Cyrus.Die eigenen HiFi- und High-End-Gerätschaften mit externen Stromversorgungen aufzuwerten, hat bei Cyrus Tradition. So präsentierte man bereits vor Jahrzehnten das erste PSX-Netzteil, mit dem Vor- und Vollverstärker oder auch CD-Spieler auf ein höheres Wiedergabeniveau gehoben werden konnten. Die Netzteile PSX-R und PSX-R2 setzen diese Tradition bis heute fort.
Neu ist das PSU-XR, welches – Nomen est Omen – speziell als Ergänzung zu den High-End-Komponenten der XR-Serie konzipiert wurde. Es richtet sich also explizit an Besitzer oder Käufer der Vollverstärker i9-XR oder des Vorverstärkers Pre-XR. Daneben können aber auch der CD-Spieler Cdi-XR, das CD-Laufwerk CDt-XR sowie der noch in diesem Jahr kommende Streamer Stream-XR damit aufgewertet werden. Laut Cyrus soll das PSU-XR den mit ihm verbundenen Komponenten helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Das PSU-XR ist ein intelligentes externes Netzteil, das für aussergewöhnlich gleichmässige und stabile Gleichstromspannungen sorgt. Das PSU-XR kann parallel drei unterschiedliche Ausgangsspannungen generieren. Damit können gleich mehrere Bereiche eines angeschlossenen Gerätes von der externen, sauberen Stromversorgung profitieren, was das Wiedergabeniveau beträchtlich steigern soll.
Das äusserst aufwändig konzipierte PSU-XR generiert verschiedene unabhängige Stromversorgungen, die vom riesigen Ringkerntrafo über separate Abgriffe mit der passenden Spannung versorgt werden.Die Netzteile im PSU-XR sind aufwändig von Störeinflüssen isoliert. Es gibt keine gemeinsamen Masseverbindungen im Inneren des PSU-XR; die Massen treffen sich nur innerhalb der Host-Produkte; und selbst hier nur an Stellen, an denen der Stromfluss minimal ist. Dadurch soll laut Cyrus verhindert werden, dass die Stromkreise versehentlich das musikalische Signal beeinträchtigen. Interessant ist der Vergleich mit dem bewährten Netzteil PSX-R2: Das neue PSU-XR kann 60 Prozent mehr Leistung liefern – und ist dank seines durchdachten Designs gleichzeitig um 50 Prozent effizienter.
Über 15 Abgriffe am PSU-Ausgang können drei unterschiedliche Referenzspannungen an bis zu fünf separate Schaltkreise im kompatiblen Hostprodukt ausgegeben werden. Die intelligente Mikroprozessorsteuerung des PXU-XR kommuniziert mit dem Empfangsgerät, um dessen genauen Leistungsbedarf zu ermitteln. So sorgt es dafür, dass das externe und das interne Netzteil auf eine symbiotische Weise zusammenarbeiten und sich die Stromversorgung der verschiedenen Schaltungsbereiche möglichst sinnvoll aufteilen.
Auch der noch in diesem Jahr erwartete neue Streamer aus der XR-Serie von Cyrus soll von einem Upgrade durch das PSU-XR-Netzteil profitieren.Das neue PSU XR wurde bewusst stromsparend ausgelegt. Es verwendet ein besonders effizientes Design mit mehreren Abgriffen am Transformator, um Energieverluste zu minimieren. Die Feinabstimmung der Ausgangsspannungen sind digital geregelt, wodurch sie extrem präzise und auch unter extremen Belastungen aussergewöhnlich stabil sein sollen. Cyrus hat das PSU-XR flexibel und zukunftssicher ausgelegt. Es kann unterschiedliche Spannungsstufen generieren und zukünftige Cyrus-Geräte genauso mit sauberem Strom aufwerten. So ist es auch mit dem neuen «Stream-X», der in den kommenden Monaten auf den Markt kommen soll, kompatibel.
Das PSU-XR wird über eine 15-polige Schnittstelle mit dem Hostgerät verbunden.Je nach Hostgerät übernimmt das PSU-XR verschiedene Aufgaben. Im Zusammenspiel mit dem Vollverstärker i9-XR wird beispielsweise die Vorverstärkersektion vollständig vom PSU-XR mit Strom gespeist. Auch bei den Endstufen kommt Letzteres – zusammen mit dem internen Netzteil – zum Einsatz. Hierbei stabilisiert es die Hauptstromversorgung des Verstärkers weiter. Handkehrum wird das interne Netzteil nun weniger belastet und kann das DAC-Modul des i9-XR dadurch ebenfalls besser mit Strom versorgen.
