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Publikationsdatum
24. November 2017
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Just nachdem das Analogforum der AAA-Switzerland (Analogue Audio Association: ein Verein für Erhalt und um die Faszination analoger Musikwidergabe) in Basel seine Tore schloss, erlebten Schweizerinnen und Schweizer den Digital Day bei vorwiegend guten Wetterbedingungen. Herausgeputzt und aufgeregt liessen sich Protagonisten aus Politik und Wirtschaft nicht lumpen, die grossen Vorzüge und Chancen, aber auch Herausforderungen der Digitalisierung medienwirksam zu bewirtschaften.

Die Teilnehmer des Analogforums in Basel waren zwar eher älteren Datums und meistens männlich, doch keineswegs rückständig: Auch sie checkten allpot ihre Mails und Messages auf mobilem Gerät. Sie wollen eigentlich bloss ihrem Hobby, ihren Plattenspielern, Schallplatten und Tonbandgeräten huldigen. Quasi ein Oldtimertreffen doch immerhin mit ein paar relevanten Mahnfingern in Richtung der digitalisierten Musikwiedergabe der Zukunft. Diese beschleunigt gerade ihr Tempo.

Woran wir uns schon gewöhnt haben

Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Musik immer seltener von Tonträgern im weiteren Sinne abgespielt wird, sondern zunehmend von Streamingdiensten gestreamt. Die «Mietmusik» hält Einzug und verdrängt die «Kaufmusik».

Wir haben uns daran gewöhnt, dass digitale Musik-Zuspieler zu einer reinen Software-Angelegenheit werden. Die Software braucht bloss einen schnellen Rechner in irgendeinem Gerät, um zu funktionieren. Schöne, aufwendig gemachte  und kostspielige Geräte mit hochwertigen Stromversorgungen werden nur noch im High-End-Audio überleben. Fragt sich nur, wie lange noch.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass erfolgreiche Musiker dank YouTube bekannt werden. Oft lange bevor sie überhaupt ein professionelles Album produzieren können. Jacob Collier, heute 23 Jahre alt, begann 2011 mit 17 Jahren seine Musik auf YouTube zu veröffentlichen. 2016 produzierte er sein Album «In My Room» finanziert mit Crowd Funding. Er gewann 2016 zwei Grammys. Collier war Millionen von Musikhörern lange vor Erscheinen seines ersten Albums bekannt.

Woran wir uns noch gewöhnen müssen

Die Digitalisierung der Musikwiedergabe führt dazu, dass wir quasi alle Musik jederzeit und überall zur Verfügung haben und hören können. Auch in hoher Qualität. Sie führt dazu, dass wir Musik fast nur noch mieten, nach Bedarf nutzen und viel weniger besitzen.

Sie führt dazu, dass wir permanent online sind und dass unsere Hörgewohnheiten und Musik-Präferenzen erfasst und genutzt werden. Das ist ein Verlust unserer Privatsphäre und kann sich unterschiedlich auswirken. Zum Guten wie zum Schlechten.

Sie führt dazu, dass unsere Hi-Fi-Geräte mit den Software-Herstellern kommunizieren und ihnen, oder anderen, Daten über unser Privatleben übermitteln. Man kann damit ergründen, welchen kulturellen, religiösen oder politischen Werten wir uns zuwenden, je nach Musik oder Sprache, die wir zu Hause oder unterwegs hören.

Sie führt dazu, dass Musikschaffende die Musikkonsumenten direkt anpeilen (Bsp. YouTube), um den Erfolg ihrer Musik zu messen. Wer mit Musik Geld verdienen will, muss und kann sich dem Markt direkt stellen, wird aber auch «marktfähige» Musik schaffen. Die Kreativität der Musiker wird sich vermehrt der Nachfrage unterordnen.

Die Digitalisierung der Musikwiedergabe erzeugt auch Gegenreaktionen: Das Medium «Vinyl» ist ein aktuelles Beispiel.

Konsumenten der Zukunft

Die zukünftige Konsumentin im nachfolgenden Video versucht, eine Zeitschrift wie ein Tablet zu «nutzen». Ohne grosse Begeisterung, wie man sieht. Vielleicht wird sie eines Tages Gefallen an Schallplatten finden.

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