
Am 14. Dezember kommt „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ in die Kinos. Es ist die erste Folge einer Trilogie von Peter Jackson nach dem Buch „The Hobbit“ von J.R.R. Tolkien und spielt in Mittelerde, 60 Jahre vor der Zeit von „Herr der Ringe“. Der Film wurde in Neuseeland in 3D mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht und wird in verschiedenen Versionen veröffentlicht: als High Frame Rate (HFR) 3D sowie weitere 3D-Formate, IMAX und 2D. Die Tonmischung erfolgt in Dolby Atmos.
Sound aus der oberen Hemisphäre
Dolby Atmos ist die neueste Kreation der Dolby Laboratories und verspricht eine räumlich noch umfassendere Wiedergabe als mit Dolby Surround 5.1 oder 7.1. Erreicht wird dies durch noch mehr Lautsprecher, und zwar werden diese an der Decke aufgehängt, das heisst der Sound erreicht den Zuschauer nicht nur rundum aus einer horizontalen Ebene, sondern auch von der oberen Raumhälfte. Dies kann etwa ein Vogel in einer Waldszene sein oder der Helikopter im Action-Streifen, der über die Köpfe hinweg fliegt. Im Unterschied zu Dolby Surround 7.1, wo Bewegungen durch den Raum ebenfalls möglich sind, werden hier die Schallereignisse aus den über dem Kopf angeordneten Lautsprechern wiedergegeben und nicht von Phantomschallquellen erzeugt.

Die erhöhte Anzahl an Lautsprechern erlaubt einen zusätzlichen Bezug zwischen den Ereignissen auf der Leinwand und dem Klang herzustellen. Bis anhin konnte mit linkem, rechtem und Centerkanal - und gelegentlich innerem linken und innerem rechten Kanal – ein guter Bezug hergestellt werden zwischen dem Geschehen auf der Leinwand und dem Ort, aus dem der Klang (z.B. die Stimme) kommt. Dolby Atmos erlaubt, die Schallquellen auch innerhalb der Surroundzonen genau zu positionieren. Damit kann ein Ereignis, das nicht auf dem Bildschirm stattfindet, zu dem aber die Darsteller hinschauen, im Raum genau aus dem Ort wiedergegeben werden, auf den die Blicke gerichtet sind.
Klangobjekte
Um die Sounds im ganzen Raum genau positionieren zu können, arbeitet Dolby Atmos mit Audioobjekten, die mit Daten zu ihrer räumlichen Position verknüpft sind. Als Audioobjekte werden Klänge bezeichnet, die dieselbe räumliche Position haben. Sie können statisch sein oder sich durch den Raum bewegen. Kontrolliert werden sie durch Metadaten, die ihre Position zu einem bestimmten Zeitpunkt festlegen. Bei der Wiedergabe werden sie auf den zur Position gehörenden Lautsprecher gegeben anstatt in einen bestimmten Ausgabekanal.

Die Metadaten zu den Audioobjekten sind dasselbe wie die Informationen über die Stellung des Panoramareglers bei einer kanalorientierten Abmischung. Neu ist, dass einzelne Objekte gezielt auf einen bestimmten Lautsprecher im Surround-Array gegeben werden können. Dennoch werden die Arrays beibehalten, nämlich für die Wiedergabe der Atmo. Dolby Atmos ist also eine Mischung zwischen kanal- und objektorientierter Klangdefinition. Die kanalorientierte Zusammenfassung einer Klangatmosphäre nennt Dolby ein „Bett“ (Bed), in das die Objekte (Objects) eingebettet werden können.
Flexible Wiedergabe
Dolby Atmos erlaubt die Nutzung von bis zu 128 Spuren bestehend aus Betten und Objekten. Diese werden in der Postproduktion zusammengefügt und bei der Wiedergabe entsprechend ihrer Daten auf die Lautsprecher oder Lautsprechergruppen verteilt. Insgesamt sind bis zu 64 Lautsprecherkanäle adressierbar. Damit eine genaue Lokalisierung möglich ist, muss jeder Kanal separat verstärkt werden. Neu ist, dass die Surround-Lautsprecher den vollen Frequenzumfang übertragen müssen. Damit wird verhindert, dass sich Schallquellen klanglich verändern, wenn sie von vorn (Bildschirmlautsprecher) nach hinten (Surround-Speaker) bewegen.
Die Klangausgabe ist dank eines intelligenten Renderers flexibel. Er erzeugt die Kanalzuordnung entsprechend der im Kino installierten Anlage. So kann ein 5.1- oder 7.1-Kino mit denselben Daten gefüttert werden wie mit Dolby Atmos ausgestattete Kinos, die wiederum unterschiedliche Ausbaustandards haben können. Es ist also nicht mehr nötig, ein dem Kino angepasstes digitales Filmpaket herzustellen und auszuliefern, sondern es reicht ein Master, das den Ton erst im Kino definitiv rendert. Nötig sind lediglich Angaben über die Installation und die akustischen Möglichkeiten des Saales. Mit diesem Verfahren ist es dem Toningenieur in der Postproduktion auch möglich, direkt zwischen zwei Versionen – z.B. Dolby Atmos und 5.1 – hin- und her zu schalten und die Ergebnisse zu überprüfen.
Dieses Jahr stattet Dolby ausgewählte Kinos in den USA, in Europa, Japan und China mit dem neuen Verfahren aus. Für 2013 ist eine breitere Installation geplant.
Blau eingezeichnet sind die zusätzlich zu den bisherigen Dolby-Verfahren hinzukommenden Surround-Lautsprecher