avguide.ch Druckansicht · 15.10.2026

Pack die Badehose ein!

Test Nordmende Transita 130 DAB+-Radio

Wenn Mann dieses Transita 130 DAB/UKW-Radio von Nordmende in Händen hält, zieht es Frau gleich mit an den Badesee – und der Wirtschaftswunder-Hit von Conny Froboess lässt die Babyboomer grüssen. Wenn nicht aus dem Radio, dann via Bluetooth.

Von Christian Wenger · 12. Juni 2021
Nordmende. Nordmende.

Nordmende gehört zu den bekanntesten klassischen Audio-Marken aus Deutschland, aus einer Zeit, als dank Nachkriegs-Wirtschaftswunder im wahrsten Sinne Freude herrschte. Heute gehört die Marke Nordmende zu Technisat, einem Dominator im neu erblühten «DAB-Wirtschaftswunder». Das Digitalradio Nordmende Transita 130 scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Als «retro» oder mit «Retro-Design» bezeichnet man die Geräte, die klassisch aufgemacht, trotzdem mit moderner Technologie aufwarten.

In den vergangen, sagen wir 5 Jahren, sind einige «Retro-Geräte» über unsere Redaktionstische gereicht worden, sodass wir ein Gefühl dafür entwickeln konnten. Zudem sind die meisten von uns Retro-affin, weil wir eben quasi selbst «vintage» sind und unsere persönlichen Erinnerungen aus der Kindheit uns geprägt haben. Während viele dieser Retro-Geräte nur in ihrer Form mehr oder weniger deutlich an die Vorbilder der 1950er- und 1960er-Jahre erinnern, spielt das Nordmende Transita 130 in einer anderen Liga.

Die Frontseite wird durch eine drehbare UKW-Frequenz-Skala beherrscht. Dazu gibt es noch diesen ultraklassischen 4-Tasten-Riegel für die vier Quellen, die gewählt werden können. Drückt man eine Taste, dann klackt es wie einst. Die Mechanik verhindert, dass mehr als eine Taste aufs Mal gedrückt werden kann. Das ist eine herrliche und perfekt inszenierte Reminiszenz an die alten Radiogeräte – von den Röhrenradios bis zu den frühen Transistormodellen.

Zurück zur unbeleuchteten Frequenz-Skala für UKW (FM): Durch Drehen bewegt man einen roten Pfeil durch den Frequenzgarten, schnell oder langsam. So lassen sich präzise die Sender tunen. Mit etwas Übung geht das viel besser und speditiver als mit diesem langweiligen Sendersuchlauf, an den wir uns gewöhnt haben. Natürlich befindet sich hinter dieser Sender-Drehscheibe kein Drehkondensator wie einst, aber es ist ein Genuss, mit dieser Vorrichtung einen UKW-Sender zu finden und perfekt einzustellen und es ist zu hoffen, dass die aktuellen politischen Vorstösse von Roger Schawinski und anderen fruchten werden, um uns UKW noch einige Jahre zu erhalten, sprich, keine Abschaltung in 2023. Die Chancen stehen gut, und für ein Gerät wie das Nordmende Transita 130 wäre es durchaus segensreich.

Die Empfangsqualität mit UKW ist übrigens sehr gut, besser als mit anderen Geräten, und die UKW-Frequenz wird auf der tollen Digitalanzeige des Geräts auch noch einmal und sehr exakt angezeigt.

Manuelles UKW-Tuning am Drehrad: Klassisch und speditiver als jeder Suchlauf.Manuelles UKW-Tuning am Drehrad: Klassisch und speditiver als jeder Suchlauf.

Die Verabeitung ist erstklassig: Das Leder-Imitat ist perfekt über alle Rundungen und Kanten gezogen. Der Lautsprecher-Grill ist aus Metall. Die Drucktasten sind eng toleriert, die Digitalanzeige hochwertig und schön beleuchtet mit automatischer Dimmung. Der gerastete Lautstärkeregler links und der Tuning/Wahl-Drehschalter rechts sind auch perfekt verarbeitet.

Der eigentliche Brüller hat noch nicht einmal direkt etwas mit dem Gerät zu tun: Es ist eine gebundene Betriebsanleitung. Sie umfasst 51 Seiten, nur in Deutsch(!) und ist mit wenig Text und Grafik pro Seite übersichtlich und ausgesprochen praktisch. Da hat man doch endlich einmal einen Schlussstrich unter diesen «Quickguide-Wahn mit Online-Begleitung» gesetzt. Ich bin überzeugt, diese Anleitung wird vom Besitzer studiert und nicht verlegt oder weggeworfen.

