26. April 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
3. März 2008
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Elac gehört zu jenen Lautsprecherherstellern, die seriös forschen und immer wieder mutig zu unkonventionellen Lösungen greifen.

Der bereits legendäre 4Pi-Strahler und der JET-Hochtöner sind nur zwei Beispiele.

Alle Jahre wieder lässt man sich auch bei Elac etwas neues einfallen: Mit der brandneuen "Kristallmembrane" will Elac den Klang entscheidend verbessern.

Wer gespannt auf den weltersten Einsatz von Kristall als Membranmaterial ist, wird nach dem Studium der technischen Unterlagen etwas enttäuscht feststellen, dass die von Elac mit Kristallmembrane bezeichnete Neuheit aus Aluminium und Zellstoff besteht.

Was also veranlasst einen sonst eher diskret argumentierenden Hersteller wie Elac von einer "Kristallmembrane" zu schreiben? In Tat und Wahrheit ist es lediglich die Flächengebung der neuen Membrane, die einer Kristallstruktur gleicht.

Im Prinzip handelt es sich um Elacs altbekannte und bewährte Sandwich-Technologie, bei welcher eine Aluminium-Schicht mit einem Zellstoff-Konus zu einer Sandwich-Membrane verklebt wird. Die neuartige Prägestruktur bewirkt, dass die Membran noch steifer und vor allem noch verwindungsärmer wird.

Dadurch wird es jetzt möglich, die Schwingspule nicht nur am Membranhals, sondern zusätzlich auch direkt an die Alumembrane anzukoppeln. Das Resultat ist ein deutlich erweiterter, resonanzfreier Übertragungsbereich.

Die Sache ist relativ einfach - wie alle genialen Dinger - und es erhebt sich die Frage, weshalb es so lange dauerte, bis jemand auf diese gar nicht üble Idee kam. Dank der magnetischen Abschirmung aller Chassis können die mit ihnen bestückten Boxen bedenkenlos sehr nahe an Röhrenfernseher gestellt werden, ohne dass sich dabei irreparable Farbverfälschungen ergeben.

Schnell und impulsfreudig

Der JET-Hochtöner ist der optimale Spielpartner zur Kristallmenbrane und unterscheidet sich grundlegend von einem Kalotten- oder Bändchenlautsprecher.

Die Membrane des JET Hochtöners ist weder flach noch kuppelförmig, sondern - ähnlich einer Gardine - gewelllt.

Der Erfinder dieses Schallwandlers, Dr. Oskar Heil, nannte dieses Prinzip "Air Motion Transformer".

Damit deutete er an, dass bei diesem Prinzip die Luft um ein Vielfaches schneller aus den Falten gepresst wird, als sich die Membran selber bewegt. Durch diese Transformation ergibt sich ein exzellentes Impulsverhalten. 

Made in Germany?

Fertigung im eigenen Hause: Während die Gehäuse sowohl der FS 247 als auch der BS 243 in China produziert werden, stammen die Schallwandler aus eigener Fertigung. Hier werden Schwingspulen 'gebacken'. Sie sind dann auch bei hohen Signalströmen sehr hitzefest.

Stolz prangt auf den JET-Hochtöner ein Made in Germany-Kleber.

So wollte avguide.ch von Entwicklungsleiter Rolf Janke wissen, was nun wirklich in Deutschland produziert wird.

Alles was die Schallwandler-Technologie betrifft, wird tatsächlich in Deutschland und das meiste sogar im eigenen Hause gefertigt. Anders die Gehäuse, die zwar in Deutschland entwickelt, jedoch in China gefertigt werden.

Doch da die Produktionskosten in China im Steigen begriffen sind, könne man sich eine Gehäusefertigung in Europa, mit all ihren grossen Vorteilen, durchaus wieder vorstellen. Insgesamt darf man die hier geprüften Elac Produkte als Made in Germany bezeichnen, da der Hauptanteil des Arbeitsaufwandes in Deutschland geleistet wird.

Grosser Gerneklein

Der FS 247 ist ein Standlautsprecher, der mehr Volumen beinhaltet als man ihm aufgrund seiner äusserst eleganten und schlanken Erscheinung zugetraut hätte.

