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Silicon Valley in Worb

Merason, die Schweizer Hightech-DAC-Schmiede

Interview: Wie Daniel Frauchiger, Entwickler des Merason DAC1 und des Frérot DAC, durch sein Hobby zu zwei Firmen kam, was der Digital Mastermind über die DAC-Technologie denkt und was für ihn ein guter DAC ausmacht.

Von Silvan Karrer · 17. März 2021

Daniel Frauchiger bringt jahrelange Erfahrung in den Gebieten Akustik, Unterhaltungselektronik, Hausautomatisation, Projektmanagement und IT mit. Sein Rucksack ist für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit somit optimal gefüllt und eine grosse Portion Leidenschaft für die Highend-Audio-Sache geben ihm den nötigen Antrieb in der täglichen Herausforderung als selbstständiger Geschäftsführer.

Der DAC-Mastermind von Worb BE mit seinem neuesten Baby.Der DAC-Mastermind von Worb BE mit seinem neuesten Baby.

Die Firma dafraud GmbH, gegründet 2013, vertreibt «audiophile Produkte für qualitätsbewusste Musikliebhaber», so die Website merason.ch. «dafraud» ist ein Kunstname: Er ist eine Kombination des Vor- und Nachnamens Daniel Frauchiger, dem Gründer und Inhaber. Vertrieb und Produktion sind insofern getrennt, da die Produktion in der separat firmierenden Firma Niedal Audio Lab passiert. Niedal Audio Lab gehört, wie könnte es anders sein, auch Daniel Frauchiger.

Merason ist die dafraud-Hausmarke. Der DAC1 war das erste Produkt, das aus dem intensiven Audio-Hobby des Firmengründers entstand und nun seit 2015 auf dem Markt ist. Im letzten Jahr erblickte mit dem Frérot bereits das zweite Merason-Produkt die Audiowelt! Frérot heisst übrigens Brüderchen oder Bruderherz.

Der grosse DAC1 und sein kleines «Brüderchen».Der grosse DAC1 und sein kleines «Brüderchen».

Hier nun das Interview mit Daniel Frauchiger, geführt von Daniel Schmid und Silvan Karrer:

Daniel – wie kamst du dazu, Digital-Analog-Wandler (DAC) herzustellen?

Ich war von Anfang an ein Analog- bzw. Vinyl- und Tape-Fan. Nicht aus Überzeugung, sondern weil es besser geklungen hat. Mit den Nachteilen von Vinyl habe ich gelernt zu leben: mit dem Knistern, der Pflege etc. 2010 begann ich mich für das Thema Digital zu interessieren und habe mir bei einem Berner Händler ein Profigerät beschafft. Ich war aber mit der gebotenen Klangqualität unzufrieden und brachte es zurück zum Händler. Darauf bekam ich ein anderes, teureres US-amerikanisches Produkt, mit dem ich halbwegs zufrieden Musik hören konnte.

Gegenüber Vinyl hat den digitalen Geräten aber noch immer der Charme gefehlt. Ich hatte trotzdem den Eindruck, daraus etwas meinen Ansprüchen entsprechendes machen zu können. Auch die damals stolzen Preise für die DA-Wandler in der Grössenordnung von CHF 10'000 fand ich exorbitant. Ich hatte ja schon viel Zeit und Geld in mein analoges Setup investiert. Gleichwohl war ich mir über die Vorteile der Digitaltechnik im Klaren und begann im Internet zu recherchieren – und fand ein grosse «Digital-Wandler-Community» vor. Es gab Bausätze, Schemata, Empfehlungen und auch viel Unsinniges. Jedenfalls bestellte ich mir daraufhin drei Bausätze.

Zwei davon waren ganz o.k., der dritte Bausatz aus Hongkong begeisterte mich dann aber richtiggehend. Daraus lässt sich etwas gut klingendes machen, dachte ich mir und nahm mit dem Lieferanten Kontakt auf. Nach einigen Monaten des Verhandelns erklärte sich der Lieferant bereit, mit mir zusammen einen vollwertigen DAC auf die Beine zu stellen. Ich konnte meine Empfehlungen bezüglich Schaltung Layout und der verwendeten Bauteile in die Herstellung einfliessen lassen. Nach zwei Jahren war der DAC fertig und erblickte anschliessend als Merason DAC1 das Licht der Audiowelt.

Der Merason DAC1 mit weisser Front.Der Merason DAC1 mit weisser Front.

Wie wird man Hersteller im Audiobereich?

Auf Anraten des Berufsberaters studierte ich erst Elektrotechnik, was mir dann aber nicht gefiel und ich zum Wirtschaftswissenschafts-Studium mit Fachrichtung Informatik wechselte, was sich inzwischen als wertvoll erwies. Ich arbeitete dann in der Privatwirtschaft in einer Unternehmensberatung und konstruierte in meiner Freizeit Lautsprecher und eben dann später den DAC.

