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Publikationsdatum
20. Oktober 2003
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Der Heimkinofreak schwört auf den Videoprojektor, denn nur dieser vermag beim heimischen Filmvergnügen ein kinowürdiges Bild wiederzugeben. Doch der Beamer ist nicht mehr die Domäne des Spezialisten. Die aktuellen Modelle sind einfach in Installation und Bedienung, technisch gut bis sehr gut und zum Preis eines Mittelklasse-Fernsehers zu haben.

Der Film ab DVD im abgedunkelten Raum mittels Projektor gross auf die Wand projiziert bekommt eine andere Dimension: er wirkt packender, mitreissender, emotionaler. Hier lohnt sich der Einsatz von DVD und Surround-Sound doppelt. Kein Wunder, versuchen die Hersteller den Projektor volkstauglich zu machen.

Flüssigkristalle und Mikrospiegel

Den PT-L735 von Panasonic gibt es auch mit einem Leser für die SD Memory Card für Präsentationen ab dem digitalen Fotoapparat.
Den PT-L735 von Panasonic gibt es auch mit einem Leser für die SD Memory Card für Präsentationen ab dem digitalen Fotoapparat.
Im Rennen um die Gunst des Publikums sind zwei Projektionstechniken: LCD und DLP. Beide bauen das Bild aus einzelnen Bildpunkten auf. Die Anzahl der Pixel bestimmt damit das Auflösungsvermögen.

Der LCD-Projektor hat als Bildpunkte Flüssigkristalle, die für Licht durchlässig oder undurchlässig geschaltet werden. Farbfilter auf dem LCD-Panel teilen das weisse Licht in die Farben Rot, Grün und Blau.

Die DLP-Technik (Digital Light Processing) verwendet Mikrospiegel, um das Licht der Projektionslampe auf die Optik zu lenken. Ein drehendes Farbrad erzeugt die Farben.

Die günstigen Modelle der LCD- und DLP-Projektoren haben meist bereits eine Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten, was für die volle Auflösung von Fernsehbildern im 4:3-Format reicht.

Fürs Heimkino ab DVD ist aber meist das Breitbild im Seitenverhältnis 16:9 gefragt. Um dieses mit einem 4:3-Panel darzustellen, werden oben und unten schwarze Balken eingefügt. Damit geht Auflösung verloren. Beim 800 x 600-Panel sind es immerhin 150 Zeilen, die nicht für die Bilddarstellung verwendet werden.

Breitbild für die DVD

Der PLV-Z2 von Sanyo löst das 16:9-Bild mit 1280 x 720 Bildpunkten auf. Er eignet sich für die Wiedergabe von HDTV.
Der PLV-Z2 von Sanyo löst das 16:9-Bild mit 1280 x 720 Bildpunkten auf. Er eignet sich für die Wiedergabe von HDTV.
Die gesamte PAL-Auflösung bringen Projektoren mit 1024 x 768 Bildpunkten (XGA). Diese 4:3-Panel haben genügend Reserve, um auch das 16:9-Breitbild der DVD vollumfänglich darzustellen.

Günstiger und dennoch annähernd das volle PAL-Breitbild darstellend sind 16:9-Panel mit 960 x 540 Pixeln, wie sie in Projektoren in der 4000 Franken-Klasse zu finden sind. Noch höher auflösende Panel stecken in den luxuriöseren Projektoren, die um und über 10’000 Franken kosten.

Die Lichtleistung, ausgedrückt in ANSI-Lumen, bestimmt die Bildhelligkeit. Rekordwerte spielen im Heimkino jedoch keine Rolle. Da der Raum für den perfekten Filmgenuss abgedunkelt wird, reichen 700 bis 800 ANSI-Lumen. Lichtwerte über 1000 ANSI-Lumen sind bei Präsentationen bei Tageslicht nötig.

Das Abdunkeln verhindert, dass Streulicht auf die Leinwand fällt und so den Kontrast reduziert. Ein durch Streulicht aufgehelltes Bild kann Schwarz nicht mehr darstellen.

Komponentensignale und progressive Bilddarstellung

Gehobene Ansprüche befriedigt der Grand Cinema HT300 von Sim2. Ein Glasfaserkabel verbindet die Anschlussbox mit dem Projektor.
Gehobene Ansprüche befriedigt der Grand Cinema HT300 von Sim2. Ein Glasfaserkabel verbindet die Anschlussbox mit dem Projektor.
Die Anschlüsse des Projektors bestimmen die Bildübertragung und damit auch, ob das Optimum aus den vorhandenen Quellen herausgeholt wird. S-Video-Signale ergeben gute Bilder.

