avguide.ch Druckansicht · 04.11.2026

Mit gutem Klang fest im Ohr

Test Klipsch T5 II ANC Earbuds

In unserem Testbericht über das neue Earbuds-Topmodell von Klipsch wollten wir uns neben den klanglichen Qualitäten speziell auch um die Alltagstauglichkeit des Spitzenmodells kümmern. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Das Teil rockt!

Von Silvan Karrer · 1. November 2021

Klipsch stand viele Jahre für etwas sperrige, schon fast urchige Männer-Lautsprecher. Das legendäre Klipschorn, ein Eck-Hornlautsprecher, wurde 1945 vom Firmengründer Paul W. Klipsch patentiert und ein Jahr später auf den Markt gebracht. Und es gibt das Klipschorn nach sagenhaften 75 Jahren immer noch zu kaufen. Ich würde mal sagen, das ist Weltrekord. Aber die Zeit steht nicht still und das Klipsch-Sortiment wurde um Mehrkanal-Lautsprechersets, Soundbars, Bluetooth Speakers, Kopfhörer und eben relativ neu auch mit In-Earbuds ergänzt. Ganz so neu sind Kopfhörer allerdings nicht im Klipsch-Programm, schon 1919 konstruierte Paul W. Klipsch als gerade mal 15-jähriger einen Kopfhörer. Somit sind hier über 100 Jahre Erfahrung verbaut, also gerade nochmals ein Rekord!

Das komplette Klipsch-Earbud-Paket im McLaren-Design.Das komplette Klipsch-Earbud-Paket im McLaren-Design.

Das Earbuds-Sortiment von Klipsch ist relativ gross und die einzelnen Modelle unterscheiden sich zumindest optisch nicht gross voneinander – dafür aber in puncto Ausstattung umso mehr. Das Basismodell heisst T5 II True Wireless (Preis: CHF 199.-). Das getestete Modell heisst in voller Länge: Klipsch T5 II True Wireless Active Noise Cancelling McLaren Edition – ein grosser Name für so kleine Dinger (Preis: CHF 459.-). Die getestete Ausführung ist das Topmodell – also die Topversion mit allen technologischen und materialtechnischen Spitzenleistungen.

Die Klipsch-Fabrik vor vielen Jahren ...Die Klipsch-Fabrik vor vielen Jahren ...

Aussehen und Zubehör

Bereits die farbige, edle Verpackung im knackigen Schwarz mit Papaya Orange von McLaren strahlt sportlich-luxuriöse Eleganz aus. Als Erstes fällt einem die Imagebroschüre mit der metallenen Produktekarte mit Fahrgestell Nr. – äh nein, mit Produkte-Seriennummer und mit dem Bau-Datum auf. Auch die Imagebroschüre bringt schönes Storytelling zu McLaren und Klipsch – sehr nett gemacht! Das Testgerät stammt vom 16. Juni dieses Jahres und somit taufrisch. Das ganze McLaren-Bundle hat wirklich diesen Formel-1-Look. Da ich mir wohl nie im Leben einen echten McLaren leisten kann, habe ich nun immerhin Earbuds von McLaren Probe gefahren – oder besser getestet.

Welcome to the Speed of Sound von Klipsch.Welcome to the Speed of Sound von Klipsch.

Das echte Carbon Case der T5 II ist ganz im Reifen- und Carbon-Design gehalten und wirkt sehr wertig. Weiter in der Box findet sich das luxuriöse Ladekabel mit USB-Adapter (ebenfalls in McLarens Papaya Orange). Hinzu kommt das geniale Lade-Pad, das ich am Grund der Schachtel zuerst fast verpasst habe. Dieses hochwertige Hightech-Pad lädt mit der NuCurrent-Hochgeschwindigkeits-Ladetechnologie nicht nur das Case inklusive den Earbuds, sondern gleichzeitig auch ein Smartphone. Ich bin beeindruckt!

Die total sechs Paar oval geformten, orange gefärbten Silikonaufsätze (von XL bis XS) runden das Zubehör ab. Mit dieser Auswahl können wohl 99 von 100 Besitzer zufriedengestellt werden.

