In-Ear vom Klassiker
Test Klipsch In-Ear Kopfhörer Custom und Image

Die Ipod Varianten und anderen Mediaplayer haben eins gemeinsam. Die mitgelieferten Ohrhörer können nicht wirklich überzeugen. Die Kalkulationen sind eng, der Preiskampf im Online-Shop knallhart, da bleibt meist kein Spielraum für amtliche Ohrhörer.
Die Kopfhörerhersteller freuts, und in den letzten Jahren hat sich da ein eigentlicher kleiner Nischenzweig in der UE-Branche aufgetan. Zu den Herstellern von hochwertigem Ohrhörern für den mobilen Bereich gesellt sich jetzt auch Klipsch.
Der Name Klipsch besitzt unter Audio-Liebhabern auch nach den markanten Veränderungen der letzte Jahren immer noch ein hohes Renommee. In den letzten Jahren erweiterte man das Produktportfolio zusehends. Neben den Lautsprecher-Klassikern - auch das Original-Klipschorn des Audio Pioniers und Gründers Paul W. Klipsch ist nach wie vor im Programm - produziert man seit einiger Zeit Ipod-Zubehör und nun auch eine komplette Ohrhörer-Linie.
Klipsch setzt bewusst auf hohe Qualität und will nicht zuletzt auch Musiker und Pros aus dem Studioumfeld ansprechen. avguide.ch hat sich fünf Hörer aus der Image- und der Custom-Serie im Detail angeschaut.
Fünf Ohrpolster für jedes Ohr

Einen In-Ear Kopfhörer klanglich abzustimmen ist nicht einfach. Jedes Ohr ist unterschiedlich und hat seine anatomischen Eigenheiten. Bei einem In-Ear sollte der Gehörgang idealerweise durch das Ohrpolster angeschlossen werden, damit einerseits kein Schalldruck in der Umgebung verpufft und andererseits nur so der vom Entwickler gewünschte Frequenzverlauf in den Gehörgang transportiert werden kann. Die von Klipsch entworfenen und aufgrund der speziellen Passform zum Patent angemeldeten Silikonpolster sind extrem flexibl.
Pro Hörer werden fünf (waschbare) Varianten mitgeliefert: drei Grössen mit einem einfachen Flansch und zwei mit einem Doppelflansch. Mit dieser Vielfalt hofft man, einen möglichst breiten Personenbereich abzudecken.
Die Ohrstöpsel sollten sich möglichst natürlich in den Gehörgang einfügen, ohne mechanisch zu stören und doch genügend Anpressdruck aufweisen.
Doch wie findet man raus, ob die Stöpsel auch richtig sitzen? Ganz einfach, die Klipsch In-Ear brauchen einen satten Abschluss, damit sich eine druckvolle Basswiedergabe einstellt. Ist die Wiedergabe zu dünn und fehlt das Bassvolumen , sitzen die In-Ears nicht korrekt. Die Custom-Serie besitzt daher zusätzlich einen biegbaren Haltebügel mit dem sich die Ohrhörer elegant auf den Gehörgang ausrichten und fixieren lassen. Bei der Image Serie werden die kleinen Stöpsel dezent ins Ohr gedreht, bis sie fest sitzen. Grundsätzlich sollte man sich für die Auswahl des passenden Ohrpolster ausreichend Zeit nehmen und etwas experimentieren.
Image X-10

