Spendor A4.2
Die neue Spendor A4.2 – eine schlanke Erscheinung.Ohne mich vorgängig im Internet über die Spendor A4.2 informiert zu haben, nahm ich die beiden Lautsprecher in Empfang. Enzo Nolli vom Schweizer Vertrieb Audiosphere brachte mir die Lautsprecher persönlich nach Hause. Mit im Gepäck hatte er eine preislich passende Elektronik, bestehend aus dem Vollverstärker Rega Brio MK7 und dem Netzwerk-Transporter Silent Angel Munich M1T. Der kompakte Rega liefert 2 × 50 Watt an 8 Ohm. Als ungefähre Preisgrössen standen rund CHF 1'000 für den Verstärker und CHF 750 für den Netzwerk-Transporter im Raum.
Rega Brio MK7 und einen Netzwerkspieler Silent Angel Munich M1T.Auch die mitgebrachten Lautsprecherkabel wirkten erfreulich unspektakulär. Dem Aussehen nach hätten sie ebenso gut aus dem Baumarkt stammen können. Keine aufwendige Materialschlacht, keine geheimnisvollen Zutaten. Die Installation verlief entsprechend unkompliziert und zügig. Eine gute Voraussetzung, um sich auf die Musik zu konzentrieren.
Ein Name mit Geschichte
Der Name Spendor setzt sich aus den Vornamen Spencer und Dorothy zusammen. Das Ehepaar Hughes gründete das Unternehmen Ende der 1960er-Jahre. Spencer Hughes brachte seine Erfahrungen als Toningenieur bei der BBC ein und entwickelte den Lautsprecher BC1, der später bei Rundfunkanstalten und in Tonstudios weltweit Verbreitung fand. Hinter der zurückhaltenden Erscheinung der A4.2 steht somit eine lange britische Lautsprechertradition.
Die aktuelle A-Line wird in England entwickelt und gefertigt. Das Spendor-Werk befindet sich in Catcliffe bei Rotherham, im Advanced Manufacturing Park unweit von Sheffield. Dort setzt das Unternehmen auf eine hohe Fertigungstiefe. Nolli erläuterte mir dazu, dass dort die Schwingspulen gewickelt, geprüft und verbaut werden. Durch die weitgehend eigene Fertigung behält Spendor die einzelnen Produktionsschritte und deren Qualitätskontrolle selbst in der Hand.
Die A4.2 nimmt innerhalb der A-Serie eine mittlere Position ein. Unter ihr rangieren der kleinere Standlautsprecher A2.2 und die Kompaktbox A1.2, darüber steht die grössere A7.2.
Mit einem Schweizer Paarpreis von CHF 3'290 bewegt sich die A4.2 in einem gut besetzten Marktsegment. Ihre kompakte Gestalt und die Fertigung in England geben ihr ein eigenständiges Profil. Angeboten wird sie in den Ausführungen Walnuss, Eiche natur, Eiche schwarz und Weiss seidenmatt.
Die Spendor A4.2 in der Ausführung Eiche Natur.Als kleine «Tuning-Massnahme» empfiehlt Nolli spezielle Gerätefüsse aus POM-Kunststoff (Polyoxymethylen mit Carbon-Anteil). Sie sorgen für einen sicheren Stand und schonen beim Verschieben empfindliche Böden. Laut Nolli verbindet das Material eine feste Ankopplung mit einer dosierten Schwingungsdämpfung. Klanglich soll sich dies gegenüber den mitgelieferten Spikes durch etwas mehr Dichte bemerkbar machen. Ein Set kostet bei Audio-Plan laut Nolli CHF 120.
Gerätefüsse aus schwingungsarmem POM-Kunststoff.Feinarbeit unter der Oberfläche
Chefentwickler Torin Wilson hatte den Auftrag, die bewährten Eigenschaften der bisherigen A4 zu erhalten und gleichzeitig ihre Schwächen zu beseitigen. Gehäuseformat und klanglicher Charakter bildeten den Rahmen. Besonderes Augenmerk galt einer gleichmässigeren Wiedergabe ausserhalb der zentralen Hörposition sowie dem Zusammenspiel der beiden Chassis.