Ebenso deutlich profitiert der Vorverstärker Pre-XR von der Ergänzung durch ein PSU-XR: Letzteres übernimmt hier die Versorgung aller analogen Vorverstärkerstufen und überlässt dem internen Netzteil die Versorgung des DAC. Diese Kombination soll besonders gut funktionieren, da der interne Transformator speziell für die Versorgung von Kleinsignalschaltungen entwickelt wurde.
Klanglich in einer anderen Liga
Das mächtige interne Netzteil des Vollverstärkers i9-XR teilt sich beim Anschluss eines PSU-XR die Arbeit brüderlich auf. Die Vorverstärkersektion wird nun komplett von Letzterem übernommen.Wir hörten das PSU-XR als Ergänzung zum bestens bekannten Vollverstärker i9-XR, der seinerzeit im Test auf avguide.ch mächtig Eindruck hinterlassen hatte, unter anderem bezüglich der Feinzeichnung und Auflösung des integrierten HiRes-DACs. Primär ergibt es wenig Sinn, sehr viel Geld für ein Zusatznetzteil auszugeben und gleichzeitig billige Standard-Netzkabel zu verwenden. Deshalb kamen im Rahmen des Hörtests qualitativ hochwertige Exemplare vom Typ IsoLink Wave des britischen Herstellers Isol-8 (Preis: CHF 190) zum Einsatz.
Als Abhörlautsprecher dienten ein Paar Classic 2/3 von Spendor, die notabene – ebenso wie alle Komponenten von Cyrus – in UK hergestellt sind. Einziger «Aussenseiter» in unserem ansonsten komplett britischen Setup bildeten die Lautsprecherkabel Iridium des US-amerikanischen Herstellers Cardas.
Die Classic 2/3 von Spendor kann man als authentische Verkörperung des britischen Lautsprecher-Ideals ansehen. Sie ist sozusagen eine moderne Ausgabe legendärer BBC-Monitore aus den 70er-Jahren. Den Cyrus i9-XR hatten wir seinerzeit im Zusammenspiel mit einem Paar Spendor A7 gehört. Wie bei diesen handelt es sich auch bei der Classic 2/3 um einen Zweiweg-Lautsprecher, der sich durch eine besonders gute räumliche Abbildung auszeichnet. Hier kommt ein kraftvoller 21-cm-Tiefmitteltöner zum Einsatz, der im Grundton und Bass nur schon durch seine Membranfläche Vorteile gegenüber dem 18-cm-Exemplar in der A7 aufweist. Im Hochtonbereich agiert eine besonders feinzeichnende 22-mm-Kalotte skandinavischer Provenienz.
Die Spendor Classic 2/3 verkörpert wie kaum ein anderer Lautsprecher das Ideal des britischen Abhörmonitors à la BBC. Test demnächst hier auf avguide.ch.Natürlich darf man angesichts eines Einstandspreises von CHF 2690 hohe Erwartungen punkto Steigerung der Klangqualität hegen. Was das PSU-XR dann aber schaffte, war doch erstaunlich. Wir hörten zunächst eine ganze Palette bestens bekannter HiRes-Titel, die ab einem Aurender Streamer digital zum Cyrus i9-XR geführt wurden. Dabei wurde die Musik jeweils zunächst ohne und dann mit Zusatznetzteil gehört.
Der erste Track (Hoff Ensemble: «Blågutten») klang schon ohne PSX-U sehr räumlich und mit fein definierten, eher (britisch) diskreten Höhen. Das Piano gefiel mit perlendem Diskant und sehr schönem Klangvolumen. Insgesamt also ein hoher Musikgenuss, tendenziell entspannt, mit Fokus auf ganzheitlichen Genuss. Beim Wechsel auf die Wiedergabe mit PSX-U klang das Piano plötzlich viel besser definiert und zugleich natürlicher; man war als Zuhörer deutlich näher am musikalischen Geschehen. Der Effekt war so deutlich, dass man übertrieben gesagt fast schon von einem «Vorhang auf»-Erlebnis sprechen konnte. Die natürliche Akustik der in einer skandinavischen Kirche gemachten Aufnahme kam viel authentischer zum Tragen.
Fantastische Aufnahme von Akustik Jazz: «Quiet Winter Night» vom Hoff Ensemble.Ein ähnliches Aha-Erlebnis beim Vivaldi-Album «Bellezza Crudel»: Ohne PSU-XR klangen die Streicher richtig süffig, wenn auch etwas flach und eher im Hintergrund. Also sozusagen als musikalische Begleitung. Mit PSU-XR gehört, kam es zu einer dramatischen Steigerung der räumlichen Transparenz, Streicher tönten feiner ziseliert. Ausserdem fiel die leichtfüssigere, flüssigere Spielweise deutlich auf. Man gewinnt insgesamt den Eindruck von «mehr Luft» zwischen den Einzelinstrumenten. Die Stimmen waren deutlich fokussierter und plastisch vorstellbar.
