avguide.ch Druckansicht · 15.10.2026

Verstärker für die Ewigkeit

Test Vollverstärker Marantz Model 10

Mit Model 10 knüpft Marantz an eine Ahnenreihe legendärer Verstärker an. Model 10 ist zeitlos schön, punktet mit toller Haptik und erhabenem Klang. Wir hörten ihn im Zusammenspiel mit Marantz SACD 10 und 801 D4 Signature von Bowers & Wilkins.

Von Martin Freund · 23. Dezember 2024
Marantz Model 10.Marantz Model 10.

Model 10 lehnt sich ideell ganz klar an die «Marantz Heritage» an. Dafür steht beispielsweise das ikonische «Bullauge», welches bereits den legendären Röhren-Mono-Endverstärker Model 9 schmückte. Damals diente es in Form eines VU-Meters zur Einstellung der Röhrenvorspannung; heutzutage kommt ein hochauflösendes OLED-Display zum Einsatz, welches wahlweise die Lautstärke und den gewählten Eingang anzeigt oder – besonders hübsch – analoge Pegelmeter kanalgetrennt simuliert. Aber auch weitergehende Einstellungen wie Balance oder etwa Klangregelung lassen sich darüber (unter Zuhilfenahme der Fernbedienung) vornehmen.

Zum neuen Marantz-Corporate-Design gehört die abgesetzte, massive Aluminium-Frontplatte, die dezent hintergrundbeleuchtet ist und so vor allem nachts für einen charmanten, dezenten Lichteffekt sorgt. Doch damit nicht genug: Der Innenaufbau von Model 10 ist dermassen schön, dass es sich die Entwickler nicht verkneifen konnten, dem Besitzer einen Einblick zu vergönnen: Ein grosser Bereich der Geräteoberfläche ist mit einem schmucken Metallgitter transparent gehalten, was neben einer willkommenen Wärmeabfuhr auch noch die Einsicht in den mustergültigen Aufbau des Geräts erlaubt.

Klassisches Erscheinungsbild. Das Layout der Frontplatte kommt mit wenigen Bedienelementen aus. Charakteristisch ist das ikonische «Bullauge», hinter dem sich ein hochauflösendes OLED-Display verbirgt.Klassisches Erscheinungsbild. Das Layout der Frontplatte kommt mit wenigen Bedienelementen aus. Charakteristisch ist das ikonische «Bullauge», hinter dem sich ein hochauflösendes OLED-Display verbirgt.

Die Gerätefront des Model 10 ist bemerkenswert übersichtlich gehalten. Lediglich zwei Drehsteller plus die Ein/Aus-Taste: puristischer geht es kaum. Der Eingangswahlschalter und der Lautstärkeregler (beide per CNC aus massivem Aluminium gedreht) sind sowohl haptisch wie technologisch extrem hochwertig ausgelegt. Der Verzicht auf weitere manuelle Bedienelemente bedeutet, dass der sich der Nutzer für komplexere Einstellungen auf die Fernbedienung verlassen muss. Marantz setzt hierbei auf eine wertige Vollmetallversion mit beleuchteten Tasten. Sie steuert gleichzeitig auch SACD 10 und Link 10 und stellt den Nutzer – wie immer nach kurzer Eingewöhnungszeit, angesichts der vielen Funktionen und Tasten – vor keinerlei nennenswerte Problem.

Via «Setup»-Taste gelangt man ins Menü, worin man vielfältige Einstellungen vornehmen kann. So etwa auch die Konfiguration des Phono-Eingangs für MM- oder MC-Tonabnehmer. Für Letztere lassen sich drei Impedanzstufen (33, 100 bzw. 390 Ohm) auswählen, so dass verschiedenste Tonzellen optimale Arbeitsbedingungen vorfinden.

Sogar Klangregler für Bässe und Höhen finden sich. Solche machen selbst bei einem High-End-Verstärker durchaus Sinn: Man kann damit beim Leisehören eine «Loudness»-Wiedergabeentzerrung einstellen und den Sound auch unter Zimmerlautstärke gehaltvoll erklingen lassen. Per Fernbedienung bzw. Druck auf die «Direct»-Taste werden die Klangregler umschifft, und das Musiksignal nimmt generell den kürzesten und unverfälschten Weg durch die Schaltung. Tatsächlich klingt Model 10 so noch deutlich transparenter, selbst wenn die Klangsteller auf Neutral stehen.

