CES Las Vegas 2013Alljährlich schwebt die Consumer Electronics Show CES in Las Vegas über das Januarloch und zeigt verheissungsvoll, was im eben angebrochenen Jahr angesagt sein soll. Mit dem Mobile World Congress in Barcelona vor der Tür (25. – 28. Februar), sind weltbewegende Ankündigungen in Sachen Smartphone und Tablet nicht zu erwarten. Tatsächlich beschränkten sich die mobilen Technologien auf ihre Funktion als zweiter oder dritter Bildschirm – mit neuen Apps und Statistiken, wer was mit seinem Mobilgerät macht, während er vor dem TV sitzt. Das Fernsehgerät war denn auch der unbestrittene Star der diesjährigen CES, und er hatte einiges zu bieten: noch grösser, UHD (4K-Auflösung), OLED und – immer noch – 3D.
TV-Trends
Der Fernseher wird zum Multifunktionsgerät mit Vernetzung (Smartphone, NAS, Internet), Wiedergabe verschiedener Quellen (Broadcast, Online, eigene Fotos und Videos) und Zusatzfunktionen wie integrierter Videorecorder. Nicht nur die Bedienung per Smartphone, auch Gestensteuerung und Spracherkennung sollen den Umgang mit dem TV-Gerät vereinfachen. Zur Unterstützung der Auswahl aus dem grossen Programmangebot zeigen die neuen TV-Modelle Vorschläge basierend auf den Vorlieben des Nutzers. Zusätzliche Hardware soll die Klangwiedergabe verbessern, ohne dass der Raum mit Lautsprechern und Kabeln vollgestopft werden muss.
Soweit die Vorstellungen der Hersteller. Doch die Idee des „smarten“ TVs scheint (noch) nicht wirklich zu greifen. Was der Fernsehapparat hier bieten will, können die drei anderen Multifunktionsgeräte der Unterhaltungselektronik– Smartphone, Tablet und PC – schon länger. Was den TV-Herstellern bleibt, ist die Grösse des Bildes und seine Qualität.
Heimkino

Bei der Grösse hat dieses Jahr Sharp mit seinem 90 Zoll-Bildschirm den neuen Rekord für kommerziell erhältliche TVs aufgestellt - das sind 225 cm Bilddiagonale für die gute Stube. Das reicht für ein veritables Heimkino. Entsprechend gross muss auch der Raum sein, vergrössert sich der Betrachtungsabstand doch auf rund vier Meter. Insgesamt will Sharp dieses Jahr 21 LCD-Modelle mit mindestens 60 Zoll Bilddiagonale einführen. Kennzeichen sind 1080p, LED-Hintergrundbeleuchtung, Zwei-Kern-Prozessoren, integriertes Wi-Fi, schlanker Rahmen und aktives 3D. Hinzu kommt die Unterstützung von Sharps SmartCentral-Plattform mit einem Browser, der Flash und HTML5-Apps unterstützt. Zwei Serien sind mit der Quattron Farbtechnik ausgestattet, die zum RGB-Subpixel ein zusätzliches gelbes Pixel hinzufügt.
Auch die anderen Anbieter versuchen, durch Grösse zu beeindrucken. Die neuen TVs von LG kommen mit integrierter Near Field Communication (NFC) für die Übertragung von Smartphone-Inhalten auf den grossen Schirm. Sie unterstützen zudem LG Cloud. Samsung hat den F8000 als neues Flaggschiff vorgestellt. Er ist mit Bilddiagonalen bis 75 Zoll erhältlich und verfügt über einen Quad-Core-Prozessor. Die Spracherkennung soll vollständige, natürlich gesprochene Sätze verstehen.
Bildqualität
Je grösser der Bildschirm, desto besser muss die Bildqualität sein, damit Fehler – etwa aus der Datenkompression – nicht als Störung in Erscheinung treten. Hier greift die digitale Signalverarbeitung, die dank höherer Leistung der Dual- und Quad-Core-Prozessoren sowie optimierter Algorithmen jedes Jahr raffinierter wird.
Hoffnung setzt die Industrie auf neue Technologien. Sie sollen die Farben wirklichkeitsgetreuer wiedergeben können oder dank schnellerer Schaltzeiten für flüssigere Bewegungen sorgen. Die Organische LED-Technik – OLED – ist das aktuelle Zauberwort. Schon an der letzten CES haben LG und Samsung OLED-TVs mit überzeugendem Bild und elegantem Design vorgestellt. Keines dieser Modelle ist trotz Versprechungen serienmässig auf den Markt gekommen. Das 55 Zoll-Modell von LG, das lediglich 4 mm dick ist und bei dem das übliche RGB-Pixel um ein weisses Subpixel ergänzt ist, hatte Anfang Januar seinen Verkaufsstart in Südkorea; in den USA soll es ab März für 12‘000 Dollar erhältlich sein. Neu vorgestellt wurde der EA9800, ein OLED-Modell, das nicht mehr wie ein Bild an die Wand gehängt werden kann, da sein Bildschirm gekrümmt ist. Die leichte Biegung nach innen soll sicherstellen, dass jeder Bildpunkt den gleichen Abstand von Auge hat und so Verzerrungen am Bildrand verhindern. Samsung hat den F9500 vorgestellt, das erste Modell des Herstellers, das zwei verschiedene Full-HD-Bilder für zwei Personen gleichzeitig wiedergeben kann. Die Bilder müssen mit einer Brille betrachtetet werden, die auch den Ton für das dazugehörende Bild wiedergibt.
