21. Oktober 2017 | seit 1999
MAGAZIN
Seite 1 / 3
ARTIKEL
Publikationsdatum
8. Februar 2015
Themen
Drucken
Teilen mit Twitter

Der Test der Revox-Anlage bestehend aus dem Joy CD-Spieler S119 MKII und den Scala 120 Standlautsprechern in avguide.ch (siehe Audiophile Eleganz) war Anlass für ein Interview mit Wolfgang Kelpin, Entwicklungsleiter bei Revox, und David Brouwer, Leiter Produkte Verkauf, zu ihren Tätigkeiten bei Revox und den Anforderungen an Entwicklung und Verkauf hochwertiger Audioprodukte. Das Gespräch führte Hans Jürg Baum.

avguide.ch: Was ist heute im Verkauf wichtiger: Der Klang oder das Design?

Kelpin: Dass ein Revox-Produkt hervorragend klingt, erwartet man zurecht von der Marke. In den letzten Jahren ist das Design zu einem ganz wesentlichen Bestandteil unserer Überlegungen geworden, und wir arbeiten intensiv daran, Produkte zu entwickeln, welche sich angenehm und wertig in den Wohnraum integrieren lassen. Will heissen, ein Produkt, welches nur gut klingt, hat keine Verkaufs-Chancen.

avguide.ch: Bestimmt heute die Frau des Hauses, welche Box schlussendlich gekauft wird?

Kelpin: Ganz klar ja.

avguide.ch: Wie kommt das Design der Scala 120 bei der holden Weiblichkeit an?

Kelpin: Das fragen wir immer ab – beginnend bei den Damen in unserem Betrieb.

avguide.ch: Wer ist für das Design der Scala 120 verantwortlich und wie entstand diese extravagante Form?

Kelpin: Die Form erfand Manfred Meinzer, mit dem Revox seit vielen Jahrzehnten zusammenarbeitet. Neben den 3D-Entwürfen waren auch mehrere 1:1 Mock-Ups notwendig, um auch die Wirkung im heimischen Umfeld beurteilen zu können.

avguide.ch: Ist das Gehäuse nicht etwas teurer in der Herstellung, und wer macht das?

Kelpin: Ja, sicher – es ist mit Abstand das teuerste Bauteil in der Stückliste.
Es wird in Deutschland von zwei Spezial-Firmen produziert. Die eine fertigt die gebogenen Mehrschicht-Seitenteile und die Rückwand mittels einer 5-Achs Fräsmaschine an. Die Andere baut alles in einer Klebe-Vorrichtung zusammen, bringt die Verstrebungen an, überfräst das ganze Gehäuse, spachtelt, schleift, grundiert und lackiert. Dazu braucht man eben auch Spezialisten. Auf unserer Homepage kann man sich einen Eindruck von dieser höchstaufwändigen Fertigung machen.

avguide.ch: Mussten Sie aufgrund des extraordinären Designs der Scala 120 Kompromisse bezüglich ihrer Konstruktions-Vorstellungen eingehen, und weshalb wandten Sie hier nicht die geniale D'Appolito Lautsprecher-Anordnung an?

Kelpin: Kurz formuliert: D'Appolito-Anordnung im Mittel-Hochtonbereich funktioniert aus akustischen Symmetrie-Gründen nur auf Ohrenhöhe wirklich gut. Vertikal funktioniert es bestens, aber das horizontale Abstrahlverhalten zeigt Auslöschungen bei der Trennfrequenz. Um ein optimales Abstrahlverhalten auf der sich nach unten verjüngenden Schallwand zu erreichen, musste das Hochton-System etwas nach unten wandern.

avguide.ch: Wie haben sie - auch ohne D'Appolito-Anordnung - eine derart exzellente räumliche Wiedergabe erzielen können?

Kelpin: Durch sorgfältige Auslegung der Frequenzweiche unter Berücksichtigung der Chassis-Laufzeiten konnte ein exzellentes Abstrahlverhalten erreicht werden. Das speziell ausgelegte 2,5-Wege-System in Verbindung mit eng aneinander liegenden Schallzentren zeigt hier seine besonderen Vorzüge.

avguide.ch: Wie sähe ihre ideale Box aus, und wie wäre sie bestückt, wenn sie punkto Design keine Vorgaben hätten?

Kelpin: Sie wäre sicher etwas grösser unter Verwendung von Chassis mit mehr Verschiebe-Volumen. Das ist wie bei einem Auto: Hubraum ist durch (fast) nichts zu ersetzen.

Übersicht zu diesem Artikel
Seite 1:
Seite 2:
Seite 3:
Wettbewerb