22. April 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
Seite 5 / 7

Thema niedrige Impedanzen

Der OTL-Kopfhörerverstärker wurde primär auf den hochohmigen HD800 mit seinen 300 Ohm Nennimpedanz optimiert.

Versuche mit anderen hochohmigen Kopfhöreren verliefen denn auch meist zufrieden stellend, nicht aber solche, mit niederohmigen Hörern. Das Problem bei der ersten Verstärker-Version bestand darin, dass die Stromtüchtigkeit bei niedrigen Impedanzen bemängelt wurde. Deshalb spendiert man der neusten Version des OTL-Kopfhörerverstärkers auf der Platine zwei Mikroschalter, mit denen man von hoch- auf niederohmigen Betrieb umschalten kann.  

Nun war ich gespannt, was denn die Umschaltung schaltungstechnisch bewirkt. Da nirgends darüber was zu erfahren war, wandte ich mich direkt an Dr. Burkhardt und erhielt umgehend folgende Antwort:

„Auf Ihre Frage kann ich Ihnen verraten, dass zu dem Folienkondensator in der Kathodenauskoppelung ein selektierter hochwertiger Elko parallel geschaltet wird, der den Tiefenfrequenzgang bei niederohmiger Last nach unten erweitert. Man könnte zwar ohne Schalter auskommen, doch hat sich in ausgiebigen Hörsitzungen bewiesen, dass der hochohmige HD800 noch ein Quentchen Feinzeichnung zulegt, wenn er nur über die Folie angekoppelt wird“.

Ob diese relativ simple Massnahme tatsächlich genügt, um niederohmige Hörer perfekt anzusteuern, ist im Hörtest zu erfahren.

Charmant und süffig....

Absolut delikate Klangkost für diesen Hörtest bieten zwei audiophile CD-SACD-Player und meine ganze Sammlung von erstklassigen CD's und SACD's.

Dass der OTL-Kopfhörerverstärker auf den hochohmigen HD800 abgestimmt wurde, ist klar hörbar. Der Klang dieses Gespannes darf man schlicht mit „perfekt“ bezeichnen. Für eine Kopfhörer-Wiedergabe ist die räumliche Projektion der Klangkörper geradezu sensationell, wenngleich das Klangbild noch nicht hundertprozentig vom Kopf gelöst erscheint. Doch damit kann man durchaus leben.

Vom allertiefsten Kontra-Bass bis zur höchsten Piccoloflöte ist der Klang ausgewogen, präsent und exzellent durchzeichnet. Damit aber nicht genug. Diese Kombination klingt nicht nur schlicht perfekt, sondern auch grundmusikalisch. Dieser Klang berührt auf äusserst charmante, süffige Art und Weise.

Streicher kommen mit ihrem typischen seidigem Glanz, absolut hervorragend definiert, ohne aber jemals überzeichnet oder gar spitz zu klingen. Der Klang wirkt generell schnell, quicklebendig und ausgesprochen vital.

Das ist man sich vom konventionellen Röhrenverstärker mit Ausgangsübertrager ganz gewiss nicht gewohnt. So heisst es für die Freunde des klassischen Röhrensounds aufgepasst: Wer den typischen, wohlig-warmen Röhrensound sucht, wird ihn hier nicht finden.

Doch der Klang ist trotz seiner Lebendigkeit nie grell oder gar zischelnd. Ein Blechbläserensemble kommt unglaublich kraftvoll, edel und rein. Man spürt: Diese Instrumente haben Klasse. Sie scheppern nicht einfach im Stile einer Guggenmusik vor sich hin, sondern glänzen durch eine exzellente Fein- und Grob-Dynamik.

Die Darstellung einer grossen Kirchenorgel gelingt ebenfalls beeindruckend. Wenngleich die Sub-Bässe systembedingt nicht mit dem Körper zu spüren sind, stellt sich ein grandioses Erlebnis ein. Einfach herrlich, wie die höchsten Mixturen glänzen, ohne grell zu wirken, wie die Zungenregister charakteristisch schnarren und die mit grosser Zeitverzögerung versehenen Schallrückwürfe die Grösse des Domes eindrücklich fühlbar machen.

Die Wiedergabe von Stimmen, sei es Solo- oder Chorgesang, ist absolut begeisternd. Glockenrein und sehr charakterstark werden die Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass plastisch in den Raum gestellt.

Wettbewerb