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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
27. September 2009
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Man schrieb das Jahr 1969, als Grundig seinen ersten Kugellautsprecher, den Audiorama 700, auf den Markt brachte. Fast zur gleichen Zeit erschienen auch Kugellautsprecher von JVC, Telefunken und anderen. Rundstrahler lagen also im Trend.

Doch heute sind diese klingenden Legenden bei der jungen MP3-Generation fast vollständig in Vergessenheit geraten. Ab und zu findet man bei eBay und Konsorte Musikhörer, welche diese Rundstrahler über vier Jahrzehnte in Betrieb hatten und sich nun etwas Neues leisten möchten.

Dabei hat diese Art von Lautsprecher noch lange nicht ausgedient. Das haben die Grundig Leute bemerkt und eine Neuauflage der Audiorama 700 geschaffen.

Neue Generation

Blick in die Kugel: Zwei Tiefmitteltöner strahlen zu beiden Seiten, eine Kalotte mit Seidenmembran gibt ihren Schallanteil auf einen Kegel und bewirkt so einen 360 Grad Rundstrahleffekt.

Die Werbetexter versuchen nun, der heutigen Generation die Vorteile dieser hochmusikalischen Kugeln mit Sprüchen wie "360 Grad Begeisterung" und "Wenn die Musik aus allen Richtungen kommt, ist sie entweder live – oder von der Audiorama 9000", schmackhaft zu machen.

Eine der Haupteigenschaften ist gewiss das Rundstrahlverhalten. Man erreichte es bei der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1969 mit nicht weniger als 4 Tieftönern und 8 Mittel-Hochtönern die man rund um die Kugel montierte. Es waren alles simple Konus-Chassis, Kalotten gabs noch kaum.

Die in weiss und schwarz erhältlichen Kugeln konnte man schon damals- wie auch heute noch - an die Decke hängen oder auf elegante Ständer stellen. Die Originalversion war absolut kugelförmig. Sie wies einen Durchmesser von 31 cm auf und wog immerhin stattliche 13.5 Kilogramm.

Auch damals war es also eine verantwortungsvolle Aufgabe, beim Aufhängen an die Decke auf eine verlässliche Konstruktion zu achten.

Von der Kugel zur Ellipse

Das kugelförmige Original aus dem Jahre 1969: Audiorama 700

Die neuen Audiorama 9000 haben die Designer und Konstrukteure rein optisch attraktiver gestaltet und technisch auf den neusten Stand der Technik gebracht. Die Kugelform hat man zu einer leichten Ellipse verändert, die Chassis-Bestückung ist topmodern.

Die neuen Rundstrahler sehen in der Tat sehr elegant aus und finden auch bei der holden Weiblichkeit grossen Anklang.

Was wiederholt zu hören war, dass man sich eine Doppelfunktion von Lautsprecher und Leuchtkörper wünschte!

Anstelle der ehemals 12 Chassis findet man heute pro Kugel noch deren drei: Zwei Tiefmitteltonchassis und eine auf einen Kegel strahlende Hochton-Kalotte mit Seidenmembran.

Die Nennbelastbarkeit der neuen Audiorama liegt bei 120 Watt, die Maximalbelastbarkeit bei 180 Watt. Die Systeme verkraften somit recht hohe Leistungen. Aber ob sie auch hohe, unverzerrte Schalldrücke abgeben können, zeigt erst der Hörtest.

Direkt oder indirekt?

Über lange Jahrzehnte lieferten sich die HiFi-Fans hitzige Wortgefechte, wie nun die perfekte und allein seeligmachende Abstrahlung erfolgen sollte.

Manche meinten, nur der Direktstrahler sei ehrlich und präzis. Andere (zB. Bose) verwiesen auf die Abstrahlung im Konzertsaal mit rund 90% indirektem und 10 % direktem Schall. Und wiederum andere behaupteten, der 360 Grad Rundstrahler sei das Ei des Columbus.

Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt, und man ist sich unter Fachleuten einig, dass direktstrahlende Lautsprecher klarer und analytischer klingen, weniger von der Raumakustik abhängig sind, jedoch eine begrenzte optimale Stereohörzone bieten.

Indirekt strahlende Lautsprecher klingen ganz klar diffuser, liefern dafür im ganzen Raum einen gewissen stereofonen Raumklang.

Grundig made in Germany

Audiorama 9000 mit elliptischer Form

Die Audiorama 9000 werden in Deutschland bei einem Audiospezialisten gefertigt. Bereits beim Auspacken der Systeme stellt man fest: Das ist echte deutsche Wertarbeit!