Ein transparentes Gitter in der Geräteoberfläche gewährt einen beleuchteten Einblick in die grossflächig verkupferte Endstufensektion sowie in die Vorverstärkerabteilung.Ein transparentes Gitter in der Geräteoberfläche gewährt einen beleuchteten Einblick in die grossflächig verkupferte Endstufensektion sowie in die Vorverstärkerabteilung.

Nicht zuletzt kann man im Menü auch noch die Stärke und Art der diversen Beleuchtungen am und im Gerät bestimmen. Als echten Hingucker verfügt Model 10 nämlich über eine semitransparente Deckenplatte (in Form eines hochwertigen Alugitters), die den Einblick in den prächtigen Innenaufbau gewährt: Ins Auge fallen so etwa die grosszügig verkupferte, massive Abschirmung des Ringkerntrafos samt Kühlkörpern. Dass der Einblick darin illuminiert wird, mag extravagant anmuten, sorgt jedoch nachts zusammen mit der seitlich hintergrundbeleuchteten Frontplatte und dem Bullauge für einen dezenten Beleuchtungseffekt, der nicht nur in der Weihnachtszeit für ein behagliches Ambiente beim Musikhören sorgt. Wer das nicht mag, kann es wie gesagt per Menü dimmen oder ganz abschalten.

Konstruktive Highlights

High-End wie im Bilderbuch: Der Aufbau von Model 10 ist eine Augenweide: Bei geöffnetem Gerät wird der immense konstruktive Aufwand deutlich.High-End wie im Bilderbuch: Der Aufbau von Model 10 ist eine Augenweide: Bei geöffnetem Gerät wird der immense konstruktive Aufwand deutlich.

Model 10 ist fast eine vollständige Neukonstruktion. Über 85 Prozent der Zutaten sollen gegenüber dem Vorgängermodell (PM-10 SE) neu sein. Die Herausforderung für die Ingenieure war es, für jede Verstärkerstufe eigene, separierte Abteile zu schaffen. Herausgekommen ist eine wohl einzigartige Architektur, die von links zu rechts, vorne und hinten sowie oben und unten komplett durchkomponiert ist. Die massiven Aluminiumseitenteile sind fast 16 mm dick und resonanzarm strukturiert. Auch die Seitenpaneelen sind innen vollständig mit Kupfer abgeschirmt, die Bodenplatte erhielt sogar eine dreilagige Kupferschicht, um die Elektronik von allfälligen äusseren Störfeldern zu isolieren.

Was vielleicht auf Anhieb als konstruktives L'art pour l‘art anmutet, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Mittel zum Zweck optimaler, von potenziellen Störungen unbeeinträchtigter Signalverarbeitung. Das Ziel war eine bisher unerreichte Verzerrungsfreizeit sowie ein grösstmöglicher Dynamikumfang. Das macht im digitalen Zeitalter durchaus Sinn, zumal D/A-Wandler der Topklasse theoretisch Signal-Rauschabstände von über 120 dB realisieren können. Marantz Model 10 spezifiziert seinerseits 122 dB und ist damit auch fürs kommende 32-Bit-Musikzeitalter bestens gerüstet.

Bevorzugt symmetrisch: Da Model 10 komplett symmetrisch arbeitet, sollte man die Zuspieler, wenn möglich, per XLR-Kabel anschliessen.Bevorzugt symmetrisch: Da Model 10 komplett symmetrisch arbeitet, sollte man die Zuspieler, wenn möglich, per XLR-Kabel anschliessen.

Der Verstärker ist komplett symmetrisch, kanalgetrennt komponiert – und dies von den Eingängen bis hin zu den Ausgängen. Natürlich finden sich auch Cinch-Eingänge, die jedoch zunächst symmetriert werden. Die Vorstufensektion ist diskret mit einer Unzahl an HDAM-Modulen neuester Machart aufgebaut. Diese Marantz-eigene Schaltungsspezialität erlaubt eine optimale Signalaufbereitung ohne den Einsatz von Operationsverstärkern. «Hyper Dynamic Amplifier Module» finden sich sogar in der Phono-Sektion und beim dedizierten Kopfhörerverstärker. Beide sind äusserst aufwändig, komplett diskret aufgebaut. In Hinblick auf optimale Rauschabstände ist die Lautstärke-Steuerung in einer «Variable Gain»-Topologie gehalten. Dadurch wird verhindert, dass bei allzu niedrigen Signalpegeln der Rauschanteil steigt. Selbstredend verfügt die Vorstufensektion über eine eigene Stromversorgung in Form kanalgetrennter Linearnetzteile.