Die X-10 der Image-Serie werden mit einem Kästchen und einem Tragebeutel aus Kunstleder, einem Flugzeugadapter sowie den fünf Sets Ohrpolstern und einem Reinigungswerkzeug geliefert.
Die aus Aluminium mit Akzenten aus eloxiertem Kupfer gefertigten Image-Ohrhörer machen einen sehr wertigen und exklusiven Eindruck und sind das ideale Audiozubehör für den qualitätsbewussten Hörer, der auch einen gewissen Betrag in sein Hörvergnügen investiert.
Die richtige Auswahl des Silikonpolster und das 'Reindrehen' der Hörer, bis sie dann richtig sitzen, kann etwas knifflig sein. Bei gutem Halt begeistert das Spitzenmodell der Image-Serie dann mit einem exzellent durchzeichneten Klangbild. Rebecca Pidgeons „The Raven" hörte ich auf einem In-Ear Hörer wirklich noch nie so rein und sauber an wie mit dem Klipsch Image X-10. Der Bass kommt mit sattem Fundament und einer erstaunlichen Leichtigkeit.
Der Sound ist gerade in der Mittellage prägnant, wirkt jedoch nie hell oder gar grell. Insgesamt konnte die Klangabstimmung des Image X-10 vollumfänglich überzeugen. Ein echter Audio-Tipp. Zudem können es die X-10 auch richtig laut, ohne zu verzerren, was zwar über längere Zeiten im Sinne des Gehörschutzes nicht zu empfehlen ist, aber gerade für Musiker auf der Bühne immer wieder ein wichtiges Features darstellt. Abstriche gabs für die Empfindlichkeit auf mechanische Berührungen am Kabel, die im Hörer deutlich wahrnehmbar waren .
Image X5

Der Image X-5 ist der kleinere Bruder des Image X-10. Bei identischer Bauform mit einem kleinen Bassreflexgehäuse ausgestattet, besitzt er einen etwas abgespeckten Breitbandtreiber. Achten sollte man darauf, dass der Hals der Hörers leicht nach hinten neigt, dann sitzt er richtig im Gehörgang.
Der Image X-5 trumpfte mit einem ungemein klaren und prägnanten Sound auf. Ein Schuss Wärme in der Mittellage macht die Wiedergabe von Frauenstimmer sehr angenehm. Bei Männerstimmer wünscht man sich bisweilen etwas mehr Körper in der unteren Mittellage. Ausgezeichnet auch beim X-5 die sehr detaillierte Klangdefinition, die kleinste Nuancen hörbar macht.
Die Höhen wirken präsent aber nicht scharf. Im Vergleich zum X-10 fehlt im Top-end der gewisse High-End Touch, Becken wirken geringfügig weniger ziseliert und Rebecaa Pidgeons Stimme leicht nasaler als beim X-10. Auch der Bassbereich kommt eine Spur weniger mächtig. Die Unterschiede sind zwar gering, aber für Klangpuristen durchaus nachvollziehbar. Der X-5 ist aber auch deutlich preiswerter und insgesamt immer noch einer der besten aktuellen In-Ear Hörer auf dem Markt. Gerade bei elektronischer Musik wirkt er ungemein frisch und dynamisch.
Custom-1

Anders als bei den Image Kopfhörer Serien wird bei der Custom-Serie ein Haltebügel für den Anpressdruck verwendet. Die richtige Bügelform und Silikonpolster zu finden, erwies sich aufwendiger als bei der Image-Serie.
Die Hörer sind nicht unkompliziert in der Handhabung. Liegt der Ohrstöpsel mit dem flexiblen Gel nicht optimal auf dem Gehörgang und schliesst diesen ab, stimmt die Abstimmung nicht und der Klang zerfällt, als hätte der Hörer keinen Bass und praktisch nur Mitten und Höhen. Mit etwas Sorgfalt und vor allem auch der richtigen Formung der flexiblen Haltebügel, so dass ein gewisser Anpressdruck auf dem Ohr entsteht, liess sich dies dann aber beheben.
Mit dem Druck und der Tiefe der Image Ohrhörer kann der preiswerte Custom-1 natürlich nicht konkurrenzieren; er besitzt aber dennoch eine sehr vitale Klangentfaltung. Die Mittellage ist akzentuiert mit einer sehr guten Durchhörbarkeit, die auf die hohe Güte der Treiber schliessen lässt. Mit einer Absenkung des Bereichs von 1 - 5 kHz am Equalizer des Mediaplayers erzwingt man etwas zusätzliche Wärme im Klangbild, ohne dass darunter die Analytik leidet.
Der Custom-1 überzeugte mit Präzision und Sauberkeit bei impulsiver Musik. Bei elektronische Musik lebt er mit seinem prägnanten, vordergründigen Klangbild richtig auf. Auch bei erhöhter Lautstärke sind nahezu keine Verzerrungen wahrnehmbar. Da liegt er Welten über den Hörerbeigaben von Ipod oder anderen portablen Mediaplayern.
Custom-2