Die Earbuds mit den verfügbaren Silikonaufsätzen: XS bis XL.Die Earbuds mit den verfügbaren Silikonaufsätzen: XS bis XL.

Alles ist perfekt, bis auf die Bedienungsanleitung. Diese kann mit dem luxuriösen Rest nicht ganz mithalten. Zwar in Deutsch und in weiteren sechs Sprachen verfasst, ist sie etwas unübersichtlich, kleingeschrieben und kurzgehalten – eben basic! Gut, vielleicht studiert die Zielgruppe eh keine schnöden Bedienungsanleitungen mehr, sondern erfasst intuitiv die meisten Funktionen und sucht dann bei Youtube noch nach Erklärungsvideos, die es für solche Lifestyle-Produkte wie Sand am Meer gibt.

Features

Die getesteten Klipsch T5 II besitzen leistungsstarke 5,8-mm-HD-Treiber. Die verwendete Membran ist gerade mal 3 Mikrometer dünn! Klipsch gibt einen Frequenzgang von 10 Hz bis 19’000 Hz an. Die verwendeten Treiber sind sehr leicht und absichtlich super-klein gebaut. Unglaubliche 6 Mikrofone, eine runde Hochleistungs-Antenne für optimalen Bluetooth-Empfang sowie die DIRAC-HD-Chips sind ebenfalls in jedem der Earbuds verbaut – ein Wunder der Mikrotechnologie, das nur sagenhafte 5,5 Gramm wiegt!

Das Carbon-Case ist staubdicht und bis 1 m Wassertiefe für 30 Min. wasserdicht. IP67 heisst das gemäss Index.Das Carbon-Case ist staubdicht und bis 1 m Wassertiefe für 30 Min. wasserdicht. IP67 heisst das gemäss Index.

Die Klipsch-Earbuds verfügen mit der aktuellen Bluetooth-5.0-Version inklusive aptX und AAC die bestmögliche Qualitäts-Connectivity, um in CD-ähnlicher Qualität Spotify, Deezer, Youtube, Apple Music, Qobuz und Co. übertragen zu können.

Gemäss Klipsch sind Hochleistungs-Akkus eingebaut, die den Earbuds T5 II bei mittlerer Lautstärke eine Laufzeit von 7 Stunden pro Ladung ermöglichen. Mit eingeschaltetem ANC verringert sich die Laufzeit um 2 auf 5 Stunden. Das Case erlaubt 3 zusätzliche Ladungen. So kommt man ohne Nachladen auf eine Total-Zeit von ca. 24 Stunden ohne ANC. Das Carbon-Case ist IP67-zertifiziert. IP67 bedeutet staubgeschützt und wasserdicht bis 1 m Tiefe und maximal für 30 Minuten, also ganz schön sportlich!

Klipsch bietet eine Steuerungs-App namens Klipsch Connect an. Die App hat einen Equalizer eingebaut, der folgende vordefinierten Klang-Modi anbietet: Podcast, Rock, Gesang, Höhe, Bass, flach und sogar einen benutzerdefinierten Frequenzgang lässt sich individuell einstellen. Mit dem 6-Band-Equalizer kann jede Voreinstellung um etwa 6 dB pro Band manuell verändert werden. Die Veränderung wird dann sofort als Kundenspezifisches Profil abgespeichert. Ich habe die Modi ausprobiert, sie sind absolut cool und einfach zu manipulieren.

Klipsch wirbt auch mit ANC – also mit dem aktiven «Umgebungsgeräusch-Unterdrückungssystem» oder eben Active Noise Cancelling. Das tönt erst mal etwas lapidar, aber ANC erhöht den Hörkomfort massgeblich. Beispielsweise kann man im Transparenz-Modus mit dem Umfeld kommunizieren, da das System die eigene Stimme verstärkt. So hört man auch seine eigene Stimme und wird deshalb nicht unnötig laut. Der User kann beim ANC auch den Grad der Abschirmung stufenlos einstellen. Auf maximaler Stufe ist man in seiner akustischen Welt ziemlich isoliert und kann so wirklich ungestört Musik oder Podcasts hören, ist aber für das Umfeld akustisch nicht mehr ansprechbar, was auch zu lustigen Situationen führen kann.