UHD – 4K
OLED-TV mit gekrümmtem Display von SamsungWas unter der Bezeichnung 4K begonnen hat, heisst nun UHD (Ultra-HD). Es wird als der Nachfolger von Full-HD mit seinen 1920 x 1080 Pixeln geführt und bietet eine Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten, also das Vierfache von Full-HD.
LG hat gleich drei UHD-Fernseher vorgestellt, mit Bilddiagonalen von 55, 65 und 84 Zoll, Samsung einen solchen mit 85 Zoll. Sie können HD- und Full-HD-Inhalte in die UHD-Auflösung umwandeln. Sharp hat zwei UHD TVs angekündigt, die im Laufe des Jahres eingeführt werden sollen. Als Prototyp vorgestellt wurde ein professioneller 32 Zoll Monitor mit UHD und IGZO, der Indium-Gallium-Zink-Oxid-Technologie, die die herkömmliche Siliziumbasis der aktiven Dünnfilmtransistoren (TFT) ersetzt und kleinere Transistoren erlaubt, was die höhere Auflösung erst wirkungsvoll macht. Zudem soll IGZO berührungsempfindlicher und energieeffizienter sein. Eines der beiden vorgestellten Monitormodelle verfügt über eine 10-Punkt Berührungsempfindlichkeit.
Mit dem Bravia X900 hat auch Sony einen 84 Zoll UHD-Fernseher vorgestellt und zwei weitere mit 55 und 65 Zoll für den Frühling angekündigt. Panasonic hat ein 56 Zoll-Modell mit UHD vorgestellt sowie ein Tablet mit einem 20 Zoll grossen 4K-LCD-Panel. Es läuft unter Windows 8 und soll im Laufe des Jahres eingeführt werden. Auf dem grossen Display kann annähernd ein A3-Format dargestellt werden. Mit dem dazugehörenden Stift soll eine natürlich aussehende Handschrift möglich sein.
Einen Blick in die noch fernere Zukunft ermöglichte Sharp: Wie schon 2012 hat das Unternehmen auch an der diesjährigen CES Bilder mit 8K-Auflösung, d.h. 7680 x 4320 Bildpunkten gezeigt.
3D zu Hause
3D-Flachbildschirme gibt’s in 42 Zoll bereits für 500 Franken – inklusive 2 bis 3 Brillen. Jeder neue AV-Receiver hat HDMI 1.4-Anschlüsse, ist mithin „3D-tauglich“. Auch ein Blu-ray-Spieler gibt im Normalfall 3D-Filme wieder. Die Gerätekette ist komplett und bezahlbar, 3D als Feature quasi Standard. Allerdings ist das Programmangebot nicht gerade umwerfend. Noch schlimmer: Das 3D-Erlebnis zu Hause mutet vielen seltsam an, lässt kaum Begeisterung aufkommen. Das liegt nicht nur an den Brillen, sondern auch an den im Vergleich zum Kino kleinen Bildschirmen. Sie lassen die in 3D dargestellten Menschen wie Puppen erscheinen, schaffen also eher zusätzliche Distanz als dass sie den Betrachter weiter ins Geschehen einbeziehen. Resultat: kein Interesse an 3D. Auch an der CES war es kein grosses Thema mehr – angeblich weil es in der schwierigen Übergangsphase vom Top-Thema zum Massenmarkt ist. Deutlicher kann eine diplomatische Ausdrucksweise wohl nicht sein.
TV-Träume
Die selbstleuchtenden OLEDs brauchen keine Hintergrundbeleuchtung; die Displays werden wesentlich dünner.Doch auch ohne 3D hat die UE-Branche nicht ausgeträumt. UHD / 4K ist der neue Traum. Es gibt noch keine Programme und wird sie wohl auch eine Weile nicht geben, denn die Fernsehanstalten haben ihre HD-Ausrüstung noch nicht amortisiert und werden daher ihre Studios kaum bereits wieder aufrüsten. Ein paar Kinofilme auf eine UHD-Scheibe gepresst, könnten es in absehbarer Zeit ins traute Heim schaffen – zu wenig für den Massenmarkt. Zur Zeit ist bei UHD zudem ausser der Auflösung noch nichts festgelegt. Im Kleingedruckten zum 84LM9600, dem UHD-Fernseher von LG, steht denn auch, dass zur Zeit noch keine UHD-Inhalte verfügbar sind und dass auch kein Standard für UHD existiert. Sollte ein solcher Standard einmal entwickelt werden könne der 84LM9600 damit kompatibel sein oder auch nicht.
Wenn schon kein 3D-Programm, dann mindestens ein 3D-Gerät. Weg vom Flachbildschirm, den man an die Wand hängen kann, hin zum gekrümmten Display (nach innen, um Verwechslungen mit dem Röhren-TV zu vermeiden, der nach aussen gewölbt war). Das soll Bildverzerrungen und Detailverlust am Rand des grosssen Bildschirms verhindern. Ein konstanter Abstand zu jedem Pixel ist mit dieser Massnahme jedoch nur für diejenige Person gegeben, die im Mittelpunkt der Krümmung sitzt. Für alle anderen liesse sich vielleicht, vor allem wenn die Bilddiagonalen noch grösser werden, statt der 3D-Brille ein Operngucker beipacken.
Die Ankündigung von OLED-TVs letztes Jahr hat gezeigt, was die CES bietet: einen Ausblick auf Möglichkeiten der Zukunft. Diese sind jedoch oft nicht einmal bis zur IFA in Berlin Realität geworden. Es tut daher gut zu wissen, dass an der CES auch realistischere Versprechungen gemacht werden: neue Apps und HTML5-Unterstützung.