Das Phono-Bord (links im Bild) ist ebenfalls vollständig diskret aufgebaut und kann sowohl MM-Tonabnehmer wie leise MC-Tonzellen (in verschiedenen Impedanzen) aufbereiten.Das Phono-Bord (links im Bild) ist ebenfalls vollständig diskret aufgebaut und kann sowohl MM-Tonabnehmer wie leise MC-Tonzellen (in verschiedenen Impedanzen) aufbereiten.

Genauso hoch ist der Aufwand bei der Endstufensektion. Für Model 10 wurden eigens neue Class-D-Verstärker in Zusammenarbeit mit dem renommierten Spezialisten Purifi entwickelt. Es kommen keine zugekauften Fertigmodule zum Einsatz, die Class-D-Endverstärker werden von Marantz nach den höchsten Qualitätsstandards selber in der eigenen Fabrik in Japan gefertigt.

Gegenüber dem Vorgängermodell PM-10 konnten die Verzerrungen bei Model 10 nochmals entscheidend reduziert, gleichzeitig die Leistung auf bis zu 500 Watt pro Kanal angehoben worden. Aufhorchen lassen die technischen Daten: Ein frequenzunabhängiger Dämpfungsfaktor von 500 (an 8 Ohm) bedeutet, dass dieser Class-D-Verstärker gegenüber Impedanzschwankungen von Lautsprechern völlig unbeeindruckt bleibt. Auch den ansonsten typischen Höhenabfall bei niedriger Hochtonimpedanz kennt er offenbar nicht. 

Die Class-D-Endstufen wurden in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Purifi entwickelt. Sie werden in Eigenregie von Marantz gefertigt.Die Class-D-Endstufen wurden in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Purifi entwickelt. Sie werden in Eigenregie von Marantz gefertigt.

Obwohl Class D sehr stromeffizient arbeitet, betrieb Marantz sehr viel Aufwand bei dem kanalgetrennten Netzteil für die Endverstärker. Bis zu 30 A Spitzenstrom soll die Schaltung liefern und somit selbst extreme Leistungsanforderungen bei Impulsspitzen klaglos liefern. Über 33 kg Gewicht bringt Model 10 auf die Waage. Das erscheint einerseits viel und ist zweifellos dem immensen Konstruktionsaufwand geschuldet. Für einen 2-x-500-Watt-Verstärker liegt das «Lebendgewicht» durchaus noch im Rahmen. Wer noch mehr will, kann zwei oder noch mehr Model 10 zwecks Bi-Amping oder für die Mehrkanalwiedergabe zusammenspannen. Dafür hat Marantz spezielle Link-Verbindungen vorgesehen. Ebenso lassen sich Vor- und Endverstärker bei Model 10 auftrennen, etwa um diesen in ein Heimkinosystem zu integrieren oder um Aktivlautsprecher anzusteuern.

Hörtest im Zusammenspiel mit SACD 10 und 801 D4 Signature

Edler Verstärker und Top-SACD-Player im Zusammenspiel mit ebenso edlen Lautsprechern: Marantz Model 10 & SACD 10 und 801 D4 Signature von Bowers & Wilkins.Edler Verstärker und Top-SACD-Player im Zusammenspiel mit ebenso edlen Lautsprechern: Marantz Model 10 & SACD 10 und 801 D4 Signature von Bowers & Wilkins.

Um ein solches Prachtexemplar von Verstärker auch nur ansatzweise beurteilen zu können, benötigt man adäquate Spielpartner. Als Quelle hatten wir denn auch den ebenfalls brandneuen Edelplayer SACD 10 von Marantz zur Verfügung. Dieser ist nach den gleichen, extrem hohen Standards konzipiert wie Model 10 und arbeitet mit einem neuen, eigens von Marantz entwickelten CD/SACD-Laufwerk. Der integrierte DAC ist derselbe wie im exklusiven Streamer Link 10. Er akzeptiert via Toslink (optisch/koaxial) auch externe Quellen mit einer Datenrate/Auflösung von bis zu 24-Bit/192-kHz und fungiert auf Wunsch als USB-DAC. Hier werden dann (laut Herstellerangaben) sogar 32-Bit und 384 kHz unterstützt sowie DSD256.

