18. Oktober 2017 | seit 1999
TESTBERICHT
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Test JVC HA-S90BN

Der JVC HA-S90BN kann sich unterschiedlichen Klangwünschen anpassen.

Die Japan Victory Company (JVC) hat eine grossartige HiFi-Geschichte zu erzählen. In den 70er Jahren war sie federführend bei der CD4-Quadrophonie mit dem Gegenspieler Sony mit der SQ-Quadrophonie. Doch während JVC heute den allgemeinen HiFi-Bereich drastisch reduziert hat, führt man immer noch ein breites Angebot an Kopfhörern, vom ohrumschliessenden HiFi- bis zum Sport-In-Ear-Hörer.

Der HA-S90BN, der mit Richtpreis von 199.99 angeschrieben wird, gehört zu den Erstgenannten und bietet, wie die meisten unserer Testprobanden, Headsetfunktion, Bluetooth und aktives Noise Cancelling. Zu bedienen ist der leichte, handliche  Hörer wirklich einfach. Mit seiner dreistufigen Sound-Taste kann der Klang von bassig, linear bis hell verändert werden.

Was bei diesem Hörer auffällt, ist, dass er sich  als Einziger dieses Tests  nicht allen Kopfformen anpassen konnte. So passt er perfekt auf eher grosse Köpfe und zeigt Probleme bei eher kleinwüchsigen Leuten mit schmalem Kinn. Bei diesen ergibt sich an der Unterseite der Muschel ein kleiner Spalt, der Umgebungslärm durchlässt und den Klang auch in Sachen Bass vermiest. Versucht man die Muscheln etwas satter an die Ohren zu drücken, bekommt man in der rechten Muschel ein unangenehmes Pfeifen zu hören. So sollte jede(r) an diesem Hörer Interessierte sich ihn erst mal aufsetzen und prüfen, ob er wirklich satt am Kopf sitzt und auch unten einwandfrei abdichtet.

Messungen

Lärmdämpfungsdiagramm: Das Noise Cancelling dämpft tiefe Frequenzen recht gut, zeigt aber bei 1 kHz eine eher mässige Leistung.

Die Muscheln alleine dämpfen mittlere Frequenzen nur begrenzt ab und das Noise Cancelling, das tiefe Frequenzen (bei gutem Sitz der Muscheln am Kopf!) recht gut reduziert, arbeitet im mittleren Frequenzbereich bei 1 kHz eher ungenügend.

Der Frequenzgang (hier kein Diagramm) verläuft am Kabel, abgesehen von einer leichten Delle bei 4 kHz, recht linear. Via Bluetooth ergeben sich kaum nennenswerte Unterschiede. Und beim Klangschalter ist klar, dass die Bässe bei Stellung Bass und die Höhen bei Clear angehoben werden.

Hörtest

Der JVC HA-S90BN kann sich eher kleinen Kopfformen nicht genügend anpassen. So werden die Polster oben zusammengedrückt und unten entsteht ein Spalt, der Lärm durchlässt und den Klang verschlechtert.

Am Kabel zeigt der Hörer einen insgesamt ausgewogenen, eher warmen Klang mit recht tiefen, aber diskreten Bässen. So wirkt er bei anspruchsvoller Klassik angenehm brillant und bei härteren, rockigen Sounds recht vital. Auch via Bluetooth können sich die klanglichen Leistungen hören lassen, obwohl hier das letzte Quäntchen Feinzeichnung bei anspruchsvoller Musik aufgrund fehlendem aptX fehlt.

Dank dem Sound-Schalter kommen auf der Stellung Bass auch die Freunde ausgeprägter Bässe und auf Stellung Clear Hörer mit einer Vorliebe für helle, brillante Klänge auf ihre Rechnung. Doch für Bass-Fetischisten ist der Hörer auch auf Stellung Bass noch recht brav und liefert wohl einen kräftigen, aber nicht umwerfenden Giganto-Bass, wie andere Hörer das so schön tun.

Der Lärm-Killer-Effekt des Noise Cancelling ist bei brummigem Lärm gut. Doch während der Rasenmäher des Nachbarn gut ausgeblendet wird, stören bei  komplexem Baulärm Frequenzen in der Mittellage. Zudem verschlechtert sich die Klangqualität durch das Noise Cancelling beträchtlich. Der Klang verliert drastisch an Schönheit wirkt dünn und gepresst. Zudem stören zuweilen ganz leise, sirrende Störgeräusche.

Fazit

Der JVC HA-S90BN kann sich leider nicht allen Kopfformen perfekt anpassen. Deshalb gilt vor dem Kauf: Prüfe, wer sich klanglich für einige Zeit binden will! Klanglich bietet er gute Leistungen und kann sich unterschiedlichen Klangwünschen gut anpassen, ohne allerdings auch auf Stellung Bass bombastische Bässe zu liefern, wie es Bass-Fetischisten sich heute wünschen. Sein Noise Cancelling, das im Bass gut arbeitet, bietet bezüglich der Dämpfung mittlerer Störfrequenzen nur mässigen Effekt und beeinträchtigt die Klangqualität leider doch recht stark.

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