2013 gründete ich die dafraud GmbH, um den DAC1 zu verkaufen und suchte meinen Weg in die Selbstständigkeit. Vier Jahre später bekam ich von der Wirtschaftsförderung Bern einen Start-up-Kredit sowie ein Coaching, um meine Produktionsfirma Niedal Audio Lab zu gründen. Mein Ziel war und ist es, als OEM-Produzent andere Audiohersteller zu beliefern.

Das DAC-Modul des Frérot entstand aus dem «OEM Produkt» von Niedal Audio Lab, eigentlich ein Show-Produkt für das DAC-Modul von Niedal Audio Lab. Unsere Strategie ist es, mit dem Frérot DAC die Marke bekannt zu machen und andere Audio-Firmen als Abnehmer zu gewinnen. Das ist für uns der kürzeste Weg, um rentabel zu werden. Zudem macht es Freude, ein gutes und preiswertes Gerät für viele Musikliebhaber zu produzieren!

DAC1 und Frérot

Der Merason DAC1 ist ein anerkannt guter DAC und hat viele gute Testberichte einheimsen können. Wie viel vom DAC1 steckt im Frérot?

Kann man so einfach nicht sagen. Der DAC1 ist in allen Belangen über dem Frérot angesiedelt. Grössere Unterschiede sind in der Speisung, den Bauteilen und dem Gehäuse zu finden.

Der DAC1 mit durchgehend symmetrischem Aufbau und symmetrischer Signalführung.Der DAC1 mit durchgehend symmetrischem Aufbau und symmetrischer Signalführung.

Gibt zwischen dem DAC1 und dem Frérot auch Gemeinsamkeiten?

Ja, sehr wohl. Wir verwenden denselben DAC-Chip, den TDA1794A. Zudem ist der Signalweg konsequent symmetrisch angelegt. Das lag insofern nahe, da der Wandler-Chip einen symmetrischen Ausgang hat. Dazu ist bei beiden DACs der analoge Ausgangsteil diskret aufgebaut, obwohl es auch gute integrierte Schaltkreise am Markt gibt. Wichtig war für mich, auf sehr rauscharme Widerstände zu achten. Es sollten nicht die extrem teuren sein, aber solche, die sich optimal für den Einsatz in einem DAC eignen. Die Widerstände sind in beiden Modellen von gleicher Qualität.

In der Mitte der DAC-Chip Burr Brown PCM 1794.In der Mitte der DAC-Chip Burr Brown PCM 1794.

Wo kommt in einem DAC der gute Klang zu Stande?

Da gibt es viele Faktoren. Ähnlich wie bei einem Verstärker sind die klassischen Elemente wie Netzteil, Schaltungsdesign und Layout sowie die allgemeine Bauteilqualität – plus natürlich der verwendete DAC dafür verantwortlich. Geheimnisse gibt es eigentlich keine, es ist die Summe aller Elemente, die einen guten DAC ausmachen.

Ist ein niedriger digitaler Rauschfloor auch ein Thema?

Ja schon, aber wir haben eine 24-Bit-Auflösung und diese bestimmt das Quantisierungsrauschen des DAC. Wir nehmen das Signal wie es kommt und leiten es unverändert an den Wandler-Chip weiter. Ein Upsampling machen wir nicht. Mit dem Upsampling machten wir schlechte Erfahrungen. Alles auf eine Samplingrate hochrechnen, bringt aus unserer Sicht diverse Nachteile. Der TDA1794A im DAC1 und im Frérot ist ein Zwitter zwischen R2R und Oversampling. Dieser Chip ist nun schon circa zehn Jahre auf dem Markt, aber er erfüllt alle unsere Ansprüche an einen DA-Chip.

Viele Hersteller verwenden ältere DAC-Chips. Was macht die älteren Chips gegenüber den neuen DAC-Chips so interessant?

In einem modernen DA-Chip sind entgegen den älteren Wandlern meistens mehrere Wandler parallel geschaltet, was den Dynamik-Umfang erhöht. Wir machen in unserem DAC1 etwas Ähnliches. Er hat zwei TDA 1794A verbaut. Damit  können wir den Dynamik-Umfang ebenfalls um 5 dB erhöhen. Modernere DAC-Chips besitzen bis zu 16 parallel laufende Wandler. So wird der Dynamik-Umfang nochmals massiv gesteigert. Die Frage ist, was das effektiv noch bringen soll. Wir sind vom Burr-Brown-Wandler überzeugt, andere DAC-Chip-Hersteller wie Sabre und AKM haben aber ebenfalls interessante Produkte. Die Sabre-DACs messen sich in der Regel fantastisch.

Den Sabre-Chips wird eine hohe Auflösung, aber ein etwas artifizieller, technischer Klang nachgesagt. Die Wandler mit älteren DAC-Chips klingen tendenziell weicher, analoger, aber auch weniger detailliert. Würdest Du diese Aussage unterstützen?

Also unserem DAC1 wird von allen Kritikern und Testern ein hohes Auflösungsvermögen bescheinigt. Gerne stelle ich avguide.ch einen DAC1 zum Testen zur Verfügung.

Messen – kontrollieren – wieder messen: Schweizer Präzision eben.Messen – kontrollieren – wieder messen: Schweizer Präzision eben.