Auch bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch keinen noch so kleinen Pfusch. Das Kunststoffgehäuse im Innern der Kugel ist stabil und praktisch resonanzfrei. Die Chassis machen einen tadellosen Eindruck.

Das darf dann aber auch etwas kosten und mit einem Stückpreis von 1099.- Franken sind diese Kultobjekte auch nicht gerade billig. Die einzeln erhältlichen Lautsprecher werden mit Deckenhalterung geliefert.

Für die Montage an der Decke sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.

Der separat erhältliche, elegante Standfuss kostet 248.- Franken.

Da die Systeme stück- und nicht paarweise verkauft werden, ist es ohne weiteres möglich, eine schwarze Kugel mit einer weissen zu paaren.

Klangpanorama

Spass muss sein: Audiorama 9000 kombiniert mit Geräten aus den 70er und 80er Jahren: Philips CD200 CD-Spieler und NAD 3020 Stereoverstärker.

Zu einem Paar Audiorama 9000 gesellten wir spasseshalber legendäre Geräte aus der Oldie-Sammlung das Autors, die aber auch heute noch viele Neuschöpfungen klanglich in den tiefsten Schatten stellen können: die Ur-Version des legendären NAD 3020 mit verstärktem Netzteil und den CD-Player No. 2 von Philips, den CD200, nachträglich von Philips modifiziert.    

Der Klang dieser Kombination wirkt ungemein luftig und erfüllt wie der Duft einer Blume den ganzen Raum.

Mit natürlichem Klangcharakter und weiträumiger Klangbühne lassen die Audiorama-Rundstrahler klassische Werke im Wohnraum erklingen.  Die Kugeln klingen dezent in den Höhen und generell recht ausgewogen.

Bei Orgelwerken glaubt man in einem riesigen Dom zu sitzen. Der Bassbereich ist klar und sauber, reicht jedoch nicht in den allertiefsten Frequenzkeller. Obwohl die Kugeln keineswegs mager klingen, sind den ganz tiefen Sub-Bässen Grenzen gesetzt. Hier könnte natürlich ein separater Subwoofer Abhilfe schaffen, obwohl er für die meisten Anwendungen nicht notwendig ist.

Auch bei Big Band und rockigen Sounds sind die Audiorama 9000 absolut im Element und liefern einen sehr weiträumigen Klang, ähnlich einem Live-Konzert oder einem grossen Open Air-Event.

Stimmungsmacher

Audiorama 9000 an die Decke gehängt....

Wer auf analytische, sehr präsente Klänge steht, ist bei den Audiorama 9000 aber ganz klar an der falschen Adresse.

Diese Rundstrahler gehören eher zur Spezies der Stimmungsmacher als zu den akribisch genauen Abhörmonitoren. Höchst erfreut darf man feststellen, dass auch bei komplexen, unsymmetrischen Räumen überall ein gewisser Raumklang zu hören ist. Zudem ist die Aufstellung ganz und gar nicht kritisch.

Aber etwas experimentieren, wo die Systeme im Wohnraum am besten klingen, lohnt sich trotzdem. Zum Herumdancen ist das natürlich ideal. Die Audiorama 9000 sind denn auch ideale Systeme zum Beschallen von stimmungsvoll leisen bis recht lautstarken Partys.

Mit den 2x30 Watt des NAD 3020 können mittelgrosse Wohnräume locker beschallt werden, was für einen recht guten Wirkungsgrad der Systeme spricht.

Fazit

Die wiederauferstandene Legende aus den 70er Jahren, die Audiorama 9000, ist nicht nur in der Manier deutscher Wertarbeit sehr gut verarbeitet, sie bietet auch klanglich aussergewöhnliche Leistung und ist das richtigen Beschallungs-System für alle Musikhörer, die einen luftigen, weiträumigen Klang lieben.

 

Preis: 1099.- Franken pro Stück inkl. Deckenmontage-Set

Separater Standfuss: 248.- Franken pro Stück

STECKBRIEF
Modell:
Audiorama 9000
Profil:
Elegante Beschallungs-Systeme für alle Musikhörer, die einen luftigen, weiträumigen Klang lieben.
Pro:
angenehmer Klang; grosse Klangbühne; sehr grosse Stereohörzone; sehr gut verarbeitet; Montage an Decken oder auf Ständer möglich; unkritisch in der Platzierung;
Contra:
begrenzter Tiefstbass;je nach Raum etwas diffuser Klang ;
Preis:
1'099.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2009
Vertrieb:
Masse:
Durchmesser 320 mm
Gewicht:
7 kg
Farbe:
schwarz, weiss
Empfohlene Leistung:
120/180 Watt
Wettbewerb