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Publikationsdatum
21. Mai 2007
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Hochauflösende Camcorder produzieren die Videos der Zukunft. Dabei sorgt nicht nur die Auflösung mit bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten für ein neues Seherlebnis, sondern auch das 16:9 Breitbildformat. Vor allem Aussenaufnahmen werden dadurch spektakulärer.

Aber auch im Ton ist Neuerung angesagt. Etliche der HD-Camcorder sind mit mehreren Mikrofonen für die Surround-Aufnahme ausgestattet.

Für den Kameramann, die Kamerafrau heisst es also umlernen - beim Sehen und beim Hören. Dieses Lernen macht jedoch Spass: neue Möglichkeiten tun sich auf.

Auch technisch kommt Neues auf den Videoamateur zu, sind es doch gleich mehrere Systeme, die HD-Video aufzeichnen.

Zwei Formate werden von mehreren Herstellern unterstützt: HDV und AVCHD. Ein je eigenes Format haben JVC und Sanyo eingeführt.


HDV

Der Camcorder HDR_FX7 von Sony nimmt nach dem HDV-Standard auf DV-Kassetten auf. Die Bearbeitungssoftware und ein Firewire-Kabel zur Übertragung von Bild und Ton auf den Computer werden mitgeliefert.

Camcorder im HDV-Format bieten Canon, Panasonic und Sony an. Zur Speicherung von Bild und Ton wird die miniDV-Kassette benutzt.

Spezifiziert sind bei HDV zwei Auflösungen: 1280 x 720 (25p und 50p) sowie 1440 x 1080 mit 50 Halbbildern. Nach der Kompression in MPEG2 werden Datenströme von rund 19 Mbit/s beziehungsweise 25 Mbit/s übertragen. Das 1080i-Format wird bei der Wiedergabe auf 1920 x 1080 Bildpunkte im Seitenverhältnis 16:9 aufgeblasen.

Dank der MPEG-2 Datenreduktion passt auf eine 60 minütige miniDV-Kassette 60 Minuten hoch auflösendes Video.

Der Stereoton wird in MPEG1 komprimiert. Optional zeichnet das 720p-Format auch PCM-Ton mit bis zu vier Spuren auf und das 1080i-Format vierkanaligen MPEG2-Ton.

HDV-Camcorder erlauben auch die übliche DV-Aufzeichnung im 4:3 PAL-Format. Wer sich also heute einen Camcorder anschaffen will, aber weder über einen HD-Bildschirm noch über eine Schnittmöglichkeit für hoch auflösende Bilder verfügt, kann mit einem HDV-Camcorder in Standard-Auflösung zu drehen beginnen und später auf das HD-Format umsteigen.

Canon bietet gar die Möglichkeit, bereits heute hoch auflösend aufzunehmen und das Bild über den integrierten Konverter in Standard-Auflösung auszugeben. Die HD-Aufnahmen stehen später für eine Neubearbeitung zur Verfügung.


AVCHD

Die Camcorder HDC-SD1 und HDC-DX1 von Panasonic zeichnen nach dem AVCHD-Standard in Full HD-Qualität (1080i) mit 5.1 Surround¬-Sound auf. Speichermedien sind die SD-Card beziehungsweise die DVD.

Im Jahre 2006 haben Panasonic und Sony gemeinsam AVCHD vorgestellt. Für den August hat auch Canon einen Camcorder in diesem hoch auflösenden Format angekündigt.

AVCHD benutzt für die Aufzeichnung kein Band mehr. Möglich sind die DVD, eine Speicherkarte (SD-Card, Memory Stick) oder eine Festplatte.

Interessant dabei ist, das die grössten erhältlichen Speicherkarten mit 4 GByte mehr Speicherplatz bieten als die 8 cm-DVD, die auf einer Lage Platz für 1,4 GByte bietet.