Man könnte daraus schliessen, dass der Hersteller eher ältere Kunden anvisiert, aber das glaube ich eigentlich nicht. Das Nordmende Transita 130 Digitalradio ist auch für Junge und für kreativere Typen sehr reizvoll.

Auf der Geräteoberseite gehts modern zu und her. Die Bedienelemente und die Anzeige sind von hoher Qualität.Auf der Geräteoberseite gehts modern zu und her. Die Bedienelemente und die Anzeige sind von hoher Qualität.

Die Bedienung ist logisch und intuititv. DAB+-Sender werden gescannt und können mit dem Wahlrad rechts gewählt und per Knopfdruck bestätigt bzw. aktiviert werden. Radiosender speichern geschieht einfach mit längerer Betätigung der gewünschten Speichertaste 1 bis 3. Bei 3 kann man dann noch zwischen 3 bis 10 wählen, denn bei DAB+ stehen 10 Speicherplätze zur Verfügung. Die Wahl der UKW-Radiosender wurde bereits erklärt. UKW-Sender kann man nicht abspeichern. Bluetooth ist auch keine Hexerei. Und die Zusatzfunktionen von Sleeptimer und Wecker sowie verschiedene Systemeinstellungen lassen sich mithilfe der Bedienungsanleitung systematisch auffinden und einstellen.

Stereo – Mono

Die Audio-Ausgangsleistung beträgt max. 5 Watt und in Mono. Das wird nicht extrem laut, aber ganz ordentlich für eine gute Stube oder eine lichte Terrasse. Die Audio-Vorstufe ist allerdings auf Stereo ausgelegt. Und Stereo kann man mit einem Kopfhörer geniessen. Dank zeitgemässer Effizienz im Betrieb von exakt 84.2 % dürfte eine Akkuladung ziemlich lange halten.

Rückseite mit Ladebuchse, USB-Ausgang für das Aufladen von Smartgeräten, 3.5-mm-Jack-Kopfhöreranschluss und Analog-Eingang.Rückseite mit Ladebuchse, USB-Ausgang für das Aufladen von Smartgeräten, 3.5-mm-Jack-Kopfhöreranschluss und Analog-Eingang.

Höreindruck

Der Normende Transita 130 produziert einen breitbandigen und süffigen Klangeindruck. Der Lautsprecher klingt tatsächlich ein wenig magisch, wie mit den damals gebräuchlichen Breitband-Treibern. Das charakterisiert sich durch einen schönen Mitteltonbereich und durch Homogenität: einfach, aber gut und für alle Stilrichtungen geeignet und mit hoher Sprachverständlichkeit gesegnet.

Mit Bluetooth konnte ich routinemässig eine Playliste durchzappen und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die musikalische Essenz war immer vorhanden, nicht audiophil, nicht HiFi, aber so, wie gute Radios klingen, wenn sie das tun und nichts wirklich falsch machen.

Ich kann mich gut erinnern, wie die Transistorkisten der 60/70er-Jahre «klangen», es war grauenhaft und ich muss ehrlich sagen, das erlebt man mit dem Transita 130 bestimmt nicht. Und das ist gut so.

Der Sommer kann kommen. Es wird Zeit ...Der Sommer kann kommen. Es wird Zeit ...

Fazit

Das Nordmende Transita 130 ist ein klassisch gestyltes, perfekt durchdachtes und verarbeitetes DAB+-Radio für drinnen und draussen. Mit einem guten und gut erklärten Bedienkonzept und einer sehr gelungenen klassischen UKW-Bedienung spricht es auch Nutzer an, die noch ein wenig bei UKW bleiben möchten. Die Verarbeitung ist perfekt. Das Transita 130 macht Spass und sieht irgendwie hinreissend aus.

Zum Schluss ein passendes Video. Die Angabe betreffend Speicherung von UKW-Sendern ist allerdings falsch.

Steckbrief
Modell:
Nordmende Transita 130
Profil:
Mobiles Retro-Radiogerät für DAB+, UKW und Bluetooth mit Analogeingang und Kopfhörerausgang.
Pro:
Design und Verarbeitung
Klang
Spassfaktor
umfangreiche Bedienungsanleitung
Stereo mit Kopfhörer
Contra:
Keine Speichermöglichkeit für UKW-Sender
Preis:
153.00 CHF
Hersteller:
Technisat
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
Telanor AG
Masse:
274 x 203 x 97 mm
Gewicht:
1.42 kg
Autoeinbau:
Nein
Bluetooth:
Ja
CD-Player:
Nein
Internetradio:
Nein
Portabel:
Ja
Stationär:
Ja
Analog Input:
3.5 mm Jack
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-nordmende-transita-130-dab-radio-pack-die-badehose-ein
© 1999–2026 avguide.ch GmbH · Alle Rechte vorbehalten