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Hoch bezahlter Klangmeister

Test Sony IER-Z1R

Das Flaggschiff unter den In-Ear-Kopfhörern bei Sony, der IER-Z1R, ist einer der teuersten seiner Art und kostet beachtliche 2599 Franken.

Von Hans Jürg Baum · 9. September 2019
Sony IER Z1R.Sony IER Z1R.

Sony hat sich hier das löbliche Ziel gesetzt, in den Audio-Bereich zu investieren und den wohl besten In-Ear-Kopfhörer des aktuellen Marktes zu fertigen. Bei diesem Preis fragt man sich unweigerlich, ob er auch wirklich gerechtfertigt ist. Was man für dieses Geld bei Sony erhält, zeigt dieser Test.

Die IER-Z1R sind wahre Juwelen und werden in Japan in kleinen Serien von ausgewiesenen Fachleuten von Hand gebaut. Die Treiber, ein dynamischer 5-mm-Super-Hochtöner, ein Balanced-Armature-Treiber für die Mitten und ein dynamischer 12-mm-Bass wurden für diesen Hörer von Grund auf neu entwickelt.

Der Super-Hochtöner weist eine aluminiumbeschichtete FKP-Membran auf. Und soll von 3 kHz bis hinauf zu 100 kHz spielen. Allerdings wird nicht angegeben, wo die -3dB- oder -6-dB-Grenzen liegen. Natürlich haben auch die Sony-Entwickler darauf geachtet, dass alle drei Treiber zeitlich peinlich genau zusammenspielen. Im Gehäuse aus einer nahezu vibrationsfreien Magnesiumlegierung sorgt ein Schallschlauch für die akustische Verbindung des hinter den Treibern liegenden Hohlraumes mit dem restlichen Gehäusevolumen. Dies soll zu einem «satten Klangbild» führen.

Dem Hörer werden neben einem kleinen Case noch zwei Kabel mitgeliefert: Ein Kabel mit asymmetrischem 3,5-mm-Stecker und ein symmetrisches Kabel mit dem leider nicht überall zu findenden 4,4-mm-Stecker. Die Kabel sind mit isolierender Seide umwunden. Dies reduziert Berührungsgeräusche wirkungsvoll. Als Leiter kommen sauerstofffreie Kupferdrähte zum Einsatz.

Klangliche Perfektion

Der Sony IER-Z1R ist mit einem dynamischen Superhochtöner, einem dynamischen Basstreiber und in der Mittellage mit einem Balanced Armature Driver bestückt.Der Sony IER-Z1R ist mit einem dynamischen Superhochtöner, einem dynamischen Basstreiber und in der Mittellage mit einem Balanced Armature Driver bestückt.

Um es gleich vorwegzunehmen und die unerträgliche Spannung zu lindern, sei schon jetzt verraten, dass sich der IER-Z1R klanglich perfekt in Szene setzt. Das Klangbild ist extrem breitbandig und präsentiert sich so räumlich, wie es die Aufnahme ermöglicht. Jede Tonlage wird perfekt ausgeleuchtet, die Transparenz ist sagenhaft hoch. Weder die kleinste Resonanz noch klangliche Verfärbungen trüben das kristallklare Klangbild.

Vergleicht man den Sony mit der Konkurrenz, so liegt er punkto Klangtimbre eher auf der hellen, brillanten Seite als im Lager der Schönfärber und Klangschmeichler. Im Bass spielt er bravourös bis in den tiefsten Frequenzkeller und bringt auch allertiefste Synthesizer- und Bassgitarren-Passagen brachial tief, klar und druckvoll.

Aufgrund seines kristallklaren, analytischen Klangbildes ist er wie kein zweiter geeignet, Aufnahmen auf ihre Stärken und Schwächen zu beurteilen. Er fügt nichts hinzu und verschweigt auch nichts. Das heisst: Er ist absolut klangneutral. Das kann bei eher schlechten Aufnahmen sehr unerfreulich klingen. Andrerseits bringt der Hörer bei exzellenten Aufnahmen die ganze Klangschönheit und jedes musikalische Detail zu Gehör.

