RHA CL2 Planar.Während viele andere Hersteller von In-Ear-Kopfhörern auf dynamische und Balanced-Armature-Treiber setzen, tüftelten die RHA-Ingenieure ganze vier Jahre, bis ihr magnetostatischer Micro-Treiber die Klangqualität brachte, die man sich als Ziel gesetzt hatte.
Der CL2 Planar kann auf drei verschiedene Arten betrieben werden. Beigelegt sind je ein symmetrisches und ein asymmetrisches Kabel sowie ein Nackenband, das alles enthält, was man für den drahtlosen Bluetooth-Betrieb braucht.
Schnell und impulstreu
Der RHA CL2 Planar kann auch kabellos via Bluetooth mit aptX betrieben werden. Das Nackenband enthält die gesamte Elektronik.Die mit lediglich 9 Gramm leichten Gehäuse bestehen aus praktisch vibrationsfreiem Zirkondioxid, einem Material, das normalerweise in der Raumfahrtindustrie zum Einsatz kommt, aus dem auch synthetische Diamanten gefertigt werden. Klanglich hatte man sich als Ziel gesetzt, Hörer zu bauen, die punkto Impulstreue und Schnelligkeit neue Massstäbe setzen. Der Hörer soll keine Schlafmütze werden, sondern einen aufregenden Klang besitzen.
Dem erstklassig gefertigten Hörer beigelegt sind neben den erwähnten Kabeln mit silberbeschichteten, sauerstofffreien Kupferdrähten und dem Bluetooth-Nackenband auch ein faltbares Transportetui, Tragetasche, Ohrstöpselhalter, USB-Ladekabel, Flugadapter sowie diverse Silikon- und Comply-Foam-Ohrpassstücke.
Das Nackenband enthält die gesamte Elektronik für den Bluetooth-Betrieb, bei dem SBC, AAC und aptX unterstützt werden. Dank Freisprecheinrichtung kann der Hörer fürs Telefonieren verwendet werden. Über integrierte Tasten erfolgt die Steuerung des Musikplayers. Der Akku ermöglicht eine Musikwiedergabe während bis zu 12 Stunden, die Ladezeit beträgt lediglich 1,5 Stunden.
Der Hörer sitzt bei richtiger Wahl des Ohrpassstücks perfekt im Gehörgang und drückt kaum. Die Kabel sind mit den MMCX-Steckverbindungen rasch an die Hörer montiert. Das Lösen der Stecker benötigt jedoch einen Trick: Mit dem Fingernagel wird in den Spalt zwischen Stecker und Buchse gedrückt – und schon lösen sich Buchse und Stecker.
Start mit Vorschusslorbeeren
Der CL2 Planar von RHA ging mit tüchtigen Vorschusslorbeeren in diesen Test.
Ohne bewusst Schleichwerbung machen zu wollen gebe ich gerne zu, dass ein anderes Modell, der RHA True Connect, der im avguide.ch-Test mit sechs anderen True-Wireless-Kopfhörern so gut abgeschnitten hat, zu meinem ständigen Reisbegleiter geworden ist und mir unterwegs viel Freude bereitet.
Sein Klangbild ist warm-brillant, Streicher erklingen mit Charme, und generell betört dieser Hörer mit seinem angenehm vollen Klangbild. So war ich dann mehr als gespannt auf den CL2 mit seinem einzigartigen Micro-Planar-Treiber. Zum beachtlichen Preis von rund 900 Franken sollte dieser Hörer ja nochmals tüchtig einen draufsetzen.
Push it to the limits
Frequenzgang des RHA CL2 Planar (2 dB/Div). Kommentar: Krasse Anhebung im Bereich von 1,5 kHz bis 5 kHz.Das Messprotokoll spricht eine ganz klare Sprache: Die krasse Anhebung im Bereich von 2 kHz bis rund 5 kHz beträgt bis zu 12 dB! Das widerspricht grundsätzlich dem High-Fidelity-Gedanken, der als Ziel eine möglichst hohe Klangtreue hat, bei der kein Frequenzbereich betont oder abgesenkt werden sollte.
Im Web ist denn auch einiges über die Philosophie dieses Klangs zu erfahren. Laut RHA sei der Peak im Hochtonbereich absichtlich(!) so gelegt worden. Die Klarheit des Planartreibers in den unteren Frequenzen (Bass zu MidBass) sei so gross, dass der obere Mittenbereich um 1.5 kHz bis 5 kHz etwas schwach wirken könne. So hätte man den Hörer auch ohne diese Anhebung angehört, den Klang jedoch als «just a bit boring» empfunden. Schlussendlich habe man diese Anhebung so belassen. RHA schreibt weiter: «The driver is fully capable of a very full and exiting sound so we wanted to push it to the limits».
Doch warten wir ab, was die Testhörer zu diesem Klangbild zu sagen haben. Denn schlussendlich sind Hörerfahrungen wichtiger als alle Messprotokolle und Versprechungen des Herstellers.
Extremes Klangtuning
Der Klang des CL2 befremdete praktisch alle Testhörer. Es waren mehrheitlich negative Urteile zu hören wie grell, dünn, verfärbt, etc. Egal, wie die Testpersonen versuchten, sich die Stöpsel noch besser abschliessend in die Gehörgänge zu stopfen – der Klang irritierte jeden Testhörer.
Streicher wirken gläsern, ja sogar eiskalt. Den Instrumenten fehlt jegliche klangliche Wärme und Schönheit. Bei David Sanbornes «Tequila» ist wohl ein sehr tiefer, klarer Bass zu hören, doch Sanbornes Sopransaxophon habe ich noch nie so aggressiv und nervend gehört. Generell wird der präzise, tiefe Bass von knallharten, hinaufgeputschten Gitarren, Synthesizerpassagen und Bläsern übertönt.
Dafür kommen perkussive Instrumente wie Beckenimpulse, Holzclaves, Djembés und generell alle Schlaginstrumente extrem vital und schnell. Bei Schlagzeug-Besen glaubt man jedes Härchen einzeln hören zu können. Die Auflösung ist exzellent. Was man diesem Klang auch noch zu Gute halten muss, ist ein gnadenloses Aufzeigen aller klanglichen Mängel der Aufnahme und der Spielfehler der Musiker.
Doch ist dieser Klang nicht geeignet, dem Zuhörer stimmungsvolle Momente mit entspannender Musik zu bescheren. Nein, dieser Klang peitscht auf und macht nervös.
So hoffe ich rein persönlich, dass RHA in nicht allzu ferner Zukunft noch einen CL-2 Planar ohne diese Hochton-Anhebung, also mit gemässigterem Klangtuning, anbieten wird.
Fazit
Der CL2 von RHA schockierte praktisch alle Testhörer in unserem Hörtest. Obwohl sich die Hersteller und Klangtuner bei der klanglichen Auslegung dieses erstklassig und an und für sich genial gefertigten Hörers viel gedacht haben, empfanden unsere Testhörer dieses Klangtuning als sehr höhenbetont, was bei der Wiedergabe von perkussiven Instrumenten positiv bei den meisten anderen Instrumenten und vor allem bei Klassik-Ensembles negativ bewertet wurde. Es scheint, als wären die RHA-Klangtuner beim CL2 Planar in Sachen Brillanz-Tuning massiv übers Ziel hinausgeschossen.