Der Festspeicher hat gegenüber der DVD also nicht nur den grossen Vorteil, dass er ohne Laufwerksmechanik auskommt und damit eine höhere Lebensdauer erwarten lässt, sondern auch den Vorteil der längeren Aufnahmezeit.

AVCHD nimmt in MPEG-4 mit einer maximalen Datenrate von 18 Mbit/s auf. Genutzt werden in den aktuellen Modellen bis 15 Mbit/s. Das ergibt 15 Minuten Aufnahme auf einer einlagigen DVD, 26 Minuten auf einer zweilagigen, 40 Minuten auf der 4 GB SD-Card und ganze vier Stunden auf einer 30 GB Festplatte.

Aufgenommen werden 50 Halbbilder pro Sekunde mit 1920 x 1080 Pixeln im 16:9-Format. Eine Aufnahme mit 1280 x 720p ist im AVCHD-Standard ebenfalls vorgesehen.

Die Tonaufnahme erfolgt in Dolby Digital, von einem bis zum 5.1 Kanälen respektive bei Aufnahme in Standard-Auflösung in linearem PCM mit eins bis 7.1 Kanälen. Die für Surround-Sound-Aufnahme nötigen Mikrofone sind im Camcorder integriert.

Die AVCHD-Aufnahmen können von den Camcordern wiedergegeben werden, da diese mit einer HDMI-Schnittstelle ausgestattet sind. Für die Wiedergabe einer aufgenommenen DVD ab separatem Spieler braucht es ein Blu ray-Gerät.

Bereits gibt es auch Schnittprogramme, die ein Einlesen und Bearbeiten des AVCHD-Formats gestatten. Für die Ausgabe stehen je nach Anwendung verschieden Formate zur Wahl, nicht jedoch AVCHD selber.


Proprietäre Formate

Der GZ-HD7 von JVC ist mit umfangreichen Features ausgestattet. Über seine USB 2.0-Schnittstelle kann er mit der optionalen HD Everio SHARE STATION CU-VD40 verbunden werden. Dies erlaubt das Brennen auf DVD-R/RW und DVD-R DL.

In der Everio-Reihe hat JVC einen hoch auflösenden Camcorder vorgestellt, der die Bilder mit der Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln auf Festplatte aufnimmt.

Aufgezeichnet wird der MPEG2-TS-Videodatenstrom inklusive Ton (MPEG 1 Layer 2 Audio) auf die integrierte 60 GB-Festplatte. Bei der maximalen Datenrate von 30 Mbit/s reicht das für fünf Stunden HD-Video.

Der Camcorder kennt auch einen SP-Modus, der im Format 1440 x 1080 aufzeichnet und die Aufnahmezeit auf sieben Stunden verlängert.

Bereits mehrere handliche Camcorder im hoch auflösenden Format 1280 x 720p hat Sanyo vorgestellt.

Durch die MPEG-4 Datenreduktion wird die gespeicherte Datenmenge gering gehalten. Auf eine 4 GByte SD-Karte passen 80 Minuten Video in der vollen Auflösung.


Fazit

Das eigene hoch auflösende Video ist in mehreren Varianten möglich. Sanyo setzt auf Unkompliziertheit mit kleinen Camcordern für den schnellen Einsatz und die einfache Wiedergabe über HDMI.

Das System von JVC überzeugt durch die semiprofessionelle Ausstattung des Camcorders mit Fujinon-Optik, 3-Chip-Bildsensor, Bildstabilisator und Schärfering.

Die Systeme HDV und AVCHD, die beide von mehreren Firmen unterstützt werden, können auch mit einem grossen Angebot an Schnittsoftware rechnen, welche die Nachbearbeitung in unterschiedlicher Komplexität erlauben.

Hier hat HDV noch die Nase vorn. Langfristig könnte sich jedoch die Aufnahme auf Kassette als grosser Nachteil erweisen, wohingegen AVCHD mit Flash-Speichern im Trend der technischen Entwicklung liegt.


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