Überhaupt gibt der SACD 10 nicht nur CDs oder SACDs in superber Qualität wieder; via USB-Anschluss kann man auch HiRes-Musikfiles direkt ab einem USB-Datenträger wiedergeben. Die Titelsuche geschieht in diesem Fall über die Fernbedienung und via Display. So kann man recht schnell durch eine (überschaubare) Titelauswahl scrollen oder auch ein ganzes Album zur Wiedergabe anklicken. Für wirklich grosse Musiksammlungen auf USB-Datenträgern ist diese Art der Navigation dann doch zu umständlich. Aber für eine kleinere Auswahl funktioniert das nach kurzer Eingewöhnung recht gut. Der grosse Vorteil des USB-Anschlusses: Man kann darüber auch DSD-Files wiedergeben. Der DAC im SACD 10 setzt nämlich ganz auf dieses Format und rechnet FLAC- oder PCM-/WAV-Dateien erst auf DSD um, bevor sie wieder in analoge Musiksignale umgewandelt werden.

Ultimativer Disc-Player: Der SACD 10 von Marantz gibt sowohl CDs wie SACDs in Referenzqualität wieder und dekodiert auch HiRes-Files ab USB-Datenträger.Ultimativer Disc-Player: Der SACD 10 von Marantz gibt sowohl CDs wie SACDs in Referenzqualität wieder und dekodiert auch HiRes-Files ab USB-Datenträger.

Wir machten die Probe aufs Exempel und hörten DSD-Downloads (im Format DSD128) vom skandinavischen Label 2L im Vergleich zu gestreamten 24-Bit-Version ab Qobuz (via Roon und Link 10) und durften der direkten DSD-Wiedergabe ab USB-Stick über den SACD 10 eine deutlich überlegene Feinzeichnung und bessere räumliche Transparenz konstatieren. Zum Testzeitpunkt war die Wiedergabe ab USB-Stick beim SACD 10 noch auf das Format DSD128 begrenzt. Bleibt zu hoffen, dass Marantz dies per Update auf DSD256 und DXD erweitert. Dann gewinnt man mit dem SACD 10 die Möglichkeit, Aufnahmen in Original-Referenzqualität wiederzugeben – und damit deutlich besser als via Streaming.

Punkto Disc-Wiedergabe ist der SACD 10 bereits jetzt das Mass aller Dinge. Schon der CD50n von Marantz hatte es vorgemacht: Die Compact Disc hat noch lange nicht ausgedient! Was der bezahlbare CD-Spieler aus den Silberscheiben zaubert, ist absolut beeindruckend. Und der SACD 10 setzt hier noch einiges drauf. Jedenfalls war es ein absolutes Vergnügen, Perlen aus der SACD-Sammlung des Autors (die schon lange nicht mehr im Einsatz waren) hervorzukramen und über diese Topanlage zu geniessen.

Als Abhörlautsprecher kam ein Paar 801 D4 von Bowers & Wilkins zum Einsatz, und zwar in der edlen Signature-Version. Diese unterscheidet sich von der Normalversion nicht nur durch ihr exquisites Gewand (wahlweise in Midnight Blue Metallic oder in California Burl Gloss-Holzfurnier). Die enorme Transparenz und Dynamik der «Standard»-801 D4 konnte durch ein Upgrade beim mechanischen Aufbau, bei der Frequenzweiche sowie der Konstruktion der Tieftöner hörbar gesteigert werden.

Noch mehr als bei der normalen 801 D4 verblüfft die Offenheit und direkte Ansprache in den Mitten, welche der famosen Continuum-Membran mit sickenloser Aufhängung und der biomimetischer Zentrierspinne zu verdanken ist. Diese tragen wesentlich zur unverfälschten, unglaublich präzisen Mittenwiedergabe dieses Schallwandlers bei. Auch im Hochtonbereich punktet die Signature mit einer nochmals gesteigerten Durchhörbarkeit, dies vor allem dank einer verbesserten Frequenzweiche und einem neu gestalteten, akustisch durchlässigeren Schutzgitter.

Das wohl deutlichste Upgrade findet sich im Bass: Die beiden 25-cm-Tieftöner verfügen über eine komplett neue Magnetkonstruktion, welche Verzerrungen vermindert und die Induktivität der Schwingspulen reduziert. Dies soll sich in einer noch vitaleren und dabei sauberen Tieftonwiedergabe auszahlen.

Klingende Schönheit: Die 801 D4 in der Signature-Version von Bowers & Wilkins ist dem Model 10 und SACD 10 von Marantz punkto Klangqualität ebenbürtig.Klingende Schönheit: Die 801 D4 in der Signature-Version von Bowers & Wilkins ist dem Model 10 und SACD 10 von Marantz punkto Klangqualität ebenbürtig.