Der Trick liegt darin, dass man von vorne betrachtet vor allem seine geringe Breite von lediglich 22 cm realisiert, nicht aber die doch recht happige Tiefe von 32 cm. Trotz einer Höhe von etwas über einem Meter steht dieser  säulenartige Lautsprecher stabil auf einem massiven Standfuss und fällt so leicht nicht um.

Das Gehäuse hinterlässt auch bei näherer Betrachtung einen tadellosen Eindruck. Im Innern ist es an den kritischen Stellen massiv verstärkt und bedämpft. Es besteht den simplen, aber doch recht aussagekräftigen "Klopftest" mit Bravour.

Bekannt ist ein Problem, mit dem alle säulenartigen Lautsprecher zu kämpfen haben. Es handelt sich dabei um eine Resonanz, die um die 350 Hz auftritt und im Inneren des Gehäuses eine stehende Welle mit einer Wellenlänge von rund 1 Meter - also genau der Höhe der Lautsprecherbox - bewirkt.

Diese lästige Resonanz lässt sich mit vertretbarem Aufwand nicht ganz beseitigen, aber eben doch mehr oder weniger gut bedämpfen. Wie das den Elac Leuten gelungen ist, zeigt der Hörtest.

State of the Art

Die Bestückung der FS 247 darf man getrost mit State of the Art bezeichnen.

Elac kann zwar mit einem koaxialen X-JET oder etwa einem 4Pi-Strahler noch einen drauf setzen, doch ist der JET Hochtöner in Verbindung mit der Kristallmembrane, mindesten technisch betrachtet, ein System der Spitzenklasse.

Hinzu kommt eine perfekt abgestimmte Frequenzweiche und die Integration in ein raffiniertes Bassreflexgehäuse mit optimalen Tunig-Möglichkeiten.

Anpassungsfähig

Mittels einer Schaumstoffumrandung kann der Pegel des JET-Hochtöners in akustisch unterbedämpften Räumen etwas abgesenkt werden, ohne dass die Klangdefinition darunter leidet.

Die FS 247 lässt sich sowohl im Bass- als auch im Hochtonbereich den akustischen Verhältnissen des Abhörraumes anpassen.

Während die Haupt-Bassreflexöffnung nach unten strahlt, kann eine weitere bei Bedarf auf der Rückseite des Gehäuses durch Entfernen eines Gummipfropfens geöffnet werden.

Damit kann der Bassbereich je nach Bedarf verstärkt werden.

Um eine Höhenlastigkeit der Boxen in schwach bedämpften Räumen zu verhindern, empfiehlt Elac die Montage eines Schaumstoffumrandung vor den JET-Hochtöner. Ob diese beiden Tuning-Möglichkeiten brauchbar sind, ist ebenfalls im Hörtest zu erfahren.

Kristallklar?

Aus Aluminium und Zellstoff wird Kristall? Die Elac Kristallmembrane besitzt eine kristallartige Flächengebung, basiert jedoch auf Elacs bekannter Sandwich-Technologie, bei welcher eine Aluminiumschicht mit einem Zellstoffkonus zu einer Sandwichmembrane verklebt wird.

Dem von Marantz-Altmeister Ken Ishiwata getunten Verstärker- SACD-Player- Gespann PM7001 KI - SA 7001 KI fiel die Ehre zu, den Kristallmembranen klanglich auf den Zahn zu fühlen, aber diese auch zu Höchstleistungen anzuspornen. Die Hörer reagierten auf dieses Ensemble mit Urteilen wie: frischer, schöner und weiträumiger Klang, hervorragend durchzeichnet und - last but not least - bemerkenswerte Transparenz in der alles entscheidenden Mittellage.

Mit einem fantastischen Reichtum an Klangfarben, stabil und sehr impulsfest, stellten die FS 247 einen grossen Konzertflügel ab SACD in den Abhörraum. Doch nicht nur die Klangfarben beeindruckten, auch die räumliche Projektion ist eine Klasse für sich. Weiträumigkeit wird hier mit Präzision verbunden. So ist kein Schwimmen eines künstlich aufgeblasenen Klangbildes zu hören sondern eine hochpräzise Reproduktion der klanglichen Gegebenheiten des Aufnahmeraumes.

Ihre hohe Klasse bewiesen die JET-Hochtöner, im Verbund mit den Kristallmembranen, auch bei Streichern. Die Feinzeichnung steht einem elektrostatischen oder Bändchenlautsprecher kaum nach.

