TESTBERICHT
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Publikationsdatum
15. April 2008
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Der Spiegel steht im Strahlengang und reflektiert das Licht zum optischen Sucher.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Für dieses Mal hängt das Spieglein nicht an der Wand, sondern steht im Strahlengang und reflektiert das einfallende Licht zum optischen Sucher. Damit sieht Frau Königin nicht sich im Spiegel, sondern genau das Bild, welches Momente später auf dem Sensor eingefangen wird. Dazu klappt der Spiegel beim Auslösen nach oben, um den Weg frei zu machen zwischen Objektiv und Sensor.Doch geht damit eine sehr geschätzte Eigenschaft der Digitalkameras verloren: Kein LCDisplay kann zeigen, was der Sensor nicht sieht – schliesslich steht bei der Suche nach dem optimalen Bildausschnitt der Spiegel im Weg.

Warum also sollte Panasonic der DMC-L10K ein frei schwenkbares 2.5 Zoll Display mit 207 kPixeln spendieren? Zur Anzeige des Histogramms, Belichtungszeit und Blende?

Live View

Das Schwenkbare Display zeigt im Live View-Modus den Bildausschnitt, ansonsten die Aufnahmedaten.
So heisst das Lösungswort, welches das Display wieder zum Leben erweckt. Frau Königin steht es nun frei, sich im Spiegel oder auf dem Display zu sehen. Dazu klappt der Spiegel während der ganzen Motivsuche nach oben, der Sucher bleibt blind. Ein Druck auf den Auslöser lässt nun Hektik aufkommen. Entweder nutzt die Panasonic die schnellere TLL-Phasenkontrastmessung, oder die Kontrastmessung über den Sensor. Ersteres erfordert, dass der Spiegel für die Messung kurz zurück in den Strahlengang schwenkt und für die Aufnahme wieder verschwindet. Die zweite Variante lässt den Spiegel wo er ist, dauert aber von Haus aus länger. So oder so verstreicht im Live View Modus mehr Zeit fürs Fokussieren. Wohlverstanden nicht übermässig viel, doch genau an diesem Punkt arbeitet auch die Konkurrenz recht erfolgreich.

Es war einmal?

Die Panasonic DMC-L10K besteht aus Body und Leica-Objektiv mit integriertem optischem Bildstabilisator.
Jetzt aber von Anfang an: Die Panasonic DMC-L10K kommt als Set daher, bestehend aus Body und Wechselobjektiv nach dem Four-Thirds-Standard. Ihr Body liegt gut in der Hand (Frau Königin hat sicher feine Hände) und ist mit 480 Gramm sehr leicht. Das Leica D Vario-Elmar Objektiv mit Brennweiten von 14 bis 50 mm (28 bis 100 mm KB) und Lichtstärken von F3.8 bis F5.6 wiegt knapp nochmals soviel (434 Gramm). In seinem Inneren sorgt der optische Bildstabilisator OIS dafür, dass ein Linsenelement die Bewegungen zittriger Hände ausgleicht. Damit können Empfindlichkeit und Verschlusszeit niedrig gehalten werden, selbst bei ungünstigem Licht. Zwei, drei Verschlusszeiten oder Blenden liegen allemal drin.

Four Thirds

Ohne Live View zeigt das Display die Daten der Aufnahme.
Mit 4:3 oder 16:9 hat dieser Standard eigentlich nichts zu tun, auch wenn der Sensor im 4:3 Format daherkommt – verglichen mit 3:2 beim analogen 35 mm Kleinbild. Unterstützt wird dieser durch Firmen wie Olympus, Kodak, Fuji, Leica, Sanyo, Sigma und natürlich Matsushita, also Panasonic. Und er soll ermöglichen, dass verschiedene Produkte (Zubehör, Objektiv) markenübergreifend einsetzbar sind. Vorgeschrieben ist auch die Sensorgrösse, mit 17.3 x 13 mm, hier mit effektiven 10,1 Megapixeln. Andere Standards setzen mehr Fläche ein, zum Beispiel APS-C mit 23.5 x 15.7 mm (rund 50 % mehr und 3:2 Format), was im Grundsatz mit höherer Lichtempfindlichkeit und weniger Rauschen einhergeht. Im Vergleich zum Chip aus Kompaktkameras sind sie immer noch mehr als doppelt bis vier mal so gross.

