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Klangjuwelen

Test Bowers & Wilkins PI7 Wireless-Kopfhörer

Bowers & Wilkins lanciert den True-Wireless-Kopfhörer PI7, der tollen Klang mit guter Connectivity und wirksamer Geräuschunterdrückung verspricht. Im Test zeigte er seine Eignung für anspruchsvolles Hören unterwegs und zuhause.

Von Martin Freund · 21. Mai 2021
Praxistauglich und elegant: Die PI7 von Bowers & Wilkins machen in vielen Einsatzszenarien eine gute Figur.Praxistauglich und elegant: Die PI7 von Bowers & Wilkins machen in vielen Einsatzszenarien eine gute Figur.

True-Wireless-Kopfhörer erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, zumal sie technisch immer weiter entwickelt werden. Auch das neue Topmodell von Bowers & Wilkins, der PI7, überzeugt mit sehr hoher Klangqualität und guter Praxistauglichkeit. Er stammt aus der gleichen Entwicklerküche wie die renommierten Lautsprecher der 800er-Serie von Bowers & Wilkins. Im Test wusste der PI7 durchweg zu beeindrucken.

Tatsächlich bilden die «Dual Hybrid 9,2-mm-Balanced-Armature-Treibereinheiten» wahre Wunderwerke hoch integrierter Technik. Es handelt sich um Zweiwege-Konstruktionen mit getrennten, separat verstärkten Wandlern für den Tief- und den Hochtonbereich. Schier unglaublich, was alles in den winzigen, je rund 7 Gramm schweren Stöpselhörern Platz findet: Nebst den zwei Treiber-/Verstärkerstufen sind auch noch drei Mikrofone für Telefongespräche und die adaptive Geräuschunterdrückung mit dabei, sowie die gesamte Elektronik. Und nicht zu vergessen die leistungsfähigen Lithium-Polymer-Akkus, die für eine durchschnittliche Laufzeit von bis zu vier Stunden herhalten.

Legt man die Hörer in das Case, werden sie aufgeladen. Dies verlängert die mobile Einsatzdauer um bis zu 16 Stunden auf insgesamt rund 20 Stunden.Legt man die Hörer in das Case, werden sie aufgeladen. Dies verlängert die mobile Einsatzdauer um bis zu 16 Stunden auf insgesamt rund 20 Stunden.

Mit im Lieferumfang ist ein schickes Case, passend zu der jeweiligen Farbversion der Hörer (wahlweise in Weiss oder Anthrazit). Es dient nicht nur zur sicheren Aufbewahrung bei Nichtgebrauch, sondern versorgt die Kopfhörer mit zusätzlicher Akku-Power: Weitere 16 Stunden (also insgesamt 20 Stunden) Betriebsdauer sollen damit möglich werden, bis das Case wieder ans Netz muss. Hierfür eignet sich – ganz modern – eine kabellose Ladestation, über die viele Handy-Besitzer verfügen. Alternativ wird das Case via USB-C-Kabel an ein passendes Ladegerät angeschlossen. Letzteres ist jedoch nicht im Lieferumfang mit dabei, ebenso wenig ein USB-C- auf USB-A-Adapterkabel. Wer auf der Handy-Seite noch nicht mit USB-C ausgerüstet ist, muss also entsprechend nachrüsten.

Im Lieferumfang finden sich ein USB-C-Lade- und ein Audio-Anschlusskabel, jedoch kein Ladenetzteil.Im Lieferumfang finden sich ein USB-C-Lade- und ein Audio-Anschlusskabel, jedoch kein Ladenetzteil.

Die USB-Schnittstelle am Case offeriert ein weiteres, sehr sinnvolles Extra: Sie dient bei Bedarf als kabelgebundene Audio-Verbindung zu jedem beliebigen Audio-Gerät mit regelbarem Mini-Klinken-Analogausgang. So kann man den PI7 auch ohne Handy/Bluetooth-Kopplung verwenden, indem das Case dann selbstständig die kabellose Verbindung herstellt. Dies erweitert das Einsatzspektrum der Hörer, insbesondere im Heim- und Office-Bereich. So lässt sich der PI7 auch «klassisch» als HiFi-Hörer an Stereoanlage/DAC/Streamer verwenden, indem ganz einfach das Case über das mitgelieferte Kabel (USB-C auf Miniklinke) mit dem Kopfhörerausgang verbunden wird. 

