen
Mein Smart Home weiss, wenn ich nach Hause komme. Nicht jeder will diese Infos in der Cloud speichern.Mein Heim soll meine Privatsphäre sein. Auch wenn es smart ist. Ich will also nicht, dass es ins Internet tratscht, wenn ich erst um morgens 3 Uhr heimkomme und den Türsensor auslöse. Auch der Gedanke, dass ein Swisscom-Techniker, natürlich vollkommen illegalerweise, per Webcam in meine Stube glotzt, hinterlässt ein permanentes Kribbeln im Nacken.
Warum ein Grossteil der Smart-Home-Lösungen nur via Internet und Cloud funktionieren, hat technische und wirtschaftliche Gründe. Die nötigen Programme in der Cloud zu warten ist einfacher, als Tausende Smart-Home-Boxen zu aktualisieren. Die Boxen sind dann letztlich nur ziemlich dumme Vermittler zwischen Cloud und Geräten.
Ferner werden bei Cloud-Lösungen die Betreiber auch immer gleich zu Datensammlern, denen der Kunde blind vertrauen muss. Dass Daten das neue Gold sind, zeigte kürzlich der Internetdienst Linkedin, der sich für 26 Milliarden Franken an Microsoft verkauft hat. Faktisch hat Microsoft damit aber nur private Daten der Linkedin-Nutzer gekauft.
Praxistest wird’s zeigen
Das Starterkit von Devolo wird knapp 260 Franken kosten.Ob Devolo sich mit seiner Smart-Home-Lösung wirklich als Schützer der heimischen Privatsphäre profiliert, wird aber letztlich nur unser Test zeigen. Denn mindestens zur Einrichtung ist auch bei Devolo ein Internetzugang nötig. Wie schwatzhaft die Lösung im Betrieb ist, muss sich weisen. Der Ansatz, dass man sein Haus auch smart machen kann, ohne alle Türen und Fenster für die Cloud zu öffnen, ist jedenfalls lobenswert.