Die A2 gibt's in drei klassischen Holzfurnieren.Spencer und Dorothy Hughes gründeten Spendor in den späten 1960er Jahren. Er brachte die Erfahrung aus dem Engineering von BBC ein und seither werden in Sussex Lautsprecher entwickelt und produziert. Und nur dort. Sie machen alles selbst: Die wichtigen Bass/Mittelton-Treiber, Gehäuse, Frequenzweichen.
Heute sind es drei Linien: A-Line, D-Line und Classic. Wirft man einen Blick in «Classic», dann fällt der kleinste Classic 3/5 auf, die moderne Ausführung des legendären LS3/5A-Monitor der BBC, in den 60ern für die mobilen Aufnahmestudios entwickelt und eine der Legenden, von denen man heute noch spricht.
Die A-Line besteht aus vier Modellen. Die A2 ist der kleinste Standlautsprecher. Mit 75 cm Höhe (ohne Spikes) wirkt sie zierlich und perfekt proportioniert. Man kann sie leicht übersehen. Das Gehäuse ist völlig schnörkellos und wunderschön verarbeitet.
1890 CHF pro Paar sind nicht viel für diese Anfassqualität und doch tummeln sich sehr viele Hersteller in diesem Preissegment. Gerade auch solche, die sich gegenseitig mit optischem Glanz & Gloria übertrumpfen. Die A2 gibt's demgegenüber in drei klassischen Holzfurnieren: schwarze Esche, Nussbaum und natürlich Eiche. Also nix mit dem beliebten Hochglanz-Autolack.
Die inneren Werte
Ein 150-mm-Tief-Mitteltöner mit Polypropylen-Membrane und feststehendem «Phase-Plug» und ein Höchtöner mit geschützter Gewebe-Kalotte von 22 mm Durchmesser.Das Zweiwege-System mit Bassreflex-Port gegen hinten ist trotz des kleinen Gehäusevolumens auf eine untere Grenzfrequenz von 36 Hz (!) abgestimmt. Sie sind nach «Broadcast Reference Standard» gepaart und kalibriert. Man kann also davon ausgehen, dass die 36 Hz bei -3dB liegen, und das ist eine echte Leistung.
Die Nominal-Impedanz liegt bei 8 Ohm und die Minimalimpedanz bei hohen 6.2 Ohm. Damit sind die A2 eine unproblematische Last für die Verstärker und trotz einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 85 dB vermutlich auch röhrentauglich. Spendor gibt die geeignete Verstärkerleistung mit 30 bis 150 Watt an.
Die dicke Bodenplatte besteht aus MDF. Die runden Metallscheiben haben exzentrische Aufnahmen für die Spikes, die dadurch unterschiedlich positioniert werden können. Perfekter Stand!Laut Hersteller soll die Aufstellung im Raum kein Problem sein. Die Nähe zu Wänden sei unproblematisch. Der Hersteller legt Wert darauf, ganz grundsätzlich Lautsprecher zu bauen, die an jeder Anlage funktionieren und klingen.
Herausragend ist die Konstruktion der Spike-Halterungen, wie im Bild ersichtlich. Damit erreicht man eine sehr gute Standfestigkeit, gemessen an der Schmalheit des Gehäuses.
Soundcheck
Die konventionelle, aber hochwertig verarbeitete Bestückung auf der Rückseite.Ich hörte die Spendor A2 mit dem «Cyrus-One-Vollverstärker (890 CHF)» und mit dem Lavardin IS-X Réference (ca. 4500 CHF). Obwohl der Testbericht des Cyrus One erst Mitte November publiziert wird, war er bereits in der Mache, als ich mit den Spendors begann. Die Kombination ist besonders interessant, weil man damit bei unter 3000 CHF für Verstärker und Lautsprecher landet. Der Lavardin entspricht dem preislich oberen Limit eines Vollverstärkers, den man mit einer Spendor A2 paaren würde.
Hörerlebnis
Mit dem Cyrus One ergab sich eine verblüffend gute Kombination. Der Amp hatte ein leichtes Spiel mit den A2. Die Kombination spielte richtig laut, verzerrungsfrei, und das in einem akustisch gut bedämpften Raum vom 60 m2. Die Lautsprecher standen frei, leicht angewinkelt und in einem gleichseitigen Dreieck von 3 Metern zum Hörplatz.
Aufgrund der geringen Höhe der A2 lag die Hochton-Achse deutlich tiefer als die Achse meiner Ohren, ausgehend von einem typischen Sessel. Das hatte keinen Einfluss auf die Höhe der Klangbühne. Ich befand mich also auf Ebene mit den Akteuren und glaubte nicht etwa, auf sie herabzuschauen. Die Klangbühne war überzeugend gross und geräumig. Sie unterschied sich nicht von wesentlich grösseren Lautsprechern im Hörraum.
Die Platzierung der Musiker war präzise. Sie waren «anwesend». Die A2 sind in der Lage, obwohl man es ihnen nicht zutraut, grosse Klangkörper (Orchester) überzeugend in den Raum zu stellen, ohne diffuse Effekte oder Hin- und Herwandern von Solisten, die das bei der Aufnahme bestimmt nicht machten. Solche Effekte sind bekannt und rühren von Phasen- und Zeitfehlern her. Die gibt es nicht bei den A2.
Die Spendor A2 sind tonal auf eine dezente Überpräsenz bei den Mitten abgestimmt. Davon gehe ich aus. Auch der Grundtonbereich bestimmt das Geschehen recht deutlich. Dadurch entstehen eine betörende Aura bei Stimmen und diese Wärme, die ich als sehr angenehm und organisch empfinde. Der Hochton löst das Geschehen wunderbar auf und drängt sich nicht zu stark ins Bewusstsein. So entstand der Eindruck eines ausgewogenen, integren Klangs.
Der Bass reicht tief, meine Herren (und Damen). Ich fragte mich echt, wo der herkommt. Dazu eine verblüffende Dynamik und daraus folgend viel Spass und Freude. Die Füsse wippten.
Der Lavardin machte es noch besser. Das war aber nicht mehr entscheidend. Die Spendor A2 klingen wahrscheinlich an fast jedem Verstärker gut.
Fazit
Die Spendor A2 klingen wahrscheinlich an fast jedem Verstärker gut.Ich hatte schon beim Auspacken ein gutes Gefühl und vielleicht auch ein positives Vorurteil. Jedenfalls überzeugten mich die A2 von A bis Z.
Wie würde ich sie einordnen?
Das sind erschwingliche, schöne und nachhaltig gefällige Lautsprecher, die für sich eine gute Investition darstellen. Man braucht nicht bereits nach 10 Tagen an einen neuen Verstärker zu denken oder vielleicht schon an ein klangverbesserndes Lautsprecherkabel. Sie sind etwas für die Seele und sie lassen den rastlosen Musikhörer bestimmt eine ganze Weile in Frieden oder sogar für immer.
Nachtrag
Die A-Linie ist gegen Aufpreis (ca. + 10%) auch in matt weiss verfügbar. Optional sind auch Abdeckungen lieferbar.