18-cm-Tief- Mitteltöner aus speziellem Polypropylen und der 27-mm-Poliamid-Hochtöner.Spendor bleibt beim bewährten Zweiwegprinzip. Ein 18-cm-Tiefmitteltöner mit der hauseigenen EP77-Polymermembran übernimmt die tiefen und mittleren Frequenzen. Darüber arbeitet ein neuer 27-mm-Hochtöner mit Polyamidkalotte, breiter Sicke und rückwärtiger Dämpfungskammer. Er wird nach Angaben aus dem Fachhandel vom norwegischen Chassis-Spezialisten SEAS nach Vorgaben von Spendor gefertigt. Die Übergangsfrequenz wurde gegenüber dem Vorgängermodell von 3'700 auf 2'000 Hertz abgesenkt.
Der neue Hochtöner übernimmt damit einen grösseren Teil des oberen Mitteltonbereichs. Gleichzeitig wurde die Frequenzweiche überarbeitet, um das Zusammenspiel beider Chassis und die Wiedergabe ausserhalb der zentralen Hörposition zu verbessern. Auch das Gehäuse wurde weiterentwickelt. Eine überarbeitete Innenversteifung und zusätzliche Dämpfungsmassnahmen sollen störende Resonanzen reduzieren. Zudem wurde die Bassreflexabstimmung optimiert. Von aussen bleibt diese Feinarbeit weitgehend unsichtbar. Umso interessanter ist die Frage, wie sich die Veränderungen beim Musikhören bemerkbar machen.
Die rückseitige Bassreflexöffnung wurde für die A4.2 neu abgestimmt.
Hochwertige, versenkte Anschlussklemmen für ein Lautsprecherkabelpaar.Praxistest – Aufstellen, ausrichten, zuhören
Bei der Aufstellung konnte Nolli auf seine Erfahrung mit der A4.2 zurückgreifen. In meinem Hörraum erwiesen sich die schlanken Standlautsprecher als angenehm unkompliziert. Dennoch lohnte sich eine sorgfältige Ausrichtung. Nach wenigen Verschiebungen und einer sorgfältigen Ausrichtung standen die beiden Lautsprecher an ihrem Platz. Vor allem die räumliche Darstellung gewann durch die sorgfältige Positionierung. Stimmen und Instrumente waren klarer ortbar, das musikalische Geschehen wirkte geschlossener.
Das entspricht dem Anspruch von Spendor, die A4.2 auch für kleinere Räume und eine wandnahe Aufstellung geeignet zu machen. Als Ausgangspunkt empfiehlt der Hersteller mindestens 20 Zentimeter Abstand zur Rückwand. Die endgültige Position hängt jedoch von den akustischen Verhältnissen im jeweiligen Hörraum ab.
Beim zweiten Hinhören geht die Sonne auf
Auch eine Grippe kann gelegentlich etwas Gutes haben. Im Alltag eines Audiotesters läuft einem schnell einmal die Zeit davon. Dieses Mal bescherte mir die unfreiwillige Pause reichlich Gelegenheit zum Musikhören. Die Spender dankten es mir. Denn die A4.2 ist kein Lautsprecher, der sich mit dem ersten Ton nach vorne drängt. Sie begegnet einem mit jener britischen Zurückhaltung, die man sich auch in einer ordentlich gebildeten Warteschlange vorstellt. Doch beim genaueren Hinhören geht die Sonne auf. Was diese schlanken Lautsprecher aus ihrem Zweiwegesystem herausholen, ist bemerkenswert.
Ihr Auftritt hat etwas Gelassenes und zugleich Geselliges. Für mich spielen sie lieber bei einem lebhaften Abend im Pub als bei einem steifen Empfang im Königshaus. Sie machen Musik einfach zugänglich und bereiten schlicht Freude.
Höhen, Mitten und Bass im Gleichgewicht
Höhen? Angenehm dosiert vorhanden. Mitten? Offen, ausdrucksstark. Bass? Knackig, aber nicht staubtrocken. Vor allem stimmen die Proportionen. Höhen, Mitten und Bass fügen sich zu einem geschlossenen Klangbild zusammen. Auch der Übergang zwischen Tiefmitteltöner und Hochtöner fiel beim Musikhören nicht auf.
Ergänzend hörte ich mir einen Gleitton an und beobachtete dessen Frequenz auf dem Mobiltelefon. Dabei fielen mir im Übergangsbereich zwischen den Chassis keine ausgeprägten Unregelmässigkeiten auf. Eine solche Hörprobe kann eine kalibrierte Frequenzgangmessung allerdings nicht ersetzen.