Beim Magnificat (von den Trondheim-Solisten) agierten die Vokalisten auch ohne Zusatznetzteil sehr definiert und mit viel Schmelz. Sie kreierten eine reichhaltige musikalische Dichte. Beim Wechsel auf die Wiedergabe mit PSU-XR war wiederum eine dramatische Steigerung der Atmosphäre nicht zu überhören. Das musikalische Geschehen kam viel differenzierter zum Tragen, wodurch die Musik spannender erlebt wurde. Erstaunlicherweise wirkte sich das gar nicht nur analytisch im Sinne einer höheren Detailtreue aus; die Musik trifft so auch direkter ins Herz. Ausserdem hatte man den Eindruck, dass die Wiedergabe auch schon bei geringer Lautstärke mehr Emotionen beim Hörer auslöst.
Eine der besten akustischen Jazz-Aufnahmen überhaupt: «Contra La Indecisión» vom Bobo Stenson Trio wurde 2017 im Auditorio Stelio Molo RSI, Lugano, aufgenommen.Unüberhörbar war der Unterschied auch beim famosen Akustik-Jazz-Titel «Contra La Indecisión» des Bobo Stenson Trios: Objektiv war schon bei der Wiedergabe ohne PSU-XR nichts auszusetzen. Vielleicht wirkte die Wiedergabe etwas brav und diskret. Aber dennoch kam die tolle Aufnahmequalität über Cyrus i9-XR und Spendor Classic 2.3 wunderbar zum Tragen. «Besser geht eigentlich kaum», denkt man.
Beim Wechsel zum Betrieb mit Extra-Netzteil staunt man dann aber nicht schlecht, mit wie viel mehr Spielfreude Bobo Stenson am Piano plötzlich loslegt. Die Darbietung lebt und pulsiert mit mehr Fein- und Grobdynamik. Das ist allerbeste Unterhaltung und macht auch deutlich, dass die britischen Lautsprecher für akustischen Jazz wie geschaffen sind. Auch der Kontrabass hat nun plötzlich mehr «Holz» und Konturen.
Natürlich wollten wir auch noch wissen, wie sich das Zusatznetzteil bei «normaler» 16-Bit-Kost in Szene setzen würde, oder ob der X-Faktor vornehmlich bei HiRes-Aufnahmen zur Geltung kommt. James Taylors «Live»-Album aus dem Jahr 1993 ist sehr gut aufgenommen. Beim Anhören ohne PSU-XR hatte man aber doch eher den Eindruck eines Events aus der Vergangenheit. Nach dem Wechsel zum PSU-XR waren die historischen Schranken jedoch wie weggewischt. Nur schon der Applaus des Publikums zu Beginn der Aufnahme schafft Gänsehaut. James Taylors charakteristisches Gitarrenspiel klang wie von einem anderen Instrument, seine Stimme ging viel mehr unter die Haut. Der positive Effekt der Extra-Stromversorgung auf den Klang ist also auch bei CD-Kost nicht weniger als dramatisch.
Das Extra-Netzteil PSU-XR macht im Zusammenspiel mit dem Cyrus i9-XR erst deutlich, was für ein Potenzial noch in diesem Vollverstärker steckt.Fazit
Cyrus hat sich mit der Lancierung des neuen Zusatznetzteils PSU-XR reichlich Zeit gelassen. Nun ist es erhältlich und erhebt den Anspruch, das Wiedergabeniveau der Komponenten aus der XR-High-End-Linie noch einmal deutlich anzuheben. Im Zusammenspiel mit dem Cyrus i9-XR ist die Erkenntnis klar: Die klangliche Steigerung ist nicht weniger als dramatisch, das PSU-XR hebt diesen kompakten Vollverstärker auf ein ganz anderes Level.
Die Frage, ob man dem i9-XR diese kompromisslose Stromversorgung nicht gleich von Grund auf hätte angedeihen lassen können, lässt sich ebenso klar mit «nein» beantworten: Beide Komponenten sind je mit Hightech bis zum Bersten angefüllt. Tatsächlich handelt es sich beim PSU-XR um eine aufsteigerfreundliche Lösung für Musikliebhaber, die vielleicht im Moment nicht das Geld für das Upgrade haben. Aber eben wissen, dass sie zukünftig mit einer vernünftigen Investition (der Preis für das Cyrus PSU-XR beträgt CHF 2690) die Wiedergabetreue ihrer XR-Komponenten immens steigern können. Gut so.