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Low Cost Deep Bass

Test: Soundbar Bar 2.1 Deep Bass von JBL

Wie gut klingt eine Soundbar mit Subwoofer für 282 Franken? Und was kann dieses Soundsystem für TV, Musikwiedergabe und Gaming? Eine interessante Frage, wie sich herausstellte.

Von Christian Wenger · 15. Februar 2020
Bar 2.1 Deep Bass von JBL.Bar 2.1 Deep Bass von JBL.

Der Markt für einfache Soundsysteme, bestehend aus einer Soundbar und einem kabellosen Subwoofer oder Subbass-Modul, ist bekanntlich heiss umkämpft. Die Hersteller haben kaum Spielraum, wenn sie wirklich grosse Mengen absetzen wollen, und die Konsumenten sind sehr preisbewusst.

Bei der Preisfindung geben die TV-Geräte den Ton an. Für 1000 CHF kriegt man bereits eine ganze Menge Bildqualität und eine respektable Bildgrösse. Da verwundert es nicht, dass es Soundsysteme wie die getestete Bar 2.1 Deep Bass von JBL überhaupt gibt. Es scheint logisch, dass ein solches Soundsystem, welches die prinzipiellen Klang-Defizite flacher TV-Geräte ausgleicht, nicht mehr als 30 % des Anschaffungspreises eines TV-Geräts ausmachen soll.

Was kann ein Hersteller, selbst wenn er über die Bekanntheit und Reputation einer Marke wie JBL (James B. Lansing) verfügt, mit diesem Zielpreis anstellen? Ich kann mich an ein Beispiel erinnern, bei dem die Gestehungskosten der Produktion bei einem Kopfhörer der Marke «Beats by Dr. Dre» mit einer klugen Schätzung von Fachleuten ermittelt wurde: Es ergab Materialkosten von ca. 10 $ inkl. Design-Verpackung und direkte Montagekosten von 2.50 $. Insgesamt also 12.50 $ ab Herstellerwerk, und das bei einem Endverkaufspreis von 250 $ pro Kopfhörer. Faktor 20. Mit der Klangqualität konnte die audiophile Zunft nicht viel anfangen, aber die coolen Kids auf den Pausenplätzen schon. Ohne diesen «Brand» am Kopf ging nämlich gar nichts.

Bei JBL mag es nicht so sein wie beim genannten Beispiel, zumal mir das Haifischbecken der TV-Soundsysteme deutlich gefährlicher erscheint als bei den Kopfhörern. Da wird vermutlich enger kalkuliert. Und schliesslich enthalten eine taugliche Soundbar und ein separater Subwoofer wesentlich mehr Technologie und Komponenten zur einwandfreien Funktion. Ich verzichte daher auf Schätzungen hinsichtlich der Herstellkosten.

Design und Verarbeitung

Die Soundbar von JBL ist sehr dezent und hochwertig verarbeitet, ohne Spielereien und Auffälligkeiten. Im Gegenteil: Unauffälligkeit scheint die Devise gewesen zu sein. Man kann sie einfach vor oder unter dem TV-Gerät platzieren oder ohne TV-Gerät auf ein Sideboard stellen oder natürlich an der Wand montieren mit beigelegten Halterungen. Mehr als das Stromkabel wird man nicht verbergen müssen. Die Verbindung zum TV-Gerät besorgt ein vermutlich kurzes HDM-ARC-Kabel oder ein optisches Digitalkabel (Toslink).

Unauffälliges Design der Bar 2.1 Deep Bass.Unauffälliges Design der Bar 2.1 Deep Bass.
Detailaufnahme.Detailaufnahme.
Das verborgene Anschlussfeld.Das verborgene Anschlussfeld.

Gleiches gilt für den Subwoofer. Er ist sehr schön und mit den gerundeten Kanten unauffällig verarbeitet. Der «Down-firing»-Basstreiber mit 165 mm Durchmesser sieht ebenfalls wertig aus, seine Membrane ist relativ hart aufgehängt. Die Bassreflexöffnung ist ein konventionelles, eingepasstes Rohr an der Rückseite, also auf der gegenüberliegenden Seite des JBL-Logos. Die Gesamtleistung des Systems beläuft sich auf nicht näher erklärte 300 Watt, wovon der Subwoofer locker 80 % konsumieren dürfte.

Schön integrierter Basstreiber mit steifer Aufhängung und 165-mm-Membrane.Schön integrierter Basstreiber mit steifer Aufhängung und 165-mm-Membrane.
Bassreflex-System auf der Rückseite des Subwoofers.Bassreflex-System auf der Rückseite des Subwoofers.
Hochwertige Verarbeitung.Hochwertige Verarbeitung.

Einrichtung

Diesem Punkt brauche ich keine langen Erklärungen zu widmen. Man verbinde Soundbar und Subwoofer mit den Steckdosen, und schon erfolgt die drahtlose Paarung ganz automatisch. Man muss also nicht an irgendwelchen Pairing-Tasten herumfummeln. Dann verbinde man die Soundbar allein noch mit dem TV-Gerät (TosLink oder HDMI) – und das wars. Dann kann man den Fernseher wie gewohnt einschalten und der Ton kommt nur noch über das Soundsystem.

Testaufstellung des Subwoofers: Wenn möglich nicht in die Raumecken stellen.Testaufstellung des Subwoofers: Wenn möglich nicht in die Raumecken stellen.