Screenshots der Klipsch Connect App.Screenshots der Klipsch Connect App.

Mit der App Klipsch Connect kann auch der DIRAC®-HD-Modus an- und ausgeschaltet werden. DIRAC® HD ist ein bekanntes, digitales Raumkorrektursystem, das einige Elektronikhersteller in ihren Verstärkern anbieten und das raumspezifische Korrekturen erlaubt. Klipsch ist hier Vorreiter und hat dieses Korrektursystem erstmals auch in Earbuds eingebaut. Standardmässig ist der DIRAC-HD-Modus aktualisiert. Ich wusste gar nicht, wie gut DIRAC HD ist, bis ich es ausgeschaltet habe. Das ist wie der Umstieg von Formel 1 auf eine Seifenkiste. OK, ich übertreibe nur ganz leicht. Oder wie von MP3 auf CD ... egal.

Damit der Gadgets noch nicht genug. Auch eine Gestensteuerung namens Bragi ist an Bord. Mit dieser künstlichen Intelligenz kann der Träger einkommende Anrufe mit einer Kopfbewegung entgegennehmen oder ablehnen. Ebenfalls kann der Track gewechselt werden und auch sonst gibt einige spannende Zusatzfunktionen. Mithilfe der App kann Bragi angelernt werden, was in der Regel gut funktioniert. Wie diese Gesten für Aussenstehende aussehen, lassen wir mal unkommentiert. Aber wer hatte nicht schon beide Hände voll und wäre um eine dritte Hand froh gewesen?

Perfekt angepasst sitzen die 5,5 Gramm leichten Earbuds!Perfekt angepasst sitzen die 5,5 Gramm leichten Earbuds!

In der Praxis

Ganz, ganz wichtig: Zuerst müssen die passenden Silikon-Aufsätze für die Besitzer-Hörgänge gefunden werden. Von XS bis XL sind alle Aufsatzgrössen dabei und auch ich fand ziemlich schnell die für mich passende Grösse. Hier lohnt es sich zu Beginn absolut, die nötige Zeit zu investieren, um die wirklich beste Passform zu eruieren. Kleiner Tipp: Da die Aufsätze oval sind, sollte man auch mit deren Ausrichtung experimentieren.

Klipsch hat den eigentlichen Earbuds-Treiber extra klein konstruiert, damit auch Personen mit kleinen Gehörgängen zusammen mit dem entsprechend kleinen Silikon-Aufsatz das perfekte Klangerlebnis haben. Wenn nämlich der Silikon-Aufsatz perfekt passt, sind die Earbuds auch im Ohr stabil und wackeln nicht rum. Ist die passende Grösse einmal gefunden, schiebt man am besten die Earbuds etwas tiefer ein als nötig. So verkeilen die Buds ganz leicht im Gehörgang und sitzen satt, ohne zu drücken. Es erinnert mich irgendwie an meine Silikon-Schwimmbrille: aufsetzen, leicht andrücken und los geht’s. Dass man hier mit den sechs Aufsätzen mehr Chancen auf Erfolg hat als bei einer Schwimmbrille, das kann ich Ihnen als Schwimmer bestätigen.

Die sehr leichte Bauweise mit einem Totalgewicht von nur 5,5 Gramm pro Earbud tragen zum Leichtigkeitsgefühl bei und längeres Tragen ist kein Problem. Die Earbuds paaren superschnell, was einem immer wieder auffällt. Das öfters nervige Warten auf die Blauzahn-Verbindung kann ja schon mal nerven, die Klipsch T5 II sind hier vorbildlich schnell.

Hörtest

Ich habe die Klipsch T5 II in vielen Situationen und mit allen möglichen Musikstilen ausprobiert und durfte mit den verschiedenen Gadgets wie dem Equalizer und DIRAC-HD spielen. Was soll ich sagen, die Dinger klingen einfach saugut und machen riesig Spass. Sogar Telefonieren macht auf diesem klanglichen Niveau mehr Freude. Die eigene Stimme klingt am Telefon fast besser, als sie wohl in der Realität klingt. Bei Musik zeigen die Earbuds die Qualität der Aufnahme deutlich, bleiben bei schlechten Aufnahmen aber gnädig.