Die Höhen empfand ich als seidig und fein dosiert. Sie tragen zur Offenheit bei, ohne sich ständig ins Rampenlicht zu drängen. Ihre besondere Stärke zeigt die Spendor für mich jedoch in den Mitten. Frauen- und Männerstimmen klingen glaubwürdig und ausdrucksvoll.
Besonders schön zeigt sich das bei «Billie Jean – Live» von The Civil Wars. Das Duett von Joy Williams und John Paul White verbindet rhythmischen Zug mit einer sinnlichen Atmosphäre. Die Spendor bewahrt beides und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel der beiden Stimmen.

Auch Cello und Kontrabass profitieren von dieser Abstimmung. Ihr Klang besitzt einen schönen Schmelz, ohne dabei die leicht raue Textur dieser Instrumente zu verlieren. Diese Mischung aus Wärme und Griffigkeit erinnert mich stellenweise an den Klang gewisser Tannoy-Lautsprecher. Das ist allerdings eine persönliche Assoziation, denn technisch verfolgen die beiden Hersteller unterschiedliche Konzepte.
Ein Fundament mit natürlichen Grenzen
Spendor gibt für die A4.2 einen Frequenzbereich ab 36 Hertz an. Beim Musikhören vermisste ich dennoch nur selten etwas im Tiefbass. Der Bass gab den Aufnahmen ein überzeugendes Fundament und fügte sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Erst bei sehr tiefen Orgeltönen wünschte ich mir etwas mehr Druck im Bass. Das zeigte sich bei «The Bach Gamut» mit dem amerikanischen Organisten Virgil Fox, einer Liveaufnahme aus der St. Mary's Cathedral in San Francisco von 1976. Besonders gegen Ende des gehörten Stücks hätte ich mir bei den tiefsten Orgelregistern etwas mehr Fundament gewünscht. Angesichts der kompakten Gehäuse ist diese Grenze jedoch gut nachvollziehbar.

Herbstliche Rhythmen mit einem Augenzwinkern
Natürlich gehört «Englishman in New York» von Sting auf diese Lautsprecher. Schon der Titel passt, die Musik erst recht. Die A4.2 vermittelt rhythmische Beweglichkeit, ohne ihre gelassene Grundhaltung aufzugeben.

Meine Frau schaute während des Hörtests kurz vorbei und attestierte der Spendor eine gewisse «Lüpfigkeit». Ich konnte ihr nur zustimmen. Dazu passt eine Aufnahme, die wohl kaum auf vielen audiophilen Vorführlisten steht. «Rehragout» von den CubaBoarischen aus dem Album «Servus Cuba!» überrascht mit einer für mich bemerkenswert guten Aufnahmequalität.

Die rhythmische Mischung bringt die Spendor in Schwung und lässt ihre räumlichen und dynamischen Qualitäten zur Geltung kommen. Musik darf schliesslich auch vergnüglich sein. In diesem Sinne – viel Spass!
Entspannt und musikalisch
Die Spendor A4.2 wirkt auf mich gutmütig und vermittelt einen Hauch klassischer Lautsprecher-Klangkultur. Klangliche Kanten erscheinen leicht gerundet. Daraus entsteht ein angenehm fliessendes Klangbild, das ich auch nach längerem Zuhören nie als ermüdend empfand. Rhythmische Akzente kamen dabei klar zur Geltung.
Genau das ist für mich entscheidend: ein stimmiger musikalischer Gesamteindruck, der über eine ganze Hörsitzung trägt. Darin brilliert die A4.2. Sie hält die Aufmerksamkeit wach, ohne sich mit hervorgehobenen Details in den Vordergrund zu drängen.
Mit überschaubarer Elektronik überzeugend
Der Rega Brio MK7 und der Netzwerktransporter Silent Angel Munich M1T erwiesen sich als passende Spielpartner. Der Silent Angel war über eine koaxiale Digitalverbindung mit dem integrierten D/A-Wandler des Rega verbunden. Die Kombination zeigte, dass die A4.2 auch mit einer preislich überschaubaren Anlage überzeugend musiziert.
Mit einer Empfindlichkeit von 85 dB (1 W/1 m) gehört die A4.2 nicht zu den besonders empfindlichen Lautsprechern. Wer grössere Räume beschallen oder hohe Lautstärken erzielen möchte, sollte deshalb ausreichende Leistungsreserven einplanen. Die Nenn-Impedanz von 6,75 Ohm und das Minimum von 5,4 Ohm deuten allerdings auf eine vergleichsweise unkritische elektrische Last hin.