Und tatsächlich: Was der Marantz Model 10 hierbei aus diesen Ausnahme-Schallwandlern herausholte, war absolut referenzverdächtig. Druck bis in tiefste Lagen, gepaart mit einer mühelosen Konturiertheit der Wiedergabe; so kann man tieftonreiche Musik körperhaft sinnlich geniessen. Das Duo 801 D4 Signature & Model 10 kann ohne mit der Wimper zu zucken gewalttätige Pegel in den Hörraum pumpen. Noch viel mehr beeindruckt jedoch, dass diese Kombi bei zivilen Pegeln genauso livehaftig und druckvoll agiert.

Nach kurzem Aha-Erlebnis ob der schier endlosen Dynamik entdeckt der Musikliebhaber, dass 801 D4 Signature ein absolutes Gespür für die richtige Lautstärke besitzt. Und diese muss gar nicht so hoch sein, um ein sinnliches Musikerleben zu garantieren. Model 10 sorgt schon bei wohnraumgerechtem Hören für ein Fest der Sinne, ohne die Nachbarschaft über Gebühr in die Hörsession mit einzubeziehen. Diese Kombination ist ganz klar der Schönheit des Klangs verpflichtet. So beeindruckt die sonore Wiedergabe von Männerstimmen mit schönem Volumen. Frauenstimmen kommen dynamisch und eindringlich, jedoch ohne übertriebene Schärfe. 

Vokalmusik jedweder Couleur ist ganz klar eine grosse Stärke dieser Kombination. Dazu passt die wohltemperierte Höhenwiedergabe ohne übertriebene Analytik. Die 801 D4 Signature klingt, von Model 10 angetrieben, niemals aufdringlich oder übertrieben hell; hingegen ausgesprochen filigran und feinsinnig, fast wie man es vom Zusammenspiel mit einem sehr guten Röhrenverstärker her kennt. Das Duo kreiert etwa bei barocker, von Originalinstrumenten intonierter Musik eine wunderbare Aura mit authentischen Klangfarben. Streicher erklingen straff, bestens umrissen, dennoch süffig und mit viel Schmelz.

Referenzaufnahme: Buxtehudes «Membra Jesu Nostri» ist als SACD leider längst vergriffen. Als HiRes-Aufnahme jedoch nach wie vor verfügbar.Referenzaufnahme: Buxtehudes «Membra Jesu Nostri» ist als SACD leider längst vergriffen. Als HiRes-Aufnahme jedoch nach wie vor verfügbar.

Die räumliche Transparenz der Musikwiedergabe durch diese Kombination ist superb: Die Akustik einer Konzerthalle oder eines Aufnahmestudios wird bis in die Tiefe hinein ausgeleuchtet. Ein Live-Eindruck stellt sich so mühelos von alleine ein. Vordergründige Effekte sind dieser Kombi dabei fremd. Dennoch werden Einzelinstrumente oder -stimmen plastisch ins Rampenlicht gerückt. Man fühlt sich als Zuhörer dem musikalischen Geschehen sehr nahe und kann emotional daran teilnehmen. Auch ein Konzertflügel (Lang Langs «Mozart Album») wird authentisch und richtig grossartig in Szene gesetzt. Das besitzt Kraft, Spielfreude und Autorität. Superb! 

Schliesslich musste die Kombination von Bowers & Wilkins 801 D4 Signature, Marantz Model 10 & SACD 10 noch den Nachweis erbringen, dass High-End-Audio der Topklasse auch bei Musikgenres wie hartem Soul-Rock bzw. akustischem Folk-Blues absolut seine Existenzberechtigung hat. So erklingt etwa Betty Lavettes umwerfendes neues Soul-/Bluesrock-Album «LaVette!» (erhältlich als CD, Vinyl, Download) mit einem Ausmass an Drive und Spielfreude, das mühelos unter die Haut geht und jegliche Distanz zum Zuhörer fast magisch überbrückt.

Rockiger Soul vom Feinsten: Betty Lavettes neues, gleichnamiges Album.Rockiger Soul vom Feinsten: Betty Lavettes neues, gleichnamiges Album.

Ebenso emotional, aber mit feinsten Obertönen ertönt das neue Album «Wide Open Light» von Ben Harper, (wahlweise erhältlich als CD, Vinyl, Download) auf dem der Künstler anstelle harter Rockgitarrenriffs für einmal Blues- und Folk-Melodien traditioneller US-Südstaaten-Machart zum Besten gibt. Beide Alben werden von Model 10 und 801 D4 Signature farbenfroh mit wohlklingendem Bouquet und dennoch bestens definiert zum Besten gegeben – ein Musikerlebnis, das fast schon süchtig macht. Fazit: Pop und Rock beherrscht der Marantz aus dem Effeff.