Das Fundament des guten Klangs ist der Bass der Klipsch-T5-Earbuds: Er ist präzise, schnell und kann bei Bedarf zulangen, wird aber nie nervig. Elektro wie von Yello macht mit den Earbuds wirklich Spass, die Mitten sind klar und mit einem leichten Schuss Wärme. Die Höhen sind transparent mit einer guten Räumlichkeit. Mit dem Equalizer kann das Klangbild wunschgemäss nachgeschärft werden und die Earbuds spielen im besten Sinn mit! Die Klipsch T5 II spielen so gut und verzerrungsfrei, dass ich dauernd noch lauter hören wollte. Auf meinem iPhone kamen dauernd Lautstärkewarnungen (diese roten Gesundheits-Warnungen, Sie wissen schon ...), obwohl die Musik gefühlt noch im grünen Bereich ist. Also mehr Kompliment geht nicht.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die modernste Technologie im Klipsch T5 II ANC McLaren Edition voll da ist. Sind aber erst mal alle Parameter optimiert, rückt sie dezent in den Hintergrund! Dann geht es nur noch um den Spass am Musik, Video oder Podcast – und das in bester Qualität. Die Formel 1 lässt grüssen! 

Fazit

Die Firma Klipsch weiss einfach, wie es geht! Wer 75 Jahre erfolgreich im Audio-Geschäft ist, kann nicht so viel falsch gemacht haben. Mit den hier getesteten T5 II True Wireless ANC McLaren Edition bietet Klipsch brandheisse Earbuds an, die preislich in der oberen Mittelklasse angesiedelt sind, dafür aber alles an Bord haben, was technologisch möglich ist und soundmässig Spass macht. Ohne DIRAC HD wären sie wohl auf Augenhöhe ihrer Klasse, mit DIRAC HD schütteln sie ihre Mitbewerber in der 300–500-CHF-Preisklasse aber ganz locker ab. Wer übrigens noch mehr audiophilen Klang möchte, der muss dann mindestens noch einen Tausender drauflegen, definitiv!

Paul W. Klipsch hätte sicher seine Freude an diesem Teil. Ich hatte sie auf jeden Fall – oder wie die Amerikaner sagen würden: «Highly Recommended».

Steckbrief
Modell:
T5 II True Wireless ANC McLaren Edition
Profil:
True-Wireless-In-Ear Earbuds, durch das Case wasserabweisend und staubgeschützt, DIRAC-HD-Sound, KI Tool Bragi, mit Carbon Case und Lade-Pad
Pro:
- cooles McLaren-Design mit praktischem Lade-Case inklusive
- relativ lange Laufzeit ohne ANC
- DIRAC HD hebt diese Earbuds klanglich in eine eigene Kategorie
- kann dank Bragi KI mit Kopfbewegung gesteuert werden
- die Earbuds können mehrmals im geladenen Case geladen werden
- Das Case ist staub- und wasserdicht / Schutzklasse IP67 = 1 m für max. 30min
Contra:
- die Bedienungsanleitung könnte ausführlicher sein
- Earbuds Beschriftung L/R könnte besser lesbar sein
- ANC reduziert die Laufzeit doch beträchtlich
Preis:
459.00 CHF
Hersteller:
Klipsch
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
Novis Electronics AG
Gewicht:
5,5 Gramm pro Earbud kg
Farbe:
Schwarz, McLaren Papaya Orange
Bluetooth:
Ja
Noise Cancelling:
Ja
True Wireless:
Ja
Wireless:
Ja
Bauprinzip:
Kabelloser Earbuds Kopfhörer, 5mm dynamisch
Bluetooth Codecs:
Bluetooth 5.0 mit den Codecs: SBC, AAC und aptX
Frequenzgang:
10-19kHz ± 3dB
Ladezeit:
ca. 1.5 Stunden h
Sprachsteuerung:
Steuerung mit Kopfbewegung
Treibereinheit:
5,8 mm Dynamic Moving Coil Micro Speaker
Verwendungsdauer:
7 h + 3 x 7 h mit Case, total 28 h maximal ohne ANC h
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-klipsch-t5-ii-anc-earbuds-mit-gutem-klang-fest-im-ohr
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