Die Lautstärke stellt man in diesem Fall manuell (oder per Gerätefernbedienung) am Verstärker ein. Die Verbindung von Case zu Ohrhörern wird automatisch aufgebaut, es ist dann keine Extra-Kopplung notwendig. Bluetooth 5.0 spezifiziert ja eine maximale Reichweite von bis zu 10 m zwischen Sender und Empfänger. Im vorliegenden Fall können auch schon etwas vorher gelegentliche Unterbrechungen auftreten. Ein Bluetooth-Hörer ist nun mal kein Ersatz für Funkkopfhörer mit Reichweiten von bis zu 50 m.

Der Bowers & Wilkins PI7 beherrscht den aptX Adaptive Codec. Dieser garantiert eine sehr gute Klangqualität, indem Datenraten bis zu 420 kBit/s realisiert werden. Bei Bluetooth hängt die erzielbare Klangqualität jedoch von den verfügbaren Codecs auf dem verwendeten Handy oder Tablet ab. Die Bowers & Wilkins PI7 passen dank «aptX Adaptive» die Codierung variabel der Anwendung an: Bei Sprache - zum Beispiel bei YouTube Videos - schaltet der Codec auf sehr kurze Reaktionszeiten, sodass Bild und Ton synchron laufen (Lipsync). Bei der Musikwiedergabe wird auf Kosten der Latenz, die bei Musikwiedergabe nicht wichtig ist, auf eine höhere Bandbreite und damit mehr Audioqualität umgeschaltet. Ziemlich genial!

Die PI7 gibt es wahlweise in Anthrazit («charcoal») oder in schickem Weiss. Auch die Aufbewahrungs- bzw. Ladeschatulle und die Anschlusskabel kommen in der gewählten Farbe.Die PI7 gibt es wahlweise in Anthrazit («charcoal») oder in schickem Weiss. Auch die Aufbewahrungs- bzw. Ladeschatulle und die Anschlusskabel kommen in der gewählten Farbe.

Praxis

Haptik und Materialanmutung der je sieben Gramm schweren Stöpselhörer machen einen erfreulich hochwertigen Eindruck. Trotz des relativ hohen Gewichts wurde der Tragekomfort von verschiedenen Probanden als gut bzw. «nicht unangenehm» empfunden. Die mittlere Grösse der drei mitgelieferten Stöpsel eignet sich für die meisten Erwachsenen, die Hörer sitzen sicher im Gehörgang und verlieren auch bei starkem Kopfschütteln nicht gleich ihren Halt.

Damit eignet sich der PI7 prinzipiell auch als Begleiter beim Joggen – zumal die Hörer spritzwassergeschützt sind. Freilich übertragen die Stöpsel, wenn sie wirklich fest im Gehörgang sitzen, auch ein gewisses Ausmass an Tritt- bzw. Körperschall in Form tieffrequenten Polterns. Dies wurde von wenigen Probanden als störend empfunden. Beispielsweise im Fitnessstudio (wo kabelgebundene Hörer bezüglich Handling im Nachteil sind) bewährt sich der PI7 hingegen wieder sehr.

Die PI7 gefallen mit attraktivem Design, toller Haptik und guter Verarbeitung. Sie sind spritzwassergeschützt.Die PI7 gefallen mit attraktivem Design, toller Haptik und guter Verarbeitung. Sie sind spritzwassergeschützt.

Die Bluetooth-Kopplung nimmt man am besten mittels der «Bowers & Wilkins Headphones App» (für iOS oder Android) vor. Alternativ beherrscht der PI7 auch das «Google FastPair»-Verfahren, mit dem neuere Android-Handys ausgestattet sind. Im «GFP»-Fenster auf dem Handy-Bildschirm kann dann auch der Akku-Ladezustand abgelesen werden. Dennoch ist die App von Bowers & Wilkins unumgänglich für den Betrieb der Kopfhörer: «Ambient Pass-Through», also das Umgebungsgeräusch, kann nur via App (und nicht manuell am Hörer) hinzu- oder abgeschaltet bzw. in der Intensität geändert werden.

Die Headphones-App von Bowers & Wilkins bietet die wichtigsten Funktionen und ist für den Einsatz unerlässlich.Die Headphones-App von Bowers & Wilkins bietet die wichtigsten Funktionen und ist für den Einsatz unerlässlich.

Die Applikation ist eher rudimentär, dafür sehr übersichtlich gehalten und bietet nebst Pairing, «Ambient Pass-Through» sowie dem Ein- und Ausschalten der Geräuschunterdrückung auch noch die Aktivierung der Sprachsteuerung. Die letzten beiden Funktionen lassen sich auch manuell an den Stöpselhörern ausführen. Die etwas abgesetzten, runden Abschlüsse der Hörer dienen (beidseitig) als Multifunktionstasten: Einmaliges Antippen pausiert die Musikwiedergabe oder schaltet auf einen eingehenden Anruf um. Zweimaliges Antippen springt zum nächsten Musiktitel in der Wiedergabeliste oder beendet das Telefongespräch. Mittels dreimaligem Antippen wird der vorherige Titel wiedergegeben.

