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JB swiss «Concerto»

Test: Lautsprecher-Referenz von JB swiss

JB swiss spielt mit der grossen Concerto MKII ihre vorläufig beste Karte aus. Das Lautsprecher-System verfügt über einen aktiven Subwoofer. Dank Direktverkauf und Rundum-Service rückt der Traum des Referenzlautsprechers für viele in greifbare Nähe.

Von Christian Wenger · 9. November 2021
Die organische Form der schlanken Concerto-Standlautsprecher ist unauffällig und auffällig zugleich. Der schneckenförmige Subwoofer ist ein totaler Blickfang.Die organische Form der schlanken Concerto-Standlautsprecher ist unauffällig und auffällig zugleich. Der schneckenförmige Subwoofer ist ein totaler Blickfang.

Nach fast einem Jahr betrat ich erneut die Produktionsstätte von JB swiss und traf mich mit Bruno Jeker und Roger Döös in einem Klima auffälliger Geschäftigkeit. Es lag eine verheissungsvolle Spannung in der Luft und die Lautsprecher-Manufaktur im luzernischen Reiden wirkte für einmal etwas weniger aufgeräumt und ziemlich beschäftigt. Nicht falsch verstehen: Man kann dort auf dem Boden essen. Zu spüren war die Energie eines aufstrebenden jungen Unternehmens, beflügelt in einer erfolgreichen Startphase. Dabei kam die Pandemie für JB Swiss exakt im schlechtesten Zeitpunkt und musste mit Entschlossenheit und Kalkül überwunden werden. Dazu gehören zwei wichtige Erkenntnisse, die zu den folgenden Entscheidungen führten:

Direktverkauf: Die Marke JB swiss verfügt trotz langer Vorgeschichte mit zahlreichen Meilensteinen nicht über den Nimbus, den eine High-End-Marke braucht, um vom konservativen heimischen Fachhandel als sicherer Wert mit Erfolgspotenzial und geringem Risiko eingestuft zu werden. Das Interesse des Fachhandels war demnach «unterwältigend» und JB swiss entschied kurzerhand, seine Lautsprecher in Kombination mit ergänzenden Komponenten ausschliesslich direkt ab Werk und Showroom an die Schweizer Kunden zu verkaufen. Die Handelsmarge im Wiederverkauf wird grosszügig an die Kunden weitergegeben. Je nach Modell führte das zu einer mehr oder minder massiven Preisreduktion.

Für den Export gibt es eine Netto-Export-Preisliste. Die Distributoren im Ausland sind in ihrer Preisbildung dann frei. Das ist in der technischen Industrie üblich, meinte Roger Döös unaufgeregt.

Topservice: Die Produkte werden den Interessenten und Kunden im Showroom (besser: Demo-Raum) in Reiden vorgeführt. Die Akustik ist nicht perfekt, aber dafür realistisch. Heimvorführungen gehören zum ergänzenden Service-Angebot und die Installation und Raumoptimierung der gekauften Systeme sowieso. Die Einrichtung und Inbetriebnahme von Musikserver-Lösungen gehören auch noch dazu – und zwar ohne Zusatzkosten. Die Expertise von JB swiss ist hoch und die Kundenzufriedenheit steht im Vordergrund.

Das geschlossene Schneckengehäuse dämpft den rückwärtigen, langwelligen Schall in verschiedenen Kammern und sorgt für die eminent wichtige, unterstützende Präzision des Tieftonsystems.Das geschlossene Schneckengehäuse dämpft den rückwärtigen, langwelligen Schall in verschiedenen Kammern und sorgt für die eminent wichtige, unterstützende Präzision des Tieftonsystems.

Der Erfolg scheint nicht auf sich warten zu lassen und die Zeit wurde reif, sich dem eigentlichen Flaggschiff- oder Referenzlautsprecher zuzuwenden: Die Concerto MKII von JB swiss wurde, von der Vorversion ausgehend, grundlegend überarbeitet. Das System besteht aus zwei Standlautsprechern, einem schneckenförmigen, passiven Subwoofer und einer passenden Endstufe zu dessen Antrieb.