Die beste Variante jedoch überträgt die Signale in ihren Komponenten (RGB oder YUV). Echte Heimkinoprojektoren haben dafür drei Cinch-Anschlüsse oder einen Scart-Stecker. Bei Projektoren für Präsentationen nimmt meist ein VGA-Anschluss die Komponentensignale auf. Hier – und manchmal auch beim Scart-Anschluss – sind Adapter notwendig, um die Verbindung zum DVD-Spieler herstellen zu können.

Der Anschluss des Komponentensignals über drei Cinch-Buchsen kann auch die progressive Bilddarstellung übertragen. Als PAL-progressive ist sie die aktuelle Neuerung im Heimkino, die eine sichtbare Annäherung an das Filmbild bringt. Dabei werden die Bilder Zeile für Zeile als Vollbilder dargestellt und nicht mehr in zwei Halbbildern. So wird das Zeilenflimmern eliminiert, das Bild damit deutlich ruhiger und fliessender in den Bewegungen.

Installation und Feineinstellungen

Der Bogart Matchline von Philips mit DLP-Technologie wiegt 1,6 kg. Er projiziert Bilder bis 2,5 m bei drei Meter Entfernung.
Der Bogart Matchline von Philips mit DLP-Technologie wiegt 1,6 kg. Er projiziert Bilder bis 2,5 m bei drei Meter Entfernung.
Eine weisse Wand und ein Tischchen reichen, um das Grossbild fürs Heimkino zu realisieren. Mit etwas Zusatzaufwand kann das gesamte Potenzial der modernen Geräte ausgeschöpft werden.

Wo soll der Projektor platziert werden?. Vorteilhaft, weil die Bewegungsfreiheit nicht beeinträchtigend, ist eine Deckenmontage. Steht der Beamer auf einem Tischchen, dann bringt eine Platzierung neben oder hinter den Zuschauerplätzen den Vorteil, dass kein Licht aus den Lüfterschlitzen die Projektion stört.

Die unverzerrte Bildwiedergabe wird mit dem – nicht immer vorhandenen – Lens-Shift und mit der Trapezkorrektur eingestellt, wobei die manuelle Verschiebung der Linse die Auflösung beibehält, während die digitale Trapezkorrektur die unverzerrte Darstellung rechnerisch ermittelt.

Das Menu für Bildeinstellungen erlaubt eine feine Abstimmung von Kontrast, Helligkeit und Farbwerten. Eine Leinwand erhöht den Kontrast zusätzlich und produziert sattere Farben.

Ein Zoomobjetkiv erlaubt die Anpassung der Bildgrösse, ohne die Distanz zur Leinwand verändern zu müssen. Bei einem Betrachtungsabstand, der etwa das Doppelte der Bilddiagonalen beträgt, verschwindet die Zeilen- und Pixelstruktur des Bildes. Bei Projektoren mit hoher Auflösung kann der Betrachtungsabstand auch geringer sein.

Preiswerter Einstieg in die Heimkinowelt

Der PJ-TX10 von Hitachi bietet mit 16:9-LCD-Panel, manuelles Lens-Shift und Zoom einen preisgünstigen Einstieg ins Heimkino.
Der PJ-TX10 von Hitachi bietet mit 16:9-LCD-Panel, manuelles Lens-Shift und Zoom einen preisgünstigen Einstieg ins Heimkino.
hoch, kann sie bei leisen Passagen den Filmgenuss stören. Eine Fernbedienung mit beleuchteten Tasten macht eine sichere Bedienung im abgedunkelten Raum möglich. Der oft recht hohe Preis der Ersatzlampe, die nach 2000 – 3000 Stunden fällig wird, ist in die Kalkulation mit einzubeziehen.

Bereits ab gut 2000 Franken gibt es heute Projektoren, die ein Heimkino taugliches Bild in die Stube liefern. Im Preissegment um 4000 Franken ist die Auswahl bereits beträchtlich. Hier, und selbstverständlich auch in höheren Preiskategorien, sind Projektoren mit zusätzlichen Features im Angebot, wie etwa dem integrierten Kartenleser, der die digitalen Fotos direkt als Diashow wiedergibt.

Was die Projektoren nicht beinhalten sind Fernsehempfänger. Mit Ausnahme von einigen speziellen Sendungen wird wohl auch kaum über den Projektor fern gesehen, da die nötige Abdunkelung ungewohnt ist.