Die Geräuschunterdrückung wird aktiviert bzw. wieder deaktiviert, indem man länger als 1 Sekunde auf den linken Hörer drückt. Dito der Voice Assistant über längeres Antippen des rechten Hörers. Schade nur, dass das häufiger benötigte «Ambient Pass-Through» nicht auch noch in die manuelle Steuerung integriert werden konnte.

Die adaptive Geräuschunterdrückung arbeitet effizient, wobei die Stöpsel – richtig in den Gehörgang hineingedreht – an sich schon sehr viel Umgebungslärm ausblenden. In der Stadt mit stetig wechselnden Lärmbedingungen ist das adaptive Noise Cancelling im Vorteil.

Wie üblich finden sich verschiedene Stöpselgrössen im Lieferumfang. Die mittlere passt den meisten Erwachsenen und garantiert sicheren Halt.Wie üblich finden sich verschiedene Stöpselgrössen im Lieferumfang. Die mittlere passt den meisten Erwachsenen und garantiert sicheren Halt.

Erstaunlich guter Klang

Punkto Klangqualität und realisierbarem Musikerleben waren die PI7-Twins für einige positive Überraschungen gut. Ein solches Ausmass an Feinzeichnung ist man sonst bei Stöpselhörern schlichtweg nicht gewohnt. Die ausgezeichnete Definition in den Höhen würde sogar manchem ohrumschliessenden HiFi-Hörer der Oberklasse gut anstehen. Zwar ist der Hochtonbereich keineswegs übertrieben dosiert – sondern tendenziell eher auf der dezenten Seite –, doch ist die Durchhörbarkeit selbst bei komplexen Orchesterpassagen ausgezeichnet. Auch in den tonal entscheidenden Mitten agieren die Mini-Hörer sehr verfärbungsfrei und gar nicht verhangen.

Die neu entwickelten Zweiwege-Treibereinheiten verleihen dem PI7 eine erstaunliche Klangfülle und hohe Feinzeichnung.Die neu entwickelten Zweiwege-Treibereinheiten verleihen dem PI7 eine erstaunliche Klangfülle und hohe Feinzeichnung.

Die Tieftonwiedergabe hängt – wie schon erwähnt – entscheidend vom Sitz der Stöpsel im Gehörgang ab. Ein grosser Anteil der Tieftonenergie wird eben via Körper (sprich: über den Gehörgang umgebende Knochen und Knorpel) übertragen. Je fester die Hörer im Ohr sitzen, umso druckvoller die Basswiedergabe. Wobei die Klangfülle nicht gleich in sich zusammenfällt, wenn die Stöpsel mal etwas locker sitzen.

Grundsätzlich darf man die Tieftonwiedergabe als ausserordentlich gut definiert, druckvoll und tiefreichend bewerten. Das ist keineswegs selbstverständlich, selbst bei teureren In-Ear-Hörern. Überdurchschnittlich gut agiert der PI7 auch bezüglich der räumlichen Abbildung und Transparenz des Musikgeschehens. Die Ortbarkeit einzelner Instrumente oder Gesangsstimmen fällt leicht und trägt entscheidend dazu bei, dass man mit diesem In-Ear-Hörer keine hifidelen Abstriche beim Musikhören hinnehmen muss. Die erzielbare Schallleistung reicht auch für leise aufgenommene Musik aus. Hinzu kommt, dass man dank ANC nicht ungebührlich laut aufdrehen muss, um Umgebungslärm zu übertönen.

Das Noise Cancelling wird über kurzes Antippen des linken Hörers ein- bzw. ausgeschaltet. Mittels App kann bestimmt werden, ob es sich adaptiv automatisch an verschiedene Lärmumgebungen anpasst.Das Noise Cancelling wird über kurzes Antippen des linken Hörers ein- bzw. ausgeschaltet. Mittels App kann bestimmt werden, ob es sich adaptiv automatisch an verschiedene Lärmumgebungen anpasst.

Aktiviert man die aktive Geräuschunterdrückung (ANC), so wird (zwecks dynamischer Maskierung des Umgebungslärms) ein Loudness-Effekt zugeschaltet, welcher der Musik zu mehr Volumen in den unteren Registern verhilft. Davon profitiert insbesondere das Hörerlebnis bei klassischer Musik, die dadurch auch bei geringer Lautstärke (oder wenn die Stöpsel eher locker im Gehörgang sitzen) eine wohltuende Substanz gewinnt. Nur bei tieftonstarker Pop- oder Jazzmusik kann Loudness stellenweise etwas zu dick auftragen; der Effekt bewegt sich aber immer noch im Rahmen des guten Geschmacks.