Die weiträumige und dennoch klar umrissene Projektion der Klangkörper machte sich auch bei der Wiedergabe grossorchestraler Werke sehr positiv bemerkbar. Von der meisterlichen Art, wie hier der gesamte Dynamikbereich, vom zartesten Oboensolo bis zum brachialen Paukenschlag gemeistert wird, darf man ruhig etwas schwärmen.

Abgesehen von einer winzigen Resonanz bei 300 Hz, die aber nur bei Solostimmen gerade noch vom geübten Gehör zu erlauschen und am Top der Boxen mit den Händen zu erfühlen war, wirkte das Klangbild über den gesamten Frequenzbereich - wie man so schön sagt - "kristallklar". Damit ist aber nicht ein kalter, gnadenlos überzeichneter, greller Sound gemeint, sondern echte Präzision vom Tiefstbass bis zum Diskant.

Klein aber mächtig...

Was die beiden 15 cm Kristallmembran-Bass-Mitteltöner bei knallharter, rockiger Musik an Druck und Power liefern können, ist absolut erstaunlich. Fundamental tiefe Bässe, schlagkräftige Mitten und hochbrisante Höhen vereinen sich hier zu einem homogenen Klangwerk der Top-Klasse.

Natürlich sind bei der Wiedergabe der brachialen Bass-Drum-Kicks des berüchtigten Boxenkillers (High-End Test Record Impression) bei annähernd livegerechten Pegeln die Grenzen der FS 247 zu hören. Die FS 247 ist eben keine unförmige, hornbestückte PA- sondern eine schlank und ranke High-End Box, die aber auch bei entsprechender Verstärkerleistung grössere Räume mit absolut ausreichenden Pegeln beschallen kann.

Die sehr brillant klingenden Marantz Kombi unterstrich dabei den strahlenden Klangcharakter der Boxen. Ein deutlich wärmeres, grundtönigeres Klangbild lieferten die Probanden an einer leicht antiquierten Verstärker-Bolide von Forte Audio. Mit unterschiedlicher Elektronik, aber auch Lautsprecher-Kabeln kann somit am Klangcharakter nach Herzenslust noch etwas gefeilt werden.

Kleiner Gernegross

Elac BS 243: Audiophile Kleinbox der Topklasse.

Die kleine BS 240 lässt sich mit einer Höhe von lediglich 28,5 cm und einem Volumen von 11.2 Liter sowohl im Regal als auch auf einem Ständer platzieren und ist mit den gleichen Chassis wie die FS 247 bestückt .

Ihr 2 Wege-System spielt allerdings nur mit einem 15 cm Kristallmembran Tief-Mitteltöner zum Konzert auf. Der Hochtonbereich kann ebenfalls mit einem Schaumstoff- Tunig-Element beeinflusst werden.

Die Stärke des Bassbereiches lässt sich mit unterschiedlichen Schaumstoff-Pfropfen in der Bassreflexöffnung variieren. Die Fertigung ist typisch Elac: auch unter der Lupe lassen sich diese Juwelen - sorry: Kristalle - keinerlei Schwächen anmerken.

Feinfühlige Kraft-Zwerge

Die kleinen BS 243 stellten wir auf einen rund 60 cm hohen Standfuss und rund 30 cm vor die Rückwand und betrieben sie ebenfalls mit der Marantz-Elektronik. Das Klangtimbre ist der grossen Schwester sehr ähnlich.

Auch der Winzling kann mit einer exzellenten Feinzeichnung und Transparenz über den gesamten Frequenzbereich begeistern. Manchmal hat man sogar den Eindruck, die BS 243 klinge einen Tick räumlicher und bestätigt wieder einmal die paradoxe Erfahrung, dass kleine 2-Wege Lautsprecher sehr oft freier und räumlicher klingen als grosse Mehrwege-Systeme. Stimmen wirken sehr angenehm, nie kehlig, sondern glockenrein.

Bei Kammermusik sind diese Kompaktboxen absolut im Element und zeigen ihre Grenzen erst, wenn bei Schuberts Forellenquintett zum Cello noch ein Kontrabass zu erscheinen hat. Auch bei jazzig-rockigen Klängen agiert sie frisch und dynamisch. Markant unterschieden sich die beiden so unterschiedlich grossen Lautsprecher vor allem im Tiefbass.

