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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
16. August 2016
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MEDIEN

Gespannt sitze ich im Sprechzimmer des Hörzentrums in Oerlikon. Meine Absicht ist, Silikonabdrücke meiner Gehörgänge zu machen für mein neustes Projekt. Auf die Frage, des Audiologen, ob ich ein Hörgerät brauche, verneine ich ebenso wie auf die Frage, ob ich ein professioneller Musiker sei. Mein Weg ins Hörzentrum wurde von einer anderen kostspieligen "Krankheit" bestimmt. Der Name dieser ansteckenden, aber wundervollen "Krankheit" wird im englischsprachigen von Musikliebhabern oft als Audiophilia betitelt.

Ich besuche den Audiologen, um Rohlinge für massgefertigte Ohrhörer für den Musikgenuss anzufertigen. Auf diese Ausführungen schmunzelt der Audiologe leicht und meint, er habe bisher noch niemanden wie mich in seiner Praxis gehabt. Nach kurzen Ausführungen darüber, was bei dieser Prozedur beachtet werden muss und welche Teile des Ohrs zu den Abdrücken gehören sollen, sind alle Notwendigkeiten besprochen. Langsam nähert sich die Hand des Audiologen mit der mit Silikonmasse gefüllten Spritze meinem Ohr. Gespannt lasse ich die Prozedur über mich ergehen und hoffe inbrünstig, dass die Silikonabdrücke meines Ohrs gut werden.

Audiophilia hat mich aber nicht direkt zum Audiologen geführt, nachdem ich mich angesteckt hatte. Vor etwa zehn Jahren machte ich meine ersten Erfahrungen mit Ohrhörern – im Englischen als In-Ear Monitors (oder IEM) bezeichnet –, die in den Gehörgang eingeführt wurden. Das Resultat war verblüffend: Strassenlärm, Kindergeschrei und andere Umgebungsgeräusche verebbten, während das Musikerlebnis, vor allem die Bässe, auch bei niedriger Lautstärke intensiver wahrgenommen wurden. Das Eintauchen in die wunderbare und mannigfaltige Welt der Klänge wurde für mich zu einer Quelle des Rückzugs und der Entspannung, und das mitten im Alltagsgeschehen.

In den zehn Jahren hatte ich Dutzende dieser Ohrhörer und analysierte jedes Paar genau auf Stärken und Schwächen auf der Suche nach dem perfekten Paar für meinen Geschmack. Der wirkliche Ausbruch von Audiophilia passiere aber erst mit dem Kauf der Shure-535- und -846-Ohrhörer. Ich realisierte, dass Ohrhörer zwar selten klanglich mit einem mehrere tausend Franken teuren Sound-System mithalten können, jedoch in Sachen Portabilität und Preis/Leistung die Nase vorne haben, auch wenn sie ebenfalls mehrere hundert Franken kosten. Die Jagd nach immer neuen Klangsignaturen unterschiedlicher Ohrhörer und der damit verbundenen Ausrüstung wurde bald zu einer Leidenschaft.

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