TDA1541: Dieser alte DAC-Chip hat eine riesige Fan-Gemeinde. Gewisse Hersteller horten diesen Kult-Chip – und die Preise explodieren!

Der TDA1541 ist ein R2R-DAC und kein Delta-Sigma-DAC. Der von Philips hergestellte TDA 1541 hat durchaus seinen Reiz, obwohl er noch mit 14 Bit läuft. Ich vergleiche das mit der ewigen Diskussion «Röhren- versus Transistor-Verstärker». Röhrenfans bescheinigen auch den Transistor-Verstärkern eine gewisse Härte, während die Transistor-Fans den Röhren eine gewisse Unsauberkeit oder Verfärbungen nachsagen. R2R ist eigentlich die natürlichere Konstruktionslösung, hat aber sicher auch seine Herausforderungen. Die Delta-Sigma-DACs sind dafür wirtschaftlicher. Der Delta-Sigma-DAC ist nicht ganz so exakt, aber der R2R löst dafür auch nicht so hoch auf. Ich finde den R2R eigentlich sympathischer! Übrigens, es gibt auch moderne R2R-Hersteller: AKM soll auch einen neuen R2R in der Pipeline haben.

Der Philips TDA1541: Ein DAC-Chip mit Kultstatus. Berechtigt?

Wie wichtig ist die Stromversorgung für die DAC-Klangqualität?

Dem Frérot liegt ein Steckernetzteil bei. Mit diesem Netzteil speisen wir die 9V-Spannung des Digital-Teils ein und erhöhen dann intern auf 12V für den diskreten Analog-Teil. Ein hochwertigeres, lineares Netzteil ist in der Konstruktionsphase. Dieses werden wir zu einem späteren Zeitpunkt anbieten. Damit wird die Speisung des digitalen und analogen Teils getrennt sein. Die Rückmeldungen von Frérot-Besitzern, die bereits mit Prototypen des linearen Netzteils experimentierten, sind vielversprechend.

Wir haben beim Frérot DAC den Lautstärkeregler etwas vermisst!

Lautstärkeregelung bei unseren DACs ist schon lange ein Thema, aber nach wie vor eine grosse Herausforderung. Wir haben bis jetzt noch keine klanglich zufriedenstellende, vernünftig herzustellende Lösung gefunden. Für eine digitale Lautstärkeregelung muss man upsampeln, um keine Qualitätsverluste zu haben. Und das möchte ich nicht. Analoge Lautstärkeregelungsvarianten sind natürlich mit einem Potentiometer zu machen, aber die perfekte Lösung wäre eigentlich eine Transformerregelung. Diese ist aber materialtechnisch extrem aufwendig und kostspielig.

Nahaufnahme des kleinen Merason, links der Eingangswahlschalter.Nahaufnahme des kleinen Merason, links der Eingangswahlschalter.

Entwicklung und Produktion

Wird der Frérot DAC vollumfänglich in der Schweiz hergestellt?

Ja, wir produzieren ausschliesslich in Worb im Kanton Bern und bestücken sogar die Prints selber. Dieser zu Beginn herausfordernde Schritt – operationell wie finanziell – hat sich gelohnt und ich habe ihn nicht bereut.

Frisch aus dem Worber Ofen sozusagen.Frisch aus dem Worber Ofen sozusagen.

In der Regel gehen die Hersteller ja den umgekehrten Weg. Design im Westen, Produktion im Osten.

Das gängige Modell funktioniert in der Theorie schon, hat aber ganz andere Herausforderungen. Die Distanz und die kulturellen Unterschiede sind nur einige der Probleme. Dazu kommt, dass diese OEM-Hersteller grosse Stückzahlen wollen. Die Produktion sollte man vor Ort überwachen, um die Qualität sicherzustellen. Die Beherrschung dieser Herausforderungen schaffen nur grosse Firmen wirklich erfolgreich.

Wir setzen aber auch ganz explizit auf den Swiss-Made-Faktor. Entwicklung und Produktion in der Schweiz – also «Made in Switzerland» – wird auch im Ausland geschätzt.

Die aktuelle Krise hat dem Schweizer Audio- und Video-Fachhandel generell gute Umsätze gebracht.

Ich teile diese Einschätzung. Wir spüren das stark und produzieren inzwischen praktisch nonstop! Wir haben also keinen Grund zu Jammern!

Gibt es Pläne für andere Merason-Produktegattungen?

Dazu kann ich im Moment nichts sagen, ich habe aber schon noch so einige Ideen. In zwei bis drei Jahren könnten wir etwas Neues präsentieren. In den Bereich Streaming gehen wir wohl nicht, da ist der Entwicklungsaufwand zu gross. Wir würden höchstens mit einem Hersteller kooperieren.

Daniel Frauchiger, vielen Dank für das spannende Interview! Weiterhin viel Erfolg!

Onlinefassung: https://www.avguide.ch/magazin/merason-die-schweizer-hightech-dac-schmiede-silicon-valley-in-worb
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