Wenn es darum geht, Bassgitarren, Bass-Drums, oder auch tiefe Orgelbässe zu reproduzieren, hat die kleine BS 243, obwohl sie sich beachtlich tapfer schlägt, ganz klar das Nachsehen. Doch in kleineren Räumen und bei optimaler, eher wandnaher Aufstellung, kann sie ein Klangvolumen liefern, mit dem man absolut leben kann.

Man darf ihr zudem sehr gute Allround-Klangeigenschaften zugestehen, da sie bei keiner Musikart schlapp macht. Die BS 243 gehört ganz klar zu den besten auf dem Markt erhältlichen Kleinboxen. Sie ist echt audiophil und das zu einem als angemessen zu bezeichnenden Preis.

Klang-Tuning in der Praxis

Aufwendig und stabil: Auch im Inneren sind die Boxen erstklassig verarbeitet.

Das Montieren der Schaumstoff-Elemente vor den JET Hochtönern bewirkt in der Praxis tatsächlich eine leichte Reduzierung der Brillanz, ohne die Klangdefinition auch nur im geringsten zu beeinträchtigen.

Wer auf einen etwas weicheren Sound steht, kann diese sehr dezent wirkenden Schaumstoffelemente auch in normaler Akustik mal ausprobieren. In unserem Abhörraum wurde allerdings die Weiträumigkeit des Klangbildes etwas reduziert.

Das Öffnen der hinteren Bassreflexöffnung bei der FS 247 verstärkte die Basswiedergabe deutlich hörbar, was in unserem Abhörraum und bei wandnaher Platzierung nicht erwünscht war. Doch in grösseren Räumen und bei freier Aufstellung im Raum kann dieser Bass-Boost sehr willkommen sein.

Bei den auf Ständer gestellten BS 243 war ein Abdämpfen des Bass mittels Schaumstoff-Pfropfen ebenfalls unnötig. Bei wandnaher Platzierung und im Regal kann diese Tuningmöglichkeit unter Umständen einiges bringen.

Fazit

Obwohl die neue Kristall-Membrane von Elac aus Aluminium und Zellstoff besteht, ist sie alles andere als nur ein Werbegag. So bieten die mit ihr bestückten Standlautsprecher FS 247 und die kleine BS 243 Klangresultate, die man in ihren Grössen- und Preisklassen suchen muss. Die neuen Sandwich-Membranen mit kristallartiger Formgebung sind dabei als klangfarbenfrohe Mosaiksteine auf dem Weg zum perfekten Lautsprecher zu betrachten.

Info

Elac FS 247:3380 Franken pro Paar
Elac BS 243 1730 Franken pro Paar

Info: www.bleuel.ch, 044 751 75 75

STECKBRIEF
Modell:
BS 243
Profil:
Die Kristallmembran von Elac darf als Mosaikstein auf dem Weg zum perfekten Lautsprecher betrachtet werden.
Pro:
hochwertige Verarbeitung; Chassis in State of the Art-Qualität; ausgezeichneter Klang ; elegante Erscheinung; mehrheitlich made in Germany; gute Klangtuning-Möglichkeiten;
Contra:
gilt nur für FS 243:; Tief-Bass aufgrund bescheidener Grösse limitiert.;
Preis:
865.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
170 x 285 x 232 mm
Gewicht:
5,2 kg
Farbe:
Schwarz Hochglanz, Kirsche Furnier, Mokka Furnier
Weitere Produktdetails anzeigen
Modell:
FS 247
Preis:
1,690.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
1022 x 320 x 220 mm
Gewicht:
16,8 kg
Farbe:
Schwarz Hochglanz, Kirsche Furnier, Mokka Furnier
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Modell:
BS 244
Preis:
1,065.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
200 x 330 x 282 mm
Gewicht:
7,4 kg
Farbe:
Schwarz Hochglanz, Kirsche Furnier, Mokka Furnier
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Modell:
CC 241
Preis:
1,320.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
430 x 170 x 350 mm
Gewicht:
9,4 kg
Farbe:
Schwarz Hochglanz, Kirsche Furnier, Mokka Furnier
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Modell:
FS 249
Preis:
3,190.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
260 x 1147 x 368 mm
Gewicht:
27,2 kg
Farbe:
Schwarz Hochglanz, Kirsche Furnier, Mokka Furnier
Weitere Produktdetails anzeigen
Wettbewerb