28. März 2017 | seit 1999
MUSIKREZENSION
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Publikationsdatum
5. Januar 2017
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So richtig etwas erwartet haben wir von Gordon Matthew Sumner eigentlich nicht mehr. Der Mann hat als Sting mit seiner Band Police und danach als Solist eine solche Menge an fantastischen Songs und grossartigen Alben hinterlassen, dass man auch nicht wirklich etwas Neues gebraucht hätte. Vor allem, weil dieses Neue in den letzten Jahren und Jahrzehnten eben nur noch wenig mit dem Alten zu tun hatte, mit dem uns der Sänger, Bassist und Gitarrist einst entzückte.

Das bewies unlängst die 11-LP-Edition "The Studio Collection", die schon mal vorsorglich die "klassischen" Gehversuche "If on a Winter’s Night" und "Songs From the Labyrinth" ausliess. Die Versuche von Pop-Meistern, mit den alten Meistern der notierten Kunstmusik mitzuhalten, gehen eben selten gut. Langeweile und Lächeln sind noch die milderen Reaktionen, krachender Kritikerbeschuss von beiden Seiten meist die Regel.

In seinem Metier liess Sting aber auch Federn. Der Jubel um das mit Jazz-Musikern eingespielte, mitreissende Solo-Debüt "The Dream of the Blue Turtles" und den Nachfolger "Nothing Like the Sun", der Respekt um die teilweise noch grossartigen "The Soul Cages" und "Ten Summoner‘s Tales" wichen spätestens seit "Mercury Falling" auch der Kritik an etwas oberflächlichem Eklektizismus. "Brand New Day" geriet aber noch richtig gut, während "Sacred Love", das letzte "richtige" Poprock-Album, teilweise richtig grottig war. Das bis dato jüngste Werk, "The Last Ship" dümpelte 2013 rockbefreit langweilig vor sich hin. Die handwerkliche Perfektion des Songwritings und seiner Umsetzung aber blieb.

Und das versah Sting endlich wieder mit Bodenhaftung. "57th & 9th" rockt zum Teil dermassen ab, dass man sich an Police-Sternstunden erinnert fühlte, wäre die charakteristisch heisere, hohe Stimme nicht älter und tiefer geworden. Gleich zum Auftakt geht es mit "I Can’t Stop Thinking About You" fast schon punkig los, doch im Laufe des Albums zieht auch wieder etwas von der Sting-liken Delikatesse und Raffinesse ein, ohne dass es verkünstelt wirkt. Dass Sting auch noch immer grandios die Singer/Songwriter-Karte ziehen kann, beweist er mit dem stärksten und nachhaltigsten Song des Albums: "Pretty Young Soldier".

Weit über dem Durchschnitt liegt auch "If You Can’t Love Me". Der Rest ist dann recht gut bis durchzogen, mit einem seichten Wir-wollen-niemanden-weh-tun-Song wie "Inshallah" zieht Sting doch ein wenig herunter. Beim Download gibt es das Liedlein sogar in zwei Versionen, dazu als zweite Zugabe mit dem alten Police-Kracher "Next to You" noch einen Live-Titel.

Was man bei den neuen, in New York produzierten Studio-Titeln vermisst: Den Mitspielern wie Gitarrist Dominic Miller, inzwischen längst auch mit starken Alben unter eigenem Namen am Markt, oder Drummer-Irrwisch Vinnie Colaiuta gibt Sting viel zu wenig Raum zur Entfaltung.

Klanglich reicht das nach einer New Yorker Strassenkreuzung benannte Album nicht an die Grosstaten der 1980er heran, der Sound ist wie heute allgemein üblich recht stark komprimiert. Immerhin wird die immer noch beeindruckende Stimme des 65-Jährigen vor allem im HighRes-Download sehr schön nuanciert abgebildet.

Ein gutes, jedoch kein überragendes Album. Aber besser, als man erwarten durfte.

STECKBRIEF
Interpret:
Sting
Albumtitel:
57th & 9th
Herkunft:
New York
Label:
Interscope / Universal
Erscheinungsdatum:
11.11. 2016
Spieldauer:
37:06
Bestellnummer:
6025 57174502
Tonformat:
24 Bit / 96 kHz
Medium:
Download, auch erhältlich als CD, CD DeLuxe, Super DeLuxe mit CD, DVD, SHM-CD (Japan Import) ,und als Vinyl-LP (180 g)
Musikwertung:
8
Klangwertung:
8
Download:
Wettbewerb