Präzision eines Tieftonsystems

Gerade der Subwoofer fällt auf den ersten Blick am meisten auf, nicht bloss wegen der leuchtenden orangen Farbgebung (das System ist in jeder Wunschfarbe ohne Aufpreis lieferbar), sondern wegen der Funktion im Schneckengehäuse. Das Guss-Gehäuse ist geschlossen und verfügt über eine definierte Anzahl Kammern. Sie haben die Aufgabe, die sich nach hinten in das Gehäuse ausbreitenden Schallwellen zu brechen und zu dämpfen. Das führt im Vergleich zu konventionellen, kubischen Subwoofern zu deutlich verringerten Verzerrungen. Das ist wichtig, weil die unterstützende Präzision eines Tieftonsystems den Gesamtklang erheblich beeinflusst (Zitat: Bruno Jeker). Die gefürchtete Maskierung von Tiefton-Verzerrungen im Mitteltonbereich bleibt zum Beispiel aus. Darüber hinaus sieht die Tiefton-Schnecke sehr gut aus. Für eine Endstufe hat es in der Schnecke aber nicht genügend Platz. Sie wurde deshalb in ein separates Gehäuse ausgelagert.

Subwoofer-Endstufe: Die vom Subwoofer getrennte Unterbringung der Endstufe ist konsequent – wenn auch ein wenig unpraktisch. Es geht aber nicht anders bei diesem Subwoofer.Subwoofer-Endstufe: Die vom Subwoofer getrennte Unterbringung der Endstufe ist konsequent – wenn auch ein wenig unpraktisch. Es geht aber nicht anders bei diesem Subwoofer.

Nur das Beste für die Klangbühne

Auch die beiden Standlautsprecher sind akustisch geschlossene Systeme. Das organisch geformte Gehäuse – ebenfalls aus einer Gussform gezogen – besteht aus mehreren Materialien, deren unterschiedliche physikalisch-akustischen Eigenschaften bewirken, dass dort nichts schwingt, ausser die Membranen. Die Auslagerung des Subwoofers wurde konzeptionell dazu genutzt, die Standlautsprecher für ihre Aufgabe zu optimieren – nicht wie bei vielen Standlautsprechern, denen der Subwoofer als blosse Ergänzung beigestellt wird.

Die Schallwand ist mit insgesamt sechs Treibern bestückt und vom Boden bis an die Spitze gekrümmt. Der Hersteller nennt es ein Bogengehäuse. Die maximale Höhe beträgt 130 cm und das Gewicht 45 kg, ähnlich wie der Subwoofer, der knapp 50 kg auf die Waage bringt.

Im Hoch-Mitteltonbereich kommen zwei unterschiedliche AMT (Air Motion Transformer) zum Einsatz. Sie geben einen definierten Schallanteil gegen hinten/zur Seite hin ab. Unten der hochwertige Treiber für den tieferen Mitteltonbereich.Im Hoch-Mitteltonbereich kommen zwei unterschiedliche AMT (Air Motion Transformer) zum Einsatz. Sie geben einen definierten Schallanteil gegen hinten/zur Seite hin ab. Unten der hochwertige Treiber für den tieferen Mitteltonbereich.

Die beiden Dipole – AMTs (Air Motion Transformer) unterschiedlicher Grösse – arbeiten parallel, sind auf der Rückseite aber unterschiedlich bedämpft, um den Schallaustritt zur Seite und nach hinten exakt zu bestimmen. Die Beryllium-Kalotte funktioniert als Ambient-Treiber. Der dynamische Mitteltontreiber übernimmt die Regie in einem Bereich des Mitteltons. Dazu gesellen sich die beiden Tief/Mitteltontreiber im unteren Bereich des Spektrums. Die Schallwandler sind von höchster Güte. JB swiss gibt als minimale Impedanz tiefe 2.8 Ohm an. Das dürfte die Verstärker aber kaum wirklich herausfordern, weil das Impedanz-Minimum nur im Hochtonbereich auftritt.

