22. April 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Test des Onkyo DP-S1 – der kleine Bruder

Gelungener Kompromiss: Der Onkyo DP-S1.

Es fällt mir leicht, über den Onkyo DP-S1 zu berichten. War doch sein grosser Bruder, der DP-X1, einer meiner grössten Favoriten unter den digitalen Audioplayern im letzten Jahr. Der DP-S1 tauscht im Wesentlichen die Qualität seines grossen Bruders, ein Smart-DAP zu sein, ein gegen seine «Ultraportabilität» von 60 x 94 x 15 Millimetern und 130 Gramm, die sogar mit dem Hifiman Megamini rivalisieren kann.

Ansonsten rivalisiert der DP-S1 jedoch direkt mit der Liga seines Bruders und weniger mit anderen kompakten Audioplayern. Auf dem Papier liegen beide weitgehend gleichauf. Neben gleichwertigen doppelten Digital-Analog-Wandlern  und identischem Duo an Verstärkern besitzen beide über einen gleichwertigen Akku, der 15 Stunden bei 96 kHz/24 Bit und 32 Ohm und «normaler» Lautstärke das Hörzentrum beglücken vermag.

Die Gemeinsamkeiten reissen nicht ab. Allerdings wurden auf den DP-S1 auch Dinge übernommen, die es zu bemängeln gab. So hat der S1 die gleichen exponierten zwei Schnittstellen für die Mikro-SD-Karten. Allerdings scheint der «kleine Bruder» nicht den anfälligen symmetrischen Ausgang der DP-X1 geerbt zu haben, wobei das gelungene Rad zur Lautstärkeregelung beibehalten wurde, das sich in das Aluminiumgehäuse einschmiegt.

Das Betriebssystem jedoch ist nicht mehr Android, sondern eine aufgebohrte Linuxvariante. Per Touchscreen-Display navigiert man sich in Windeseile durch das stark abgespeckte Menü. Allzu grobe Wurstfinger werden hier möglicherweise mit der geringen Grösse des 2,4-Zoll-Displays zu kämpfen haben.

Nach eingängiger Prüfung konnte ich beruhigt feststellen, dass es die wichtigsten Features des Vorgängers in die miniaturisierte Variante des DP-S1 geschafft haben. Upsamplingfunktionen bis zu 192 kHz/32 Bit sowie die drei Digitalfilter (sharp/short/slow) als auch die siebenstufige Regulierung der Phasenregelschleifen-Taktung – keine meiner lieb gewonnenen Technikspielereien sind auf der Strecke geblieben. Selbst eine 10-Band-Variante des Equalizers vom Dp-X1 hat es auf die Implementierung des S1 geschafft und natürlich unterstützt auch der DP-S1 MQA.

Keine Sorgen müssen sich Musikliebhaber, die auf die Streamingdienste Tidal und Tunein setzen, machen. Diese werden seit kurzem über die Onlinefunktion unterstützt. Weitere Anbieter sollen folgen.

Ein wichtiger Punkt, der den Nachteil des DP-S1, kein Smart-DAP zu sein, zu einem Teil wettmacht, ist die Möglichkeit, den Player gänzlich per Smartphone über Bluetooth (LE) und per DapController App zu bedienen. Sind wir mal ehrlich: Mittlerweile hat fast jeder ein Smartphone und niemand, auch der grösste Klangpurist, möchte von sich aus mehr als ein Gerät bedienen. Doch leider erreicht bisher kein Smartphone die klangliche Leistung eines DP-S1.

Diese Klangqualität des DP-S1 ist weitgehend mit dem DP-X1 identisch. Klänge sämtlicher Frequenzbereiche erscheinen glasklar, seidig weich und feingliedrig. Der Detailgrad ist über den ACG (Active Control Ground) Modus des symmetrischen Ausgangs schwindelerregend. Obwohl über den BTL-Modus-Kopfhörer (Bridges Transless) bis 600 Ohm Impedanz mit ausreichender Lautstärke abgespielt werden können, gehören Letztere eher in eine warme Stube zu einer stationären Anlage als unterwegs an einen DP-S1 angeschlossen. Nach meiner Erfahrung geht zu viel an Dynamik und Kraft verloren und der seidig weiche Charakter des DP-S1 wird so immer mehr zum Nachteil.

Wem würde ich den DP-S1 empfehlen? Ich drehe lieber die Frage herum. Nicht empfehlen würde ich den S1 Leuten mit weniger als 400 Franken Budget, Musikliebhabern, denen ich wegen fortgeschrittener Audiophilia eher ein Gerät der Kategorie «Fetisch» ans Herz legen würde, oder Kunden, die explizit einen Smart-DAP wollen. Alle anderen sollten zumindest einmal den DP-S1 oder seinen grossen Bruder, den DP-X1 gehört haben. 

Kein Schuss ins Grüne. Onkyo vermag mit dem abgespeckten DP-S1 zu überzeugen.
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