Hinsichtlich der Platzierung empfehle ich, den Subwoofer nicht zu nahe an eine Raumecke zu stellen, auch wenn die Versuchung gross ist. Das wird mulmig und übertrieben, denn Raummoden werden vor allem dann angeregt, wenn die Biester in den Ecken zur Ruhe kommen. Ein wenig ausprobieren schadet übrigens nicht.

TV-Betrieb

Ich darf meine HiFi-Lautsprecher, die auch für TV eingesetzt werden, nicht als Vergleich hinzuziehen, denn die sind keine zahlbare Alternative für eine solche Soundbar/Subwoofer-Lösung. Da mich das ulkige Oger-Monster namens Shrek auf Netflix gleich auf der obersten Zeile ansprang, klickte ich auf diesen Film, über den ich schon lachen muss, wenn ich nur daran denke. Zudem ist der Titelsong einfach saumässig gut – und so ging es dann los – und zwar mit Power und Schwung. Die Musikalität war durchaus sehr überzeugend, ich hörte keine Mängel bei diesem Song. Beim Subwoofer kann man drei Einstellungen wählen: «High», «Mid» und «Low». Alles klar: «High» war mir zu laut und mit «Low» kam ich sehr gut zurecht. Vielleicht auch eine Frage des Alters.

Dialoge mit hoher Sprachverständlichkeit.Dialoge mit hoher Sprachverständlichkeit.

Die Dialoge erschienen mir deutlich auf Sprachverständlichkeit getrimmt, mit einer klaren Mittelton-Betonung. Das klang nicht immer natürlich, aber sehr verständlich. Ich habe keinerlei Einstellmöglichkeiten auf der Fernbedienung gefunden – mit Ausnahme der Bass-Intensität. Es fiel mir auf, dass bei der Basseinstellung auf «High» alles aus dem Ruder lief. Der Bass war zu laut. Zwar entstanden keine übertriebene Raumresonanzen (der Subwoofer war gut platziert), aber ich hörte bei dieser Einstellung den Sub klar als Schallquelle. Bei «Mid» und «Low» hingegen nicht. Dort war der Schallanteil des Spektrums, das vom Sub ausging, Teil des Ganzen.

Raumklang wird von der Soundbar nicht erzeugt. Die Musik spielt von vorne und weitet sich nur dezent seitlich aus. Hingegen sorgen die tiefen Frequenzen des Subwoofers für Rauminformationen, die das ganze Filmerlebnis vergrössern und intensivieren. Ich empfand das als natürlich und ehrlich. Wer Geräusche und Effekte von allen Seiten will, der bemühe sich um eine Home-Cinema-Einrichtung.

Musikalisches Fazit

Ich habe mich auf Bluetooth konzentriert, denn das ist die wohl häufigste Quelle, die bei diesem Gerät für Musikwiedergabe verwendet werden dürfte. Zunächst lief das Pairing mit meinem Smartphone speditiv ab und die Reichweite war ebenfalls sehr gut. Selbst bei 10 Metern Distanz gab es noch keine Unterbrüche. Bei den sogenannt kultivierten Musik-Genres wie Klassik und Jazz, für viele eher zum Gähnen, hatte ich wirklich Spass. Es klang immer eigentümlich musikalisch und einnehmend mit Schwung und Verve. Das Ding mit dem «JBL-Sound», anfänglich von mir als flotter Werbespruch abgetan, scheint seine Berechtigung zu haben. Das Soundsystem ist klanglich schön abgestimmt und damit wohl doch ein Grund, eine Marke mit grosser Vergangenheit zu kaufen.

Verborgene Anzeige, hier mit iPhone als Bluetooth-Quelle.Verborgene Anzeige, hier mit iPhone als Bluetooth-Quelle.

Viel Klang fürs Geld. Das Gerät ist schön anzuschauen – oder optisch zu ignorieren dank unauffälligem Design. Punkto Bedienung ist es völlig problemlos. Trotz TV-Nutzung als wohl häufigste Anwendung ist Bar 2.1 Deep Bass auch zum Musikhören wirklich gut geeignet. Ich bin verblüfft, dass Harman das für ca. 280 CHF Endverkaufspreis so hinbekommen hat.

Steckbrief
Modell:
Bar 2.1 Deep Bass
Profil:
2.1-Soundsystem mit Soundbar und drahtlosem Subwoofer. Extrem einfaches Setup und sehr gute Performance zu einem günstigen Preis.
Pro:
Design und Verarbeitung
Klangqualität, insbesondere bei Musikwiedergabe
Preis/Leistung
Contra:
FLAC und ALAC werden nicht unterstützt
Kein ausgeprägter Raumklang und etwas wenig Einstellmöglichkeiten punkto Sound
Preis:
280.00 CHF
Hersteller:
JBL
Jahrgang:
2020
Vertrieb:
Harman Schweiz
Masse:
965 x 58 x 85 mm
Gewicht:
7,83 kg
Farbe:
Anthrazit
Bass:
drahtloser Sobwoofer
Empfohlene Leistung:
300 Watt
Frequenzgang:
40 Hz bis 20 kHz ± 3dB
Maximale Leistung:
300 Watt
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-soundbar-bar-21-deep-bass-von-jbl-low-cost-deep-bass
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