Der aussergewöhnliche konstruktive Aufwand dient dem grossen Ziel des Herstellers, mit einer unvergleichlich guten Klangbühne in einem Wohnraum eine Konzertsaal-Atmosphäre zu schaffen, die mit nichts zu vergleichen ist ...

AMT-Treiber von hinten betrachtet: Die aufgebrachten Pads erzielen eine kontrollierte Dämpfung des seitlich/rückwärts gerichteten Schalls.AMT-Treiber von hinten betrachtet: Die aufgebrachten Pads erzielen eine kontrollierte Dämpfung des seitlich/rückwärts gerichteten Schalls.
Der Kalotten-Hochtöner mit Beryllium-Kalotte ist ein Spitzenerzeugnis von Scan Speak und unterstützt die Raumwirkung des Hochtonbereichs.Der Kalotten-Hochtöner mit Beryllium-Kalotte ist ein Spitzenerzeugnis von Scan Speak und unterstützt die Raumwirkung des Hochtonbereichs.

Verstärker? Nur nicht übertreiben!

Es hat sich bei High-End-Audio, oder besser High-Performance-Audio leider eingebürgert, dass der «grosse Lautsprecher» als wahrhafter Kostentreiber agiert, wenn es denn um die optimale Verstärkung geht. Nicht, dass dem wirklich so wäre, aber man wird geflissentlich dazu «motipuliert», sich mit teurem Verstärker-Geschütz einzudecken. Bei der Concerto MKII kann man getrost aufatmen. Zum einen wird dank des aktiven Subwoofers ca. 70 % der Leistung ohnehin von der Subwoofer-Endstufe geliefert und für den Rest reichen hochwertige, klanglich einwandfreie Verstärker von 2 x 50 Watt.

Im Testbetrieb waren zwar zwei hervorragende Hybrid-Mono-Endstufen von Vincent im Einsatz, aber hervorragend ist bei diesem Hersteller eben nicht gleichbedeutend wie extrem teuer.

Die Nahaufnahme führt die hochwertige Verarbeitung vor Augen. Die Gehäuse bestehen aus einem Materialmix und werden in Gussformen gegossen.Die Nahaufnahme führt die hochwertige Verarbeitung vor Augen. Die Gehäuse bestehen aus einem Materialmix und werden in Gussformen gegossen.

Ein befreiendes Musikerlebnis

Die Integration des Subwoofers ist grundsätzlich ein heikles Thema und in der Vorführung perfekt gelungen. Es soll auch bei den Kunden kein Problem sein, sie gehört zum Service. Der Tieftonbereich wirkte auf mich perfekt ausbalanciert und der Subwoofer war nicht als Schallquelle erkennbar, auch nicht, wenn ich mich vom Hörplatz wegbewegte. Raummoden waren ebenfalls keine zu beklagen, was gewiss auch mit dem Raum zu tun hat. Der Subwoofer der Concerto MKII agiert sehr kontrolliert, linear und auch entsprechend schnell.

Wenn ich das gesamte Klangspektrum unabhängig von der emotionalen Wirkung gesondert beurteile, dann überzeugt mich der gesamte Hoch/Mitteltonbereich bei der Stimmwiedergabe mit seiner völlig befreiten und präzisen Anmutung – und das absolut unaufdringlich. Die heute oft zelebrierten Hochton-Orgien, die bewusst herbeigeführt, dann mit hoher «Auflösung» beschrieben und beklatscht werden, sind aus meiner Sicht eine Verzerrung der Wirklichkeit. Bei der Concerto MKII stimmen Mass und Stil der Darbietung. Es gibt nichts, was man nicht hören würde – und von allem auch nie zu viel des Guten.

Das führt dann zu Eindrücken wie im Song «Run Your Fingers Through Your Hair» von The Blues Company (Album: «Invitation to the Blues»). Die Stimme hat etwas unvergleichlich Organisches. Und eigentlich war das immer schon so, aber hier einfach noch von einer höheren Intensität. Eine Intensität, die nicht aufdringlich wird.

