Begeisterte Zuhörer an der Vorführung von Grimm AudioNeue Technologien ersetzen keine alten. Das trifft bei High End Audio wohl zu. Neue Technologien erschliessen jedoch neue Märkte, indem sie die veränderten Bedürfnisse einer neuen Generation von Musikliebhabern mit neuen Lösungen ansprechen. Dazu gehören der Umgang mit Musikdaten aus dem Internet und gespeicherte Musikdaten im Netzwerk genau so wie Anforderungen an eine intuitive Bedienung und die Integration in das moderne Ambiente.
Integration an Beispielen
Verstärker haben den DA-Wandler schon in sehr vielen Fällen eingebaut und lassen sich digital über relevante Schnittstellen ansteuern. Am Beispiel von Mola Mola und anderen lässt sich der DA-Wandler softwaremässig jederzeit auf den neusten Stand bringen. Dasselbe wird auch bereits bei integrierten Systemen angeboten, die den Lautsprecher beinhalten.
Ein weiterer Schritt ist die Integration des Streamings am Beispiel von Devialet. Die Geräte tun alles, von der Aufbereitung und Organisation der Musikdaten ab Internet oder NAS bis und mit der Verstärkung für alle denkbaren passiven Lautsprecher, oder bei anderen Konzepten ohne Leistungsverstärkung bei aktiven Lautsprechern.
Solche integrierte Lösungen sind zukunftssicher, einfach und raumsparend. Es werden viel weniger Kabel benötigt und die verbleibenden analogen Signalwege sind getreu traditioneller Erkentnisse so kurz wie nie. Für den Plattenspieler stehen in jedem Fall Eingänge zur Verfügung, denn es wird ihn wohl immer geben.
Ein Hersteller aus Holland bietet sogar eine Vorstufe an, bei dessen integrierter Phonostufe mehrere Tonabnehmer verschiedener Tonarme oder sogar mehrere Laufwerke angeschlossen und individuell perfekt angepasst werden können. - Dazu braucht man nur ein iPad oder Tablet.
Bewährtes neu erfunden
Die zahlreichen Vorführungen von Hornlautsprechern überzeugten mehrheitlich in Bezug auf Dynamik, Klangbühne und Live-Erlebnis, weniger aber bei den deutlichen Verfärbungen. Magico aus den USA präsentierte mit einem Referenzlautsprecher ebenfalls ein Hornsystem, obwohl man diesem Prinzip nie huldigte.
Silbatone zeigte einmal mehr, wie unglaublich berührend Kino-Hornlautsprecher von 1926 klingen. Da kam man ins Grübeln, nachdem die Hühnerhaut am Ende der Callas-Arie abgeklungen war. Ob man diese Systeme tatsächlich kaufen kann, blieb jedoch ein Geheimnis.
Wenn es kein Horn ist, dann kann es ein Breitbandsystem sein. Auch dafür gab es gute Beispiele aus der traditionellen Küche.
Die Plattenspieler drehten an allen Ecken in unzähligen Ausführungen, und die Röhrenverstärker versprühten ihren Charme allerorts, und sie spielten die Karte der schönen Optik geradezu schamlos aus.
Innovation dominierte
Dennoch stellte ich fest, dass innovative Konzepte mit wenig Gerät und hervorragendem Klang sehr viel Zulauf verzeichneten. Die Besucher interessierten sich sehr für neue Lösungen. Es beeindruckte, wenn da nur ein Paar Schallwandler waren und sonst praktisch nichts oder Komponenten, die bis hin zur Schallwandlung nur aus einem Gerät bestehen.
Man kann das allgemeine Interesse an hochwertiger Musikwiedergabe nicht an einer Fachmesse ergründen. Man kann aber feststellen, dass die Branche gute Rezepte für die Zukunft zu bieten hat, für musikbegeisterte Menschen, die das Besondere wollen.
Die Traditionalisten mögen wie immer meckern und vielleicht auch nicht mehr an die High End München gehen. Bei Lichte betrachtet liegen sie aber falsch.