den roten Backen iss

Die Bedienelemente liegen passend im Bereich der rechten Hand.
Nein, die Panasonic hat keinen roten und keinen weissen Backen, sowieso keinen vergifteten. Aber die Rückseite des Bodys ist genauso zweigeteilt wie der Apfel. Links das grosse, schwenkbare LCDisplay, rechts alle Bedienelemente. Spiegelreflex-Neulinge mögen bei deren Anblick im ersten Moment erschrecken, doch grundsätzlich funktioniert die DMC-L10K wie Kompaktkameras auch. Ohne Probleme gelingen schnell die ersten Bilder, viele Symbole erklären sich von selbst. Erst wer die Möglichkeiten weiter ausschöpfen will, braucht ab und zu Unterstützung. Und Möglichkeiten bietet die Panasonic viele – von Belichtung über Fokus zur Tiefenschärfe und Farbtemperatur, dazu Serienbilder und Bilderreihen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Ein kleines Detail

Ultraschall soll verhindern, dass sich beim Objektivwechsel Staub auf dem Bildsensor festsetzen kann (Bild mit hochgeklapptem Spiegel).
Dass das Spieglein an der Wand sauber glänzt, dafür sorgt Frau Königin. Dass der Bildsensor nicht verstaubt, was beim Objektivwechsel ohne weiteres möglich wäre, dafür sorgt das Supersonic Wave Filter. Dieses schüttelt den Staub mit Ultraschall ab. Von diesem Problem sind alle Kameras mit Wechselobjektiv betroffen. Wie weit diese Schüttelaktion dieses behebt, hängt auch von der Art der Verschmutzung ab. Feuchtigkeit, Kondensat bleibt von dieser Massnahme eher unbeeindruckt.

Und die Moral von der Geschicht?

Eine kleine, leichte digitale Spiegelreflexkamera - leistungsmässig eine andere Liga als jede Kompaktkamera.
„Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“ Ja, Spiegelreflexkameras leben heute noch, und zwar in Form ihrer digitalen Nachfolger. Die Panasonic DMC-L10K ist der lebende Beweis. Keine Kompaktkamera kann dieser Bildqualität das Wasser reichen. Die natürlichen Farben, Lichtempfindlichkeit und damit Rauscharmut in dunklen Bereichen bewegen sich in einer anderen Liga. Ganz zu schweigen von den gestalterischen Möglichkeiten, welche sich aus der Technik ergeben. Kein Universalobjektiv ermöglicht den Spagat zwischen Weitwinkel und Tele so überragend, wie mehrere Wechselobjektive, jedes als Spezialist in seinem Bereich.Natürlich muss sie sich mit der Spiegelreflex-Konkurrenz messen, und zwar mit den kleineren, kompakteren Modellen. Seit der Preiskorrektur liegt sie auch hier gut im Rennen.
STECKBRIEF
Modell:
DMC-L10
Profil:
Kompakte, digitale Spiegelreflexkamera nach dem Four Thirds-Standard mit Live View, Leica-Wechselobjektiv mit integriertem optischem Bildstabilisator.
Pro:
Leica-Wechselobjektiv;Optischer Bildstabilisator;Sehr gute Bilder mit 10 Megapixeln Auflösung;Manuelle Einstellmöglichkeiten;Schwenkbares LCDisplay
Contra:
Systembedingte Auslöseverzögerung im Live View-Modus
Preis:
1,699.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2007
Vertrieb:
Masse:
135 x 96 x 78 (Gehäuse) mm
Gewicht:
0,48 (Gehäuse) kg
Farbe:
schwarz
Auflösung:
3648 x 2736 (4:3), 3648 x 2432 (16:9)
Aufnahmedistanz:
30 cm bis unendlich, 5 cm Makro
Bildsensor:
Live MOS Sensor 17,3 x 13,0 mm
Brennweite:
28-100 mm (35 mm KB)
Datenformat:
JPEG [Exif 2.21 Standard] DPOF kompatibel, RAW
Digitalzoom:
4 x
Empfindlichkeit ISO:
Auto/100/200/400/800/1600
LCD Monitor:
2,5 Zoll TFT, 207'000 Pixel
Objektiv:
F3,8 [W] - F5,6 [T]
Pixel:
10,1 Mega
Schnittstelle:
USB 2.0, AV
Speichermedien:
SD Memory Card, SDHC Memory Card, Multimedia Card
Verschlusszeit:
1/4000 bis 60