Sehr aufschlussreich war die relaxte Spielweise von Robben Ford im Song «On that Morning» (Album: «Bringing it back Home»): Die Concerto brachte eine Qualität musikalischer Tiefenentspannung ans Licht, die beim Einspielen der Aufnahme geherrscht haben muss. Das Besondere an diesem Beispiel ist, dass ein Easy-Listening-Album mich plötzlich in den Bann schlägt.

Das Adagio Expressivo aus Beethovens Sonate Op. 96 für Klavier (Julie Steinberg) und Violine (David Abel), übrigens eine Produktion von Wilson Audiopile, brachte die zerbrechlich melancholische Geige wunderbar zum Vorschein und dazu Klavieranschläge ohne jegliches Geschlenker. Die perfekte Harmonie.

Ein Konzerterlebnis, so wie es sich JB swiss vorstellt und anstrebt, hängt von einer Technik ab, die den Wohnraum und seine schon fast raumzeitlichen Überlagerungen zur Schall-Information auf einer guten Aufnahme überlisten. Ich weiss immer noch nicht, wie JB swiss dies schafft. Und sie sagen es mir nicht. Aber es gelingt ihnen bei jedem ihrer Lautsprecher, doch bei der Concerto MKII gelingt es ihnen am besten. Die Akteure sind nicht einfach nur zu orten, so wie man üblicherweise «Räumlichkeit» versteht: Sie haben auch eine besondere Lebendigkeit, die man nicht mehr missen möchte.

Die durchgehende Krümmung der Schallwand ist kompromisslos und dient der Verwirklichung idealer Vorstellungen hinsichtlich der Schallausbreitung.Die durchgehende Krümmung der Schallwand ist kompromisslos und dient der Verwirklichung idealer Vorstellungen hinsichtlich der Schallausbreitung.

Fazit

Es gibt auf dem Markt Lautsprechersysteme, die ein Mehrfaches kosten wie die Concerto MKII von JB swiss, die aber nicht so gut klingen. Besonders hervorstechend und kaum diskutabel ist die authentische Raumabbildung, die sich in weit geringerer Abhängigkeit zur Hörposition entfalten kann, als man es sich gewohnt ist. Dank Direktverkauf konnte der Preis deutlich gesenkt werden. Dieser beträgt noch 48'900 CHF.

Das ist für die gebotene Qualität nicht übertrieben viel. Aber es ist viel, so viel wie beispielsweise ein Auto kostet. Die Concerto MKII repräsentiert zurzeit aber vor allem auch die Referenz von JB swiss. Sie zeigt, wo dort der Hammer hängt. Ich wäre sehr gespannt, sie einmal im Vergleich zu ähnlichem Gerät mit mehr Marken-Nimbus zu erleben. Wenn ich das, was ich an Eindrücken mitgenommen habe, einordne, dann dürften sich einige Hersteller warm anziehen müssen – solche Hersteller, die sich das sonst gar nicht gewöhnt sind.

Die räumliche Klangbühne ist absolut verblüffend und wirkt auch dann, wenn man sich vom Sweetspot entfernt.Die räumliche Klangbühne ist absolut verblüffend und wirkt auch dann, wenn man sich vom Sweetspot entfernt.
Steckbrief
Modell:
Concerto MKII
Profil:
High-Performance-Mehrweg-Standlautsprecher-System mit aktivem Subwoofer
Pro:
Geniale Konstruktion
Ausgezeichnete Klangeigenschaften
Grossartige Klangbühne
Farbausführung nach Wunsch
Installation inbegriffen
Contra:
Externe Endstufe für den Subwoofer
Preis:
48,900.00 CHF
Hersteller:
JB swiss AG
Jahrgang:
2020
Masse:
129.5 x 24.2 x 34.5 mm
Gewicht:
95 kg
Farbe:
nach Wunsch
Bass:
dynamisch & aktiver Subwoofer
Bauprinzip:
geschlossenes Mehrwegsystem
Empfohlene Leistung:
50 Watt
Frequenzgang:
22 – 21kHz ± 3dB
Hochton:
AMT und Beryllium Kalotte
Impedanz:
2.8 Ohm
Maximale Leistung:
500 Watt
Mittelton:
AMT
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-lautsprecher-referenz-von-jb-swiss-jb-swiss-xconcertox
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