High End Swiss 2019.Bereits zum elften Mal beherbergte das Mövenpick Hotel in Regensdorf die High End Swiss, die grösste Schweizer Messe für Liebhaber von hochwertigen Musikanlagen. In 16 Konferenzräumen und 23 Hotelzimmern präsentierten Hersteller beziehungsweise ihre Schweizer Vertriebspartner Produkte von gut 200 Marken.
Trotz des aussergewöhnlich guten und warmen Herbstwetters fanden rund 2000 Interessierte den Weg nach Regensdorf. Das Besuchervolumen entsprach gemäss Veranstalter damit etwa den Vorjahren.
Im Gegensatz zur grossen, internationalen Schwestermesse in München ist die High End Swiss deutlich überschaubarer und nationaler. Die grossen, globalen Marken finden sich zwar teilweise ebenfalls, doch nutzen gerade kleineren Brands, die vielleicht nicht ganz die Marketing-Präsenz und Bekanntheitsgrad haben, die Gelegenheit, sich und ihre Produkte dem Publikum zu präsentieren.
Das gilt insbesondere auch für die Schweizer HiFi-Szene, die mit liebevollem Engagement und noch mehr Fachwissen aussergewöhnliche Nischenprodukte herstellt. Während gewisse internationale Marken inzwischen bald im Zweijahresrhythmus von einer Investmentfirma zur nächsten durchgereicht werden, produzieren kleine CH-Manufakturen wie Thales, Holborn, JB Swiss, Pawel Acoustics, Klangwerk oder Illusonic inzwischen seit Jahrzehnten Audio-Kapriziosen in heimischer Fertigung für einen treuen Kundenkreis. «Nachhaltig» nennt man das heute gerne.
Etwas Show und «Big-HiFi» darf natürlich auch sein. Stellvertretend steht dafür der Auftritt der MBL im traumhaft hergerichteten grossen Konferenzraum. Wer geniesst es nicht, sich mal für 30 Minuten hinzusetzen und sich das Machbare von einer gut 100'000 Franken teuren Audiokette vorführen zu lassen!
Die Bodenhaftung hat man jedoch nicht verloren. «Sounds Clever» nennt die High End Society, Veranstalterin der High End Swiss, ihre erstmals an der High End München 2019 und nun auch an der High End Swiss lancierte Initiative. Aussteller, die ein komplettes Audiosystem für weniger als 5000 Franken anbieten, konnten den Eingang zu ihrem Raum mit dem entsprechenden Sounds-Clever-Logo schmücken.
Nicht wenige Aussteller nahmen denn auch die Gelegenheit wahr, eine genussvolle Musikanlage im gegebenen Preisrahmen zu präsentieren. Meines Erachtens ist das der richtige Weg. Schlussendlich geht es nicht darum, einem audiophilen Fetisch zu frönen, sondern dem Publikum clever zusammengestellte Komponenten vorzuschlagen, die eine qualitative Musikwiedergabe in einem für eine breite Nutzerschaft tauglichen Preisrahmen anbieten. Das bestmögliche kann, aber muss nicht immer das Ziel sein. Wir alle wollen Musik in ihrer Ganzheit freudvoll erleben. Absolute Topprodukte im obersten Luxussegment kann und soll man sich bei entsprechender Solvenz auch leisten. Voraussetzung für einen genussvollen Umgang mit dem Kulturgut Musik sind aber sie nicht.
Es scheint, als würde da momentan in der Branche ein Umdenken stattfinden. Es ist zu begrüssen.