Absolut positiv ist zu konstatieren, dass die Klangqualität durch das ANC nicht grundlegend leidet, selbst wenn die Regulierung unter verschiedenen Bedingungen hörbar eingreift. Hier muss man bei vielen anderen Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung gewisse Kompromisse eingehen. Nicht so beim PI7, der mit aktiviertem Noise Cancelling die Musik eher noch etwas aufpoliert. Wie nicht anders zu erwarten, tangiert das elektronisch hinzuschaltbare Umgebungsgeräusch («Ambient Pass-Through») das Hörvergnügen ebenfalls nicht. Stellt man (via App) die Intensität jedoch auf über 50 Prozent, so wird in Musikpausen ein minimes Hintergrundrauschen wahrnehmbar. Während des Musikhörens fällt es hingegen nicht auf.

Fazit

Zwar werden Zeitgenossen, die sich bisher aufgrund ihrer persönlichen Gehörgang-Anatomie nicht mit In-Ear-Hörern anfreunden konnten, auch mit dem PI7 von Bowers & Wilkins nicht glücklich werden. Wer diese Bauweise jedoch bisher wegen befürchteter Einbussen bei der Klangqualität abgelehnt hat, wird erfreut feststellen, dass mit dem PI7 keine Abstriche gegenüber sehr guten ohrumschliessenden Portable-Hörern hinzunehmen sind. Mehr noch: Die schmucken Winzlinge können es klanglich sogar mit kabelgebundenen HiFi-Hörern der Oberklasse aufnehmen. Dazu passt, dass sie problemlos an einem herkömmlichen analogen Kopfhörerausgang Anschluss finden.

Die Praxistauglichkeit ist auch im portablen Einsatz als gut zu bewerten. Aufgrund des etwas höheren Gewichts und einer gewissen Körperschallempfindlichkeit ist der PI7 vielleicht nicht die ideale Wahl für Laufsportarten wie Joggen. In vielen anderen Einsatzszenarien bewährt er sich jedoch dank sicherem Halt, adaptivem Noise Cancelling, langer Akkulaufzeit und – vor allem – dank einer für In-Ear-Hörer ungewohnt guten, rundum überzeugenden Klangqualität. Auch der Preis von CHF 445 darf angesichts der gebotenen Leistungen als angemessen gelten.

Haptik und Materialanmutung überzeugen sowohl beim Case wie auch bei den Hörern selbst. Der im Case integrierte Zusatz-Akku verlängert die mobile Einsatzdauer auf bis zu 20 Stunden.Haptik und Materialanmutung überzeugen sowohl beim Case wie auch bei den Hörern selbst. Der im Case integrierte Zusatz-Akku verlängert die mobile Einsatzdauer auf bis zu 20 Stunden.
Steckbrief
Modell:
PI7
Profil:
Das neue In-Ear-Topmodell von Bowers & Wilkins punktet mit hoher Praxistauglichkeit, guter Haptik und vor allem mit erstaunlich gutem Klang, der selbst audiophile Ansprüche zufriedenstellt. Dank adaptivem Noise Cancelling und langer Akkulaufzeit ist man mit dem PI7 für viele mobile Einsatzszenarien bestens gerüstet. Aber auch zu Hause macht der In-Ear-Hörer eine sehr gute Figur.
Pro:
Top-Klangqualität, einem ohrumschliessenden HiFi-Hörer der Oberklasse ebenbürtig.
Lange Akkulaufzeit.
Effizientes Noise Cancelling.
Sicherer Halt im mobilen Einsatz.
Problemlos Anbindung an Heim-Audio-Equipment.
Contra:
Leichte Trittschallempfindlichkeit.
Kein Ladeadapter im Lieferumfang.
Preis:
445.00 CHF
Hersteller:
Bowers & Wilkins
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
B&W Group (Schweiz) GmbH
Masse:
28 x 28 mm
Gewicht:
0.014 kg
Farbe:
Weiss, Anthrazit
Bluetooth:
Ja
Noise Cancelling:
Ja
True Wireless:
Ja
Wireless:
Nein
Bauprinzip:
In-Ear
Bluetooth Codecs:
aptX Adaptive, aptX HD, aptX Low Latency
Frequenzgang:
10 Hz – 20 kHz ± 3dB
Sprachsteuerung:
ja
Treibereinheit:
9.2 mm dynamisch
Verwendungsdauer:
bis zu 20 h
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-bowers-and-wilkins-pi7-wireless-kopfhoerer-klangjuwelen
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