Zu guter Letzt durfte Model 10 von Marantz (zumindest ansatzweise) auch noch zeigen, was sein Phono-Eingang draufhat. Wir hatten einen Plattenspieler TT-15S1 von Marantz zur Verfügung, der mit einer Phono-MM-Tonzelle (Clearaudio Virtuoso Ebony) bestückt war. Bereits mit diesem bezahlbaren Plattendreher (Preis: CHF 2400 inklusive Tonabnehmer) generiert Model 10 eine beeindruckende Dynamik mit anspringendem, vitalem Klang und tollen Klangfarben. Klare Erkenntnis hier: Vinyl lebt! Dabei darf man von Model 10 im Zusammenspiel mit teureren Moving-Coil-Tonabnehmer noch deutlich mehr erwarten (zumal der Phono-Eingang von Model 10 an sämtliche Varianten optimal anpassbar ist); aber die Schallplatten-Wiedergabe ab TT-15S1 bereitete schon sehr viel Freude.

Herrliche Dynamik auch ab Vinyl: Model 10 von Marantz verfügt über einen hervorragenden Phono-Eingang. Wir hörten ausgewählte Aufnahmen ab einem TT-15S1 von Marantz.Herrliche Dynamik auch ab Vinyl: Model 10 von Marantz verfügt über einen hervorragenden Phono-Eingang. Wir hörten ausgewählte Aufnahmen ab einem TT-15S1 von Marantz.

Fazit

Natürlich möchten wir einen Vollverstärker dieser exklusiven Preisklasse auch nach unserem mehrstündigen Hörtest nicht abschliessend beurteilen. Was Model 10 von Marantz jedoch im Zusammenspiel mit den derzeit besten Lautsprechern von Bowers & Wilkins zum Besten gibt, macht schon mal klar, dass er zur absoluten Topklasse unter den aktuellen High-End-Vollverstärkern zählt. Verarbeitung, Ausstattung und Wiedergabegüte liegen auf einem gleichermassen exzellenten Niveau.

Der Verzicht auf ein Digitalboard mag den einen oder anderen Musikliebhaber schmerzen; mit seinem puristischen Konzept, welches sich ganz auf die analoge Ebene konzentriert, dürfte Model 10 aber selbst in zehn, zwanzig oder gar dreissig Jahren noch beeindrucken. Zumal auch ein äusserst hochwertiger und vielseitiger Phono-Eingang mit an Bord ist. Und wetten, dass Vinyl in einigen Jahrzehnten noch genauso aktuell sein wird? Wer weiss hingegen schon, wie die digitale Musikwiedergabe dann aussehen wird? Modell 10 von Marantz hat eindeutig das Zeug zum zukünftigen Klassiker.

Steckbrief
Modell:
Model 10
Profil:
Kompromisslos aufgebauter Vollverstärker der absoluten Topklasse in Doppel-Mono-Konstruktion und einem extremen Materialaufwand, der ganz im Dienste des guten Klangs steht. Model 10 verzichtet auf ein Digital-/Streaming-Board, verfügt hingegen über einen State-of-the-Art-Phono-Eingang für MM- oder MC-Tonabnehmer. Ein Verstärker, gebaut für die Ewigkeit, der das Zeug zur Legende hat.
Pro:
Klangqualität auf Referenzniveau.
Exorbitantes Konstruktionsniveau.
Tolle Haptik und edles Design.
Treibt jeden Lautsprecher.
Stromeffiziente Class-D-Verstärker.
Sehr komplette Ausstattung.
Contra:
Hoher Preis
Preis:
13,500.00 CHF
Hersteller:
Marantz
Jahrgang:
2024
Vertrieb:
B&W Group (Schweiz) GmbH
Masse:
440 × 192 × 473 mm
Gewicht:
33,7 kg
Farbe:
Schwarz, Champagner
Airplay:
Nein
Bluetooth:
Nein
Chromcast:
Nein
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Nein
Analog Input:
Phono MM/MC, 3 x Line, 2 x XLR,
Analog Output:
Recorder, Pre-Out Cinch/XLR
Maximale Leistung:
2 x 500 Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm:
2 x 250 Watt
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-vollverstaerker-marantz-model-10-verstaerker-fuer-die-ewigkeit
© 1999–2026 avguide.ch GmbH · Alle Rechte vorbehalten