Der Custom-2 besitzt im Unterschied zum Custom-1 ein Zweiwegsystem mit baugleichen Treibern, die über eine Weiche für den Mittel-/Hochton und Bassbereich getrennt vorsorgt werden. Der Aufwand ist durchaus hörbar: Rebecca Pidgeons Stimme klingt glockenrein und Schlagzeugbecken kommen sehr fein aufgelöst.
Die Transparenz des Custom-2 ist allgemein herausragend. Nach der sorgfältigen Anpassung an den Gehörgang glänzte er mit einem vitalen und enorm dynamischen Sound. Wo zum Beispiel die mitgelieferten Hörer eines Ipod Touch sehr schnell verzerren, hat der der Custom-2 noch längst Dynamikreserven und brilliert mit einem klaren, präzisen Sound auch bei höheren, ja schon fast ungesunden Lautstärken. Eine Snare kommt impulsiv und mit richtiger Durchsetzungskraft - genau so wie es Musiker schätzen. Der Bassbereich erschien uns hingegen auch beim Zweier der Custom Serie etwa unterbelichtet.
Custom-3

Der Custom 3 ist der aufwendigste Hörer der Custom-Serie und besitzt wie der Custom-2 einen Zweiweg-Lautsprecher mit spezialisierten Treibern für Mittel-/Hochtonton und Bassbereich. Die Custom-3 Ohrhörer werden mit einem hochwertigen Tragebeutel aus Vinyl, in das auch ein 80 GB Ipod passt, sowie wie der Image X-10 mit Flugzeugadapter und Reinigungswerkzeug geliefert.
Das Tophörer der Custom-Serie legte in der Impulsivität nochmals einen Zacken zu. Ein Schlagzeugwirbel kommt extrem akzentuiert und präzise. Das Klangbild ist tendenziell etwas vordergründig, aber auch mit einer schönen, dreidimensionalen Im-Kopf-Lokalisation. So kann man auch hinterlegte Synthesizer-Passagen hervorragend orten.
Die Durchhörbarkeit ist übers ganze Frequenzspektrum ausserordentlich gut. Eine elektronische Bassline rollt mit Druck und Präzision. Gerade in Bezug auf die Dynamikbandbreite rechtfertigte der Custom-3 der erhöhten Aufwand bei den Treibern, während bei der Stimmenwiedergabe der Unterschied zum Custom-2 nur noch geringfügig ausfiel.
Fazit
Die Klipsch in In-Ear Hörer glänzten durchs Band mit einem kristallklaren und prägnanten Klangbild mit hoher Durchhörbarkeit wie man es bei In-Ear Hörern bis anhin kaum kannte. Von den üblichen Beigaben bei Ipod und ähnlichem unterscheiden sie sich massiv. Selbst bei hohen Lautstärken neigen sie nicht zu Verzerrungen. Damit rechtfertigen sie auch ihren relativ hohen Anschaffungspreis.
Das von Klipsch gewählte Vorgehen, durch sogenannte Softgels den Gehörgang ganz abzuschliessen und damit auch Umgebungsgeräusche draussen lassen, hat jedoch auch seine Tücken. Wenn die Silikonohrpolster trotz der Auswahl von fünf Grössen nicht optimal passen wollen, bleibt die Basswiedergabe auf der Strecke. Dies gilt insbesondere für die Custom-Serie. Die Image-Serie zeigt sich da weniger empfindlich. Eine persönliche Empfehlung und Glanzlicht ist der Image X-10.
Preise:
Custom-3 CHF 450.00Custom-2 CHF 350.00
Custom-1 CHF 235.00
Image X10 CHF 549.00
Image X 5 CHF 365.00
Onlinelink:
https://www.avguide.ch/testbericht/in-ear-vom-klassiker-test-klipsch-in-ear-kopfhoerer-custom-und-image