Die schonungslose Wahrheit hören?

Frequenzgang des Sony IER-Z1R (2 dB/Div). Kommentar: Abgesehen von einer gewissen Welligkeit recht ausgewogener und breitbandiger Frequenzverlauf.Frequenzgang des Sony IER-Z1R (2 dB/Div). Kommentar: Abgesehen von einer gewissen Welligkeit recht ausgewogener und breitbandiger Frequenzverlauf.

Interessant ist der Vergleich der Mark-Knopfler-Aufnahmen «Love over Gold», als CD aus dem Jahre 1982 sowie das Album «Tracker» (in 24 Bit / 192 kHz!), das 2015 veröffentlicht wurde. Während Knopflers Stimme bei «Love over Gold» eher dünn, die Drums sogar grell-aggressiv nerven, präsentiert sich die neuere Aufnahme geradezu sanft, warm und ausgesprochen angenehm. Dass diese Top-HiRes-Aufnahme absolut genial instrumentiert und abgemischt ist, zeigen die IER-Z1R überaus klar – und das ist ein echtes Erlebnis.

Absolut faszinierend, wie die mit lediglich zwei Brüjel&Kjaer-Mikrofonen gemachten One-Point Recordings von Denon (CO-78921-25) aus dem Jahre 1994 über die IER-Z1R erklingen. Da die One-Point Recordings ähnlich wie Kunstkopfaufnahmen aufgezeichnet werden, entfällt hier die Im-Kopf-Lokalisation, so dass man doch tatsächlich glaubt, im Konzertsaal zu sitzen.

Eher unerfreulich erklingen die Vivaldi-Violinkonzerte der Harmonia Mundi  «Concertos for the Emperor». Diese Aufnahmen, die auch auf diversen anderen klangneutralen Abhörmöglichkeiten sehr hell und zuweilen sogar spitz klingen, werden von den IER-Z1R auch gnadenlos so reproduziert. Andrew Manzes meisterhaft gespielte Violine erscheint eiskalt und dünn. Ganz anders, nämlich warm und klangschön, erklingen diese Aufnahmen über die Astell&Kern Diana, die klar zu den äusserst sympathischen Klangschmeichlern gehören. Andrerseits lassen die IER-Z1R Josua Bells 1 Million Dollar teure Stradivari mit zauberhaft natürlichen Klangfarben erklingen. Die Dianas haben hier das Nachsehen ...
 
Die Frage ist natürlich, will man als gestresster und erholungsbedürftiger Zeitgenosse bei jeder Aufnahme wirklich nichts anderes als die schonungslose Wahrheit hören? Oder möchte man sich halt doch lieber genüsslich von einem dezenten(!) Klangschmeichler und Schönfärber einlullen lassen?

Fazit

Die IER-Z1R von Sony sind in jeder Beziehung echte Präzisionsgeräte. Bezüglich der Verarbeitung ist man keine Kompromisse eingegangen. Klanglich überzeugen sie durch Klangneutralität und hervorragendes Auflösungsvermögen. Wären sie Swiss Made, würde man stolz von «Schweizer Präzision» schreiben.

Steckbrief
Modell:
IER-Z1R
Profil:
Teure, in sorgfältigster Handarbeit in Japan gefertigte, kabelgebundene In-Ear-Kopfhörer mit grundehrlichem Klang
Pro:
ertklassige Handarbeit
perfekter Klang
hoher Tragkomfort
Contra:
teuer
Preis:
2,599.00 CHF
Hersteller:
Sony
Jahrgang:
2019
Vertrieb:
Sony Europe/Switzerland Branch
Gewicht:
0,026 kg
Bluetooth:
Nein
Noise Cancelling:
Nein
True Wireless:
Nein
Wireless:
Nein
Bauprinzip:
geschlossen
Treibereinheit:
1xdyn.Bass, 1x dyn. Supertweeter, Armature Driver
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-sony-ier-z1r-hoch-bezahlter-klangmeister
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